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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1952-01-01 · 1 (Enero, 1952) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIV (1952)
Issue
1 (Enero, 1952)
Date
1952-01-01
Page
Seite 8 (sequence 14)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO Enero, 1952 ANKUNFT VOR HORGENGRAUEN Von Dr. ABNER NECHUSCHTAN (Alfred Kupferberg) Es ist noch stockdunkel Das Flugzeug, das aus den Philippinen kam oder dorthin zurueckfliegt, hatte eben noch selbstbewusst und von Scheinwerfen angestrahlt auf dem Rollfeld gestanden und den Sternen am Firmament mit den roten und gruenen Bordlichtern in seiner “Nase”, rechts und links von d. Piloiotenkajuete, geheimnisvolle Blinkzeichen gegeben; dann war es majestaetisch hochgegangen. Nun wartet alles auf die viermotorige Maschine der TWA; sie hatte die Route aus New York ueber Paris, Rom und Athen genommen — und mit jener unheimlichen Praezision, die wir Laien nie begreifen werden, schwenkt sie puenktlich auf die Minute in elegantem Bogen ein. Auf der halbrunden Tribüne vor dem Parterre des menrstoeckigen Hauses, des sen Fassade mit der flatternden Fahne darueber und im naechtlichen kueb'en Wind dem hochgetuermten Bau der vorderen Bor^decks mo. derner Ozeandampfer gleicht, stauen sich die Menschen. Einige Beguenstigte haben es mit Passierscheinen erreicht und stehen auf dem Rollfeld den heraneilenden Beamten, der in Bewegung gesetzten Rolltreppe und den heranfahrenden Trolleys im Wege, Mi.„aturzuegen, die wie Spielzeuge der Soehne reicher Eltern wirken. Schon ist es soweit; die ersten Passagiere kommen herunter — zunaechst eine Dame mittleren Alters, ln beneidenswertem Seal, die in einer temperamentvollen Mischung von Slang und Jiddisch nach Kof. fertraegern ruft; danach ein iangbaertiger Jemand, der eher ein Rueckreisender aus einem der Jerusalemer orthodoxen Viertel als ein leibhafter Tourist zu sein scheint (und sich kurz danach im Zoll mit den Beamten in stuermische Debatten ueber den Inhalt seiner Taschen verwickelte, ohne dass die Auseinandersetzung nach anderthalb Stunden recht vorangekommen war) — und dann: der Junge. “Hallo”, sagt der Junge und macht shake-hands mit dem Freund seiner Eltern, der bis zum Treppengestell, ihn zu begruessen, vorgedrungen war. “How are you?”. So. fort aber faehrt er in einigermassen gutem, nein, in erstaunlich gelaeufigen Hebraeisch fort: wer noch gekommen sei, um ihn abzuholen; und dass die Reise tow meod (1) gewesen sei, afilu mezujan (2), und muede sei er fast gar nicht, und dies und das habe er mitgebracht, und Papa und Mama lassen gruessen. Jetzt, entgegnet Ihm der Freund seiner Eltern, muesse er noch durchs Fegefeuer der polizeilichen An meldung — eine Formsache, dawar paschut meod (3) in seinem Fall — und durch die Zollinspektion. Besser, er be. eile sich, und erzaehle alles weitere nachher. Worauf der Junge bestaetigend nickt; er weiss Bescheid; man faehrt nicht umsonst um den halben Erdkreis; man sammelt seine 'teiseerfahrungen, auch wenn man erst 14 Jahie ist. Abschliessend sagt er: “Bue. nos dias’”; denn eigentlich kommt er nicht aus den Staaten. Papa und Mama leben viel weiter suedlich, irgendwo in Lateinamerika, und ihr Sohn ist nicht etwa erst in Wasnington oder New York ins Flugzeug gestiegen, Gott bewahre! Seine Reise war noch viel laenger. Damit entschwindet er zunaechst in die Bueros. Sein Shaw! flattert ihm um die Ohren; seine pelzgesteppie Joppe hat er, denn