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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1974-05-01 · 5 (Mayo, 1974) · p. Seite 20

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXVI (1975)
Issue
5 (Mayo, 1974)
Date
1974-05-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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MAYO 1975 20 Bekanntlicherweise ist das religiöse Establishment in Israel fest in orthodoxer Hand, ebenso wie in Grossbritannien, das in der Mandatszeit ja auch die bis dahin unbekannte Einrichtung eines Oberrabbinats einführte. Und vielleicht gilt für Israel ebenso wie für Grossbritannien die Bemerkung des Londoner Rabbiners und Gelehrten konservativer Prägung, Prof. Louis Jacobs, dass authentisches Judentum sich ohne Hierarchien abspielt. Einer der wenigen nicht zum religiösen Establishment gehörenden orthodoxen Rabbiner in Israel ist der Knesset-Abgeordnete Menachem Cohen. Vor kurzer Zeit bereitete er sowohl der NRP wie seinen eigenen Genossen von der Arbeiterpartei einen Augenblick der Bestürzung: forderte doch der Histadruth-Rabbi das noch nie Dagewesene — einen Abbau der zwei Kulturen, die das israelische Erziehungssystem züchtet. Es handelt sich um Kinder und Jugendliche der beiden Richtungen: allgemeines und religiöses System vom Kindergarten bis zur Universität. Könnten sie nicht vielleicht gemeinsame Singstunden haben, oder Spiele, oder auch nur miteinander reden? Das wäre doch ein Beginn des Kennenlemens. Ansonsten entstehen vielleicht eines Tages zwei israelische jüdische Nationen, die nur dem Namen nach verbunden sind. Manchmal entsteht allerdings der Eindruck, dass die Auffassungen von Judentum bereits heute weitgehend auseinandergehen. Um diese Gefahr zu dämmen, berufen Volkshochschulen und Stadtväter öffentliche Symposien über Judentum ein, die in riesigen Anzeigen bekanntgegeben werden. Hochschullehrer und Rabbiner geben Seminare, von Galiläa bis in den Negev, über Prägen der jüdischen Identität und Geschichte. Das hat es bisher in einem solchen Ausmass noch nie gegeben Viel ist dadurch versäumt worden. Oft scheint es ja leider so, als werde die jüdische Religion nur durch eine einzige, ultrastrenge Richtung monopolisiert. Viele Israelis fühlen sich davon nicht angesprochen und hatten bisher kaum Gelegenheit, auch andere Richtungen innerhalb der Orthodoxie kennenzulernen, etwa die des Begründers der modernen orthodoxen Richtungen, Samson Raphael Hirsch, dessen Schule richtungweisend geworden ist. Und in dieser Zeit einer verstärkten religiösen Suche sollte es im Interesse aller traditionsbewussten Juden liegen, möglichst vielen ein möglichst breites Band zu vermitteln. Das wird auch im israelischen Rundfunk betrieben. Zu den bisherigen zahlreichen Sendungen über Bibel, Talmud Chassidismus kommen nunmehr Quizsendungen im Fernsehen über Brauchtum und Hör-Magazine mit Rabbinern. Oft wird durch die erteilten Prägen Gesprächsstoff geboten, oft wird die Ablehnung der Fragenden dadurch aber auch bekräftigt. Etwa wenn die Frage nach dem Brauch der Chalitza — der Loslosung vom Schwager für eine kinderlose Witwe, als sehr fragwürdig für moderne Menschen bezeichnet wird, und ob das denn nötig sei — und die Antwort auf die schlichte aber oft akute Frage lautet: es handelt sich dabei um mystische Geheimnisse, die nicht jeder verstehen kann. Für Kriegswitwen ist es keineswegs eine Frage mystischer Geheimnisse, sondern die Unmöglichkeit, eine neue Ehe einzugehen, bis ein minderjähriger Schwager Bar Mitzwa wird. Das kann von einem bis zu dreizehn Jahre dauern. Und mangels einer zivilen Eheschliessung muss sich diesem Gesetz auch unterwerfen, wer nichtorthodoxgläubiger