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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1974-05-01 · 5 (Mayo, 1974) · p. Seite 19

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXVI (1975)
Issue
5 (Mayo, 1974)
Date
1974-05-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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MAYO 1975 19 Das christlich-jüdische Gespräch ist in der letzten Zeit in eine neue Phase eingetreten. Dieses Gespräch, das in der heute geführten Form in Europa und Amerika, in kleinerem Ausmass auch in Israel selbst, seit dreissig Jahren im Gange ist, begann nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als ein Gespräch aus der Schuld, nachdem die Kirchen (zu spät) erkannt hatten, dass sie durch Schweigen an der grössten Katastrophe der jüdischen Geschichte mitschuldig geworden waren. Die zweite Phase dieses Gespräches war das Gespräch aus dem Staunen, ausgelöst durch die Gründung des Staates Israel 1948 und verstärkt durch die Wiedervereinigung Jerusalems in der Hand Israels 1967. Millionen Christen in der Welt sahen in diesen Ereignissen nicht nur ein politisches Geschehen der Zeitgeschichte, sondern auch die Erfüllung alttestamentlicher Prophezeiungen, sozusagen die heilsgeschichtliche Komponente des Staates Israel. (Diese Haltung blieb nicht unwidersprochen. Es gab, in allen Kirchen, theologische Kreise, die den heilsgeschichtlichen Charakter dieser historischen Fakten ablehnten und ihnen nur politische Bedeutung zubilligen wollten). Eine dritte Phase erwuchs aus der Krise des Jom-Kippur-Krieges im Oktober 1973. Jüdische Gesprächspartner, die aktiv in diesem interreligiösen Dialog stehen, stellten in tiefer Enttäuschung das lange Schweigen kirchlicher Führungskreise (in Jerusalem und in aller Welt, von Rom bis Genf, den beiden Zentren der Christenheit: im Vatikan und Weltkirchenrat) fest. Die offene Anfrage jüdischer Wortführer zeitigte aber auch wiederum klare Antworten, so dass eine drohende Krise in diesem Gespräch überwunden werden konnte. Wir konnten also, nach 1973, von einem Gespräch aus dem Schweigen sprechen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die drei bisherigen Stadien dieses christlich-jüdischen Gespräches unserer Generation von der Schuld über das Staunen in die Durchbrechung des Schweigens geführt hat. Nunmehr ist aber wiederum eine neue Situation einigetreten, durch die weithin erfolgte Anerkernnung der Palästinenser, repräsentiert durch die PLO, den Terroristenverband unter der Führung von Jassir Arafat. Nicht nur UNO und UNESCO und die Industriestaaten der westlichen Welt, die auf das arabische öl angewiesen sind, haben sich zu einer de facto-Anerkennung der PLO entschlossen, sondern auch weite Kreise der Kirchen. So lasen wir erst dieser Tage von einem Empfang einer PLO- Delegation beim Weltkirchenrat in Genf. überaus nachdenklich stimmt aber auch das Interview, das Jland Von Schalom Ben-Chorin Ben Ghorin. der Apostolische Delegat in Jerusalem, Älsgr. William Aquin Carew, Titularerzbischof von Telde, der „Los Angeles Times“ gegeben hat, in welchem es heisst: ,,In der Zeit, in der Christus geboren wurde, war das Land der Juden besetzt. Sie standen unter einer Regierung, die sie als fremd erachteten, und sie hofften auf einen Befreier, einen grossen Eroberer, der die Besatzer aus dem Lande vertreiben würde und ihnen ihre Freiheit und ihre. Unabhängigkeit zurückgäbe. ich stelle mir vor, dass viele Palästinenser heute in derselben Weise empfinden.