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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1952-04-01 · 4 (Abril, 1952) · p. Seite 12

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIV (1952)
Issue
4 (Abril, 1952)
Date
1952-04-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 BOLETIN INFORMATIVO Abril, 1952 Pessach: ewig lebendige Traditic DEUTUNGEN ZUR HAGADA SCHEL PESSACH Rabb. E. I. LOEWENSTEIN BEINAHE schon im Dunkel der Geschichte verschwindet jenes Ereignis, das in der Geschichte unseres Volkes als “Jeziat Mizrajim" Auszug aus Aegypten —eingegangen ist. Wenn wir mit den Archaelogen Garstang, Flandern und Petrie den Auszug in das Jahr 1440 ansetzen, so sind seit jener Nacht 3391 Jahre vergangen. In den Jahrtausenden, die seitdem dehingegangen sind, hat das Jue. dische Volk dieses entscheidende Ereignis seiner Geschichte niemals vergessen koennen. Die erste Wanderung der Staem. me aus Aegypten in das Land der Verheissung erschien zu allen Zeiten als Symbol jener langen Wanderung durch die Geschichte, die erst in unseren Tagen fuer hunderttausende von Juden durch ihre Alijah nach Israel zum Abschluss gekommen ist. Waehrepd dieser von Tragik erfuellten Wan. derung durch Laender und Kontinente wurde im juedischen Volke das Gedenken an die einstige Befreiung und die Hoffnung an die kommende Erloesung immer wieder wachgehalten, die Flamme der Sehnsucht nach Freiheit auch in den dünke’sten Stunden vor dem Ersticken bewahrt. Tag um Tag gedachte der Jude des Auszuges aus Aegypten. isch ist. Die Einladung “Jedern auch von den erregen. Aber den hervorragendsten Platz nahm doch die Feier des Pessachfestes ein. in dessen Mitte die Lektuere jenes kleinen Buechleins— der Ha gada'schel Pessach steht, das zu einem LiebMngsbuch unse. res Volkes geworden ist. In ihm spiegelt sich das Fest in seiner jahrhundertelangen Entwicklung wieder. Wir finden in ihm uralte Elemente, die noch aus der Zeit stam men, in der Pessach mit ei nem festlichen Opferdienst in Jerusalem verbunden war. Abschnitte aus der Zeit der Zerstoerung des Tempels und des Staates und jenes un~ gluecklich verlaufenen Auf stand Bar Kochbas im 2 Jahrhundert, aber auch die traurigen Erlebnisse des Mittelalters haben in ihm ihren Niederschlag gefunden. In der “Hagada” spiegelt sich unsere Geschichte mit ihrem Auf und Ab wieder, durch die dem Kind, das im Mittelpunkt der Feier steht, die-Flamme der Begeisterung entfacht werden soll. Darum soll der Seder keine Zusammenkunft sein, in deren Mit telpunkt das Festmahl steht, auch keine langweilige Rezitation des vorgescbriebenen Textes, sondern die wirkliche “Hagada”, die Erzaehlung von den glorreichen Ereignissen der Vergangenheit, von der Befreiung unserer Vor. fahren und von den Aufsti e gen und Leiden unseres Volkes in den Jahrtausenden der Geschichte. Nur so wird dem Kind der Seder nicht nur ei ne Mahlzeit sein, deren Rah men von den anderen Naech ten des Jahres verschieden ist. Es wird spueren. dass diese Nacht fuer unsere Jugend bestimmt ist und in ihr die Flamme der Freiheit wachse halten werden soll. Darum wollen wir Erklae rungen zur Hagada bringen die den Inhalt einiger Stellen beleuchten sollen. Fangen wir mit dem Prolog "Ho lachmo” an, der schon vor mehr als 2000 Jahren ge sprachen worden sein mag und dessen Sprache aramae. NICHT NUR DAS LAEMMCHEN, AUCH DER ESEL KOMMT PESSACH ZUR GELTUNG ■zap v>-£ät* :■ 'Mir. M ' J er traegt naemlich die Mazzoth aus der der hungrig ist. komme und esse, der beduerftig ist. komme und halte Pessach”. wurde niemals nur als Hoef. lichkeitsformel verstanden. Man darf sogar annehmen, dass im eigenen Land der Herr des Hauses vor die Haustuer trat und die Ein