Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 9 (Noviembre, 1973)
- Date
- 1973-09-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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SEPTIEMBRE 1973 31 TSCHECHOSLOWAKEI Inter Continental - Hotel oder Kultstaette? Prager Die Prager Jüdische Gemeinde veranstaltete am 11. März im Jüdischen Rathaus eine Trauerfeier zum Gedenken an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen jüdischen Frontsoldaten und die Märtyrer der nazistischen Rassenverfolgung. Die Gedächtnisrede hielt der Präsident des Rates, Ing. Frantisek Fuchs, der auch an den heroischen Aufstand des Warschauer Gettos vor dreissig Jahren erinnerte. An dem Akt der Pietät nahmen über vierhundert Personen teil. Eine von der Jüdischen Gemeinde am 17. März veranstaltete Purimfeier in beiden Sälen des Prager Jüdischen Rathauses vereinte etwa 600 Gemeindeangehörige, für deren Unterhaltung beliebte Künstler von Bühne, Funk und Fernsehen, junge jüdische Naehwunchstalente und ein Tanzorchester sorgten. Eine Purimfeier für die Jüngsten der Gemeinde hatte bereits eine Woche früher stattgefunden. Für die Pessachfeiertage wurden sämtliche jüdischen Gemeinden der Tschechoslowakei bereits Ende Februar mit Mazzot und Mazzotmehl dank der tätigen Mithilfe der ungarischen Schwestergemeinschaft reichlich versorgt. Ebenso reibungslos ging die Versorgung der Gemeinden mit Wein koscher schel Pessach vor sich. Unter dem Titel “Schüsse in Mariebad” bereitet das Brief Prager Staatliche Filmstudio in Zusammenarbeit mit dem DDR-Filmstudio DEFA einen Spielfilm vor, der den Fememord an dem jüdischen Philosophen Theodor Lessing zum Thema hat. Professor Lessing wurde in Mariebad, wohin er sich vor den Nazis geflüchtet hatte, von zwei Deutschen meuchlings erschossen. Eine Anthologie aus den religionswissenschaftlichen, pädagogischen, historischen und belletristischen Aufsätzen und Studien des im Jahre 1970 verstorbenen Oberrabbiners Dr. Richard Feder ging soeben in Druck. Die Auswahl und die Gesamtgestaltung des Werkes, das als posthume Ehrung für den verblichenen Seelsorger gedacht ist, lag in den Händen von Dr. Rudolf Iltis. Die jüdische Kombattantengruppe “Patria”, die im Rahmen der tschechoslowakischen Auslandsstreitkräfte während des Zweiten Weltkrieges an der Nahostfront gegen die Nazi-Wehrmacht eingesetzt war, veranstaltete — so wie jedes Jahr — beim Denkmal für die gefallenen Frontsoldaten auf dem jüdischen Friedhof in Prag 3 eine Gedenkfeier. Der ehemalige Oberkommandierende, Armee- General Klapälek, war bei dem Akt der Pietät anwe, send, die jüdische Gemeinde vertrat ihr Vorsitzender Pavel Kollmann. Von Schalom Ben-Chorin, Jerusalem Auf dem Ölberg über Jerusalem erhebt sich das schönste Hotel der Stadt: Inter- Continental. Es ist im orientalischen Stil der Landschaft eingepasst, bietet aber doch zugleich europäischen Komfort. Gegenüber dem Tempelberg gelegen, bietet der Gesellschaftsraum des Hotels, in welchem der Five-o’clock-Tea serviert wird, den grossartigsten Ausblick der Stadt: Hier erstrahlt die goldene Kuppel des Felsendoms, daneben die silberne der El-Aqsa-Moschee, die Türme der Kirchen und die Kuppeln der Synagogen kennzeichnen die Windrose Gottes. Der freie Platz vor dem Hotel wurde zum Treffpunkt der Touristen, die von hier die Aussicht