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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1952-05-01 · 5 (Mayo, 1952) · p. Seite 17

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIV (1952)
Issue
5 (Mayo, 1952)
Date
1952-05-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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Mayo, 1952 BOLETIN INFORMATIVO 17 Hundert Jahre juedische jReformheweQung (EIN HISTORISCHER RUECKBLICK) Von unserem Mitarbeiter CURT WILK (Buenos Aires) Diese Auszehrungen sollen keineswegs die gesamte Entwicklung der juedischen Reformbestrebungen seit den Tagen der Emanzipation und dem Wirken David Friedlaenders auf zeigen; vielmehr soll eine gedraengte Darstellung der Bemuehungen versucht werden, die waehrend des hinter uns liegenden Jahrhunderts die Gemueter in Zentraleuropa und vor allem im deutschen Sprachkreise besehaeftigten. Wie war die Situation, so wollen wir fragen, als jene Bewegung einsetzte, die als “Reform" schlechthin bezeichnet, zu den bekannten ungluecklichen Ergebnissen fuer die Erhaltung des Judentums gefuehrt hat? Ein deutscher Jude, Israel Jacobson, von echter Begeisterung fuer juedische Werte erfuellt, hatte in einer Zeit, da es an fuehrenden juedischen Persoenlichkeiten mit zielbewusster Tatkraft mangelte, dem damals sehr wenig ansprechenden juedischen Gottesdienst neues (Leben einzuhauchen sich bemueht, einem Gottesdienste, von welchem der Historiker Jost berichtet, “dass er keine Andacht, keine Augenweide, keine Herzenslabung, sondern nur leere Gewohnheit gebe”. Dies war um 1810. In Seesen hatte dieser Mann jenen beruehmtgewordenen e rs t e n “Tempel” errichten und mit einer Orgel versehen lassen, ohne radikalen Tendenzen zu huldigen. Doch dem Jugendgottesdienste, der in einer gereinigten Atmosphaere neu erbluehte, der Ausgestaltung der Andacht durch die Predigt in der Landessprache, der Verschoenerung des Gemeindegesanges u. s. w. waren neue Moeglichkeiten eroeffnet worden. Dieses Beispiel fand Nachahmung, vor allem in Frankfurt a. M., wo am dortigen “Philanthropin” ein neuer Beetsaal errichtet wurde, in welchem, etwa seit 1824, an den Sabbaten rellgioese Andachtsstunden abgehalten worden sind, die Schueler und Eltern vereinten. Diese sehr bescheidene “Reform” fand zunaechst keine Opposition von seiten der Orthodoxie, denn der erwaehnte Jacobson und seine Anhaenger hielt im wesentlichen an den alten hebraeischen Gebeten unveraendert fest, sie nur gelegentlich von Uebersetzungen unterbrechen lassend. Doch sollte der Frankfurter Andachtssaal, was damals niemand ahnen konnte, gewissermassen der Ausgangspunkt der Reformbewegune fuer Sueddeutschland werden. Auch in Berlin, wohin Jacobson im Jahre 1814 ueber. siedelt war, gab es aehnliche religioese Bestrebungen in der gekennzeichneten gemaessigten Form, denen leider die Altfrommen mit unversoehnlicher Abneigung ge. genueberstanden, zu keiner Konzession bereit; aehnlich ging es in Breslau und Koenigsberg zu, und nur in Hamburg kam es zu der Gruen. dung eines Vereins, dem in der Folgezeit die groesste Bedeutung zugesprochen werden musste: dem “Neuen Israelitischen Tempelverein”. Um ihn entbrannte ein heftiger Streit und obwohl seine Schoepfer durchaus nicht radikal sein wollten und, wie sie sagten, “in der Mitte aufloesender Einwirkungen von wahrhaft konservativem