Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 9 (Noviembre, 1973)
- Date
- 1973-09-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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SEPTIEMBRE 1973 23 Rabb. Dr. Roland Gradwohl: Grundgesetze des Judentums Aufforderung zum Frieden "Gross ist der Friede, denn sogar im Kriege braucht man Frieden” (Sifre, Schoftim). Das Wort des Midrasch steht zum folgenden Vers der Tora: “Wenn du dich einer Stadt näherst, um gegen sie Krieg zu führen, so sollst du sie (zuerst) zum Frieden aufrufen” (5. Mose 20, 10). Wenn sie das Friedensgebot annimmt, so wird sie tributpflichtig (v. 11), wenn nicht, ist damit der Weg zur Kriegsiröffnung frei (v. 12). Nach Raschi spricht die Tora von einem freiwilligen Krieg (milchemet reschut), wogegen bei einem pflichtgemässen Feldzug (milchemet mizwa, d. i. ein Verteidigungskrieg oder der Kampf gegen die Urbewohner Kanaans) das Ultimatum nicht gestellt werden müsse. Diese Ansicht wird freilich von Nachmanides ( Ramban, ad 10c.) angefochten, der in allen Fällen einen diplomatischen Schritt für notwendig hält. Auch Maimonides (Hilchot Melachim VI 1) hält fest: “Man führt keinen Krieg, ehe man nicht den Frieden angeboten hat. Dies gilt für den freiwilligen wie für den pflichtgemässen Krieg.” Als Begründung wird der Bibelvers angeführt. Werden die Friedensbedingungen angenommen und die Tore geöffnet, so werden die Bewohner zu Tributleistungen und zur Arbeit für den König (Mauernbau, Arbeiten an den Befestigungsanlagen, Errichtung eines Königspalastes) gezwungen. Vom pazifistischen Standpunkt aus, der generell kriegerische Verwicklungen ablehnt und in der Kriegführung ein grundlegendes Übel erblickt, sind auch die Vorkehren der jüdischen Gesetzgebung noch nicht befriedigend. Denn es lässt sich nicht verkennen, dass durch die militärische Überlegenheit eine Fremdbevölkerung in ein Abhängigkeitsverhältnis gerät und ihre freie Bestimmung verliert. Man darf aber nicht übersehen, dass die jüdischen Gesetze im Altertum festgesetzt wordn sind, da auch nur Ansätze einer humanen Gesinung nicht gegeben waren. Wer besiegt war, wurde entweder getötet oder in die Sklaverei verkauft. An modernen Masstäben gemessen sind die altjüdischen Vorschriften noch unzulänglich. Aber sie stellen einen entscheidenden Schritt zur Humanisierung des Kriegsgeschehens dar. Der Starke darf den Schwachen nun nicht mehr hemmungslos zerschlagen, sondern muss ihm die Chance lassen, zumindest sein Leben und seine Existenz zu retten. Die Einschränkungen, die er sich gefallen lassen muss, sind ein Leichtes verglichen mit den barbarischen Unterdrückungsmassnahmen gegen Feinde, die die heidnischen Völker der Antike praktizierten. Man lese vergleichsweise altassyrische Kriegsberichte und erkenne den grundlegenden Unterschied zwischen jüdischer und anderer Verhaltensweise. Erst wo die Menschlichkeit zertreten wurde — und dies war mitunter im Nordreich Israel der Fall, das sich kaum mehr von heidnischer Lebensweise unterschied —.fand die Brutalität Eingang, wurden harbarische Kriegssitten gehandhabt (2. Königsbuch 15, 16). Doch sonst wurde auch der Feind als Mensch gesehen. Die völlige Vernichtung einer besiegten Bevölkerung wurde nur in Ausnahmefällen realiter vollzogen. Nach Maimonides (ib.) sind Frauen und