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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1952-01-01 · 1 (Enero, 1952) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIV (1952)
Issue
1 (Enero, 1952)
Date
1952-01-01
Page
Seite 9 (sequence 15)
Language
German
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Enero, 1952 BOLETIN INFORMATIVO 9 Blick in eine Maabarah: EINE STUNDE IN RAMATH- HASHARON Ich weiss im Augenblick nicht, was mich dazu veranlasste, in der letzten Redaktionskonferenz einen Besuch in einer Maabarah vorzuschlagen. Im Grunde genommen, gleicht eine Olimsiedlung der anderen und, bis auf die Unterschiede in den Herkunftsländern, bietet sich da und dort dasselbe Bild dar. Interessanter waere es schon fuer den Journalisten, wandernde Olim zu interviewen, das sind Neueinanderer aus dem Orient, die in der letzten Zeit, des Aufenthaltes in den ihnen zugewiesenen Siedlungen ueberdruessig, ihre Buendel schnueren, um sich, nact freier Wahl, anderswo ni' derzulassen. Wozu sie, nebenbei, gerade von den Kreisen animiert werden, die fuer ein Land schwaermen, in welchem es eine Freizuegigkeit ueberhaupt nicht gibt... Ich besuchte die Maabarah Ramath-Hascharon. Im Eg. ged-Wagen, in den ich, nach relativ kurzer Wartezeit, einsteigen konnte, umfing mich schon eine andere Welt. Mein Nachbar zur Rechten war ein junger Iraker, jener zur Linken, ein Jemenite. Und auf den Baenken, vorn und rueckwaerts, sassen Frauen und Kinder aus den gleichen Gegenden. Uns alle verband dasselbe Reiseziel. Sie fuhren vom Arbeitsplatz nachhause. Mit dem Nachbar zur Rechten komme ich bald ins Ge. spraech, das er in stockendem Iwrith zu fuehren sich bemueht. Er ist seit etwa einem Jahre im Lande, als Fa. briksarbeiter beschaeftigt und —im Grossen und Ganzen— zufrieden. Sein staerkstes Erlebnis bleibt der Flug von Bagdad nach Ludd. Nach knapp 25 Minuten sind wir in Ramath-Hascharon. Meine Reisegesellschaft stuermt zum Ausgang und im naechsten Augenblick bin ich ein Einzelgaenger auf dem sandigen Weg in die Maabarah. Am Eingang zur Siedlung erwartet mich ein Landsmann, der, im Wirbel dieser Zeit, sich vom Kultuspraesidenten eines kleinen Bukowiner Staedtchens in einen Milchfuehrer einer Maa_ barah in Israel verwandelt hat. In seinem Zrif werde ich von ihm und seiner Frau mit einer ausfuehrlichen Darstellung der Verhaeltnisse in der Maabarah Ramath-Hascharon, einer Tasse Tee und einem gebackenen Eigenprodukt bewirtet. Seine Schilderung traegt eine offizioese Farbe. Der Menahel sei umsichtig und gewissenhaft, in der Siedlung herrsche eine idyllische Ruhe und die Leute —es sind ihrer nicht weniger als ungefaehr 6.000, zum groesseren Teil aus dem Orient, zum kleineren, aus Europa — haetten keinen Grund zur Klage. Der Arzt der Kupath-Cholim, Dr. Ja. kar, ein griechischer Jude, steht den Patienten Tag und Nacht zur Verfuegung, ebenso diensteifrig seien auch die soziale Schwester Esther und die Funktionaerin von “Malben”, Judith. Nun, nichts ist wohl leichter, als angesichts der Unzulaenglichkeiten in der Einordnung der neuen Alijah, leichthin Kritik zu ueben. Er. ste Voraussetzung: Man muss die Dinge mit eigenen Augen sehen und, in unmittelbarer Von Dr. E- WEINSTEIN Beruehrung mit den Zelt- und Baracken-Bewohnern, die Eindruecke auf sich wirken lassen. Und da muss ich sagen: Die kranke Frau aus dem Irak, die, neben der Betreuung ihres gebrechlichen Mannes und ihrer sechs Sproesslinge, noch die Geduld aufbringt, vor dem ungeschickt gezimmerten Zelt ein Blumengaertchen zu pflegen, floesst mehr Optimismus in der Beurteilung der Zukunft dieses Landes ein, als — die Gesellschaft Solel-Boneh, die noch im Fruehsommer dieses Jahres die Herstellung von Zrifim fuer diese Maabarah uebernommen und den Auftrag bis heute nicht vollzogen hat. Apropos, Zelte: Deren Zahl sticht, trotzdem der Winter knapp vor der Tuer steht, allzuhart ins Auge. Und wenn man sie mit jener der Zrifim vergleicht, erfasst einen schon jetzt ein unheimlicher Kaelte-Schauer. Wie werden diese Menschen die feuchte