“ Es blieb dem apostolischen Delegaten in Jerusalem, Erzbischof Carew Vorbehalten, das heutige Israel mit den Römern von vor zweitausend Jahren zu vergleichen. Das ist allerdings ein Höhepunkt (oder Tiefpunkt) der Geschichtsklitterung; sagen wir es offen: der Geschichtsfälschung. Msgr. Carew. steht nicht allein. Er findet seinen Gesinnungspartner auf moslemischer Seite in König Feisal von Staudiarabien, der den Mekka- Pilgern erklärte, dass die Juden keinerlei Recht mehr auf das Land Palästina hätten, das sie vor nahezu zweitausend Jahren verliessen, so dass keine historische Beziehung mehr zwischen dem Judentum und Palästina bestehe. Was sollen wir darauf antworten? Sollen wir überhaupt antworten? Wenn wir an einer Fortführung des christlich-jüdischen Dialoges interessiert sind, müssen wir darauf antworten. Wir haben allen Grund, an der Fortführung dieses Dialogs interessiert zu bleiben, da es keineswegs nur diese negativen Stimmen gibt, sondern sich andererseits die Stimmen mehren, 'die das Recht Israels auf sein Land, von der Bibel her, als christlichen Glaubengrundsatz, offen aussprechen und betonen. Allerdings sind das mehr freikirchliche Kreise, Christen aus evangelischen Gemeinschaften aller Art, in Europa und Amerika, die sich spontan zu Solidaritätsgruppen und Hilfswerken für Israel zusammenschliessen. Eindrucksvoll war die Kundgebung von Rev. Malcom Boyd iwtcL von der American Episcopal Church (Anglikanisch), der mit einer Gruppe christlicher Pilger verschiedener Denominationen am 24. Dezember 1974, vor Beginn des Heiligen Abends des Weihnachtsfestes an der Klagemauer betete, um sich so mit Israel zu identifizieren. Die Antwort, die wir zu geben haben, ist eigentlich eine Frage. (Es entspricht aber guter jüdischer Tradition, mit einer Frage zu antworten). Die Frage leutet: Ist der Anspruch Israels auf das Land der Verheissung auf der Heiligen Schrift basiert? Ist dies dqr Fall, so ist der Zionismus, von der christlichen Theologie her gesehen, legitim. Wenn aber nicht, so ist er eine imperialistisch-kolonianistische Bewegung des Unrechts. Wenn der Anspruch Israels auf sein Land nicht von der Bibel abgeleitet werden kann, wird der Anspruch der sogenannten Palästinenser vorrangig. Die Grundfrage zerfällt wiederum in zwei Unterfragen, die .Frage nach den Landesverheissungen und die Frage nach dem Volke Gottes. Systematisch gesehen müssen diese Fragen umgekehrt gestellt werden. Zuerst ist die Frage nach dem Volke Gottes zu stellen, denn diesem gehören die Landverheissungen. Während es für uns Juden selbstverständlich ist, dass wir in ununterbrochener Folge die Nachkommen des biblischen Israel sind, ist das für die christliche Theologie keineswegs ausgemacht. Im Herbst 1972 fand an der Theologischen Fakultät in Luzern ein Symposion über „Judentum und Kirche: Volk Gottes“ statt. Das Protokoll dieses Symposions liegt als Publikation vor (Theologische Berichte III; Benziger Verlag, Zürich 1974). Die Frage, um die es hier ging, ist das alte Problem der Nachfolge oder Koexistenz,. Wenn sich die Kirche als das Israel des Neuen Bundes, als das Neue IsAiel empfindet und deklariert, so ist sie an die Stelle des Alten Israel getreten, und dieses hat damit jede theologische Relevanz verloren. Diese Auffassung herrschte jahrhundertelang in der Kirche vor und wird auch heute noch von christlichen Theologen und sogar christlichen Historikern vertreten. Ein Beispiel dieser Art ist das soeben erschienene Werk des Historikers Karl Buchheim „Der historische Christus / Geschichtwissenschaftliche Überlegungen zum Neuen Testament“ (Kösel-Verlag, München 1974), das durchgängig die These vertritt, das Provileg Israels sei auf einen “katholischen“ Bund (die Kirche) übergegangen. Was Buchheim als Historiker in einer akademisch-unterkühlten Weise vorträgt, wird mit politischer Leidenschaft von Sprechern der orientalischen Kirchen verfochten. ” Ganz anders ist die Einstellung westlicher Theologen, die sich mit Vorliebe auf ein Wort des Apostels Paulus berufen: „Gottes Gaben und Berufungen sind unberührbar“ (Römer 11,29). Nachdem Gott Israel erwählt und ihm das