Kinder zu schonen. Und vielleicht am charakteristischsten für die gehobene Gesinnung ist die Vorschrift, bei der Belagerung eine Stadt nicht vollständig zu umzingeln. “Man bedrängt sie bloss von drei Richtungen her und ist verpflichtet, Raum zur Flucht zu lassen, damit jeder, der fliehen und sein Leben in Sicherheit bringen will, es tun kann’ (Maimonides ib. VI 7). Wird das Ultimatum gestellt, so ist eine Bedenkfrist von drei Tagen zu lassen. Wird es akzeptiert, so dürfen die Feinde “nicht belogen und nicht betrogen” werden. Jegliche Hinterhältigkeit gilt als Frevel. Das Sefer hachinuch spricht von der “Eigenschaft der Barmherzigkeit” (midat harachmanut), zu der die Tora erziehen will. Sie zeigt sich gerade im Kriege in der Beziehung zur Feindbevölkerung. Die menschlichen Regungen auch dann noch zu bewahren und nicht in schrankenlose Exzesse auszuarten, ist Zeichen des von biblischer Ethik geprägten Menschen. Wer das Buch von Yigal Lev (“Ich hasse den Krieg”, 1969 im IW seinerzeit in Fortsetzungen erschienen) kennt, das persönliche Erlebnisse aus dem Sechstagekrieg wiedergibt, weiss um die Kontinuität biblischen Gedankenguts in der modernen israelischen Armee. “Gross ist der Friede”. Wie sehr auch die Geschichte der Menscheit von kriegerischen Ereignissen bestimmt wird, die Hoffnung auf eine endgültige Beseitigung bewaffneter Auseinandersetzungen, auf das sogenannte messianische Friedensreich, ist durch die jüdische Prophetie verkündet worden: "Sie (die Völker) werden ihre Schwerter in Pflugscharen umschieden und ihre Speere in Winzermesser. Kein Volk wird gegen das andere mehr das Schwert erheben, und sie werden das Kriegshandwerk nicht mehr erlernen” (Jesaia, Kap. 2). Diese Hoffnung mag manchen als Utopie erscheinen, weil sie von der nicht tilgbaren Dämonie menschlichen Denkens und Tuns überzeugt sind. Dass es dem Menschen je gelingen wird, seine angeborene Aggressivität zu beherrschen, scheint ihnen illusorisch. Die Bibel sagt es anders. Sie weiss um die Zerrissenheit der menschlichen Seele, um den Kampf zwischen Gut und Böse (1. Mose 6, 5), doch stärkt sie die Überzeugung, dass letztlich der Mensch aufhören wird, den Mitmenschen zu vernichten. (Isr. Wochenblatt, Zürich) Zu Max Nordaus 50. Todestag Auf dem alten Friedhof von Tel Aviv ist Max Nordau neben Achad Haam und Chaim Nachman Bialik — nachdem man seine sterbliche Hülle vor mehreren Jahrzehnten “heimgeholt” hatte — beigesetzt worden. Fast in jedem israelischen Ort gibt es eine Strasse oder einen Platz, der nach ihm benannt ist. Dennoch gehört der bedeutende Philosoph, der Kulturkritiker und in seiner Zeit meistgelesene Schriftsteller, der der jungen zionistischen Bewegung durch sein Dabeisein einen enormen Prestigegewinn bedeutete, heute zu den nahezu vergessenen. Der in Ungarn 1849 geborene Sohn eines Rabbiners schrieb schon mit 14 Jahren Essays und Kritiken für Zeitungen und hatte mit 18 Jahren ein Auskommen aus seinen Beiträgen, Kritiken, Lyrik und Essays an der führenden Zeitung “Pester Lloyd”. Er konnte sich seinen Weg durch die Universitäten bahnen und mit 22 Jahren promovieren. Die ersten Bücher folgten, meist Ausfluss von Reisen als Korrespondent seiner Zeitung. In Paris, wo er sich 1879 als Arzt niedergelassen hatte, schrieb er seine das Denken provozierenden Bücher, die