Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 7 (Julio, 1953)
- Date
- 1953-07-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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•Julio, 1953 7 BOLETIN INFORMATIVO k i DE MORTUIS Jeder Spionageakt enthaelt¡ das aus ethischen Gruenden zu verwerfende Element des Vertrauensbruchs. Den Zu. gang zu ihren militaerischen und wissenschaftlichen Geheimnissen erteilt eine Nation nur denen, die sie eines gewissen Vertrauens fuer wuerdig befindet —eine vorsichtige Einstellung, die in einer an der Idee des Nationalstaates festhaltenden Welt ihre elementare Berechtigung hat. Dieses Vertrauen nun aber zu taeuschen. wohlbe. huetete Geheimnisse, von denen man also als Vertraute Kenntnis erhalten konnte, aus irgendwelchen Gruenden an jemand anders weiter zu geben, ist eine Tat, die unter keinen Umstaenden zu rechtfertigen ist. Wenn das Ehepaar Rosenberg eine Pflicht der Danbarkeit gegen Russland, das entscheidenden Anteil an der Niederringung der Nazi.Barbarei hat, empfand, so haetten die Beiden ein weitaus staerkeres Gefuehl der Pflicht und Dankbarkeit gegenueber ihrem Heimatland, den Vereinigten Staaten von Amerika, verspueren muessen: dieses Land, in dem sie lebten und dessen freie- Luft sie atmeten, hatte keinen kleineren Beitrag zum antifaschistischen Sieg geleistet. Die liberalen Qualitaeten der USA. zeigten sich noch einmal in der langen Prozessfuehrung gegen die Rosenbergs selbst; die Moeglichkeit von Berufungen und Aufschub haben sich vorteilhaft von der in den pseudokommunistischen Polizeistaaten ueblichen ueberstuerzten Eile in Aburteilen und Hinrichten abgehoben Auch die Tatsache, dass es ein juedischer Richter war, der den Rosenbergs das strenge Urteil zuerkannte. laesst sich nur mit dem ehrlichen Bestreben der Amerikaner erklaeren, dass sie jede antisemitische Note —wie sie so gern von den Anklaegern im Prager Prozess angestimmt wurde— von vornherein unmoeglich nachen wollten. Diese Tatsachen anzuerkennen und abzuwaegen, heisst jedoch noch nicht, die Strenge des Urteils und seine Ausführung zu billigen. Von grossen unabhaengigen Maen. nern Europas sind Meinungen publik geworden, dass die Geheimnisse, die von den Rosenbergs etwa an die Russen weitergegeben werden konnten, jeder ueberragenden Wichtigkeit entbehrten; dass fuehrende Atomforscher der Spionage ueberfuehrt, mit leichteren Strafen davonkamen. ja sich heute bereits auf freiem Fuss befaenden; dass schliesslich das verurteilte Ehepaar diese Taetigkeit waehrend des Krieges betrieben habe, in einem Zeitpunkt also, wo die Sowjetunion Verbuendete der USA gewesen sei, Aber sogar ein bereits gefaelltes Todesurteil wird in der Regel —ausser wo es sich gegen pathologische Moerder richtet— vom Staatsoberhaupt gemildert. Wiesofand Praesident Eisenhower nicht die Entschlusskraft zu •einem erloesenden Wort? Wieso brachten sich die Vereinigten Staaten in der psychologischen Schlacht um ihre Geltung als Hauptvertreter einer humanitaeren Welt diese kaum zu ueberwindende Niederlage selbst bei? Die Antwort ist diesmal ohne Umschweife bei den zwei extremem Richtungen zu suchen, die die Menschheit heute zwischen ihre Zange nehmen: die heuchlerische Verzerrung der nationalen Idee, der Faschismus, einerseits, die heuchlerische Verfaelschung der sozialen Idee, Kommunismus, andrerseits. Die hysterischen Dunkelmaenner, die in Nordamerika jede liberale Meinungs aeusserung jede humane Geste als Kommunismus verschreien, erschwerten dem Praesidenten den Begnadigungsakt. Die Kommunisten gar setzten alles daran, eine Begnadigung gaenzlich unmoeglich zu machen. Hatte ihnen wahrhaft an der Rettung zweier Menschenleben gelegen, so waeren sie im Hintergrund geblieben. Ihre lauten Interventionsversuche —mit dem provokatorischen polnischen Asylanerbieten in letzter Minute als Kulminationspunkt! — mussten die Schuld der Angeklagten groesser und sicher erscheinen lassen und deuteten an, das jedes Abaendern des Urteils “als Erfolg des Druckes der Massen”, propagandistich ausgewertet werden wuerde. Bei dem tragischen Schicksal der Rosenbergs fuehlen wir uns gleichermas. sen angewidert vom Frohlocken der Faschisten