Jude ist. Innerhalb des legalen Systems gibt es keine Aufhebung der Chalitza, und wie in einer Reihe anderer Fälle könnte hier nur die Ziviltrauung Abhilfe schaffen. Oder aber mindestens die Anerkennung der konservativen und Reformrabbiner. Jetzt muss man stillschweigend auf die Souveränität des Staates in Ehefragen verzichten und ' die Ehe im Ausland schliessen, wobei man zwar das eigene Problem löst, aber seinen Kinder künftige neue Probleme schafft. Die Standard-Antwort von orthodoxer Seite lautet, dass es immer Randfälle gäbe, dass das katholische Eherecht z.B. keine Scheidung erlaubt und das Judentum doch so viel fortschrittlicher sei. Das stimmt zwar, geht aber am Problem vorbei. Ebenso bedenklich sind Grundsatzfragen des Verhältnisses zu nichtjüdischen Religionen. Da wird im Rundfunkprogramm die Frage gestellt: viele Israelis besuchen bei Ausflügen christliche Kirchen, die sie ebenso wie Museen besichtigen. Was sagt das Religionsgesetz dazu? — Man sollte erwarten, dass der Befragte - der sefardische Oberrabbiner von Tel Aviv sagen würde: orthodoxen Juden stellt sich die Frage überhaupt nicht, denn sie werden keine Kirche betreten. Andere mögen daran denken, dass sie in den Kultraum einer Religion treten, der vielen Niehtiuden ebenso heilig ist wie uns eine Synagoge, Hillel lehrt uns: was du nicht willst, das dir man tu, das füge keinem andern zu! Wer solches erwartete, hatte anscheinend eine utopische Meinung darüber, was die höchste jüdische Autorität der grössten jüdischen Stadt als ihre Aufgabe ansieht. Denn Rabbi Halevi schüttelte sich geradezu vor Entsetzen. wer auch nur aus Zufall eine Kirche betritt, sollte einen Fasttag einlegen, aus Reue, wie es die Weisen lehren. Es ist ein ganz strenges Verbot, denn Christen sind Götzendiener. So sagt die Halacha. Zufällig hörte ich diese Antwort und überlegte mir, was das höhere Rechtsgut im Sinne der Halacha sei: die Mitteilung an hebräisch-sprechende Christen (Studenten, Gäste, Schulkinder etc.), dass sie Götzendiener seien, oder die Überzeugung, nun gottgefällig zu handeln. Vor allem war mir unverständlich, dass der gelehrte Vorsitzende des Bezirksrabbinatsgerichtes entgegen dem geläufigen jüdischen Brauch nicht mitteilte, dass durchaus nicht alle halachischen Autoritäten dieser Meinung sind. Auf meine schriftliche Anfrage teilte Oberrabbiner Halevi mir mit: “Ich kenne keinen autoritativen Dezisor, der meint, dass das Christentum nicht Götzendienst im halachischen Sinne dieses Terminus ist.” Meine Frage nach der jüdischen Ethik, die verpflichtet, auf die Gefühle der Menschen Rücksicht zu nehmen und das friedliche Miteinander zu wahren, erfolgte die rhetorische Frage: “Ist es denn eine Verletzung christlicher Gefühle, wenn ein Jude eine Kirche nicht betritt?” Unbeantwortet blieb meine Frage nach dem Eindruck, den eine solche Unterweisung auf Unbedachte machen kann, besonders in Verbindung mit dem Wunsch, dass bald jeder Ort des Götzendienstes aus unserem Lande vergehen möge (so war es in der Sendung). Da Rabbiner Helevi dies als die einzig mögliche Stellungnahme des Judentums darstellt, würde ich es als unverantwortlich sehen, diese Frage nicht zur öffentlichen Diskussion zu stellen. Dazu muss folgendes bedacht werden: Die Fragen der praktischen Nächstenliebe — Sorge für Arme und Kranke etwa _ werden dadurch nicht berührt, denn sogar dem “Götzendiener” der Antike galten die Pflichten der Fürsorge durch jüdische Gemeinden und Einzelne. Es könnte also um geschäftliche und gesellschaftliche Beziehungen gehen. Für beide gibt es sehr ausführliche Bestimmungen in Bibel, Mischna und Talmud. . Der Kontakt mit Götzendienern, d. h. Angehörigen polytheischer Religionen