Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 9 (Noviembre, 1973)
- Date
- 1973-09-01
- Page
- Seite 28 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 SEPTIEMBRE 1973 Kurt KaJser-BIüth; Daniel Cohn-Bendit, DER EWIGE VERSCHWOERER Cohn-Bendit in Jerusalem. ISS 'MM 'ft'W' Daniel Cohn-Bendit war der Sohn eines guten Freundes von mir, eines Rechtsanwalts, der in der Sozialdemokratischen Partei der Weimarer Republik aktiv war. Mit diesem teilte ich das harte Brot der Emigration und auch die feuchten Strohlager von drei Konzentrationslagern. Die Cohn-Bendits vergötterten ihren Sohn Daniel. Der Vater starb anfangs der fünfziger Jahre, aus der Emigration zurückgekehrt, in Düsseldorf. Daniels Mutter, die nach England emigrierte, war schon vorher gestorben. Daniel, inzwischen ein stattlicher Jüngling geworden, ging nach Südfrankreich zu seinem älteren Bruder, der sich unweit von Aix-en-Provence installiert hatte. Der Bruder, der eine akademische Karriere “ohne Geschichten” einschlug, ist heute Franzose und Universitätsdozent und ist niemals durch die tumultuösen politischen Abenteuer des messerscharf kalkulierenden Daniel beunruhigt worden. Die Stemstunde der öffentlichen Aktivität des “genialen Mülleimer-Agitators”, wie seine Gegner den turbulenten Daniel nannten, dessen Ambitionen ebenso masslos waren wie seine waghalsigen Frechheiten, war die Revolte der französischen Studenten gegen die 5. Republik im Mai 1968. Der gestern noch völlig unbekannte Daniel Cohn-Bendit wurde über Nacht zu einem der vieldiskutiertesten “Revolutions- Manager” von Paris. Daniel, dynamisch und unverwüstlich, wurde zu einer Art von Symbol des entfesselten Nihilismus, vor dem die alten Barden des Gaullismus zu zittern begannen. Die Zeitungen aller Tendenzen tranken jeden der aggressiven Slogans Daniels wie ein Göttergetränk, und selbst die, die seine subversive Tätigkeit verabscheuten und nach der Justiz riefen, kommentierten jedes seiner Worte ausführlich. In Radio und Fernsehen interviewte man ihn immer wieder, und sein verwegener Wuschelkopf war dem Fernsehpublikum fast so vertraut wie das majestätische Haupt von Charles de Gaulle. Dann kam die Götterdämmerung. Endlich als Ausländer — Daniel hatte noch immer einen deutschen Pass — in die Bundesrepublik ausgewiesen, kam er, mit schwarzer Perücke und falschem Bart, noch einmal illegal über die Grenze, sprach kurz in einer Versammlung in Paris, wurde danach gefasst und nunmehr definitiv ausser Landes gebracht. Daniel ging nach Frankfurt a. M. Das Feuer des französischen Mai 1968 war endgültig niedergebrannt. In Frankfurt, wo sich Cohn- Bendit an der Universität immatrikulierte, schaltete der “Berufsrevolutionär” vorerst auf halbe Kraft, nachdem er als Ouvertüre eine touristische Erholungspause eingelegt hatte. Monatelang war er sogar so etwas wie ein politischer “Playboy”. Dann wandte er sich wieder dem revolutionären Alltag zu. Aber all das jetzt mehr in piano. Er organisierte von Zeit zu Zeit Strassendemonstrationen linksradikaler Studenten an einer Universität, in der die Extremisten einen soliden, harten Kern haben, prügelte sich hie und da mit Polizisten herum, verstiess gegen Versammlungsverbote und handelte sich vor den Gerichten in grösseren Abständen verhältnismässig leichte Strafen, meist mit Bewährung, ein. Im