Geiste beseelt”, verursachte die Herausgabe eines neuen Gebetbuches, den sogenannten “Tempelstreit”, eine ueber den Bannkreis Hamburgs hinausreichende Erregung; aus dem Lokalstreit wurde ein geschichtliches Ereignis fuer die gesamte Judenheit. Der Hamburger Tempel war es, der, ohne es zu wollen, die Frage der Reform, zunaechst auf gottesdienstlichem Gebiete, ins Rollen brachte. Auf die Einzelheiten an dieser Stelle einzugehen, wuerde den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen; nur dies sei gesagt: Gutachten standen gegen Gutachten von denen eines der wichtigsten fuer bescheidene Aenderun. gen in der Liturgie und fuer die Ersetzung weniger bedeutender hebraeischer Gebete durch deutsche dasjenige des, im Grunde tiefreligioesen, aus Ungarn stammenden Rabbiners Aron Chorin gewesen ist. Doch trotz des heftigen Kampfes, dem die neue Richtung von Seiten der Orthodoxie ausgesetzt war, nahm die Entwicklung ihren Fortgang und fuehrte zu nicht vorausgesehenen Konsequenzen. In Frankfurt a.M. ist es der “Reformverein” mit seinen weit radikaleren Tendenzen gewesen, der auch ausserhalb der gesetzestreuen Kreise scharfe Kritik erfahren sollte. In der damals einsetzenden Kampfepoche um Berechtigung und Nichtberechtigung religioeser Reformen, um Ausmass und Ziel derselben, in jener Zeit der stuer. misch-bewegten Diskussionen zwischen zwei Grossen im Reiche des juedischen Geistes, zwischen Samson Raphael Hirsch und Abraham Geiger, im Jahre 1843, erschien ein Buch, das sich “Ueber die Autonomie der Rabbiner” betitelte und zu seinem Verfasser eine der markantesten Erscheinungen unter den Rabbinern des vergangenen Jahrhunderts hatte: Samuel Holdheim. Dieser Gelehrte und fuer die Veredlung des Judentums rastlos wirkende Geist ist leider eine reine Verstandesnatur gewesen. Gemuetswaerme, religioeser Enthusiasmus, Pietaets- und Gefuehlswerte fehlten ihm fast gaenziich, und so mussten seine Thesen zu einer Entwurzlung des ge. geschichtlichen Judentums fuehren. Damals ist den uferlosen, weit ueber jedes ertragbare Ziel hinausschiessenden Reformprinzipien Holdheims ein Mann entgegengetreten, um dessen Banner sich alle diejenigen sammelten, die einen religioesen Fortschritt wuenschten anstelle einer Erstarrung, eine gewisse Lockerung mancher nicht mehr ganz zeitgemaess erscheinender Fesseln, aber jede radikale, juedischem Wesen nicht entsprechende Loesung verwarfen: Der hochgebildete, wahrhaft fromme und charakterfeste Dresdner Oberrabbiner Zacharias Frankel, der eine bedeutsame Rolle in den kommenden Auseinandersetzungen spielen sollte. War schon auf den Rabbinerversammlungen von 1844 und 1845 versucht worden, das gemaessigt-konservative Element innerhalb der Gemeinden zu staerken, um die Einheit als kostbarstes Gut aufrechtzuerhalten, so wurde dieser Weg in der Folgezeit besonders von Frankel beschritten, der, fest in der religioesen Tradition verankert, doch nicht in den Bahnen der Neuorthodoxie Hirschs zu wandeln vermochte, sondern einen Konservatismus anstrebte, welcher eine Aussoehnung des uebe'rlieferten Glaubens mit dem modernen Leben verband. Jedem unwissenschaftlichem Denken ablehnend gegenueberstehend, erfuellt von edelsten Motiven, durchglueht von dem Bewusstsein, dass das geschichtlich ueberlieferte Judentum in seiner Reinheit erhalten bleiben muesse, ist Frankel sowohi gegen