wie von den Krokodilstraenen der Kommunisten. Wir bedauern die zwei Menschen, die in ihrem Ende Opfer der Wirren unserer Zeit wurden. Der oft widersinnig erscheinende Lauf der Weltgeschichte hat das juedische Volk bereits dreimal um seinen selbststaendigen Bestand gegen Maenner und Maechte zu kaempfen gezwungen, die nach sonstigem Zeugnis der Weltgeschichte keineswegs Verkoerperungen eines machthungrigen Unterdrueckungswillen waren: Nebu. kadnezar, der erste Zerstoerer der Unabhaengigkeit Judas, ist nach den aufgefundenen Denkstein-Inschriften ein grossmuetiger Herrscher gewesen, der sich seiner Friedenswerke, nicht aber seiner erfolgreichen Kriege zu ruehmen pflegte; der Roemer Titus, der unsere wiedergewonnene Selbststaendigkeit vernichtete, war ein stets um friedliche Loesungen bemuehter Mensch, den blinde Fanatiker auf beiden Seiten daran hinderten, auch im Judaea-Feldzug, seine guten Absichten unter Beweis zu stellen; England schliesslich, gegen dessen versteckte oder gar offene Feindseligkeit die nationalen Bestrebungen der Juden sich in unseren Tagen durchsetzen musste, ist ln ei. ner Zeit des hysterischen Totalitarismus oder der totalen Hysterie geradezu zum Symbol der abgeklaerten politischen Weisheit geworden. Ob wir das harte Urteil ue. ber Nebukadnezar und Titus, das sich in unserem alten Schrifttum findet, einer Nach, pruefung unterziehen, ist ver. haeltnismaessig unwesentlich; dass wir jedoch unsere Streitaxt gegen England so schnell und gruendlich begraben konnten, dass von beiden Seiten schon jetzt eine gerechtere Beurteilung des Partners moeglich wurde, ist eine erfreuliche Tatsache. (Tragischerweise schein t jetzt Englands Nachfolger im Mittleren Osten, dessen verstaerkten Einfluss d i e Kurzsichtigen unter den jue. dischen Politikern herbeigesehnt hatten, seinerseits verhext vom arabischen Petroleum. die zionistische Position als Stachel in der Sammetpfote seines politischen Kalkuels zu empfinden!) Wir waren somit wohlwollende Zaungaeste bei dem maerchenhaften Schauspiel der Kroenung Elisabeths II, zur Koenigin Englands. Unsere angeborene republikanische Nuechternheit. deren Argumente gegen Monarchen und ihren Pomp noch vor wenigen Jahrzehnten so stichhaltig erschienen, hat aufrichtigerweise wenig gegen die englische Koenigstradition einzuwenden, wenn sie die dadurch erreichte Stabilitaet des englischen oeffentlichen Lebens mit dem ueberhitzten Fanatismus vergleicht, der andere Laender und Voelker fieberhalft ergriffen hat. Was uns aber an der Kroenungszeremonie zutiefst beruehrt hat, war der unmittelbar an biblischen Wortlaut anknuepfende Text, der eine noch aus Cromwells Tagen stammende Bibelnaehe des englischen Volkes erneut in Erinnerung brachte. Wie einst der Hohepriester Zaddock den jungen Salomon zum Koenig kroente, so kroene er —rezitierte der Anglikanische Erzbischof — Elisabeth: zur Herrscherin ueber Britanien Die junge Monarchin hat aus eigenem Impuls das Protektorat des um eine Annaeherung der Konfessionen bemuehten “Council of Christians and Jews” uebernommen. Moege es ihr persoen- Die lang umkaempfte Einheitsschule in Israel soll jetzt zur Tatsache werden. Es wird keine getrennten Lehranstalten der Arbeiterschaft, keine der religioesen Bewegung und keine der verschiedenen zwischen den Extremen variierenden Abarten mehr geben; sie alle sollen in die zur Durchfuehrung eines E i nheitsprogramms verpflichteten Staatsschulen umgeformt werden. Wenn es in der Vergangenheit die Zersplitterung in die “Sramim”, die Erziehungsstroemungen. geben konnte, so sprachen dafuer gute Gruende. Nicht in jedem Zeitpunkt ist Vereinheitlichung, die jeder brave Buer, ger anzustreben geneigt ist. ein segenbringender Fortschritt. Bei dem Prozess zionistischer Verwirklichung und der voelligen Umwertung aller Werte, die er mit sich brachte, konnte es nicht ausbleiben, das die verschiedenen ideologischen Interpretationen ihr Echo und Fortsetzung in der Erziehung der jungen Generation fanden. Den Anhaengern des Misrachi und der Aguda, den Ortodoxen, schien ein ausgedehntes Mischna- und Gemarastudium im Lehrplan unentbehrlich; die Arbeiter in den Staedten, Doerfern und Kibbuzim wiederum