Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXVI (1975)
- Issue
- 5 (Mayo, 1974)
- Date
- 1974-05-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zwi Hermann Schapira und die Hebräische Universität Anlässlich der 50. Wiederkehr des Gründungstages der Hebräischen Universität (1. April 1925), ist es am Platz, sich des Mannes zu erinnern, dessen Name nur wenigen bekannt ist und der den Gedanken der Errichtung einer Universität des jüdischen Volkes schon 1884 ausgesprochen hatte: Zvi Hermann Schapiras. Seine erste Veröffentlichung darüber erfolgte in der hebräischen Zeitschrift “Hamelitz”, Petersburg, und im gleichen Jahr gründete er den Zionsverein in Heidelberg, in dessen Statuten er die Bemühungen für die Gründung einer Hebräischen Universität aufnahm. Schapira war eine merkwürdige und seltene Mischung von zwei Welten, die er zu vereinen suchte — ein Träumer und dennoch ein exakter Wissenschaftler; ein Mystiker, verankert im Bereich des Glaubens, aber von messerscharfer Logik, souverän im Bezirk der Vernunft. 1840 geboren, war er so etwas wie ein Wunderkind. Mit zweieinhalb Jahren konnte er bereits fliessend hebräisch und viele Kapitel aus dem Pentateuch auswendig. Mit vier Jahren studierte er Gemara und im Alter von acht Jahren gab es schon keinen Lehrer, der ihm etwas sagen konnte. Er verschlang alles, was er über Philosophie, Astronomie, Physik etc. finden konnte. Im Alter von 24, als er bereits Rabbiner war, las er zufällig ein hebräisches Buch über Mathematik, und dieses Buch änderte sein Leben. Er ging mach Wilna, dem damaligen Zentrum! der wissenschaftlichen Arbeit, aber auch dort hielt es ihn nicht, und — wie fast 100 Jahre vor ihm der Philosoph Salomon Maimon — wanderte er nach Berlin zu Fuss und ohne Geld, ohne Kleidung und ohne Kenntnis der deutschen Sprache. Der einzige Mensch, den er in Berlin kannte, der Sohn eines Rabbiners, riet ihm, sofort nach Russland zurückzukehren, aber Schapira blieb. ’ Weder Hunger noch Kälte hielten ihn davon ab, täglich 17 bis 18 Stunden zu studieren. Volle zwei Wochen verbrachte er die Nächte auf einer Bank im Tiergarten, und im selben Jahre bestand er sein Examen auf der Handelsakademie. Aber seine Gesundheit war untergraben, er musste nach Russland zurückkehren, und nur die ausserordentliche Pflege der Aerzte und seiner Freunde rettete ihm das Leben. Als er nach neun Monaten das Krankenhaus verliess, war er schwach und anfällig. Zum ersten Mal konnte man ihn überreden, eine kaufmännische Stellung anzunehmen. Aber sobald er sich erholt und etwas Geld gespart hatte,--hielt es ihn dort nicht W& Schapira mehr und zusammen mit seiner Frau — er hatte inzwischen in Odessa geheiratet — ging es im Jahre 1878 nach Heidelberg, um im Alter von 38 Jahren das Studium der Mathematik wieder aufzunehmen. Infolge der langen Unterbrechung seiner wissenschaftlichen Arbeit musste er von Anfang beginnen und er studierte wieder einmal Tag und Nacht. Bald wurde er als Mitglied der Heidelberger Mathematiker-Gesellschaft aufgenommen und nicht Lange darauf promovierte er zum Doktor der Mathematik. Danach wurde er Privatdozent und im Jahre 1888 ausserordentlicher Professor der Mathematik an der Heidelberger Universität. Er war der erste russische Jude, der ohne Gymnasialbildung, ohne überhaupt eine formelle Schulbildung im weltlichen Sinne zu haben, akademischer Lehrer an einer der berühmtesten Universitäten Deutschlands wurde. Dort hatte er ein Haus am Fusse eines kleinen Hügels, inmitten von Mandelbäumen und Blumengärten. Aber er blieb immer ein Fremder in Heidelberg und lebte von seiner Umgebung isoliert. In jener Einsamkeit reiften die beiden grossen Träume seines Lebens. Eines Tages ging er zu einen Klempner und bat ihn, nach seinen Instruktionen eine Blechbüchse anzufertigen. So entstand die erste KKL-Büchse, lange bevor der Jüdische Nationalfonds gegründet wurde. Die andere grosse Idee war die einer Universität in Erez Israel. Bereits 1882 schwebte ihm eine solche Hochschule als Zentrum der jüdischen Kultur vor und er erklärte sich bereit, dort als Lehrer zu wirken. Als er aber versuchte, eine