Jahreszeit ueberstehen? Wir konferieren, “tagen” und verhandeln auf Kongressen, in der Knesseth und in Meetings, ein Magbith loest den anderen ab — aber das Zelt, dieses tragische Wahrzeichen der juedischen Gegenwart, konnten wir bis jetzt nicht ueberwinden... Eine aeitere Frau, deren Tochter und Schwiegersohn ein europaeisches Land die Einreise nach Israel verbietet, klagt, sie habe sich bis ietzt um die Aufnahme in ein Altersheim vergebens bemueht. Dies, trotzdem sie ue. ber die Mittel verfluege, um die Kosten der Unterbringung zu bestreiten. Kein Einzelschicksal. In der gleichen Situation befinden sich viele Einwanderer derselben Altersstufe. Auch fuer dieses Problem ist bis jetzt keine erschoepfende Loesung gefun. den worden. Die Nacht senkt sich ueber die Maabarah und ich trete, in Gesellschaft meines Landsmannes, der mir von seiner Korrespondenz mit judenfreundlichen Rumaenen erzaehlt. den Rueckweg zum Kwisch an. An dem Makoleth und der Zorchanijah vorbei,1 wo die Leute, bei duerftigem j Licht, ihre Einkaeufe fuer den naechsten Tag besorgen, j An der Egged-Haltestelle j steht ein kleines Maedchens. | Das Kind fluestert meipem! Begleiter in fliessendem Ru. maenisch zu, dass es die Mutter erwartet, die aus Herzliah kommt. Ich erfahre, dass die Eltern des Kindes, Insassen der Maabarah, lungenleidend sind. Ein Scheruth5Taxi, das gerade vorbeisaust, eilt mit mir nach Tel Aviv. Im Auto fuehrt eine Familie — Eltern und Tochter— eine angeregte Unterhaltung in serbischer Sprache. Sie sind, wie ich hoere, in einem in der Naehe gelegenen Schikun jugoslawischer Olim zu Besuch gewesen. Die Tochter, ein Maedchen von eleganter europaeischer Haltung, stillt meine berufsmaessige Neugierde mit der Mitteilung, dass sie vor etwa einem Jahr, nach einer qualvollen Kriegszelt, ins Land gekommen sind. ISRAELS CHANCEN IM EXPORT-MARKT Niemand zweifelt an der wichtigen Bedeutung der Exporte, und deren moegliche Zunahme wurde kuerzlich in weiten Kreisen diskutiert, obwohl bei vielen die Ansicht vertreten ist, dass fuer groessere Verkaeufe ins Ausland nur geringe Aussichten bestehen. Auch wir sind der Meinung, dass es uns nicht schon in allernaechster Zukunft moeg. lich sein wird. Israel in ein Land zu verwandeln, welches die fuer einen Handelsausgleich notwendigen Mengen ausfuehren kann. Unsere natuerlichen Quellen sind begrenzt, und die Entwicklung des Exporthandels durch technische und kommerzielle Einrichtungen benoetigt Zeit. Finanzprobleme, Kaeufe von Rohmaterialien und andere Fragen, wie z. B. die Verkaufsorganisation im Ausland, Versicherung, Transport, und Zollschwierigkeiten, werden nun ernsthaft behandelt, sind aber noch nicht vollstaendig geloest worden. Die Schwierigkeiten, die aus den hohen Produktionskosten und qualifizierter Arbeit entstehen, sind noch nicht bezwungen worden, und es ist klar, dass noch viel Pionierarbeit auf allen diesen Gebieten geleistet werden muss. Die vielen Schwierigkeiten, die von den einzelnen Fabriken, von der gesamten Industrie und von den Regierungs, stellen, welche fuer die Foerderung des Exportes verantwortlich sind, bewaeltigt werden muessen, koennen nicht als gering betrachtet werden. Es besteht aber kein Grund, pessimistisch zu sein, und wir sollten nicht vergessen, dass wir positive Grundlagen zu einer kuenftigen Entwicklung haben. Israel ist arm an natürlichen Exportquellen, aber einige sind doch vorhanden. Auf landwirtschaftlichem Gebiet gibt es viele Produkte, welche wir schon frueher exportierten, und deren Produktion noch stark vergroessert werden kann, wie z. B. Citrus. fruechte, Olivenoel und Wein. Unsere guenstige geographische Lage wird uns im Laufe der Zeit ermoeglichen, auch andere landwirtschaftliche Erzeugnisse, wie frische und konservierte Fruechte. Gemuese und Tomatenprodukte, zu exportieren. Auch Produkte des Toten Meeres sind erstklassige Exportartikel und sollten nicht vergessen werden. Die fachmaennische Kenntnis, die von vielen Produzenten im Ausland erworben wurde, zusammen mit der hohen Intelligenzstufe unserer Arbeiter, bilden