ladung oeffentlich ausrief. In dieser Nacht sind wir verpflichtet, jene an unseren Tisch zu bitten, die nicht in der Lage sind, das Fest zu feiern. Und an diese Einladung schliesst die im Judentum stets lebendig gebliebene Hoffnung auf die Wiederkehr der Unabhaengigkeit und Freiheit des. juedischen Volkes an “Dieses Jahr hier, naechstes Jahr im Lands Is. rael, dieses Jahr Knechte, naechstes Jahr Freie". Und wir tragen: in weichem Zusammenhang steht die Einladung an die Beduerftigen mit der Hoffnung auf die kuenf. tige Freiheit? Und einer gibt die schoene Erklaerung: Der Weg zur endgueltigen Befreiung des juedischen Volkes hat Bruederlichkeit und Verantwortungsbewusstsein zur Voraussetzung. Wenn das gesamte juedische . Volk sich vereint und sich durch Opferbereitschaft die endguelti ge Befreiung erkaempft, dann wird uns die ersehnte Freiheit zuteil. An anderer Stelle berichte' uns die Hagada von jener um aus anderen Quellen nich( bekannten Zusammenkunf der fuenf Weisen, die im zweiten Jahrhundert unsere Zeitrechnung lebten, von Rab bi Elieser, Rabbi Jehoschua und Rabbi Elasar ben Asarja Rabbi Akiba und Rabbi Tar fon. ¿3ie lebten in verschiede, nen Ortschaften Judaeas. verliesseh jedoch ihre Farn’ lidif und trafen sich Im- Hause Rabbi Akibas— in B’ne Berak, oeStlich von Jaffa. Offensichtlich durften nlchi einmal, ihre Schueler am Seder teilnehmen, da sie ers bei Morgengrauen eintraten, um die Lehrer auf die nahen, de Zeit des Morgengebetes aufmerksam zu machen. AIj das klingt reichlich geheimnisvoll. Diese Weisen lebten cur Zeit des in unserer Geschichte unruehmheh bekann ten roemischen Kaisers Hadrian, in' dessen Regierungs Periode der heroische Auf stand Bar Kochbas fiel, dem so mancher der Weisen — al len voran Rabbi Akiba— seine moralische Unterstuetzung verlieh. Sie waren auch in Rom gewesen und hatten Kaiser Hadrian, ohne Erfolg um Milderung der die Juden! bedrueckenden Gesetze gebe. 1 ten. In dieser Pessachnachit moes-en die Weisen zusammengesessen haben, um sich ueber den bevorstehenden Aufstand Bar Kochbas zu unterhalten. Die Nacht der Befreiung aus Aegypten sollte auch der Ausgangspunkt fuer die kuenftige Freiheit sein. So moegen die Weisen in die , ser Pessachnacht nicht nur | v o n laengst vergangenen, wunderbare» Ereignissen Sonden Problemen ihrer Zeit ge sprochen haben. Kurze Zeit darauf erlitt Rabbi Akiba sei. nen furchtbaren Maertyrertod durch Roemerhand. Eine andere Stelle der Ha. gada, die uns tief in die Geschichte unseres Volkes hineinblicken laesst, ist jener Ausspruch des Rabbon Gamliel: Wer an Pessach nicht folgende drei Dinge aus. spricht, hat seiner Pflicht nicht genuegt, naemlich: Pessach, Mazza und Maror (Bit. terkraut). Prof. Sulzbach. Frankfurt a|M. wies einmal ln der Monatsschrift “Jeschurun” auf eine öenwiengiiei. hin, die diese Stelle bietet Bei keiner der vielen Miz woth, deren Erfuellung da. Judentum gebietet, wird in sc kategorischer Form die Pf lieh, zur Hervorhebung der Symbo le ausgesprochen. Rabbor Gamliel wollte doch wohl kaum zum Ausdruck bringen dass die Unterlassung dei Erwaehnung von Pessachop. fer, Mazza und Maror die Ausuebung der verschiedener, ln Betracht kommenden Miz woth ungeschehen mache Prof. Sulzbach s. A., glaub diese Stelle aus. der Zeitge schichte deuten zu koennen In die Wirksamkeit Rabbon Gamliel IL, der Vorsitzender aes Synhedrions war, fiel in erster Linie der Kampf gegen die Minim, jene Judenchristen, die im 1. Jahrhundert a. Z. einen schaednchsn, das Judentum . untergrabenden Einfluss auszuueben drohten. Das letzte. Mahl des Stifters les Christentums war, wie .von den. meisten. Historikern xngeriommen wird, ein Pes. rachmahl. Dass sich an dieses paeter