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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-05-01 · 5 (Mayo, 1953) · p. Seite 10

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
5 (Mayo, 1953)
Date
1953-05-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 BOLETIN INFORMATI Profil des Fuenf jaehrigen Benno Weiser Das Profil des f uenf jaehrigen Israel ist das eines Kindes mit schwerer Kindheit. Die Krankheiten, die im Register stehen, hat es gehabt: Masern, Keuchhusten, Diphtérie, Erkaeltungen, Katarrhe, Fieber und Ausschlaege. Das rosige Baby, mit dessen Ankunft wir uns alle so gefreut haben, ist zu einem etwas mageren und ein bisschen anaemischen Knaebchen herangewachsen. Die Ueberreife, die Eltern und Grosseltern soviel" Spass bereitete, hat einem dem Alter mehr angemessenen Zustand Platz gemacht. Jetzt birst keiner mehr in Lachen, wie zur Zeit, als es genuegte, dass das Kleine “Buh!” sagte, um als Humorist zu gelten. Der Kindergarten ist fast zu Ende. Ein Jahr noch und es wird in die Schule eintreten. Dies ist eine recht ungemuetliche Altersstufe. Das Kind wuchs viel und schnell, aber fast ausschliesslich in die Laenge Einige Milchzaehne sind ausgefallen. Sie werden ersetzt werden, aber zunaechst ist ihre Abwesenheit sehr merkbar, was es zum Essen bekommt, schmeckt ihm nicht. Es zerreist seine Anzuege (von welchen ein guter Teil von alteren Bruedern stammt), mit der selben Geschwindigkeit, mit welcher es laeuft, klettert und faellt. Seine Kniee, Gesicht und Haende sind voller Abschuerfungen, die von neuen abgeloest werden, noch ehe sie Zeit haben, abzuheilen und zu verschwinden. Es ist nicht gerade verzaertelt. Schliesslich kam es auch nicht in einem Residenzviertel unseres Globus auf die Welt. Es wurde im Nahen Osten geboren. Auch fiel die Geburt nicht gerade in den geeignetsten Moment. Die Familie, diese Familie der Menschen, zu der es gehoert, hat jeden Augenblick einen anderen Zank, einen neuen Streit, neue Schreiereien und neue Skandale. Und jeder Psychoanalytiker wird bestaetigen, dass dies nicht geradezu eine glueckliche Kindheit foerdert... Das fuenfte Jahr war besonders schwer. In einigen Hinsichten brachte es Fortschritte in anderen Rueckfaelle, in vielen Stagnation. Der grosse Einwandererstrom versickerte in ein bescheidenes Baechlein. Zum ersten Mal ueberholte der natürliche Zuwachs den durch Einwanderung. Nahrungsmittel wurden zahlreicher und die landwirtschaftliche Produktion stieg. Neues Land spuerte zum ersten Mal die Pflugschar, wenn auch eine unbarmherzige Duerre im Negev es verhinderte, dass das Land diesen Gewinn noch ln diesem Jahre spuerte. In einem circulus vitiosus (der vielleicht auch beneficus) wurde der Ueberfluss von Geld, mit dem man nichts kaufen konnte, durch eine Warenueppigkeit. die kaum jemand erstehen konnte, abgeloest Industrien, die in einem konkurrenzlosen Markt gearbeitet hatten, mussten sich ploezlich an gerechtere Preise und effektivere Produktionsmethoden anpassen. Dieser Prozess, sowie die Einschraenkungen der Kredite und der Banknoten im Umlauf, welche Folgen der Deflationspolitik der Regierung war.n, brachte eine Reihe von Fabriken zum Stillstand und schuf Arbeitslosigkeit. Eine ganze Menge von Kontrollen, die den palaestinensischen Alltag so schwer gemacht hatten, wurde abgeschafft, zur grossen Erleichterung aller, mit Ausnahme der Hunderte der F*unktionaere, die infolgedessen ihre Stellungen verloren. Weitere Tausende wurden entlassen, als die Regierung daran ging, ihr administratives Budget zu beschneiden und den unnoetigerweise korpulenten Regierungsapparat auf Diaet zu setzen. Wie es scheint, will der Knabe nicht mehr Feuerwehrmann sein. Er ist im Reifen, obwohl dieser Begriff in diesem Alter noch reichlich relativ ist. Die lebendigen Kraefte des Landes waren zum Grossteil sozialistisch, als der Staat gegründet wurde. Sie hatten, unter dem britischen Mandat das Grundwerte, ohne das der Judenstaat sich nie haette ergeben koennen, gelegt. Es war vielleicht verstaendlich, dass, nachdem sie die zionistische Utopie verwirklicht hatten, sie verlockt waren, auch die sozialistische Utopie verwirklichen zu wollen. Aber Wirtschaftssysteme und —Gedankengaenge, die im Treibhaus des Mandates bluehen konnten, waren fuer die freie Luft des Staates unanwendbar. Es hiess ein Land mit sehr geringen Naturschaetzen, in welches noch dazu Hunderttausende von hellerlosen— und auch zum Grossteil ungeschulten — Einwanderern in praezedenzlosen Mengen kamen, aufzubauen. Sozialismus mag wirksam sein, um effektive oder potenzielle Reichtuemer gerechter aufzuteilen. Aber er ist kaum die Methode um Reichtuemer zu schaffen. Und obwohl der junge Staat theoretisch dem fremden Kapital Erleichterungen geben wollte, musste er psychologisch in diesem Bestreben scheitern. In seinem fuenften Jahr hat Israel endlich seinen Weg nach einem oekonomischen Realismus angebahnt. Nicht gerade auf Grund des Einschlusses der Allgemeinen Zionisten in die Regierung: dieser war vielmehr bereits eine Folgeerscheinung der wirtschaftlichen Schwenkung. Nach vielen kritischen Momenten der israelischen Oekonomie, war ihre Krise bei Beendigung seines fuenften Lebensjahres vielleicht die schaerfste, aber eine von jenen, die, falls man sie ueberlebt, die Genesung ankuendigen. Denn in seinem fuenften Jahr ging Israel einen weiten Schritt vom Kuenstlichen zur Normalitaet, wie hart auch letztere sein mochte. Die Deflationspolitik hatte noch nicht ihr Hauptobjekt, welches die Herabsetzung des gigantischen Passivums der Handelsbilanz ist, erreicht. Ebensowenig vermochte sie die industrielle Produktion zu steigern, im Gegenteil, diese ging zunaechst mal hinab. Sie hatte auch nicht den Kaufwert der Valuta gehoben. Doch das Pfund begann seltener zu werden. Nun hiess es arbeiten, und wirksamer arbeiten, um es zu verdienen. Nun zahlte es sich aus, sich anzustrengen, denn mit dem verdienten Geld gab es Dinge m kaufen, die bis vor kurzem nicht existierten oder bloss auf dem Schwarzen Markt zu erstehen waren. Dies war natuerlich ein geringer Trost fuer die Tausende, die ihre Posten verloren. Aber vom Standpunkt der National-Oekonomie war viel Leerlauf, sowohl in der Industrie, als auch in der Buerokratie, ausgeschaltet worden. Israel hatte daran gelitten, den hoechsten Quotienten von Beamten ln der ganzen Welt zu haben. Deren Ueberschuss, sowie jene Arbeiter, die in unproduktiven und unwichtigen Fabriken arbeiteten, wurden unter der neuen Politik in die Landwirtschaft gepresst, die nach wie vor des Landes beste Chance war und wo es an willigen Haenden mangelte. Die Erkenntnis schien aufzudaemmern, dass es leichter waere, die Importationen durcheine Vestaerkung der Landwirtschaft herabzusetzen, als die Exportationen durch Industrialisation zu erhoehen. Propagandistische Schlagworte der Vergangen- , heit, wie das von der “Schweiz , des Nahen Osten”, wurden | gewogen und fuer die naech- | ste Zukunft als zu leicht gefunden. Man verstand nun, das die einzige Paralelle zwischen den beiden Laendern —der relative Mangel an Bodenschaetzen— nicht genuegte, um die Wiederholung des Schweizer Wunders zu garantieren. Israel hatte einstweilen weder das Glueck von wohlwollenden Nachbarn umgeben zu sein, noch Handwerker mit Generationen von Tradition und Spezialisierung. Das magische wort “Industrialisierung” und die Verehrung, in welcher jedes Stueck Eisen gehalten wurde, welches von einem Motor und einem Transmissionsreifen bewegt wurde, wich der kalten Erkenntnis, dass das Land bloss Fabriken brauchen konnte die entweder die Notwendigkeit des Imports herab— oder den Export (u. zw. einen solchen mit wirklichem Gewinn fuer den Staat) heraufsetzen konnten. Das fuenfte Jahr brachte auch das Abkommen ueber deutsche Reparationen, welches in Luxemburg unterzeichnet und letzthin vom deutschen Parlament ratifiziert wurde Auch dieses Abkommen war ein Sieg des gesunden Menschenverstandes ueber wirres Denken. Es war auch, auf der juedischen Seite, ein Sieg des staatsmaennischen Denkens und des Patriotismus ueber politischen Opportunismus und deklamatorischen Nationalismus. Das Abkommen beglich nicht die Rechnung des 'juedischen Volkes, eine Rechnung, die niemals beglichen werden kann. Aber es waere unsinnig und krankhaft, vor allem darauf bedacht zu sein, dass diesem Hass kein Haerchen gekruemmt werde und nicht zumindest eine gewisse Genugtuung zu empfinden, wenn ln dieser amoralischen Welt und in diesem amoralischen Moment, in dem sie sich befindet ein deutscher Kanzler und die Mehrheit seiner Parlamentarier den Versuch machten, wie unzulaenglich er auch sein mochte, etwas von jenem Verbrechen, das fuer immer auf dem Namen Deutschlands lasten wird gutzumachen. Es genuegte, sich umzusehen und auf jene zu blicken die einen Zusammenbruch der Verhandlungen bejubelt haetten, die (Schluss auf Seite 19)

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