Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIV (1952)
- Issue
- 5 (Mayo, 1952)
- Date
- 1952-05-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 BOLETIN INFORMATIVO Mayo, 1952 (Von Seile 1) unsere Jugend nicht vergessen. Schon vor ihrer Bildung haben wir Kinder zum Unterricht zusammengefasst; systematisch war auch diese bedeutende Aufgabe erst durch die Gruendung der Gemeinde durchfuehrbar. So entwickelten sich Religionsschule, Jugendkreise und schliesslich ein juedischer Kindergarten, waehrend die Gemeinde niemals aufgehoert hat, fuer die Erziehung durch die Juedische Schule zu werben. Immer wieder war es das Sprachenproblem, das auf lange Zeit Wegweiser unserer Arbeit sein musste. Austragung von streitfaellen vor den chilenischen Gerichten mussten fuer unsere Neu- Einwanderer auch aus sprachlichen Gruenden zu grossen Schwierigkeiten fuehren, waren aber naturgemaess nicht immer zu umgehen, wenn es Sich um einen chilenischen Gegner handelte. Dagegen war auch aus sprachlichen Gruenden der Versuch gerechtfertigt, Streitigkeiten unter deutschsprechenden Glaubensgenossen —gleichviel, ob es sich um Mitglieder oder Nichtmitglieder handelte— innerhalb unserer vier Waende zur Erledigung zu bringen. Was uns dabei besonders am Herzen lag, war natuerlich der Umstand, dass im Interesse der juedischen Allgemeinheit Streitigkeiten unter Juden, wenn nur irgend moeglich ordentlichen Gerichten entzogen werden sollten, um beschaemende Auftritte vor der chilenischen Oeffentlichkeit zu vermeiden. Mit der Schaffung unseres Schiedsgerichts konnte die Gemeinde also eine segensreiche Einrichtung Ins Leben rufen, von der im Laufe der Jahre in Hunderten von Faellen zur Zufriedenheit. meistens sogar beider Parteien, Gebrauch gemacht wurde. Die Obmaenner und Schiedsrichter, die hierbei Zeit und Nerven zur Verlegung gestellt haben, duer. fen das befriedigende Bewusstsein haben, der juediscnen Gemeinschaft ein dankenswertes Opfer gebracht zu haben. Gesellschaftliche Bindung zur chilenischen Umwelt bestand nicht und besteht wohl auch heute kaum, und sie konnte sich ja nicht entwikkeln, da die meisten Menschen durch ihre verschiedenartige Erziehung andere Interessen haben mussten als ihre chilenischen Mitbuerger. Selbst gegenueber den eingesessenen Juden gibt es ja wesentliche Mentalitaetsunter. schiede, sodass wir mitteleuropaeischen Juden den gesellschaftlichen Umgang m i t Menschen gleicher Praegung suchten. Hierzu konnte die Gemeinde beitragen, in erster Reihe durch Schaffung eines Gemeindezentrums, dass allen Juden offen stand. Sie alle werden sich daran erinnern. mit welcher Hingabe wir uns unser Zentrum in der San Diego 216 einrichteten, in dem wir uns in den 4.1[2 Jahren seines Bestehens mehr und mehr vergroesserten und entwickelten. Die Unzulaeng. lichkeiten dieses Hauses fuehrten schliesslich zu dem unseligen Brand vom 27. Oktober 1944, der uns um Jahre zurueckwarf, aber weder die Stabilitaet unserer Gemeinde noch die Energien ihrer leitenden Menschen erschuet. tern konnte. Damals bereits keimte der Entschluss, zu einem eigenen Heim zu kommen. das sowohl unseren Mitgliedern wie den Institutionen unseres Sektors ein Stueck Heimat sein und in dem selbst verstaendlich alle Juden der Stadt eine offene Tuer finden sollten. Noch aber waren wir im Krieg und konnten nicht uebersehen, ob die damals noch viel besprochene Rueckwanderung in starkem Masse eintreten und unsere Gemeinde schwae. . chen wuerde. Als sich diese Zweifel bald nach Kriegsende verfluechtigten, begann der Kampf fuer das eigene Heim, das heute dank der Treue unserer Mitglieder als Stolz der “Colectividad” und als Wahrzeichen ungebrochener Kraft und Energie zentraleuropaeischer Juden besteht. Unser religioeses, kulturelles und soziales Eigenleben konnte fuer den Aufbau eL ner Gemeinde innerhalb des Jischuw von Chile nicht erschoepfend sein. Vielmehr ge. hoerte dazu