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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1952-04-01 · 4 (Abril, 1952) · p. Seite 21

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIV (1952)
Issue
4 (Abril, 1952)
Date
1952-04-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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Abril, 1952 BOLETIN INFORMATIVO 21 > % y Mit “Aleph ” faen¿t es an... Von OTHNIEL MARGULIES DER ’’Bund Junger Hebraeer”, dessen Ideologie in der Zeitschrift „Aleph” veroeffentlicht wird, bietet das seltsam paradoxe Schauspiel einer antizionistischen Bewegung im Lande Zion und einer anti-jüdischen Bewegung im Judenstaat. Der ,,Bund” besteht aus jungen, im Lande (oft in zweiter und dritter Generation) geborenen Menschen, die sich zum „Israel den Israeliten” bekennen, und unter dem Begriff „Israeliten” nur den alten Jischuw anerkennen. Da sie im Lande geboren sind, war ihnen der Zionismus nie eine geistige Selbsterkenntnis sondern nur eine von den Vaetern überlieferte Legende, die nicht ganz ernst zu nehmen war; Judentum wurde ihnen nie eine im Kampfe mit dem nicht-Judentum errungene Weltanschauung, sondern war eine abstrakte Religionsfrgge, die in einer a-religioesen Welt be langlos . wurde; Hebraismus war ihnen nicht eine Lebensform ¡und Gedankenwelt, die sie von den Gojim unterschied sondern wurde zu einem chauvinistischen Nationalismus, welcher Alijah als ein wirtschaftliches, politiches, und militaristisches Bedürfnis des Jischuws betrachtete und nicht als Ausdruck der organische^ Verbundenheit des Judentums im Lande mit der Diaspora. Aus diesen Anschauungen heraus konnte der ,,Bund” ganz folgerichtig fordern, dass die Ali jah nach amerikanischem Vorbild organisiert werde: Quoten für nach Nützlichkeit gestufte Kategorien von Immigranten, mit einer Rachmones-Quote fuer Pogrom- Fluechtlinge. ’’Bund” und Religion ’’Aleph” postuliert als ersten fundamentalen Glaubensartiken, dass das Judentum eine a-territoriale und antinationale Religion sei, in den Exilen Babylons und Roms von Theokratien erfunden wurde, die gegen eine national selbstaendige Existenz der Juden waren; eine Religion, welche den moralischen und ethischen Umstaenden des Exils entsprang und wurde; u. eine Religion, die jedesmal versagte, wenn das Volk unabhaengige Staatsformen annahm —unter Griechen, Roemern etc.— Und die das jüdische Volk unfaehig machte, selbstaendig zu sein und geichzeitig seiner Religion zu folgen—: Jeremias brachte das babylonische Exil, Ezra die griechische Eroberung, die Makkabaeer brachten die Roemer, Jocha. nan ben Zaccai das roemische Exil us.w. Infolgedessen versucht „Aleph” auf die vorprophetische Periode der Koe. nige zurückzugreifen und die se als Vorbild eines Staates Israel im Rahmen einer vorderasiatichen Voelkergruppe hinzustellen, umgeben von und bedingt duvh Aegypten, Assur-Irak, Phoenizien-Lebanon, Aram-Syrien und Ammon-Trans-Jordanien. Diese Konstellation, so behauptet der Bund, sei die historisch zwangsmaessig richtige, und nur im Rahmen eines solchen „Fruchtbaren Halb mondes” (ihr Name fuer den Laenderstreifen vom Persischen Golf über Syrien und Israel bis Libyen und Sudan) und als integraler Teil davon haette Israel Hoffnung auf eine Existenz. Was das Welt-Judentum ' betrifft, so soll es sich auf dasselbe Verhaeltnis beschraenken, welches die Mu selmaenner Amerikas oder Ostindiens zum Koenigreich Saudien und dessen Staetten Mekka und Medina haben: Israel mag dem Weltjudentum als Ziel einer einmal im Leben zu unternehmenden Pilgerfahrt dienen, von der man, des Paradieses gewiss, nach Hause zurueckkehrt, zu seinen Lieben und seiner Heimatsstaette. Die Einwanderung Weiterhin postuliert „Aleph”, dass die Einwanderung der letzten 50 Jahre ins West jordanland keinerlei jüdisch-nationale Ursachen gehabt habe, schon aus dem einfachen Grunde, weil es laut Postulat 1 gar keine jüdische Nation gibt. Sie erklae. ren diese 50 Jahre Einwanderung damit, dass die von Antisemitismus, wirtschaftlichen und soziologischen und anderen Gründen hervorgerufenen Pogrome die Juden verschiedener Laender auf die Wanderung gebracht haetten und auf die Suche nach neuen Heimaten, und dass diese Juden zufaellig in Palaestina ein Bevoekerungsvakuum fanden, (Jas sie füllen konnten. Nunmehr will der „Bund Junger Hebraeer” diese