die ext r e m e n Forderungen der strengen Orthodoxie als auch entschieden gegen die Pioniere der radikalen Reform aufgetreten. Auf der erwaehnten zweiten Rabbinertagung, der Frankfurter, bei der wichtigen Abstimmung ueber die Beibehaltung des Hebraeischen im Gottesdienste unterlegen, hatte sich Frankel von den weiteren Beratungen zurueckgezogen. Es war ihm jedoch eine starke Anhaengerschaft geblieben unter de. nen, die “eine religioese Mitte”, einen Ausgleich erkaem. pfen wollten. Aber das Band zwischen den Rabbinerversammlungen, die bis dahin nach aussen eine Einheit gebildet hatten und jenen entstandenen “Reformgenossenschaften”, die ueberall in den Gemeinden eine Minderheit darstellten, dieses Band ist damals zerschnitten worden, waehrend die einen auf den Pfaden langsamer Ausreifung weiterhin ueber Verbesserung des Gottesdienstes, ueber mildere Handhabung alter Braeuche, ueber einen massvollen Fortschritt berieten, auch ernsthaft an die Ausarbeitung eines Planes fuer eine juedischtheologische Fakultaet gingen, beschlossen die Berliner Reformkreise, eine Andacht fuer ihre Beduerfnlsse einzurichten, und so entstand die “Berliner juedische Reforme-emeinde”. welchen Namen sie allerdings offiziell erst 1850 annahm. Der bereits ge nannte Samuel Holdheim ist ihr erster Prediger gewesen, war ihr erster Aufruf an die Oeffentliehkeit durchaus von tiefem sittlichem und religioesem Bewusstsein getragen. sollte sich aber bald heraussteilen, dass ein falscher Weg eingeschlagen worden war. Das eigenmaechtive Vorgehen einer relativ-kleinen Grupne. ihr voelliges Negieren aller positiv-historischen Momente, die radikale, um. waelzende Art des geschaffenen Gottesdienstes zeigten rasch, dass diese neue Gemeinschaft innerhalb der Judenheits Deutschlands isoliert dastand. Die voellige Verdeutschung der Andacht -nur ganz vereinzelte hebraei. sche Saetze blieben erhalten—. die Abschaffung der Kopfbedeckung beim Beten, die willkuerliche Beseitigung des fuer die Dlasnora gebotenen zweiten Feiertages an den drei Wallfahrtsfesten, diç Ausmerzung traditionell-bedeutsamer Sitten und Braeuche, wie z. B. des Schofarbla. sens, der Laubhuette, des Chanukkahlichtes, geradezu fast saemtlicher religioessymbolischer durch die Jahrhunderte geweihten Zeremonien, vor allem aber die Verlegung des Sabbatgottesdienstes auf den Sonntag, dies alles musste die Andachten der “Juedischen Reformgemeinde zu Berlin” zu weniger als halb juedischen, zu derart unhistorischen machen, dass selbst Abraham Geiger eine Berufung als Prediger an diese Gemeinde wiederholt ablehnte. Das Beispiel dieser Reform fand erfreulicherweise im uebrigen Deutschland keine Nachahmung und die Mehrheit der religioes-liberalen Juden hat in den folgenden Jahrzehnten diese voellige Abkehr von juedischer Tradition abgelehnt. In den Jahren zwischen 1850 und 54, dem Gruendungsjahre des Breslauer Seminars, also vor nunmehr hundert Jahren, ist jene Spaltung vollzogen worden, die nur als eine unglückliche bezeichnet werden kann. Auf die Entwicklung der uebrigen Richtungen kann hier nicht naeher eingegangen werden, nur von der Reformgemeinde muss noch ein kurzes Wort gesagt werden; Sie kaempfte einen hoffnungslosen Kampf um das Korporationsrecht, das ihr die Preuss. Staatsregierung verweigerte; sie blieb ein “Verein”, der selten mehr als 3 bis 4.000 Mitglieder