die Anteilnahme am juedischen Leben des hiesigen Jischuw und der juedischen Welt sowohl im nationalen wie sozialen Sinn. So begannen wir mit der praktischen Arbeit fuer die nationalen Fonds, den Keren Hajessod und den K.K.L., durch ein eigenes Buero fuer die Campañas, wie durch aktivste Propaganda fuer den Keren Kajemeth bei Festlichkeiten oder durch Thoraspenden, unterstuetzten nach Kraeften Hachscharah und Alij ah und sind in den Spitzenorganisationen Federación Sionista, Comité Representativo und Vaad Hajinuj nicht nur vertreten, sondern auch taetig. Die Verbindung mit der Sozialarbeit beruht bereits seit vielen Jahren auf der Mitarbeit bei den Aufgaben des JOINT und Weltkongress’ und in praktischer Arbeit durch unsere sogenannte Sonntags - Sammlung, das “Hilfswerk fuer Judennot in aller Welt”, das in diesen Tagen sein 10-jaehriges Bestehen begeht. Geld, Lebensmittel und Kleider haben wir in diesen 10 Jahren nach allen Richtungen der juedischen Welt geschickt, insbesondere nach Schluss des Krieges an die armen Insassen der Konzentrationslaeger. Nach deren Aufloesung konzentrierte sich diese Hilfsaktion hauptsaechlich auf Israel, wo Organisationen hilfsbeduerftiger Juden auch unsere bescheidene Gabe dankbar entgegen nahmen. In diesem Monat soll unsere Sonntagssammlung einen neuen Impuls bekommen, dessen Erfolg von Ihnen, meine Damen und Herren, abhaengt. Wir wollen, wie Sie aus der letzten Nummer unseres Mitteilungsblattes ersehen, Pakete an solche Familien schicken, die besonders bedraengt sind und keine Hilfe vom Ausland erhalten. Absolut zuverlaessiee und gerechte Verteilung ist uns zueesichert und durch die Persoenliehkeit des Treu. haenders gewaehrleistet. * Kann man nach 14 Jahren bereits ein Urteil darueber faellen. ob die Gruendung der Gemeinde notwendig und ihr Weg erfolgreich war? Die erste Frage wird jeder von Ih. nen objektiver beantworten koennen als ich. Aber ich kann mir weder unsere Gottesdienste — besonders an den Hohen Feiertagen — noch die Bestattung unserer Toten oder die Erziehung unserer Kinder oder Kulturarbeit in unserer Sprache ohne das Fundament der Gemeinde vorstellen. Selbst die hoechst anerkennenswerte Arbeit des “Cisroco” und der “Liga de Damas” mit Altersheim und Kinderheim oder die Aktivitaet, der Wfzo_Gruope “Hen. riette Szold”, die strikte Durchfuehrung der Campa¬ ñas und die Sammlungen fuer die nationalen Fonds wuerden sicherlich sehr erschwert sein, wenn die Gemeinde als festes Fundament unseres Sektors nicht bestaende. Und dieses feste Fundament ist sie dadurch, dass sie mit vollem Recht den Namen Einheitsgemeinde verdient. Wenn wir recht unterrichtet sind, ist sie die einzige Einheitsgemeinde deutschsprachiger Juden in Südamerika, und wenn deutsche Juden aus anderen suedamerikanischen Laen. dern uns hierum beneiden, so wissen sie, welche Schwae. chung die Zersplitterung bedeutet. Durch diesen Charakter als Einheitsgemeinde sind wir die staerkste juedische Organisation in Chile mit allen sich hieraus ergebenden Pflichten und Rechten. Denn wenn wir heute an der Fueh. rung der gesamten “Colectividad” teilhaben, so ist auch das nur moeglich, weil wir die gegebene Repraesentation der deutsch-sprachigen Juden sind. Nur weil wir eine Einheitsgemeinde sind, war es uns moeglich ein eigenes Heim zu bauen, ein Heim fuer unsere Mitglieder und ein Heim fuer die Organisationen unseres Sektors. Und wenn auch heute noch und vielleicht noch einige Jahre hindurch der Weg zu diesem Gemeindehaus unbequem und nicht immer leicht ist, sollten wir uns schon heute mit der Lage dieses Hauses versoehnen, das in wenigen Jahren inmitten eines neuen Verkehrszentrums der Stadt liegen wird. Auch die Institutionen unseres Sektors wie Wizo, Unión Sionista, Bene Berith- Logd, Handwerkerverein, Cisroco und Liga de Damas fuehlen sich hoffentlich in diesem Haus wohl und durch den wohltuenden Aufenthalt in einem