geniessen. Kamele laden weniger zu einem Ritt als zu einem Schnappschuss ein, denn höchstes Glück der Erde Kinder ist es, auf dem Höcker des Kamels vor dem Weichbild Jerusalems fotografiert zu sein. Aber zwischen Hotel und Heiligtum zieht sich die gewaltige Nekropole Jerusalems hin, das uralte Gräberfeld des jüdischen Friedhofs. Hier am Abhang zum Tale Josaphat harren die Toten Jerusalems der Auferstehung. Gegenüber wird der Einzug des Messias erwartet, dem das Goldene Tor bislang verschlossen blieb. Hier aber erhebt sich an der Strasse nach Jericho auch am Fusse des Ölbergs die Kirche der Nationen, Ort der Beweinung Jerusalems (nach dem Neuen Testament), und der Garten Gethsemane liegt im Schatten der Ölbäume, aus deren Wipfeln die Zwiebeltürme der Russischen Kirche golden blitzen. Das Hotel Inter-Continental hat dieses -Panorama auf einem Batik-Wandbehang fesfr gehalten, den er seinen Gästen ajs Gruss zu Roseh-Haschanah schickte. Das Hotel Inter-Continental wurde im Jahre 1964 mit zweihundert Zimmern (vierhundert Betten) eröffnet und war sicher das eleganteste Hotel im jordanischen Jerusalem. Die Eigentümerschaft, teilte sich in die amerikanische Hotelgesellschaft die in vielen Ländern tätig ist, und die jordanische Regierung. Im Sechstagekrieg, im Juni 1967, wurde die Stadt Jerusalem von der Armee Israels vom Ölberge her genommen, so dass das Inter- Continental-Hotel eine der ersten Eroberungen der Armee in Jerusalem war. Drei Monate blieb das Hotel geschlossen, im September 1967 wurde es unter Treuhandschaft der israelischen Regierung (Abteilung Finanzministerium) wieder eröffnet. Seit 1967 gingen alle Profite, die das Hotel abwar, an das Finanzministerium, das bisher kein Kapital in dem Unternehmen investiert hat. Die Bilanz des Hotels war natürlich nicht einheitlich, aber auch in den schwachen Jahren war kein Defizit zu verzeichnen und das Jahr 1971/ 72 erwies sich sogar Ms hoch profitabel. Nunmehr schlug die Leitung des Hotels, an dessen Spitze Generaldirektor Ignacio Wainselboim aus Argentinien steht (seit 1971) eine Vergrösserung des Hotels vor. Weitere hundert Zimmer mit insgesamt zweihundert Betten sollen angefügt werden. Der Mitteltrakt des Hotels soll mit Restaurant, grosser Halle in Coffeeshopstil ausgebaut werden und Lagerräume werden benötigt. Die Hotelleitung will gemäss einem gesunden Wirtschaftsprinzip die bisher angefallenen Gewinne zur Vergrösserung benutzen, wozu natürlich die Genehmigung der Regierung nötig ist, die hier vor allem durch das Finanzministerium (nicht eigentlich das Touristenministerium, wie man hätte annehmen können) und das Justizministerium repräsentiert ist. Selbstverständlich hat das Touristenministerium seinerseit ein Interesse an diesem bedeutenden Hotel Jerusalems, das zweihundertzehn Personen beschäftigt, davon 90 Prozent Araber, während die Gäste, zu 80 Prozent Amerikaner, vorwiegend Juden sind. Finanzministerium und Touristikministerium stehen dem Unternehmen positiv gegenüber. Das Justizministerium hat vor allem die korrekte Durchführung des Vertrages zu überwachen, der zwischen der amerikanischen Gesellschaft und der Regierung Israels geschlossen wurde, die mit 60 Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist, wobei sie gewissermassen automatisch in die Rechte und Pflichten der amerikanischen Regierung 