das kirchliche Abendmahl an=cMoss — oder wenig stens von ihm beeinflusst war — wird nahezu einstimmig angenommen. Aber an das letzt? Mahl schlossen sich xueh urspruenglich abgehalte p? Ao-äpi»“°n oder Liebes,maeh ,1er an, Sie begannen mit Ge beten und Hymnen, das Brot wurde gebrochen, der Wein gereicht, die Mahlzeit mit religioesen Gespraechen - ge. wuerzt, die Armen zu Tisch geladen und die-, Reichen bestritfQ’-> die Mahlzeit. Es fehlt das Lamm, denn die Person ■Jesus war ja fuer das Opfer.' .lamm, das an Pessach im Tempel in Jerusalem geopfert wurde,, eingetreten und war somit nach Auffassung der Gruender.. des . Christentums ’inberfluessig geworden, Auch Maror — das Bitterkraut — wurde nicht mehr auf den “"isch gebracht, da jene bit. '-ere Vergangenheit, an die es erinnern.; sollte, fuer den peueri G’aub'm als ueberwun. den galt. Und als gar der Tempel von Jerusalem zer- «toert wurde und das Pessachoofer offiziell zu existieren aufhoerte, konnten di» Minim —Tudenchristen— mit dem mheinbar urberzeugenden Ar. m'iment triumphierend ausrüfen: Nun seht ihr, da^s es auch ohne Eüer Pessachoofer "•eht und wie unnoetig es ist. da es ja durch den Oofertod unseres Herrn abgeloest ist. Da griff Rabbon Gamliel Häuf Erde der Kaempfer gegen das Judenchristentum— ein und stellte fuer den Sederabend gerade die verpflichtende Forderung auf, von den drei Festessymbolen Pessachopfer, Mazza und Maror zu sprechen. Moegen die Abgefallenen mit der Vergangenheit gebrochen haben, die Treugebliebenen halten an ihr fest, sie bleibt ln ihnen lebendig, denn sie knuepfen ihre Hoffnungen fuer die Zukunft an ihr an. Das Pessachopfer wird gegen. waertig nicht mehr dargebracht. Aber, wenn Staat und Tempel wieder auf gebaut sein werden, dann wird, so dachte Rabbon Gamliel ■*=- auch das Pessachlamm wieder geopfert. Darum sind wir verpflichtet, Jahr um Jahr die Erinnerung an die drei Festsymbole beim Sederabend wachzuhalten und so immer wieder unseren Glauben an die Zukunft des juedischen Volkes zu bekraeftigen. Und nun zum Schluss noch ein Wort ueber das Lied “Chad Gadja” —ein Laemm. chen— das dem Sederabend seinen froehlichen Abschluss gibt. Es ist in aramaeischer Sprache abgefasst und sicher erst im 15. Jahrhundert entstanden. Es erinnert in seiner Form an die deutschen Jok. kel— oder Jaegerlieder. Sein Grundgedanke ist, dass u-°ber dem Höhen immer ein Hoeh-erer wacht. Obwohl es recht «infach zu verstehen ist. hat das Lied mannigfache mystische Ausdeutungen erfahren, von denen eine es allegorisch auffast: danach ist Israel das Laemmchen, das der Vater, Gott, um zwei ' Suss, naemlich die Bundestafeln, gekauft und das dann dem ersten der einander nunmehr vernichtenden Reiche anheimfaellt; ‘die Katze ent. spricht Assyrien, dör Hund Babylonien, der Stock den Persern, das -Feuer den Griechen, das Wasser den Roemem, der Ochs den Muselmanen, der Schlaechter den Kreuzfahrern, der Todesengel den europaeischen Nationen, die ueber die Muselmanen siegten. Schliesslich kommt der Heilige, gelobt sei Er, um das Prinzip der Gerechtigkeit und sei So wire Synthes Mensch ren H Schicks gelt. Sc der mi dig geb die Erl juediscl uns eri ftH “Das Meister des All Du, in alle i - Lass ueber Thronen, Deinen Wunder der Macht, der die Ms Herrlich vor Dir es geworfen, g . Meister des Ali Du, in alle Lass ueber Thronen. Deine Lob reiht an Lob spaet und fru Hcil’ger Dir, der erschuf jeglicl Irdisches Volk wie den Geist ot Feldes Tier und die im Blauen Meister des All Du, in alle Lass ueber Thronen, Deine: Gross Deine Taten, Du Meister Joch Du dem Stolzen, Stab fue Wenn einer Dich zu messen g« Lebt’ er Jahrtausende, nicht wi

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