ein ueber. aus wichtiges Plus in der Entwicklung der Exporte und haben auch schon auf verschiedenen Gebieten Erfolge gezeitigt. Wir moechten hier einige Zweige der Feinmechanik erwaehnen, ausserdem Optik und kuenstliche Zaeh- “Wir fuehlen uns hier viel sicherer als dort”. Gibt es noch ein zweites Land in der Welt, in dem auf einer Distanz von ueber 20 Kilometern zwei Erdteile, vir. tuell, zusammengeballt sind? So. Das ist das Ergebnis meines einstuendigen Besuches in der Maabarah Ramath-Hascharon. (“Emeth”) ne, Strickwaren, Textilien, Konfektionskleider und feine Lederwaren. Zur fachmaennischen Arbeit und Ausfuehrung kommt noch, was die Modeindustrie betrifft, der gute Geschmack in der Auswahl der Modelle hinzu, die exakte Innehaltung des Standards der Modelle und die volle Berücksichtigung der Kundenwuensche. Obwohl die Beachtung der Kundenwuensche keinen Ausgleich bildet fuer die grossen Preisunterschiede, wird dadurch doch der gute “Wille” bewiesen, welcher oft den entscheidenden Ausschlag gibt, wenn ein Kunde zwischen verschiedenen Offerten von ungefaehr gleicher Preislage zu waehlen hat. tn Anbetracht all dieser Faktoren hat Israel mindestens die gleichen Chancen wie andere Exportlaender. Im Lichte der Erfahrung, die wir im ersten Stadium unserer Exporttaetigkeit gesammelt haben, kann festgestellt werden, dass, generell betrachtet, unsere Exporte, was Initiative und Anpassungsfaehigkeit betrifft, die Pruefung bestanden haben. Die Bedeutung guter Handelsbeziehungen zwischen Israel und den Juden in aller Welt sollte, was unsere Exporte betrifft, nicht unterschaetzt werden. Das will nicht heissen, dass wir uns allein auf sentimentale Ruecksichten verlassen sollen, aber es besteht kein Zweifel, dass Israel-Produkte auf jue dische Kunden im Auslande eine Anziehungskraft ausue.. ben — solange wir in bezug auf Preise und Qualitaet kon. kurrenzfaehig sind. Dies gilt nicht nur fuer Artikel religioesen oder kulturellen Wertes, obwohl diese von speziellem Interesse sind. Die Ausfuhr religioeser Artikel, hebraeischer Buecher. religioeser und wissenschaftlicher Buecher hat bereits bedeuten, de Proportionen erreicht: die Idee, in Israel ein Produktionszentrum dieser Artikel zu errichten, ist deshalb vollauf gerechtfertigt. Die Aussichten auf diesem Gebiet sind jetzt sogar noch groesser geworden, da die bisher wichtigsten Lieferzentren dieser Waren — Polen und seine Nachbarlaender — vom Weltmärkte verschwunden sind. Unsere Verbindungen im Auslande und unsere geographische Lage sollten uns ermoeglichen, durch den Verkauf der Produkte eines Landes an ein anderes, in Form eines Transithandels, wirtschaftlich zu profitieren. Die Halbfabrikation oder die Veredelung solcher Waren wuerden fuer uns als Reexporthandel von speziellem Interesse sein, besonders da wir auf diese Weise unsere Einnahmen an fremden Devisen vergroessern koennten, und dies ausserdem zur Arbeitsbeschaffung im Lande beitragen wuerde. Modewaren, wel. che unter diese Handelsform kommen, schliessen Pelze. Garne usw. ein. Auch unsere unsichtbaren Exporte, wie z. B. die Einnahmen auf dem Gebiete des Fremdenverkehrs, sind von groesster Bedeutung. Israel hat in dieser Beziehung gute Moeglichkeiten: Der Fremdenverkehr kann einen Gross, teil der industriellen und landwirtschaftlichen Erzeugnisse Israels verbrauchen und koennte ausserdem eine billige Reklame fuer Israels Erzeugnisse werden. Der Staat kann die Exporte durch finanzielle Hilfe, Zollerleichterungen, Erwerbung von Maschinen und andern Methoden foerdern. Wir koennen natuerlich nicht auf Wunder warten. Die Mittel, welche dem Staat zur ’Verlegung stehen, sind begrenzt, und nichts kann gewonnen werden, wenn die hiesige Bevoelkerung im allgemeinen und die Exporteure und Industriearbeiter im besondern die Bedeutung des Exporthandels nicht erkennen. (“Das Neue Israel”) Diese Kanone zerstoert nicht. Es ist naemlich ein “Betonkanone” und ihre Aufgabe besteht darin, in wenigen Stunden ein Haus zu "giessen”.

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