es ist kalt, inzwischen wieder zugemacht, und mit der ledernen Kappe auf dem Schopf wirkt er wie ein kleiner Fallschirm, jaeger, oder wie ein entschlossener Nordpolfahrer. Seine Koefferchen und was er sonst an Decken und Taschen mit sich bringt, haelt er in den starken jungen Haendenfest. Er braucht keinen Traeger wie jene Dame. Es ist eine lange Geschichte, die hier ment erzaenit werden son: wie es kam, dass seine Eltern ihn ins Land geschickt haoen. Vielleicht waren sie, die Eitern, selbst schon hier; vielleicht fuhren sie ins lerne Suedamerika nur noch einmal zurueck,um unabweisllche Geschaefte abzuwickein. Jedenfalls sind sie unleugoar, was man in einer frueheren, unserer verstaatlichen Zeit ohne den etwas problematischen Neoenkiang, den das Wort heute leider vielfach erhalten hat, wirklich und wahrhaftig und al len Ernstes gute Zionisten nannte. Vielleicht war es das Kind, das darauf draengte, zunaechst fuer einige Monate, unter Umstaenden aber fuer die Dauer herzukommen, und Papa und Mama so lange zusetzte, bis sie ja sagten. Manches laesst darauf schliessen — vor allem der Umstand, dass dieser Junge ein schon einigermassen gutes, nein erstaunlich gelaeufiges Hebraeisch spricht; er hat es sich —wie sich im weiteren Verlauf ergibt— dort drueben in einem Hebraeischen Gymnasium angeeignet, dies und das vielleicht aber auch im Elternhaus gelernt. Nehmen wir an: er brauchte seinen Eltern nicht einmal besonders zuzusetzen; denn sie sind, wie gesagt, gute Zionisten. Kann sein, dass sie ihrem Kind folgen werden- Lasst es uns hoffen. Inzwischen nehmen die Freunde, die sich in Ludd eingefunden hatten, vor dem Zollbuero Aufstellung und verfolgen den Gang der Dinge durch die Glasscheiben der Fenster. Sie koennen selbstredend kein Wort hoeren; aber sie stellen fest, dass sich die erwachsenen Ankoemmlinge dieses TWA- Flugzeuges mit der Ruecksichtslosigkeit, die auch und gerade bei diesen Torrim herrscht, vorgedraengt und das Kind zur Seite geschoben haben. Man gestikuliert zu ihm hinein; ob es nicht da. fuer sorgen wolle, von der Inspektion herangenommen zu werden. Es gestikuliert zurueck: keine Sorge, heisst das, ich komm schon ran, ich sehe nur noch etwas zu, wie sich die andern abquaelen, es - macht mir Spass. Man ver. staendigt einige menschenfreundlich gesinnte Zoeliner; nicht alle Zoeliner sind Suender, obwohl das in “Carmen’ behauptet wird — und bittet sie, dem Jungen zu helfen. So geschieht es. Nun packt er aus.’ Seine Anzuege. Seine Waescbe. Seine Waschsachen. Ein kleines Radio, Geschenk nordamerikanischer Freunde — offenbar fuehrt dies R-adio zu einem Disput. Wieviel Roehren, ist es nicht etwa zollpflichtig? Er, um Antwort nicht verlegen, gibt die richtige Auskunft. Weiter: winzige Nachbildungen des New Yorker Empire State-Building, d. Freiheitsstatue — vorne in dieser Statuette ist ein Thermometer eingebaut, wie geschmackvoll! — und des Eiffelturmes. Hat er sich alles unterwegs gekauft, wie man spaeter erfaehrt. Er ist auf die Dinger ungemein stolz und meint: reine Bronze. “Das habe ich besonders gefuerchtet, dass diese Kunstgegenstaende verzollt werden muessen”, erzaehlt er dann; aber die Zollbeamten sind ja tipschim (4). “Lo jodim ma seh — tarbut!” (5). So was, so ein Bengel! Sagt es, strahlt ueber das ganze sommersprossige Gesicht, das mit den beiden lustig ins Morgendaemmern witternden Nasenloechern ganz das Ge. sicht des Puck aus der Reinhard’schen Verfilmung des “Sommernachstraum” ist, will sich