juedischen Hause fuer den Nachteil der Entfernung vom Zentrum entschae. digt. Dass heute Institutionen auch anderer Sektoren bei uns tagen, wie die Negba.Loge, der Verein der Freunde des chilenischen Kibbuz Ramot Menasche oder verschiedene Jugendgruppen, erfuellt uns mit Genugtuung, ebenso wie der Umstand, dass unser schoener Saal mehr und mehr sowohl fuer Privatfeiern wie fuer Veranstaltungen der “Colectividad” gemietet wird. * Meine Damen und Herren! Ein grosses Stueck Arbeit ist in diesen 14 Jahren geleistet worden, und es war nicht immer leichte Arbeit. Um alle Kaempfe und Schwierigkeiten zu beschreiben, muesste ein Buch angelegt werden, das aus Protokollen, Akten, dem Mitteilungsblatt, aber vor allem aus dem Gedaechtnis aller derer gespeist werden muesste, die die taegliche Kleinarbeit geleistet und die taeglichen Verhandlungen gefuehrt haben. Es sind gewiss viele Fehler gemacht worden, viele unvermeidliche Fehler, aber gewiss auch viete vermeidbare. Allen denen, die dafuer Verstaendnis gezeigt und sich damit abgefun. deñ oder sie verziehen haben, gebuehrt aufrichtiger Dank. Dank gebuehrt aber auch, den Mitgliedern der Gemeinde fuer ihre Treue, die sie der Gemeinde hielten, obwohl sie bestimmt nicht immer mit der Politik der Leitung einverstanden gewesen sind. Wie koennten 1.600 Familien mit der Fuehrung ihrer Gemeinde auf so vielen Gebieten juedischen Lebens immer gleicher Meinung sein?! Und doch sind Austritte aus diesem Motiv verschwindend gering gewesen. Weiterer Dank gebuehrt allen denen, die durch Verzicht auf peinliche Erfuellung ihrer Weltanschauung erst die Schaffung der Einheitsgemeinde ermoeglicht haben. Ich denke an die religioesen Fluegelparteien der Strengkonservativen und der Strengliberalen, die beide bereit waren, Konzessionen zu machen und sich in unserer Einheitsgemeinde als Kompromissioesung vereinigt haben. Und ich denke nicht weniger an diej enigen, die einer j uedisch. nationalen Partei angehoeren und auf Propaganda im Interesse ihrer Partei in unserer Gemeinde verzichten, um deren Kraefte weiterhin dem Auf- und Ausbau zukommen zu lassen und keine Stoerung des inneren Friedens hervorzurufen. Ich danke allen denen, die mit mir ln der Gemeinde gearbeitet haben. Ich kann sie nicht alle aufzaehlen, moech. te aber wenigstens des Gruen. dungsdirektoriums gedenken, in erster Reihe unseres verstorbenen Ehrenpräesidenten Herrn Siegmund Freudenthal, der 8 Jahre lang die Gemeinde als ihr Praesident wuerdig repraesentierte, sodann unseres ebenfalls verstorbenen 1. Beerdigungsd ezernenten Herrn Willy Levi sowie der Herren Ludwig Bruchfeld, José Strauss und Benno Kiwi und besonders unseres ersten Secretario, Herrn Alfred May, der das erste Gemeindestatut geschaffen hat. Den vielen Mitarbeitern im Vorstand und den Kommissionen, die lm Laufe der Jahre die Arbeit mit mir geteilt haben, sei ebenfalls herzlichst gedankt, insbesondere den Herren, die lm Kultus taetig waren, der mir stets besonders am Herzen gelegen hat. Wenn die Durchfuehrung des religioesen Lebens unserer Gemeinde ohne jegliche Komplikationen moeglich war, so beruht das nicht an letzter Stelle auf der verstaendnisvollen Aktivitaet unserer beiden Rabbiner. Als im Jahre 1939 zuerst Herr Rabbiner Lubliner und kurz darauf Herr Rabbiner Loewenstein einwanderten und sich uns zur Verfuegung stellten, konnte die junge Gemeinde ihnen noch keine materielle Garantie fuer ihre Zukunft gewaehren. Dass sie trotzdem am Aufbau unserer Gemeinde und der Werbung von Mitgliedern vom ersten Tage ab mitgewirkt, die Kinder zum Unterricht herangezogen und dazu beigetragen haben, dass die Beziehungen zwischen Vorstand und Rabbinat stets von gegenseitigem Verstaend nis getragen waren, dafuer meinen persoenlichen Dank aussprechen zu duerfen, ist mir ein besonderes Beduerfnis. Meine Damen und Herren! Es ist unvermeidlich, dass nicht alle der Gemeinde gestellten Aufgaben