Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIV (1952)
- Issue
- 1 (Enero, 1952)
- Date
- 1952-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Enero, 1952 BOLETIN INFORMATIVO 7 r k Praesident ’Weizmann Zwei Mal hat Prof. Weiz. mann in den letzten Wochen die Schlagzeilen der Presse eingenommen: anlaesslich seiner Wiederwahl und waeh. rend seiner schweren Erkrankung. Seine Wiederwahl war bedingt durch jene Klausel der “Kleinen Konstitution”, der. zufolge der Praesident Israels drei Monate nach Einberufung einer neuen Knesseth gewaehlt wird. Sie stellte keine Ueberraschung dar: von solch ueberragender Bedeu. tung ist seine Persoenlichkeit, dass die antizionistischen Parteien, die seine Wiederwahl bekaempften, keinen Gegenkandidaten finden konnten, der bereit gewesen waere, sich aufstellen zu lassen. Wir sagen “antizionistische” Parteien, weil dies tatsaechlich die Konstellation war. Gegen Weizmann traten auf und enthielten sich ln Ermangelung eines Gegenkandidaten der Stimme: Erstens die Kommunisten. Zweitens die Revisionisten, die das Schlachtbeil gegen die “alte” Zionistische Organisation immer noch nicht begraben wol len und vor allem Weizmann sein jederzeit entschlossenes Auftreten gegen Faschismus und Terror nicht verzeihen wollen. Drittens die Agudas Jlsroel, von deren drei Abgeordneten einer abwesend war. einer den Saal verlies» und einer sich der Stimme enthielt. Es ist nur traurig, dass diese fanatische religioese Splittergruppe in der Regie, rung sitzt. Was bedeuten aber diese 14 Stimmenthaltungen im Vergleich zu der Tatsache, dass alle anderen Parteien, von Mapam bis zu den Klalim nicht nur fuer Prof. Weizmann stimmten, sondern ihn Partei nach Partei als ihren jeweils eigenen Kandidaten proklamierten? Es war eine ergreifende Szene, die an grosse vergangene Momente erinnerte, als der Parteienha. der, der in Israel logischerweise nicht geringer ist als ln allen Laendern der Welt, in denen politische und Meinungsfreiheit besteht, ueber. wunden wurde durch die einigende Macht dieser einma. Ügen Erscheinung. Dementsprechend intensiv war auch das Mitgefuehl, das die ganze juedische Welt er. beben liess, als dieser Mann wenige Tage spaeter schwer erkrankte, seine Aerzte bereits von der Hoffnung auf! ein Wunder sprachen und al. le Synagogen Israels Bittgot tesdienste abhielten. Und nicht minder erloesend war die Erleichterung, die Alle verspuerten, als dieses Wunder einzutreten schien. Moe. ge die Proklamation des Knesset-Praesidenten Sprinzak die er anlaesslich der neuerlichen Investierung Prof. Weizmanns zum Praesi. denten des Staates erliess. sich erfuellen: “Lang lebe der Praesident Israels”. FRIEDL TICHAUER SALON OE MODAS Jetzt lm neuen Local IRARRAZiVAL 325 Fast Ecke Semlnario, Rueckwanderer? Vier blinde Passagiere, die aus Israel nach der Tuerkei zurueckkehren wollten, befanden sich auf einem in der Haifa.Bay versunkenen Schiff. Hundertdreissig Ein. Wanderer aus Indien, die von der “Jewish Agency’’ ihrer Rueckbefoerderung forderten, da sie angeblich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ins Land “gelockt” worden, werden zur Probe noch einmal weitere zwei Monate bleiben. Von manchen Anderen behauptet man, dass sie wahrscheinlich auswandern wuerden, wenn sie ein “Exit”. Visum bekommen koennten oder wuessten, wohin... Diese Tatsachen sind nicht gerade erfreulich. Aber soll man sie deswegen verleugnen? Gewiss nicht. Wer hat gesagt, dass es in Israel nur erfreuliche Tatsachen gibt? Der Schiffbruch einiger Dutzend oder Hundert Men. sehen kann niemanden ue. berraschen. Aus ebenso viel dutzend oder hundert Gruen. den nicht. Hat es schon einmal ein Einwanderungsland gegeben, das nicht auch eine gewisse Rueckwanderung hat’ Hat es schon einmal eine AU jah-Welle gegeben, deren Eb be nicht auch etwas Sand in? Meer zurueckspuelte? Und haben sie nicht trotzdem alle mehr Duenen aufgehaeuft al abgetragen, die letzte mehr als alle vorhergehenden zu sammen? Wissen wir etwa nicht, dass die Lebensbedin gütigen in Israel im Moment sehr sehr schwer