Jahre 1970 fuhr Daniel Cohn-Bendit, der sich bis zu diesem Zeitpunkt jüdischen Dingen gegenüber vollkommen indifferent verhalten hatte, zur allgemeinen Überraschung nach Israel. Er wurde höflich empfangen und ruhig, aber mit Skepsis angehört. In einer Versammlung in Tel Aviv kritisierte er die politische Konzeption der israelischen Regierung mit Vehemenz und schlug so etwas wie eine israelisch-arabische Befreiungsfront gegen den “amerikanischen Imperialismus” vor. Die Hörer, mehr amüsiert als überrascht, diskutierten mit ihm, ohne ihm das Wort abzuschneiden. Neben seinem “öffentlichen Auftreten” hatte Cohn-Bendit indessen noch eine andere, weit wesentlichere Mission zu erfüllen. Die Diskussionen vor den Augen und Ohren des Publikums (und der Sicherheitspolizei) waren im Grunde nur Verschleierungsmanöver. Cohn- Bendits Reise hatte zum eigentlichen Ziel, die noch zögernden israelischen Freunde der revolutionären Linken zum Abschwenken in die Reihen der palästinensischen Befreiungsfront zu veranlassen. Mit dem Furioso, das seine Stärke ist, überschüttete der Gast aus Frankfurt seine Gesprächspartner in einem wahren ideologischen Schnellkursus mit Argumenten, um sie dann zu veranlassen, geschlossen und ohne Hemmungen den Kampf gegen die “Tel Aviver Agenten des Nixon-Imperialismus” mit allen Mitteln aufzunehmen und aus dem Zusammenschluss mit den Fedajin alle Konsequenzen zu ziehen. Ehud Adiv und Dan Vered, jüdische Mitglieder des arabisch-israelischen Spionagerings im Dienste der Syrer, der von den israelischen Sicherheitsbehörden ausgehoben wurde, wurden von Cohn-Bendit besonders vorgenommen und waren von seiner suggestiven Dialektik ausserordentlich beeindruckt. Wie weit und ob überhaupt Daniel Cohn-Bendit am Aufziehen des Spionagerings für Syrien beteiligt war, ist zur Stunde noch nicht festzustellen. Sicher ist jedoch, dass sein Besuch in Israel den entscheidenden Anstoss für das übergehen einer einflussreichen Gruppen der israelischen revolutionären Linken in das Lager der Fedajin geben hat. ELISA stets grösste Auswahl ln Uniformen San Antonio 65 Fono 381900 Ausgleich und Entwicklung Der Wohnungsbau als Instrument gesellschaftlichen Ausgleichs und wirtschaftliciher Entwicklung Das israeliche Ministerium für Wohnungsbau umfasst sieben Tätigkeitsbereiche: 1. rückständige und enge Wohnverhältnisse, 2. junge Ehepaare, 3. Absorption von Neueinwanderem, 4. Entwicklungsstädte, 5. Wohnbau in landwirtschaftlichen Siedlungen, 6. landwirtschaftliche und städtische Siedlungsstützpunkte beiderseits der “Grünen Linie”, 7. Wohabau-Sparprojekte. Dais Schwierige und Komplizierte, vor allem im Wohnungssektor, besteht in den Problemen der Armut, also bei rückständigen, engen und mangelhaften Wohnverhältnissen. Im Fünfjahresplanj zur Behebung der Wohnungs-| not, der Mitte 1971 von derj Regierung verabschiedet wurde, wurde festgelegt, 47.000w Famiilen, bei denen drei Mit? glieder oder mehr in einem1* Raum leben müssen, oder bei mangelhaften baulichen Wohnverhältnissen die Möglichkeit zum Wechsel in angemessenere Wohnverhältnisse zu geben. Die Verwirklichung dieses Programms begann im Finanzjahr 1972 und soll bis 1976 abgeschlossen sein. In diesem Bereich setzte allerdings bereits vorher eine ermutigende Entwicklung ein. Während im Jahre 1965 noch 78.000 F amilien mindestens zu Dritt in einem Raum leben mussten, sank diese Zahl bis 1969 auf 55.000. Gegen Ende 1971 waren es nur noch 45.000 innerhalb einer Gesamtzahl •von' 680.000 jüdischen Familien. 