Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 5 (Mayo, 1953)
- Date
- 1953-05-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mayo, 1953 BOLETIN INFORMATIVO 9 DAS HELDENKAPITEL JERUSALEM M. Y. Ben-Gavriel Wer einmal die Geschichte des Befreiungskrieges schreibt, wird ein besonderes Kapitel der Stadt Jerusalem und ihren Bewohnern widmen muessen. Denn wahrlich, der Heldenmut und die Opferbereitschaft der passiven Kaempfer, der Bewohner dieser Stadt war nicht viel kleiner als der der Bewaffneten in den Bergen und auf den Strassen des Landes. Man wird ein Lied singen muessen auch dem Zivilisten, der taeglich waehrend der Arbeit, beim Passieren der Strassen und selbst in den Wohnungen der Gefahr einer verirrten oder einer gezielten Kugel oder einer Granate ausgesetz, dennoch seiner gewohnten Taetigkeit nachging und das Leben dieser Stadt aufrechterhielt. Man wird den kommenden Geschlechtern erzaehlen muessen, wie klein und eng das Leben der Jerusalemer in diesen endlosen Monaten war, wie schwer die Verpflegung, man wird ueber die unzaehligen schlaflosen Naechte erzaehlen, ueber die monatelange seelische Hochspannung, ueber die Schwere der Arbeit bei Tag und das Wachestehen bei Nacht und ueber die vielen stillen Heldenfrauen, die sich um ein paar Tropfen Wasser anstellten und nie mehr nach Hause kamen, weil eine Granate sie dabei ueberraschte. Man wird erzaehlen muessen von den Hausfrauen, die monatelang kein Feuer anzuenden konnten, weil es kein Petroleum und kein Holz gab, kein Licht in den Haeusern und nur graugruenes Brot in kleinsten Mengen, und die trotzdem ihre Pflicht erfuellten und nicht murrten, weil sie sich ihrer Aufgabe in dieser Zeit voellig bewusst waren. Und wenn man weiter das taegliche Leben der Heiligen Stadt in dieser Zeit beschreiben will, wird man auch der wenigen kleinen Freuden gedenken muessen. Man wird berichten, dass es wohl kein Theater gab, dass die Geselligkeit infolge der Verwendung schlechthin aller Buerger im Kriegsdienst beinahe auf Null reduziert war und dass der Bewegungskreis innerhalb der eingeschlossenen Stadt ein unvorstellbar kleiner war, aber man wird auch der beiden grossen Freuden gedenken, die Hoehepunkte im kleinen Leben der Jerusalemer darstellten: der schayareth, der Autokarawanen aus Tel-Aviv und der Sendungen des Haganahsenders. DENKMAL AM JERUSALEM - WEG Ilill ¡¡¡PHI!» iáíili HM WmM mm ¡¡iS IllflÜl lllpll lili 5« iilg mm wíSí» lilüiÜ íf&M MMWiSi- «ÜS ¡Pi Inschrift: Wenn ich Dein vergesse, Jerusalem, verdorre meine Rechte. Den Kaempfern und Arbeitern, die bei der Erbauung der Strasse ihr Leben Hessen. Der Zeitgenosse, der die Geschichte der Jerusalemer Tage schreibt, wird versuchen muessen, das Bild dieser Stadt begreiflich zu machen, das sie bot, als die ersten Lebensmittelkonvois den eisernen Ring der arabischen Belagerer durchbrachen und an jenem denkwuerdigen Schabbat in die Stadt einzogen. Wird der Leser dieser Geschichte in zwanzig Jahren sich von diesem Freudentaumel ein Bild machen koennen? wird er verstehen, dass selbst die Froemmsten unter den Frommen, die eben aus der Synagoge kamen, den blumengeschmueckten Autos, die, von rund tausend schwer bewaffneten Haganahleuten begleitet, in die Stadt einzogen, einen jubelnden Empfang bereiteten, trotzdem es Schabbat war, einfach, weil selbst der Froemmste fuehlte, dass diese Tat “pikuah nefesch” (Errettung aus Lebensgefahr) war, die die Schabbat-Gesetze aufhebt? Wird er, wie wir, den letzten tiefen Sinn der Worte, “wenn ich dein vergesse, Jerusalem’’, begreifen, die in grossen hebraeischen Buch staben auf den Autos aufgemalt waren? Und wird ein Mensch, der diese Zeit nicht in Jerusalem verlebte, verstehen koennen, welche seelische Erschütterung das andere — taeglich neue — Ereignis mit sich brachte, der Stakkatopfiff der neun Noten aus “Hatikwah”, die allabendlich um halbzehn die Sendung der Haganah einleiteten? Wirker verstehen koennen, dass schlechthin kein Mensch in dieser Stadt, waere er noch so muede von den Ereignissen des Tages, vor dieser Stunde schlafen ging? Gut, man wird erzaehlen, dass diese Sendung die einzige Moeglichkeit bot, ueber die Vorgaenge im Land sich zu unterrichten, da die offizielle Sendung der Englaender die Tatsachen systematisch entstellte und auf antijuedischen Propagandatendenzen aufgebaut war. Aber trotzdem: wird der Leser in zwanzig, dreissig Jahren, der einer heute noch ungeborenen Generation angehoert, sich ein Bild machen koennen, wie diese Viertelstunde der Sendung in fast allen juedischen Haeusern Jerusalems verlief? Wie die Hausgenossen erregt und gespannt sich um das Radio gruppierten, wie sie nervoes die nicht immer leicht zu findende Station suchten und wie sie dann gluecklich und erleichtert aufatmeten, wenn ploetzlich ueber den Aether die Stimme kam. die wie ein Gruss aus freundlichen Sphaeren auf rief: “Hoert die Stimme des hebraeischen Verteidigers, der Radiostation der Haganah!”