vor Lachen ausschuetten und fuegt schliesslich hinzu: nicht wahr, ein waschechter Zabre haette sich beim Zoll auch nicht smarter benehmen koennen... Dann ging es nach Tel- Aviv. Als man am Fruehstueckstisch sass, wusste er nicht recht, ob er Milchkaffee oder Kakao waehlen sollte; fuer beides hatte die fuersorgliche Hausfrau vorge sorgt, die fuer die naechste Zeit nun seine muetterliche Beraterin zu werden auserwaehlt und gluecklich entschlossen ist. In diesem Zwiespalt der kulinarischen Gefuehle mochte ihn so etwas wie eine Ahnung dessen ueberkommen, dass Papa und Mama bis auf weiteres tausende von Kilometern weitgerueckt sind, eine Anwandlung von Heimweh, vielleicht auch die Reaktion auf den langen Flug mit seinen beiden letzten, mehr oder minder durchwachten Naechten. Er schluchzte unvermutet auf; Traenen wollten hervorquellen. Gleich aber nahm er sich gehoerig ans Schlafittchen, wischte sich die Augen mit der kleinen, kraeftigen Faust und sagte — mejle (6). Die Bnej Jisrael, Olim aus Indien, wollen unbedingt zurueck, woher sie gekommen waren. Mit anderen Neueinwanderem der letzten Zeit ist es manchmal. Hand auts Herz, auch nicht ganz geheuer —wer wuesste es nicht! Der Staat steht mitten in den enormen Schwierigkeiten der Alija-Einordnung. Die Stimmung ist keineswegs ueberall glaenzend. Wer wuesste es nicht! Aber auch das gibt es also noch: dass Eltern ihr Kind hierherschicken, das sie ueber alles lieben —- und weil sie es ueber alles lieben. Er kam vor Morgengrauen; sie! werden — wir hoffen es und glauben es — nachkommen,, wenn nach diesem Morgengrauen der strahlende Tag, KNESSET» Fuer den auslaendischen Besucher ist die persoenliche Zusammensetzung der Knes. seth nicht uninteressant. Der orthodoxe Besucher freut sich, Vertreter der Orthodoxie sowohl am Ministertisch, als auch im Parlamentspraesidium vertreten zu sehen, und bei beiden sind je einer der schoensten Baerte im Jischuw verteten: der Minister J. M. Lewin und der Parlaments-Vize _ Vorsitzende B. Minz. Unter den 121 Knessethabgeordneten sind es im ganzen 19, die in Israel geboren sind. 81 der Abgeordneten sind in Polen und Russland geboren, 4 in Rumaenien, 7 in Deutschland, einer in Bulgarien, 2 im Jemen, einer im Irak, 3 in Ungarn, einer in Kanada und 2 in Oe. sterreich. Die drei Ungarn sind bezeichnenderweise Mitglieder der orthodoxen Parteien, darunter der Verkehrs, minister Pinchas, der in Sopron geboren ist, und seit 1925 in Tel Aviv lebt. Waehrend Pinchas den Misrachi vertritt, ist sein Landsmann Shlomo Lorenz der Agudath Israel verschrieben, stammt aus Budapest und ist 1939 eingewandert, waehrend sein Parteigenosse Abraham Deutsch auch in der Knesseth die Agudah vertritt, obzwar er erst im Jahre 1945 aus Ungarn eingewandert ist. Die zwei Oesterreicher in der Knesseth sind Shlomo Pçrl. stein, der in Baden bei Wien im Blau-Weiss aktiv war und in Tel Aviv in der Kaufmannschaftsvereinigung fuehrend ist. Der zweite ist Georg Flesch, der Generalsekretaer des Makkabi-Weltverbandes, der 1942 in Palaestina den Versuch machte, die rechtsbuergerlichen Gruppen zu vereinigen. Die sieben aus Deutschland stammenden sind: Felix Rosenblueth (Pinchas Rosen), der im Jahre 1887 in Berlin geboren ist, in den 20er Jahren in der Leitung der Zionistischen Exekutive war. Tel Aviver Stadtrat von 1935 bis 1948, und seit der Gruendung des Judenstaates Justizminister war. Das jetzige Kabinett hat an Stelle von Rosen einen anderen fuehrenden Juden aus Deutschland. Fritz