verstanden recht gut dass man eine geduldige Erziehungsarbeit brauche, um die heranwachsende Jugend von dem Ideal der eigenen Arbeit, mit dem das Land aufgebaut werden sollte, lieh wie der Nation, die sie repraesentiert beschieden sein, mit Erfolg die Aufgabe des aussoehnenden Vermittlers zu erfuellen. zu begeistern. Die Arbeiterschulen, die zum grossen Teil aus eigenen Mitteln erbaut und erhalten wurden, verfolgten dieses Ziel mit groess. tem Erfolg; wenn die zweite Generation Israels nicht in die Kraemerberufe zurueckkehrte. aus denen ihre Vaeter revolutionierend ausge. brachen waren, so ist und bleibt dies ihr Verdienst. Jedoch, die Zeiten haben sich geaendert; eine der ideologischen Erziehung innewohnende Dialektik hat es mit sich gebracht, dass sich das Erziehungsziel kaum merklich anfangs verschob, bis es weniger einen weltanschaulichen als einen parteipolitischen Charakter annahm. Als die Einheit der Arbeiterschaft zusammen zu stuerzen begann, musste sie die eigenen Schulen frueher oder spaeter unter ihren Truemmern begraben, Inzwischen entstand die junge Staatsautoritaet Israels. Hoffentlich erreicht sie mit der von ihr verordneten Einigung auch die innere Einigkeit. BEN ARABISIERUNG DES MAKI Ein eigentuemlicher Prozess geht in der kleinen und immer wieder dezimierten Kommunistischen Partei Israels (MAKI) vor sich. Die auch bisher im Verhaeltnis zur Parteigroesse nicht unbedeutende arabische Fraktion in der MAKI glaubt den laengst ersehnten Zeitpunkt gekommen zu sehen, die Zuegel der Partei den juedischen Haenden zu nehmen, um einen groesseren Einfluss als bisher bei der Leitung der Parteigechaefte ausueben zu koennen. Die Position des Generalsekretaers der MAKI, Schmuei Mikunis, ist laengst nicht mehr so unerschütterlich, da er versehentlich „nicht genug schnell” und .nicht genug scharf” den Zionismus und den Staat veerdammte. Auch der Parteifuehrer Nummer Zwei Meir Willner, waere ein sicherer Kandidat fuer den Galgen, haette er nicht das unverdiente Glueck in ziemlicher Entfernung vom Moskauer Machtbereich zu leben. Emil Habibi, einer der arabischen Fuehrer in der Kommunistischen Partei, glaubt, Mikunis und Willner waeren als Juden zu einer ausreichenden „Objektivitaet” in der Beurteilung der antizionistischen und antiisraelischen Politik des Kreml nicht imstande. Die Position des juedischen Fluegels der Partei wurde durch den Beschluss des Gewerkschaftsbundes, Histadrut die Kommunisten aus ihren Reihen auszuschliessen, weiter sehr geschwaecht. Deshalb glaubt Habibi nicht zu unrecht eine Haelfte der Sitze im Zentralcomite, in dem die Araber biher ein Drittel besassen, fordern zu duerfen. Habibi gehoert heute neben Emil Thuma zu der arabischen Fuehrergarnitur. Thuma, der Redakteur der kommunistischarabischen Zeitung ,,I1 Ittihad”, war eine Zeit lang aus dieser verdraengt, weil er die Moskauer Unterstuetzung der Teilung Palaestinas und die Errichtung des juedischen Staates missbilligte. Heute ist diese Kreml-Politik laengst ueberholt und Thuma kehrte wieder in den Fuehrerstab zurueck. . Es kann den Arabern nicht uebelgenommen werden, dass sie die Zeit fuer eine Arabisierung der MAKI fuer reif halten. Tatsaechlich hat der Prager Prozess und der unverhuellte Kreml-Antisemitismus viele Juden aus den Reihen der Partei vertrieben und die Araber werden zu Kader- Mitgliedern, zur alleinigen Stuetze der Zwergpartei. i Wuerde man jedoch anneh- I men, die arabischen Massen j von Akko oder Nazareth haet-! ten eine Ahnung vom dialektischen Materialismus und waeren aus revolutionaerer Ueberzeugung der MAKI beigetreten, befaende man sich im Irrtum. Die MAKI bietet ihren arabischen Mitgliedern die bequemste Moeglichkeit ihrer Feindschaft zu Israel Ausdruck zu verleihen. Unter der Maske des Kommunismus koennen sie die Staatsfuehrer verleumden, den Staat beschimpfen und den Zionismus, diese „imperialistische Macht” verdammen. Die arabischen Kommunistenfuehrer brachten den “Mut” auf, die durch den allgemeinen Kominform-Alarm eingeschuechterten j uedischen MAKI-Fuehrer in die Defensive zu draengen und den Weg zur Arabisierung der Partei zu beschreiten. 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