wie der Römer, wird im Talmud geregelt _ vor allem im Traktat Awoda sara. Nun ist jedoch der springende Punkt, dass die Dezisoren des Mittelalters diese Gesetze weitgehend ausser Kraft setzten! Die klassische Stelle dieser Regelung stammt aus dem 12. Jahrhundert aus Frankreich. Ihr Autor ist Rabbenu Tarn, der Enkel des Raschi. Sie ist im Talmud mit abgedruckt (Sanhedrin 53 b; Bechorot 2 b), und besagt, dass Christen in ihrem Gehet den Einen Gott und Schöpfer meinen, obgleich sie ihm Personell beigesellen. Das ist ihnen jedoch im Gegensatz zu Juden erlaubt, denn sie sind ja eben nicht Juden, sondern Söhne Noahs. Dieses ist eine halachische Definition durch einen autoritativen Dezisor. Ein religionsgeschichtlich denkender Kollege des Rabbenu Tarn verglich im übrigen die Christen mit den Sadduzäern — wohl infolge ihres Respekts vor der Bibel. (Pisskej Tossafot Awoda Sara 2b.) Auch im Kodex des Maimonides (12. Jh.) findet sich die damals übliche Einteilung der Nichtjuden in drei Gruppen: Götzendiener (in seiner Zeit sind damit eventuell afrikanische Religionen gemeint, oder der Hinduismus, den er gelegentlich erwähnt), Noachiden, und Halbproselyten. Diese letzteren sind vermutlich Mohammedaner und Christen. Er unterscheidet diese beiden Gruppen eindeutig von “Götzendienern” (Kodex, 14. Teil: Könige, 10. Kap.). Auch im Schulchan Aruch (16. Jh.) lesen wir die Formulierung, die von Rabbenu Tarn stammt, dass “in dieser Zeit” die halachischen Vorschriften betreffs Götzendienern nicht zu treffen (Hagaha, O.Ch., 156). Diesen verdeutlichenden Zusatz brachte Mose Isserles, durch dessen Redaktion der Schulchan Aruch erst verbindliches Recht der aschkenasischen Juden wurde. Aber auch der sefardische Autor des grossen Werkes, Rabbi Joseph Karo, erwähnt bereits die Ansicht Rabbenu Tams (J. D. i48, 12), als "verbreitete Meinung”. In der häufigen Polemik von Nichtjuden gegen den Talmud waren gerade solche Entschei- Pnina Nave Levinson düngen von grosser Bedeutung, um die irrtümliche Meinung auszuräumen, als seien Juden durch überholte Ansichten, die sich im Talmud finden, für alle Zeiten gesetzlich verpflichtet. Es war ja gerade die Aufgabe der nachtalmudischen Rabbinen, das Recht ständig weiterzuentwickeln. Das gleiche hatten die Autoren der Mündlichen Lehre in Michna und Talmud getan — etwa wenn sie das zu Unrecht berüchtigte “Auge um Auge” als Schadenersatz gesetzlich verankerten und damit das erste uns bekannte ausführliche Wiedergutmachungsrecht schufen. Auch vor 200 Jahren tauchte die Frage nach dem Verhältnis von Juden zu Christen in der Literatur der Dezi soren, d. h. der autoritativen rabbinischen Juristen, auf. So heisst es in einem Gutachten des Altonaer Rabbiners Jakob Emden: “Es genüge uns zu sagen, dass kein Jude sie für Götzendiener hält” (Sche’elat Jawetz Nr. 41), und das gilt, wie er dort meint, für die Christen in allen Ländern, auch in Israel — “sogar wenn wir über sie herrschten und sie unsere Untertanen in unserem Lande wären”. Und in seinem Kommentar zu den “Sprüchen der Väter” betont er das Verdienst der Christen in der Verbreitung des Gottesgiauhens unter den Völkern. Die meisten westlichen und viele weitere Juden sind doch gewiss mit diesem Vorverständnis aufgewachsen. Sollte nun ganz offiziell die Ausnahme zur Regel werden, ohne dass eine solche Flage öffentlich diskutiert wird? VauanT STARK HNOS. S. A. C. I Vicuña Mackenna 587 - Fonos 223585-223293 I . Wir beraten Sie unverbindlich bei der Zusammenstellung Ihrer Reisen im In- und Ausland.!Hotel Reserven - Ausfluege - Passagen' Guenstige Zahlungsbedingungen ¡SPORTSTOUR TEATINOS 304, TELS. 68832-83058-63100

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