Peretz Naphtali, ein Altersgenosse Rosentolueths aus Berlin, der in der deutschen Gewerkschaftsbewegung einen Namen als Wirtschaftspolitiker hatte. Weniger bekannt ist es, dass ein geborener Dresdner als zweiter Jude aus Deutschland im jetzigen Kabinett ist: Josenh Burg, der Benjamin des Kabinetts, geboren 1909 in Dresden, Schueter der Hildesheimer’schen Rabbinerschule, fuehrend in der misrachistischen Jugendbewegung in Deutschland. Ein weiterer aus Berlin stam. unter der Sonne Jisraels fuer sie heraufgeglueht ist. Sei willkommen, kleiner Gast! Wird es Dir manchmal schwer, sag — mejle (6) Gefaellt es Dir, lass es Papa und Mama wissen; damit sie ihre Koffer nur desto rascher packen. Lass es Dir bei uns gutgehen. Sei gegruesst an diesem “buen dia”, an dem Du eingetroffen bist. Schalom. 1) Sehr gut; 2) sogar ausgezeichnet; 3) eine sehr einfache Sache; 4) ungeschickt; 5) sie wissen nicht, was Kultur ist; 6, es ist mir gleichgueltlg. PROFILE Von MENACHEM KI LAI! mender Abgeordneter ist Dr. Herbert Foerder, de,r besonders als Fachmann fuer Wirtschaftsfragen in der Knesseth gilt. Die “Berliner Vertretung” in der Knesseth wird verstaerkt durch Dr. Hans Rubin, der Mapam-Abgeordneter ist und als solcher wortfuehrend in der Knesseth auftritt. Gewoehnlich wird der sehr sympathische Dr. Fritz Bernstein als Hollaender angesehen, weil er lange Jahre Vorsitzender der Hollaendischen Zionistischen Vereinigung war. Dr. Bernstein ist in Meiningen geboren und war sogar deutscher Soldat. Dr. Bernstein war Handelsminister im ersten Kabinett und ist heute der Sprecher der bürgerlichen Opposition in der Knesseth. Auch die misrachistische Jugendbewegung ent. sandt einen frueheren deutl sehen Juden aus Mannheim, Moscheh Unna, ins Parlament, der sich besonderer Achtung und Wertschaetzung im ganzen Hause erfreut. Von Parlamentariern, die in frueheren Parlamenten in Europa die dortigen juedischen Gemeinschaften vertreten haben, sind mit einer einzigen Ausnahme (Dr. Nu. rock) keiner Chawer deiTKnes. seth. Es ist eigentlich erstaunlich, dass, obzwar sie im Zionismus bekannt waren, ihre parlamentarischen Erfahrungen nicht ausgenutzt worden sind. So ist der Bürgermeister von Holon, Dr. Chaim Kugel, ein altbewaehr. ter Parlamentarier, der zwei Jahrzehnte lang die Juden Karpatho-Russlands im tschechischen Parlament vertreten hat. Ein Nestor der juedischen Parlamentarier ist Maver Ebner aus Czernowitz, der viele Jahre mit viel Geschick und Mut in rumaeni. sehen Parlamenten sich mit den dortigen Antisemiten auseinandergesetzt hat. Ein Ruhmesblatt in der parlamentarischen Vertretung der 3 Millionen Juden Polens ist die Taetigkeit Jitzhak Gruenbaums, dem es nicht gelungen ist, ein Mandat zur Knesseth zu erlangen. Sein Mitstreiter auf zionistischem Gebiet, Dr. M. Soloweitschick, war sogar Minister in einem baltischen Staat. Waehrend das meist Menschen sind, die ueber 50, 60 und 70 Jahre alt sind, gibt es in Israel fruehere Parlamentarier, die zu der juengeren Generation zaehlen, wie der rumaenische Abgeordnete Dr. Samu Singer und sein Kollege Dr. Marton, dessen Aussagen von der An_ glo-American Inquiry Commission in Genf (Wien) ungeheuren Eindruck machten, sowie Dr. Kästner, der obzwar erst seit einigen Jahren in Israel eingewandert ist, schon heute eine populae. re politische Figur im Jischuw ist und als der Vertrauensmann und spokesman von Dr. Joseph gilt. Anzeigenannahme bis zum 15. JANUAR

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