1967 eintrat. Nunmehr aber zeigt auch das Religionsministerium Interesse an dem Hotel... aber ein negatives. Im Januar 1973 stattete Religionsminister Dr. Serach Wahrhaftig dem Hotel einen Besuch ab, inspizierte vor allem die Lage desselben und kam dann, einige Wochen später, mit einer übraschenden Erklärung an die Öffentlichkeit. Der Religionsminister ist der Ansicht, dass dieses Hotel verschwinden müsse, denn es erhebe sich auf dem Areal des Ölberges, der seit Generationen den berühmtesten Friedhof des gesamten Judentums berge, so dass ein fashionables Hotel an dieser geheiligten Stelle in Nachbarschaft von Tausenden von Gräbern als deplaciert empfunden werden müsse. Schon eine Strasse über den Ölberg musste durch Umleitungen verlegt werden, um die Ruhe der Toten zu wahren. Die Zerstörungen, welche die Jordanier hier angerichtet hatten, konnten ohnedies nicht mehr heilgemacht werden, so dass Gebeine gesammelt und in Brudergräbem beigesetzt werden mussten, woran ein ergreifender Gedenkstein auf dem Ölberge unmehr gemahnt. Der Minister gab seiner Sorge darüber Ausdruck, dass durch eine Vergrösserung des Int-sr-Continental-Hotels eine weitere Entweihung des Ölbergs stattfinden könnte. Die Hotelleitung hingegen will anhand von Plänen des Ölbergs beweisen, dass sich die Erweiterung auf ein Grundstück bezieht, das nicht zum Bestand des Friedhofs gehört hat. Die Abneigung orthodoxer Kreise gegen das Inter- Continental-Hotel hat aber auch noch andere Gründe. Im Jahre 1970 war die Frequenz des Hotels relativ schwach. Damals schlugen orthodoxe Kreise der Hotelleitung vor, die Küche auf Kaschruth umzustellen und versprachen sich davon eine wirtschaftliche Prosperität. Die Hotelleitung konnte diesen Vorschlag aber nicht entsprechen, da dies eine völlige Änderung des Betriebes mit sich gebracht hätte, der, wie bereits bemerkt, auf arabischem Personal basiert ist. Gerade diese Tatsache ist aber wiederum, nicht zuletzt unter Gesichtspunkten der Stadtverwaltung, die an einer Verschmelzung von Ost- und Westjerusalem interessiert ist, von Bedeutung. Die Arbeiter und Angestellten des Unternehmens wohnen vorwiegend in Ostjerusalem und benachbarten Orten wie Bethlehem und umliegenden Dörfern und finden ihr Auskommen durch dieses Hotel von internationalem Rang. Um aber auch den Wünschen religiöser Juden entsprechen zu können, hat das Hotel eine ausgezeichnete Milchbar eingeführt, wo man fleischlos im Rahmen der Speisegesetze leichte Mahlzeiten einnehmen kann. Das genügte Observanten jüdischen Gästen oftmals. So erinnere ich mich an einen konservativen amerikanischen Rabbiner, der hier mehrere Wochen im Inter-Continental-Hotel wohnte und sich äusserst zufrieden zeigte. (Fortsetzung Seite 32) Prag: Im Hintergrund rechts dtas jüdische Rathaus, auf heute noch ein Zentrum des Gemeindelebens, In der Mitte: Altneu- Schul. mM, '.fji'/yv 0m 4. “Wir rufen unsere Nachbarn auf, sich mit uns als gleichwertige Partner an einen Tisch zu setzen, den einzigen Platz, an dem eine Versöhnung je möglich sein wird.” Golda Meir zum 7. Mai 1973 “Obwohl wir uns mit der Tatsache, dass wir keinen Frieden haben, abfinden müssen, halten wir an dem Glauben fest, dass der Friede eines Tages kommt, da er nämlich für alle in diesem Teil der Welt eine grundsätzliche Notwendigkeit ist.” Golda Meir zum 7. Mai 1973