1 '"¡HIHI Die Hilfe kann auf verschiedenen Wegen geleistet werden: durch Erweiterung bestehender Wohnungen, durch Darlehen und Subsidien an Familien, die Wohnungen erwerben wollen, und durch die Überführung von Familien in Neubauten, wobei sie Mietzins zu entrichten haben F Die Kosten des Fünfjahres g planes werden sich, auf der Basis der Preise von 1971 be-K rechnet, auf insgesamt 1,3 Milliarden IL belaufen. An der Durchführung werden gemischte munizipale und Regierungsamtliche Gesellschaften beteiligt sein. Wenn ich von der Beseitigung der Armut auf dem Wohnungssektor spreche, so habe ich mich bis jetzt mit der Problematik individueller Familien befasst. Ich denke dabei gegenwärtig nicht an die Notwendigkeit der Sanierung ganzer Wohnquartiere, sowohl in gesellschaftlicher und wohnbaulicher als auch in städtebaulicher Hinsicht. Dies ist eine Frage für sich, die vielleicht Möglichkeiten zur Erschliessung neuer Wohnbauflächen enthält. Wcfinungen für junge Ehepaare Das ist ein Thema, das seit einiger Zeit heftige Kontroversen auslöst. Auch auf diesem Gebiet wird, vor allem seit 1971, viel getan. Die Verschärfung der Lage in diesem Bereich wurde durch eine Reihe demographischer,, wirtschaftlicher und psychologischer Ursachen hervorgerufen. Die demographische Ursache ist die wachsende Anzahl der Eheschliessungen. Während der vergangenen vier Jahre fand eine jährliche Zunahme von über 3000 Eheschliessungen, verglichen mit dem Durchschnitt der vergangenen fünfzehn Jahre, statt. So kam es zu dem Wohnungsdefizit. Unter den wirtschaftlichen Gründen zählen die Er- ■’höhung der Wohnungspreise ^zwischen den Jahren 1969- 1971, die ein Resultat des Rückstandes im Bauwesen seit der Rezession von 1965 und den nachfolgenden Jahren sind. Erst seit dem Jahre 1972 hat der Wohnungsbau wieder einen Umfang erreicht, der einen Beitrag zur Deckung der laufenden Erfordernisse und zur Verringerung des Rückstandes zu leisten vermag. Ausser der erhöhten Nachfrage haben eine Anzahl weiterer Faktoren eingewirkt, wie das Steigen des Lebensstandards und des Einkommens unter den meisten Schichten der Bevölkerung. Ein weiterer wesentlicher Faktor war die steigende Erhöhung der im Umlauf befindlichen Zahlungsmittel, die seit Januar 1970 bis jetzt etwa 2,5 Milliarden IL erreichte. Dieses Anwachsen hat den Druck der Nachfrage ungemein verstärkt, zu einer unverhältnismässigen Steigerung der Wohnungs- und Bodenpreise geführt, wobei die Erwartungen fortgesetzter Steigerung dem spekulativen Wohnungsbau und -kauf er- Iheblichen Auftrieb gegeben thaben. Somit hat der Woh-; nungsbau zu einem zusätzlichen inflationistischen Druck aeigetragen. Dieser Prozess hat die Möglichkeiten weiter Bevölkerungskreise geschwächt, durch eigene Kraft ihr Wohnungsproblem zu lösen. Die Regierung muss jetzt davon ausgehen, dass etwa ein Drittel der jungen Ehepaare in irgendeiner Form auf die Unterstützung der Regierung angewiesen ist, vor allem auf Grund der gestiegenen Wohnungspreise. Gegenwärtig und in den kommenden Jahren wird die Regierung Zehntausenden von jungen Ehepaaren auf verschiedene Weise bei der (Fortsetzung Seite 29)