. Wird er voll erfassen koennen, dass dieses taegliche Abhoeren des Haganah-Senders sich zu einem geradezu feierlichen Zeremoniell entwickelte, an dem man mit tiefster Hingabe teilnahm, als wuerde alles Glueck davon abhaengen? Ich weiss nicht, ob die Geschichte dieser Zeit wirklich von Berufenen geschrieben werden, oder ob ein trockener Historiker einfach die kriegerischen und oekonomischen Fakt e n aneinanderreihen wird —aber eines ist sicher: nicht das, was wir heute in den Zeitungen finden und in den Kriegsberichten, wird den kuenftigen Generationen diese Heldentage Jerusalems begreifbar machen, sondern was wir, Zeitgenossen, Soldaten oder Zivilisten, die mit offenen Augen durch die Strassen Jerusalems gingen, tagtaeglich neu erlebten: die Manifestationen unzerstoerbarer Lebensbejahung des einfachen Juden, der dem Haganahmann dadurch dankte, dass er das Leben dieser Stadt, fuer das jener sein Blut gab, aufrechterhielt. Und diese Tatsache wird die Rolle der Jerusalemer Bevoelkerung in der Geschichte dieser Tage eindeutig bestimmen: als die duldenden, aber entschlossenen Kaempfer fuer die Kontinuitaet des unzerreissbaren Blandes, das das Judentum auf ewig mit Jerusalem verbindet. ÄlpsgÄ < ES. ifh’ts?;&*■ ¡ Í; i® Am ZeitunQsstarid 233 Zeitschriften erscheinen im Lande, darunter 14 hebraeische Tageszeitungen und 7 anderssprachige Tageszeitungen. Insgesamt gibt es 82 fremdsprachige Zeitschriften. Zeitungsverkaeufer in Israel zu sein, ist gleichzeitig eine Lust und eine Qual —das eine, weil das israelische Publikum leselustig ist, das andere, weil seine Launen und Wuensche unberechenbar sind. Die Treue, die sonst ein Leser seinem Blatte haelt, ist hierzulande eine unbekannte Tugend. Deshalb traegt der Zeitungsverkauf in Israel den Charakter eines Boersenspiels. Heute werden 50 Exemplare einer Zeitung verkauft, morgen nur zehn, uebermorgen wieder 30. Der Hauptgrund fuer diese Unbestaendigkeit duerfte darin zu suchen sein, dass von den Lesern der Parteizeitungen abgesehen, der Kaeufer das Blatt bevorzugt, das neben einem Maximum an interessanter Lektuere das groesste Papiervölumen bietet; denn Packpapier gehoert zu den Kostbarkeiten in Israel. Ein israelischer Zeintungstand hat ungefaehr das Aussehen einer internationalen Presse —Ausstellung. Das kann in einem Lande, in dem nach der offiziellen Statistik gegen 50 Sprachen gesprochen werden nicht anders sein. Obwohl es 'eine Reihe von guten hebraeischen Zeitungen gibt, bleibt doch die in englischer Sprache erscheinende „Jerusalem- Post“ nach dem Auslande hin das repraesentativste Organ. Sie haelt etwa die Mitte zwischen „Manchester Guardian“ und einer gehobenen amerikanischen Provinzzeitung. Zwei in deutscher Sprache esrcheinende Tageszeitungen bemuehen sich, das Niveau von „Berliner Tageblatt“ und „Frankfurter Zeitung” zu erklimmen. Es gibt Kaeufer, die ein Blatt nur unter der Bedingung erwerben, dass ihnen die Lektuere eines zweiten am Stande erlaubt wird. Ein anderes beliebts System der Verbilligung besteht im Entleihen eines Exemplars auf einen Tag, das dann unter Nachbarn und Arbeitskollegen auf die gleiche Art weiter verbreitet wird. Das gibt Gelegenheit zu kleinen Zwischengeschaeften auf beiden Seiten; denn der Haendler erhaelt das Geld fuer eine Ware, die er zurueckgeben kann. Weibliche Kunden sind im Erfinden von kleinen Listen zur Erlangung von Gratislektuere viel erfinderischer als die maennlichen. Schneiderinnen lieben es, die auslaendischen Modeblaetter durchzublaettern, um sie als uninteressant zurueckzugeben, nachdem sie die neuesten Modelle mit den Augen kopiert haben. Der Zeitungsstand in Israel ist mehr als eine blosse Verkaufsstelle. Er gehoert zu den wichtigen Einrichtungen der hastenden Grosstadt. TOURISTIK Von 36,000 Touristen kamen ueber ein Viertel aus englisch-sprechenden Laendern und ueber 30% aus West-Europa; sie blieben im Durchschnitt 15 Tage. Tourismus brachte viereinhalb Millionen Dollar ins Land, zuzueglich einer Million fuer Fahrkarten. was 15% des Exports im vergangenen Jahre ausmachte. In der gleichen Zeit kamen als Geschenke von Verwandten fuer eine Million Dollars Refrigerators ins Land. Obwohl es in Israel 390 Hotels gibt, sind fuer Touristen nur 45 Hotels geeignet mit 1500 Zimmern und 2500 Betten. Durch Neubauten, Schulung von Personal USW. versucht Israel der wachsenden Zahl von Besuchern gerecht zu werden.