Reihe von Gelehrten für diese Idee zu gewinnen und an die Sympathien der jüdischen Öffentlichkeit appellierte, scheiterte er. Seine Kollegen, manche von ihnen getaufte Juden oder Juden, deren. Kinder getauft waren, sahen in ihm einen Phantasten, einen romantischen Träumer, einen Mann aus einer anderen Welt, pnit dem sie nichts gemein hatten. Nur wenige Studenten besuchten seine Vorlesungen, und manchmal konnte sein Kolleg nicht stattfinden, weil keine Hörer da waren. Er musste sich nach einem Nebenverdienst umsehen und wurde Uhrmacher. Dabei heisst es, dass seine wissenschaftlichen Werke Genie verrieten, aber er war nicht imstande, auch nur ein einziges zu vollenden. Sein gesamtes mathematisches Opus blieb ein Torso. In jenem Zustand der Mutlosigkeit und Isolierung traf ihn die Botschaft Herzls, die 1896 durch die jüdische Welt ging. Damals kam eine Gruppe jüdischer Studenten nach Heidelberg, unter ihnen Leib Jaffe, für die die Formulierung des “Judenstaat” den Beginn einer neuen Epoche bedeutete. Schapira war anfangs nicht zu bewegen, sich mit der politischen Konzeption Herzls zu befreunden. Er glaubte an Erez Israels als kulturelles Zentrum der Judenheit, das nur durch langsame Besiedlung in jüdische Hände kommen könnte. Aber unter dem Einfluss jener jungen Menschen, die jeden Schabbath sein Haus aufsuchten, lockerte sich seine Ablehnung und er erklärte sich bereit, im Jahre 1897 als Delegierter zum ersten Zionistischen Kongress zu gehen. Dort gehörte er zu dem Ausschuss, der das Basler Programm aufsetzte. Als Max Nordau dieses Programm dem Kongress vorlegte, sagte er: “Beim flüchtigen Lesen werden Sie kaum erkennen, welche Menge von Arbeit in diesen wenigen Zeilen einer gewollt kurzatmigen Prosa steckt. In dem Ausschuss sass Herr Professor Schapira, der zu dem Werke seinen mathematisch geschulten klaren Kopf und sein von echtem jüdischen Idealismus erfülltes Herz mitbrachte”. Schapira sprach zweimal in seiner Eigenschaft als Delegierter, das erste Mal über die Gründung eines jüdischen Nationaisfonds. Dabei brachte er jenen inzwischen so berühmt gewordenen Vorschlag ein mit der Präambel, die zum klassischen Schriftgut des Zionismus gehört: “Stellen wir uns vor, unsere Ahnen hätten bei ihrer Auswanderung ins Exil eine wenn auch noch so kleine Summe für künftige Zeiten gesichert, so würden wir damit heute grössere Territorien erwerben können. Was unsere Vorfahren teils nicht gekonnt, teils versäumt haben, das sind wir zu tun verpflichtet, für uns und unsere Nachkommen”. Die zweite Rede galt der Errichtung einer Universität in Erez Israel, in der er die Errichtung einer “Hochschule für die Erwerbung aller religiösen, wissenschaftlichen und praktischen Kenntnisse” beantragte. Diese seine Idee wurde von der durch Achad Haam beeinflussten “Demokratischen Fraktion” unterstützt. Es waren vor allem Martin Buber, Berthold Feiwel und Chaim Weizmann, die den Gedanken aufs eifrigste verfochten und die “Fraktion” veröffentlichte eine Broschüre “Eine jüdischte Hochschule”. Beide Reden Schapiras wurden mit grossem Beifall aufgenommen. Während aber eine von Dr. Bodenheimer formulierte Resolution hinsichtlich der Gründung des Nationalfonds angenommen wurde, kam es damals zu keiner praktischen Reaktion auf den Vorschlag der Errichtung einer Universität. Acht Monate später, am 5. von Herbert Freeden Mai 1898, erkrankte Schapira, aber als Wolfsohn ihn nach Köln zu einer Sitzung der Zionistischen Exekutive rief, reiste er gegen den Rat seines Arzte ab. Nach drei Tagen erlag er einer Lungenentzündung. Vielleicht waren die Worte prophetisch, die er in Basel zu Max Nordau gesprochen hatte, als sie eine Versammlung jüdischer Studenten in der Burgvogter Halle besuchten: “Ich bin kinderlos, ich habe keinen Sohn, aber diese sind meine Söhne und das ist genug. Ich kann in Frieden sterben”. Am 25. Dezember 1953 sind die Gebeine von Zwi Hermann Schapira von Köln nach Israel überführt und in Jerusalem bestattet worden. ELRY-FAJAS MONEDA 858 — FONO 716163 Ropa Interior Fina CieMed arca Dobam Calle San Antonio 180 Teléfono 3 9 3 4 15 Casilla 3 0 5 8 Santiago