zaehlte. Kantoren benoetigte sie nicht, und so lag das ganze Schwergewicht des Gottesdienstes auf der Predigt die dank der grossen Begabung von Predigern wie Levin, Jelski, Lehmann, Coblen u. a. ein hohes Niveau aufwies. Kurz vor Beginn der Hitlerzeit versuchte die Gemeinde, Freitagabendgottesdienste im Westen Berlins zu errichten, was nicht ganz gelang, aber bewies, dass man den Irrtum von einst, juedische Vergangenheit und Ueberlieferung voellig zu leugnen, ein wenig zu korrigieren wuenschte. Ob sie juedische Menschen vor dem gaenzlichen Abfall bewahrte. indem sie ihnen in ihrer Gemeinde einen juedischen Mittelpunkt schuf, ist schwer zu entscheiden; vielleicht gelang ihr dies wirklich bis zu einem gewissen Grade. Doch ausserordentlich gross ist die Verwirrung, die ihre Losloesungsbestrebungen von allen juedischen Bindungen angerichtet haben. Bis zuletzt, bis zum Schicksalsjahre 1933, ist von dieser Gemeinde auch ein unerbittlicher Kampf gefuehrt worden gegen die Erneuerung Israels auf seinem historischen Boden in Palaestina und die juedische Einheit hatte einmal durch die Gruendung dieser Organisation einen schweren Schaden erlitten, dessen Folgeerscheinungen bis in unsere Gegenwart reichen. Noch heute gilt fuer die Reformgemeinde das Wort von Leopold Zunz, das er ihren ersten Bemuehungen entgegenrief: “Selbstmord ist keine Reform!” Meissner schwimmt oben Der ehemalige Chef der reichsdeutschen Praesidial. kanzlei unter Ebert, Hinden. burg und Hitler, Staatsminister a D. Meissner, ist im Rahmen der Entnazifizierungsko. moedie in Deutschland rehabilitiert worden. Das Spruchkammerverfahren wurde eingestellt, da der Generalan. klaeger die Klage zurueckgezogen hat. Dr. Meissner war in erster und zweiter Instanz immerhin als “Belasteter” eingestuft worden. Auf Antrag seines Rechtsberaters Dr. Seidl hat ein Muenchner Kassationshof die frueheren Rechtssprueche aufgehoben. #■'#1 So sieht er aus: in Begleitung seines “Fuehrers” und Aussenministers, Herr Staatssekretaer Meissner. Was erzaehlte man doch, als Meissner, der vorher sowohl dem Sozialdemokraten Ebert wie dem deutschnationalen Generalfeldmarschall Hindenburg gedient hatte, auch Chef der Praesidialkanz. lei bleiben durfte, als Hitler dort einzog — indes der Sturm von 1933 so manchen anderen hinwegfegte...? Gott sandte schliesslich wieder einmal eine Sintflut, erzaehlte man, und als alles untergegangen und weggeschwemmt war, blickte er auf die Fluten und sah, dass dort wider Er. warten noch etwas krabbelte. Es war Meissner. “Denn Meissner”, versicherten die Erzengel, “schwimmt immer oben”. Das Geschichtchen hat heute an Aktualitaet noch gewonnen. ("Aufbau”) Theresiensfadl-Film Das Cinéma d Tissai “Les Reflets” in Paris zeigte einen tschechischen Film mit dem Titel “Terezin” (Theresienstadt), der den Leidensweg der tschechischen und euro. paeischen Juden schildert. Dieser KZ - Film bestaetigt, dass die Lager zwar verschiedene Namen hatten, die Bru. talitaet aber ueberall die gleiche war. Von besonderer Eindringlichkeit ist die Szene, als durch ein Lagertor die Neuankoemmlinge e i n z i e h e n, waehrend auf der entgegengesetzten Seite die Saerge mit den Toten herausgetragen werden. Alles in allem ist “Terezin” ein Film, dem ein breiteres Publikum zu wuenschen ist. (“M. B.”>

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