sind? Dass man vor einer Ernaehrungsl und Wirtschaftskrise steht? Wissen wir nicht etwa ganz genau, dass wir Juden in der Welt unsere Pflicht gegenue ber der Alij ah-Auf nähme aufs Groebste vernachlaessigen? Wir wissen dies und vieles andere. Und wir wissen vor allem, dass im Monat immer noch durchschnittlich 15-?0.000 Neueinwanderer ankommen, dass seit der Staats. gruendung mehr als "ine halb“ Million Menschen ins Land gekommen sind. Das gibt die Proportion: eine halbe Million — vier oder hundert dreissig oder ein paar Dutzend oder ein paar Hundert. I ATSCHEKA OBERHEMDEN- KRAVATTE N — saemtl. Herrenartikel I PW“| Í 3!? ALEJANDRO LANDE | P MONEDA 1055 Fono 81178 | DIE REVOLUTION IN SYRIEN Die vierte Militaerrevolution in der Geschichte Syriens ereignete sich wenige Stunden nach der Bildung der neuen syrischen Regierung, unter der Fuehrung von Dr. Dawalibi, einem proaegyptischen Politiker, der Sowjetrussland nahesteht. Oberst Shishakly, der bekanntlich Generalstabschef der syrischen Armee ist, hat vor zwei Jahren eine Revolution gegen Oberst Hinnawi organisiert, als er vor der Tatsache stand, dass die “Volkspartei’’ daran geht, eine Regierung zu bilden, in der die Armee nicht vertreten war- Der Kampf zwischen Shishakly und der Volkspartei, die ueber die Mehrheit im Parlament verfuegt, datiert schon seit der ersten Revolution Shishaklys. Shishakly oeseitigte damals das Regime Hinnawis, der mit der Volkspartei zu dem Zwecke gemein, same Sache machte, um die Bestrebungen der Haschemiten auf einen Zusammen. Schluss Syriens mit Transjor, danien oder mit dem Irak zu realisieren. Shishakly bezeichnete damals seinen Schritt nicht als Revolution, sondern bloss als Revision. Auch jetzt vermied Shishakly den Ausdruck “Revolution” und nannte den neuesten Staatsstreich “die zweite Auflage der Revision”, die den Zweck haben soll, die Position der Armee im Staate sicherzustellen. Was veranlasste den Generalstabschef der syrischen Ar. mee zu diesem Schritt? In seiner Rundfunkansprache beschuldigte Shishakly die Volkspartei der Verhoehnung der Armee und des Versuches, gegen diese Hass im Volke zu zuechten. Die Volkspartei, so sagte der neue syrische Diktator, benuetzte die bestehen de Krise fuer diesen Zweck. Diese Partei wolle die Militaergewalt in ihre Hand bekommen, um sich einen Sieg bei den allgemeinen Wahlen zu sichern und um schliesslich einem haschemitischen Koenig den Weg nach Syrien zu ebnen und auf diese Weise die Unabhaengigkeit des Landes zu schmaelern. Diesem Standpunkt traten die Fuehrer der Volkspartei und andere syrische Politiker entgegen, indem sie behaupteten, dass die Verhaeltnisse im Lande so lange nicht konsolidiert werden koennen, als das Armeekommando sich in die Politik einmischt. Die Armee, so sagen diese Kreise, habe die einzige Aufgabe, die Heimat ln dieser gefaehrlichen Zeit zu schuetzen. Dieselben Kreise versuchten, mit den Armeekommandanten zu einem Einvernehmen zu gelangen, aber Shishakly und seine Genossen wollten ihren Standpunkt nicht aufgeben. Das ist die Ursache der wiederholten Regierungskrisen in Syrien. So lange die Regierung auf die Weisungen der Armee hoert, kann sie existieren. Sobald sie aber eine gewisse Unabhaengigkeit bewahren will, entsteht sofort eine Kabinettskrise. Die Volkspartei beschloss nun, einen entscheidenden Schritt zu tun. um Shishakly die faktische Herrschaft aus der Hand zu reissen. Sie un. terbreitete dem Parlament einen Gesetzesantrag, nach welchem die weiten Befugnisse des Generalstabschefs auf den Praesidenten der Republik und auf die Regierung uebergehen sollen. Gleichzeitig wurden die Sicherheitsan. gelegenheiten (Polizei und Gendarmerie) dem Innenministerium unterstellt. Das Sicherheitsressort sollte, im Sinne dieses Gesetzentwurfes, fortab dem Verteidigungsminister entzogen werden. Die letzte Regierungskrise hatte ihre Ursache darin, dass die Mehrheitspartei sich weigerte, eine Regierung zu bilden, beziehungsweise an ei. ner Koalitionsregierung teilzunehmen, die nach dem Willen Shishaklys zusammengesetzt