bereits geloest sind. Manche werden in kuerzester Zeit erledigt sein. So darf mit Recht behauptet werden, dass die restlichen Schulden, die der Bau des Gemeindehauses verursacht hat, entsprechend unserem Finanzplan puenktlich und gewissenhaft bezahlt werden. Aber ein Problem bleibt eine schwere Sorge: Die Erfassung desjenigen Teils unserer reiferen Jugend, die nicht in einer chaluzischen Bewegung ist. Die Gemeinde moege dieses Problem nicht uebersehen, das ein Problem juedischer Zukunft ist. Es geht um die Bewahrung dieser Jugend vor der Assimilation und um die Rettung unseres Volkes vor dem Aufloesungsnrozess. Helfen Sie. meine Damen und Herren, die Sie Kinder haben, welche zu dieser Jugend gehoeren, und fuehren Sie sie rechtzeitig zum juedischen Leben, bewahren Sie sie vor Konflikten und tragen Sie dazu bei, dass Ihre Kinder durch Wissen von unseren historischen und geistigen Werten stolze Juden werden. Da Ihnen das Glueck Ihrer Kinder am Herzen liegt, beginnen Sie zeitig damit, sie durch feste Verankerung im Judentum gluecklich zu machen. Vergessen Sie nicht die Bedeutung einer juedischen Erziehung unserer weiblichen Jugend, der kommenden Muetter. Und wenn noetig, sollte man einen Kompromiss der religioesen Richtungen suchen, weil der Zweck, fuer die religioese Entwicklung unserer Gemeinde so eminent wichtig ist. Tragen Sie, jeder nach seinen Kraeften, dazu bei, dass unsere Gemeinde im religioesen und nationalen Sinne eine Einheitsgemeinde bleibt! Kein Verzicht auf Erfuellung eines eigenen Gedankengutes kann so wichtig sein wie die Bewahrung der Einheit und Einigkeit. Wenn jeder davon ueberzeugt ist, dass auch der weltanschauliche Gegner das Beste fuer die Gemeinschaft und fuer unser Volk erstrebt, koennen alle Gegensaetze friedlich ausgetragen werden, ohne die Einheit der Gemeinde zu gefaehrden. Sehen Sie, meine Damen und Herren, die chaluzische Jugend nicht nach Ihrer Par. teizugehoerigkeit an, sondern betrachten Sie sie als eine Bewegung, die sich fuer die Chaluziut, d.h. fuer die Mitarbeit am Aufbau Erez Israels vorbereitet. Bitte geben Sie dieser Jugend, ebenso wieder in der Galuth verbleibenden, immer ein Plaetzchen in diesem Hause und lassen Sie alle materiellen Interessen ausser Acht im Gedanken daran, dass diese Jugend trotz des Bewusstseins, welche Strapazen sie erwartet, bereit ist, ihrem und unserem Ideal freudig persoenliche Opfer zu bringen. Helfen Sie Israel stark machen, unseren Staat, der geschaffen, aber noch nicht vollendet ist und seien Sie sich immer, wenn die Vertreter unseres Volkes an Sie appellieren, dessen bewusst, dass gewiss nur eine starke Galuth ein starkes Israel schaffen kann und dass bestimmt nur ein starkes Israel die Garantie fuer eine gesicherte juedische Existenz jedes Juden in der Galuth ist. Zum Schluss ein Wort an meinen Nachfolger, Herrn Dr. Landau, der mit mir bereits in langjaehriger kameradschaftlicher Arbeit fuer die Interessen der Gemeinde gewirkt hat. Ich weiss daher, dass ihm unsere Gemeinde und ihre Entwicklung ebenso am Herzen liegt wie mir, der ich die Ehre hatte, seit ihrer Gruendung an verantwortlicher Stelle fuer sie zu wirken. Sie, lieber Herr Landau, uebernehmen eine schwere Buerde, die ein Mensch allein kaum tragen kann. Hoffentlich haben Sie immer Mitarbeiter, die Ihnen nicht nur mit Rat, sondern auch mit Tat zur Seite stehen! Und wenn sie eines Tages, nach hoffentlich recht langer Zeit, Ihren ehrenvollen Posten als Praesident dieser Gemeinde niederlegen werden, dann moegen Sie es mit der gleichen Genugtuung und mit der gleichen Zufriedenheit tun wie ich heute. Moege die S.C.I. “B’ne Jisroel”, so lange sie in der Galuth notwendig ist —und das wird sicher eine unabsehbare Zeit sein— innerlich gefestigt, gross und stark sein und ihre Aufgaben erfuellen zum Besten ihrer Mitglieder, des Jischuws von Chile, des Juedischen Volkes und Medinath Israel, i s 5 \ ( f t