Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 9 (Noviembre, 1973)
- Date
- 1973-09-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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30 SEPTIEMBRE 1973 Helden und Antihelden in neuen Israel-Filmen GEFAELLTER RIESE “Salomoniko“ - “Floch” “Nurit” Grosse internationale Erfolgsfilme verdrängen überall einheimische lokale Produktionen und lenken alle Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Dennoch haben auch die israelischen Filmschaffenden in den letzten Wochen neue Filme gezeigt. Sie fürchten nicht das Ausland — sie wissen: Viele Israelis ziehen Lokalkolorit und Landessprache allen ausländischen Sensationen vor — und wenn der Israelfilm überleben wird, so wird dies vielleicht nicht so sehr wegen seiner künstlerischen Leistungen oder Fortschritte sein, sondern viel eher, weil die breiten Massen in ihm sein Stück ihres eigenen Lebens sehen. Das lässt sich gewiss für "Salomoniko” sagen, einen neuen Farbfilm, der augenblicklich in vielen Lichtspielhäusern gezeigt wird. “Salomoniko” ist die Geschichte eines israelischen Hafenarbeiters, der vor dreissig Jahren aus Saloniki einwanderte. Inzwischen heiratete er, gründete eine Familie, hat fünf Kinder. .. Heute ist Salomoniko bereits ein Veteran im Lande, und die neue Zeit mit ihren veränderten Wertbegriffen kollidiert mit seinen Ansichten. Die Frau will in eine neue Luxuswohnung mit allen Finessen des 20. Jahrhunderts, die Tochter hat sich mit einem jungen Mann eingelassen und benötigt die Hilfe des Vaters (die neuen Moralbegriffe!) — und die Hafenbehörden haben bald Schwierigkeiten mit ihrem langjährigen Angestellten, der ein Darlehen verlangt, um den zahlreichen Forderungen der Zeit gerecht zu werden... Reuwen Bar-Jotam schrieb diese (wahrscheinlich erlebte) Lebensgeschichte, verfasste das Drehbuch und spielt die Titelrolle. Er ist ein charaktervoller Vater und Ehemann voller Kraft und Humor, der tortz seines Kampfes mit den schockierenden Erscheinungen unserer Zeit seinen Mann stellt. “Salomoniko” ist ein israelisches Volksstück, das unter den Einwanderern aus Griechenland spielt — eine Gemeinde unter vielen in Israel — und deren Sitten und Gebräuche lebendig und überzeugend darstellt. Indes “Salomoniko” hier ein grosser Publikumserfolg wurde und von der seriösen Filmkritik etwas reserviert betrachtet wird, ist beim neuen Film “Floch”, einem Schwarz-Weiss-Streifen von Dan Wollman, das Gegenteil der Fall. Wollman ist ein Freund der Schwachen, der Hilflosen, der Versager im menschlichen Leben. Diesen “Anti-Helden” gehört seine Liebe und sein Denken, und schon sein erster Film “Der Träumer” (1970) spielte in einem Altersheim in Safed. Auch sein neuer Film hat einen älteren Mann in den vorgerückten Sechzigern namens Floch zu seinem Helden. Diesem Mann wird gleich zu Beginn des Streifens die Liebe zu seiner Enkelin durch die Schwiegertochter verwehrt — und schliesslich raubt ihm ein Verkehrsunglück gar Sohn, Schwiegertochter und Enkelin. Einen anderen hätte der Schlag um den Verstand gebracht. Doch Floch will klüger sein als sein Schicksal — er will es sozusagen überlisten. .. Er verlässt seine alt gewordene Lebensgefährtin und beschliesst — erneut zu heiraten. Ein Kind will er haben, das seine Familie fortsetzt! Dieses Unterfangen ist wie die ganze Geschichte recht hoffnungslos und lächerlich zugleich. Die Abenteuer dieses Don Quichotte unserer Zeiten als begieriger Freier ist eine Tragikomödie, bei der das Publikum oft in Lachen ausbricht, obwohl dies Lachen weder befreiend noch gerechtfertigt erscheint. Wir lachen mit einem schlechten Gewissen. — Wollman schrieb diesen Film zusammen mit dem jungen israelischen Dramatiker Chanoch Lewin, der den recht zynischen Dialog dieses Streifens verfasste. Abraham Chalfi, ein ehemaliger Schauspieler des Ohel, gibt eine sehr sehenswerte und eindrucksvolle Interpretation des Antihelden. Allein, es ist die Frage, ob “Floch” ausser den Intellektuellen auch das breite Publikum fesseln wird. Ein weiterer neuer israelischer Film ist “Nurit”, den man mit einiger Einschränkung als ersten israelischen Musikfilm moderner Prägung bezeichnen könnte. Die Handlung dieses Streifens ist allerdings schwerlich originell und erinnert ein wenig an die “Regenschirme von Cherbourg”. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Liebespaares, dessen beiderseitige Eltern der bevorstehenden Bindung entgegenstehen und sie verwerfen. Das führt zu allerhand Komplikationen, die das Liebespaar auseinanderbringen und ihre Hoffnungen augenscheinlich auf ewig zerstören. Was gibt es da nicht alles für Unglücke und Kalamitäten, Autounfälle, einen vermeintlichen Selbstmord, ein illegitimes Kind, eine Erblindete usw., usw. Trotz dieser Hintertreppenromantik verstand es der Regisseur George Owadia, seinen Stoff halbwegs geschmackvoll darzustellen. Die Hauptdarsteller — der Liedersänger Sassy Keschet und Jona Elian — sangen und spielten mit Talent und Verve ihre Rollen und gefielen dem Publikum. “Nurit” ist ein Film aus dem sefardischen Milieu, und diese Welt ist recht wahrheitsgetreu wiedergegeben. Der Streifen wurde durch Warner-Fox zum Vertrieb übervon Curt B. M. Weisstein Mit Klemperer, der vor wenigen Wochen, 88 Jahre alt, in Zürich für immer vom Grossen Podium der Musikwelt abgetreten ist, verlässt uns einer der eigentümlichsten, unberechenbarsten und genialsten Dirigenten unserer Tage. Der aus einem frommen Breslauer jüdischen Hause Stammende liess sich als Jüngling, zutiefst von der Mystik religiöser Musikwerke angerührt, taufen, trat aber aus Protest gegen die 1933 beginnende Nazibarbarie wieder zum Judentum über. Während er der jetzigen Generation eher ein Begriff als Bewahrer klassischer und romantischer Musik in Schallplatte oder Konzert ist —■ mit ihm ist der letzte aktive Zeuge der grossen Gustav Mahler-Aera, und zusammen mit Bruno W alter dessen treuester Oeuvrebewahrer, dahingegangen — galt er in den Goldenen Berliner Zwanzi- ' gern als der revolutionäre, viele seiner Ministerial-Vorgesetzten vor den Kopf stossende kühne Neuerer, zuerst in der Krolloper und nach deren Schliessung an der Staatsoper als der “unbequeme Generalmusikdirektor”; diesen Posten musste er 1933 verlassen, nachdem er noch wenige Wochen zuvor von Hindenburg mit der Goethe-Medaille dekoriert worden war. Damals war der Name Klemperer Synonym für künstlerischen Nonkonformismus, für mutiges Brückenschlägen in die Zukunft. Un- Otto Klemperer ter seiner Aegide und zum grössten Teil von ihm selbst wurde eine Unzahl moderner Opern erst- oder gar uraufgeführt; ein Gleiches erfolgte von den damals zeitgenössischen Werken in den Konzertsälen, in denen der Verstorbene faktisch jederzeit mit fast allen bedeutenden europäischen und nach seiner Emigration nach den USA nordamerikanischen Orchestern musiziert hat. Das Leben hat es ihm nicht leicht gemacht. Ein Gehirntumor — Folge einer Verletzung aus der Hitlerzeit, die er beim unglücklichen Sturz von einem heimtückisch durchgesägten Podiumsgelände erlitt — zwang ihn zu jahrelanger Internation in einem USA - Nervensanatorium. Der Hüne (fast 2 Meter gross) — ein physisches Wunder! — reckte sich aber wieder, zum Glück für die gesamte Musikwelt, die ihm unzählige Weihestunden verdankt, von Neueinstudierungen bis zu fast asketischen Interpretationen der Klassiker, unter denen seine ganz besondere Liebe Mozart gehörte. Nach einem 1951 erfolgten Sturz beim Flugzeug- Verlassen blieb die rechte Hand Klemperers für immer gelähmt; er setzte sich mit der Linken durch und dirigierte ohne Stab. Seit 1961 leitete er die Orchester sitzend. Sein Geist war ungebrochen, seine Energie unerschöpflich. Otto Klemperer, der auch als Komponist wiederholt erfolgreich hervorgetreten ist, hat Buenos Aires 2-mal besucht: 1931 und 1951. Er schloss seine Augen für immer als israelischer Staatsbürger. “Semanario Israelita" Buenos Aires Das Handels- und Industrieministerium veröffentlicht eine Liste von 1.200 Import- Artikeln, für die infolge der Dollar-Abwertung die Einfuhrzölle um 10—15% ermässigt werden sollen. Die Landwirtschaft Israels steht laut Mitteilung des Landwirtschaftsministeriums in diesem Jahre vor einer schweren Wasserkrise. Alle Siedlungen müssen mit Kürzungen rechnen. nommen und wird vielleicht auch im Ausland Anklang und Interesse finden. S. Ben-Jaakow GRÜNDUNG DES AMERIKANISCHEN ZWEIGES DER SEFARDISCHEN WELTUNION An einer Versammlung in der Shearit Israel Synagoge in Manhattan wurde die Amerikanische Sefardische Föderation, als amerikanischer Zweig der Sefardischen Weltunion, gegründet. Hunderte von Delegierten verschiedensten Ursprungs und Sprachen, Vertreter vieler Gemeinden wohnten der Tagung bei. Die neue Föderation will erzieherische und kulturelle Tätigkeit unter den Sefarden in Amerika fördern. Aus Israel sprach Minister Schlomo Hillel über die Probleme der orientalischen Juden im Lande und über die Hilfe, die man ihnen in der Überbrückung der sozialen Schwierigkeiten bieten könnte. Präsident der Sefardischen Weltunion ist Nessim Gaon, Genf. Ein Kongress der Union ist vorgesehen, um diese Hilfe zu organisieren. EIN HERZLICHES SHANA TOWÄH WUENSCHT ALLEN SEINEN FREUNDEN UND KUNDEN Calzado para Caballeros Ahumada 146