werden sollte. Der Staatspraesident wurde, wie es scheint, gezwungen, dem Willen der Mehrheit nachzugeben und eine Regierung unter Fuehrung von Dawalibi zu bestaetigen, wobei der letztere auch das Verteidigungsportefeuille ueberneh. men sollte. Auf diese Weise wollte Dawalibi den Einfluss des Generalstabs auf die Regierung paralysieren. Das war der unmittelbare Anlass fuer Shishakly, die Macht zu ergreifen, noch bevor die neue Regierung an die praktische Arbeit ging. Aus demselben Grunde verfuegte Shishakly auch die Verhaftung der Fuehrer der Volkspartei und besetzte deren Aemter. Es macht aber den Eindruck, dass nicht allein diese! Bedenken zur vierten Revolu. | tion in Syrien fuehrten, son. \ dern auch die politische j Orientierung der neuen Regierung im Allgemeinen und ihres Chefs im Besonderen. Die Haltung des Politikers Dawalibi, dem sich auch Fuehrer der Moslemischen Bruederschaft anschlossen, haette die aeussere und innere Politik Syriens in eine Richtung fuehren koennen. die der Armee nicht passte. Shishakly unterhaelt freundschaftliche Beziehungen zu Frankreich, das die syrische Armee durch Waffenlieferungen staerkt. Die Verbindungen Shishaklys mit Paris sind derart geschaffen, dass der Beschluss der Arabischen Liga, die Marokko-Frage im Plenum der UNO aufzurollen, eine gewisse Verlegenheit in Syrien hervorgerufen hat und dass der syrische Vertreterin der Liga die Forderung auf Absetzung dieses Punktes von der Tagesordnung stellte. sen, dass die syrische Regierung den Antrag der Weststaaten zurueckweist. Ein solcher Beschluss haette die Haltung der Armee irritiert und ganz besonders ihr Ruestungsprogramm erschuettert. Denn dann haetten Frankreich und die uebrigen Laender des Westens ihre weitere Unterstuetzung Syrien gegenüber versagt. Schliesslich ist die Armee gegen die Regierung Dawali¬ bis auch aus dem Grunde auf getreten, weil Dawalibi eine weitgehende soziale Reform in Aussicht genommen natte. Er wollte eine weitausgreifende Agrarreform durchfuehren und die Boeden der Grossgrundbesitzer. Syriens enteignen, um diese jenen Bauernschichten zuzufuehren, denen es an Boden fehlt. Die Durchfuehrung eines solchen Programmes haette zu Unruhen und zu einem schweren Klassenkampf gefuehrt, dessen Zeichen schon in bestimmten Teilen des Landes sichtbar wurden. Die Armee und ein grosser Teil der Grundbesitzer, die Shishakly unterstuetzen, sind aber an solchen Unruhen nicht interessiert. i Die Uebernahme der Regierung durch Dawalibi wurde durch zwei Umstaende verursacht. Durch die Spaltung der Volkspartei im Zusammenhang mit der aeusseren Politik und durch das Umsichgreifen extremer nationalistischer Stroemungen, die von Leuten aus seiner Umgebung und durch die Moslemische Bruederschaft genaehrt wurden. Diese Wendung hatte zum Sturz der Regierung Hassan el Haehim gefuehrt, der auf Seiten des Westens gestanden war. Diese Verhaeltnisse haben den Praesidenten der Republik dazu veranlasst, Dawalibi die Regierungsbildung zu uebertragen — trotzdem der Staatspraesident mit der prosowjetischen und proaegyptischen Haltung Dawalibis nicht einverstanden war. Die Uebernahme der Macht durch Dawalibi verschaerfte die Situation und liess in Shishakly den Entschluss reifen, dieses System zu Falle zu bringen, um seine Stellung nach innen zu retten und seine Verpflichtungen gegenueber jenen Kreisen des Auslandes, die ihn unterstuetzen, zu erfuellen. (“Haarez”) Neue Probleme in Tripoli Grosse Besorgnis herrscht unter den Juden Tripolis an¬ Syrien hat bis jetzt zur Frage des Mittelostkommandos keine definitive Stellung bezogen. Durch diese unbestimmte Haltung bietet sich diesem Lande die Moeglich. keit zu weiteren Erpressungen gegenueber Amerika und! den uebrigen westlichen j Staaten. Die Uebernahme derj Regierung durch Dawalibi haette dazu fuehren mues. gesichts der bevorstehenden Selbstaendigmachung von Lybien und Cyrennaica. Der juedische Weltkongress ist bemueht, in die neue Konstitution das verbriefte Recht fuer die Juden zur Auswanderung mit ihrem Vermoegen einzubeziehen.