Land der Verheissung zugeschworen hat, bleibt diese im Bundesschluss besiegelte Tatsache bestehen. Behauptet man aber, dass nach Jesus von Nazareth, der vom Judentum nicht als Messias akzenptiert wurde, der alte Bund erloschen sei, dann ergeben sich daraus eminente politisch© Konsequenzen für Millionen Christen. Zieht man die theologischen (biblischen) Bindungen zwischen dem heutigen jüdischen Volk, dem Staat Israel und seinem Lande ab, so stehen sich zwei rein politische Grössen gegenüber: Israelis und (arabische) Palästinenser. Dann mag man leicht zu dem Schluss kommen, dass der Anspruch der „Palästinenser'“ mindestens so legitim, wenn nicht legitimer ist als der der eingewanderten Juden aus verschiedenen Ländern, die in dieser Generation oder zum Teil etwas früher in Palästina ansässig wurden. Man wird gerechterweise auch nicht übersehen können, dass auf der anderer Seite, der arabischen, ebenfalls eine Einwanderung in dieses Land zu verzeichnen war, so dass viele sogenannte Palästinenser auch Emigranten waren. Das aber ist nicht erheblich, denn Palästina war, vor der zionistischen Kolonisation, Jahrhunderte lang ein von Arabern sehr dünn besiedeltes Gebiet des Ottomanischen Reiches, verwiegend dem islamischen Kulturkreis zugehörig. Sicher gab es immer auch jüdische Gemeinden in diesem Lande, wie es auch christliche Gemeinden gab. In Jerusalem ist sogar schon um die Jahrhundertswende eine jüdische Majorität zu verzeichnen. Der Zionismus war ursprünglich zweifellos eine politisch weltliche Bewegung, schloss aber an das Kontinuitätsbewusstsein des jüdischen Volkes an. Weder den Zionisten noch den religiösen jüdischen Antizionisten, von der Orthodoxie bis zur Reform, war diese Kontinuität fraglich. Nur die Konsequenzen, die daraus gezogen wurden, waren verschieden. Während der Zionismus die Wiedervereinigung des Volkes der Bibel mit dem Lande der Bibel anstrebte, meinten die Orthodoxen damit bis zur Ankunft des Messias warten zu müssen, und die Reformer sahen die Aufgabe des Judentums in der Verbreitung des. ethischen Monotheismus in der Welt, so dass eine Rückkehr in das Land des Ursprungs abgelehnt wurde. An der Kontinuität aber des zeitgenössischen Judentums und des biblischen Israel hat das Judentum selbst niemals gezweifelt. Dieses Geschichtsbewusstsein muss als Faktor rezipiert werden, vor allem von der Theologie her. In diesem Zusammenhang ist es wesentlich festzustellen, dass das erwähnte theologische Symposion in der Schweiz zu der Konklusion führte, dass das Volk Gottes unter dem Bogen des Einen Bundes in einer Zweigestalt der Einheit zu sehen sei. Nach dieser Auffassung bilden Judentum und Kirche das Volk Gottes. Das Recht beider Teile des Gottesvolkes wird ausdrücklich anerkannt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Entschliessung der französischen katholischen Bischöfe, die noch weiter ging und ausdrücklich das theologisch begründete Recht des jüdischen Volkes auf sein Land anerkennt. Nur auf dem Boden solcher theologischer Erkenntnisse ist eine Fortführung des Gespräches möglich, wobei es dem jüdischen Gesprächspartner nicht immer leicht fallen mag, die Kirche als „Neues Israel“ zu akzeptieren. Auch das darf nicht vergessen werden! Der eminent politische Aspekt dieser theologischen Fragestellung ist uns selbst noch viel zu wenig bewusst. Eine Vertiefung des . Verständnisses unserer eigenen Identität als das Bundesvolk der Bibel ist nötig, um uns für dieses Gespräch in seiner neuen Phase zu wappnen. Osase por 13 Países de EUROPA con un boleto de 1“ clase sin recargo para trenes expresos con duración de 15 ó 21 días o de 1, 2 ó 3 Meses EURAILPASS DIRIJASE A SU AGENTE DE VIAJES o a la oficina de emisión en Santnago BANDERA 75 - OF. 111 Cas. 3938 - FONO 85700

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