bunt zusammengewürfelten Immigranten in eine Nation verwandeln, nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten Nordamerikas. Diese Nation soll sich ihre eigene Weltanschauung Ethik und Religion schaffen, ad hoc und unbelastet von jeder Vergangenheit; sie soll sich ihr politisches und geographisches Bild schaffen jiach dem unklaren und gewagten Vorbild der Legenden im Buche der Koenige, — ein Buch, das ’’Aleph” ungefaehr so betrachtet wie die Deutschen das Nibelungenlied. i Innenpolitische Probleme loest ’’Aleph” sehr einfach: es kibt keine Minoritaeten. alle sind Israeliten und gleiche Staatsbürger— es gibt keine Juden, Christen oder Araber. Aussenpolitische Problem werden ebenso einfach und kategorisch geloest: Israel wird Mitglied einer Foederation vorderasiatischer Voelker vom Persischen Golf bis zur Libyschen Wüste, von der Türkei*bis Abessinien; innerhalb dieser Foederation mus Israel die Hegemonie erreichen, kraft seines kulturellen Vorsprunges den anderen Mitgliedern gegenüber. Natürlich müssen saemtliche kulturelle und andere Beziehungen zum Abendlande und dem Weltjudentum abgebrochen werden, und der Staat muss sich ausschliesslich auf den Nahen Osten orientieren Es ist interessant, sich darüber Rechenschaft zu geben, wieso diese Bewegung gerade jetzt, so kurz nach Errichtung des Judenstaates, auftre ten konnte, und gerade jetzt unter der Jugend dieses Staates so zahlreiche Anhaenger finden konnte. Es gibt hierfür zwei Gründe: einerseits die zionistische Erziehung der vorstaatlichen Periode, und, anderseits die von der Massen-Alijah mitverursachten wirtschaftilichen Schwierigten Die zionistische Erziehung im Palaestjna der Mandats, zeit konnte sich einerseits nicht vom Programm “Rueck. kehr der Juden in ihr Land” losloesen, ein Programm welches fuer im Lande geborene Sabres geegnstandslos wurde; andererseits aber konnte die Erziehung nicht den Weg zum Programm “Rueckfuehrung der Juden zum Juden, tum” finden, da die Erzieher selbst sich nicht darueber klar waren, was “Judentum” eigentlich bedeutet; im be. sten Falle setzten sie “Judentum” mit Religiositaet gleich, und die gleichzeitige anti. religioese Erziehung der so. zialistischen Bewegungen annullierte auch diese Richtung. Es entstand also bei der im Lande geborenen und auf. wachsenden Jugend ein ideo. logisches Vakuum, welches nur notduerftig mit der va. terlaendischen Parole “Errichtung eines Staates” ueber. deckt wurde; und diese Parole wurde mit der endlichen Staatwerdung hinfaehig und hinterliess weiterhin aei der Jugend die Frage: Was fuer ein Volk sind wir, woiuer leben wir? Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, weiche den jungen Staat trafen, treffen zeitlich mit der Massen.Alijah zusammen und es ist einfach und fuer den alten Jischuw leicht, die Schuld auf diese Alijah zu schieben. Dazu kommen die durch die Alijah mitverursachten soziologischen Schwierigkeiten einer aus aller Herren Laender zusam. mengewuerfelten Bevoelke. rung. Es ist daher nicht ver. wunderlich, wenn sich bei den Sabres, welche von d. Kriegs. Konjunkturahren verwoehnt wurden, langsam eine Erbitterung ansammelt, welche am einfachsten in den rohen Saetzen ausgedrueckt werden kann: “Sollen meine Kindern hungern, um d. Einwande. rung von tuberkuloesen u. syphilitischen Hoehlenbewohtiern zu ermoeglichen?" — Oder: “Haben wir so lange hungern und bluten muessen ln diesem Lande, damit jetzt die Fruechte unseres Darbens und Blutens Neueinwande. rern zu gute kommen sollen, waehrend wir weiter hungern muessen?” “Aleph” antwortet darauf: 1. Sperrt die Einwande. rung, und lasst nur ausge. waehlte Immigranten her. Investitionen im Jahre 1951 Im Jahre 1951 wurden von j der Investitions-Zentrale 342 Unternehmungen, in denen ein Kapital von 53 Millionen IL investiert wurde, bestae. tigt. Die Gesamtzahl der Unternehmen, deren Bestaetigung am Ende des Jahres in Kraft war, betrug 651 und das Kapital, das in ihnen bereits investiert wurde, oder nach den Plaenen investiert werden wird, betraegt 84 Millionen IL. Teil . Vergünstigungen wurden in der gleichen Zeit 440 weiteren Unternehmen gewaehrt, gegenue. ber 129 im Jahre 1950. Diese Erleichterungen beziehen sich auf Kapital-Investitionen in Hoehe von 7,5 Millionen IL gegenueber 4,9 Millionen IL im vorhergehenden Jahr. Das auslaendische Privat- Kapital, in den Unternehmen, die bestaetigt wurden äiismä Ueber die Felder... oder Erleichterungen erhieL ten, betrug im Jahre 1951_, 30 Millionen IL und seit Errichtung der Investitions-Zentrale 48,5 Millionen IL. (“Jedioth Chadaschoth”) HEBRAEISCHE GRAPHOLOGIE Die Gesetze und die Methoden der wissenschaftlichen Handschriftendeutung sind in der fast hundertjaehrigen Geschichte der Graphologie mit ungeheurem Aufwand von Material, Fleiss, Hingabe und Scharfsinn untersucht worden. Die Graphologie ist zur echten Wissenschaft, als Teil der psychologischen Wissenschaft, geworden. Ihr Anwendungsgebiet umfast die Berufsberatung, die Personalauslese fuer Betriebe, die Beratung in seelischen Schwierigkeiten, die Eheberatung, sie wird in gewissen Faellen dem Arzt eine wichtige Hilfsmethode bieten, obgleich Krankheitsdiagnose ausserhälö ihres Bereiches liegt. Mit Zukunftsdeutung und aehnlichem freilich hat die Graphologie nichts zu tun, und diejenigen, die sich mit solchen Aufgaben beschaeftigen, sind nicht Graphologen, moegen sie sich auch oft so nennen, und nicht selten sich der Handschrift fuer ihre “mediale” Arbeit bedienen. Der beruehmte Schriftdeuter Rafael Schermann vermoech. te Unglaubliches aus der Schrift zu sehen, aber auch ohne die Schrift aus einem verschlossenen Schreiben zu sehen. Er war ein begabter Hellseher, aber kein Graphologe. Die Graphologie entstand in Europa und hat sich so gut wie ausschliesslich mit europaeischen Schriften beschaef. tigt. Ihre Methode und ihre Erkenntnisse sind auf den Formen der abendlaendischen Schrift aufgebaut. Aber sie gelten nicht nur fuer diese. Die Neuerweckung der hebraeischen Sprache u. Schrift hat es mit sich gebracht, dass auch die hebraeische Handschrift zum Gegen, stände der wissenschaftlichen Graphologie geworden ist, bisher freilich noch nicht systematisch. Die auffaelligen Unterschiede der ■ hebraeischen Schrift gegenueber der europaeischen sind auch dem Laien bekannt und zugaenglich: vor allem die “umgekehrte” Richtung, dann die Unverbundenheit der Buchstaben im Wort. Das sind, wie jeder, der etwas von Graphologie weiss, wichtige Unterschiede. Der Verfasser dieser Zeilen hat in eingehender systematischer Arbeit in seiner grapho. logischen Praxis und unter Heranziehung psychologischer und auch schriftgeschichtlicher Erkenntnisse-die wissenschaftlichen Grundlagen der hebraeischen Graphologie un. tersucht. Seine Arbeit wird durch den bekannten Schweizer Grophologen Dr. Max Pulver — nebenbei den ersten Universitaetslehrer der Graphologie an der, Universitaet Zuerich — veroeffentlicht. Von diesen Ergebnissen ausge. hend, wird demnaechst vom gleichen Autor eine eingehende Einfuehrung in die he. braeische Graphologie in hebraeischer Sprache in Tel- Aviv (Verlag E. J. Herzfelder) erscheinen. Dr. R. POKORNV ein, nach ihrer Nützlichkeit und nicht nach ’hrer religioesen oder nationalen Zugehoerigkeit ausge. sucht: lettische Bauern, italienische Arbeiter, tsche. chische Mechaniker, arabische Landarbeiter —so. lange sie nur gute Arbeitstiere sind. 2. Schafft einen Staat, der geistig fuer sich selbst lebt und nicht mit Welt- Bewegungen irgendwelcher Art, sei es Judentum, Chri. stentum oder irgendein an. deres “-tum”, verbunden ist. Auch kulturell soll er originell und unabhaengig, reines Israelitentum sein. 3. Schafft einen Vorderasiatischen Voelkerbund von lokalnationalistischen Kleinstaaten, in welchem Israel, kraft seiner geisti. gen, kulturellen und technologischen Ueberlegen. heit, die Hegemonie errin. gen muss und zwangslaeufig erringen wird. 4. Was das Problem “Judentum” anbelangt, so wird Israel ein Weltzentrum fuer Pilger aller Art sein: Juden, Mohammedaner u. Christen. Diese Pilger wer. den Israel ebensowenig be. einflussen, wie Rom oder Mekka von katholischen respektive mohammedanischen Pilgern beeinflusst werden... Wenn diese Prinzipien an. genommen werden, so predigt “Aleph”, so wird unser Staat reich, gluecklich, produktiv und unabhaengig werden. Dass er dabei aufhoeren wird, juedisch au sein, sieht “Aleph” als einen Fortschritt an, wel. eher sehr erstrebenswert sei. Dass dabei der Weltjudenheit ihr letzter Zufluchtshafen sowie ihr geistiges Zentrum geraubt werden, empfindet “Aleph” als bedauerlich, aber nicht als seine Angelegenheit. (“Emeth”)

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