von Anbeginn auf reges Interesse stiessen. Auf "Die konventionellen Lügen der Kulturmenschheit” (1883 erschienen, einAngriff gegen sinnlose Vorurteile, sofort vergriffen und in Österreich konfisziert, insgesamt in 59 Auflagen erschienen), ein Buch, das seinen Ruf als furchtloser, eigenwilliger Denker begründete, folgten “Entartung”, ein Werk, das sich gegen dekadente Tendenzen jener Tage wandte, und “Paradoxa”, die diesen Ruf noch befestigten. Nordau, obwohl seines jüdischen Erbes bewusst, mit Kenntnissen des Hebräischen und Jiddischen, hatte sich lange schon der Fesseln der Tradition entledigt. Er war “emanzipiert”, ein Intellektueller, der der Religion keine Autorität mehr zumass. Sein Gewissen und seine Überzeugung galten ihm als sein kategorischer Imperativ. Lange Jahre hatte er in Paris keine Berührung mit dem Judentum, ausser durch seine Beziehung zu seiner “frommen” Mutter. Erst der Antisemitismus in Frankreich liess ihn aufhorchen, und die Begegnung mit Theodor Herzl wurde für ihn ein Sichselbstwiederfinden. “Herzl”, so berichtet Nordau, “wies mir den Weg zur Erfüllung meiner Pflichten gegenüber meinem Volke.” Nach einem drei Tage anhaltenden Gespräch mit dem jüngeren Theodor Herzl sagte Nordau: “Sie mögen verrückt sein, jedoch, wenn Sie es sind, bin ich es auch.” Von diesem Tage an wurde Max Nordau Nordau, der loyalste Freund und Gefolgsmann Herzls, der Mission über alle trennenden Details verpflichtet. Er wurde der Interpret des Zionismus für Jahre; seine wohlformulierten und rhetorisch mit einer besonderen Gabe vorgetragenen Reden, in denen er sein Credo, die enge Verschmelzung von Judentum und zionistischem Gedanken vortrug (“Das Judentum wird zionistisch oder nicht sein”), hatten eine weitreichende Wirkung. Nordau war bestimmend für die Einberufung des Zionistenkongresses gewesen. Auf ihn ist die Formulierung des “Basler Programms” zurückzuführen. Er schlug eine Prüfung der jüdischen materiellen Möglichkeiten vor, vor weiterem Planen. Er betonte die Notwendigkeit einer körperlichen Erstarkung der jungen Juden und inspirierte die jüdische Jugendbewegung. Nordau, ein Vertreter des “politischen” Zionismus, hat nach dem Tode Herzl 1904 die ihm angebotene Nachfolge abgelehnt; die Gründe waren mannigfaltig, wie man heute aus Weizmanns Briefen entnimmt. Insbesondere fühlte er sich nicht als ein Führer der Massen und war sich bewusst, dass ihm das Charisma, das Herzl eignete, fehlte. Von nun an stand er oft in der Opposition gegen die “Pratiker”, und er hat, wie als Schriftsteller so auch als Zionist, seinen Ruhm überlebt. Noch mehrfach kam er zwar zu Wort, zuletzt in der berühmten Rede in der Albert Hall in London 1920, als er, noch völlig im Besitze seiner intellektuellen Kräfte, die Situation der Juden in der Welt analysierte und Forderungen stellte, die weit über die Balfour-Deklaration hinauswiesen, in der gleichen Unerbittlichkeit, mit der er seine Schriften, die so viele Angriffsflächen geboten hatten, geschrieben hatte. Er war der alten Linie des Charters treu geblieben. Bald darauf starb er, mit dem Wunsch, in Palästina beigesetzt zu werden. Man könnte sich fragen, ob Nordau, 50 Jahre nach seinem Tode, uns noch etwas zu sagen hat. Sicher, so könnte man antworten, hat seine umfassende Philosophie, die die physische und die geistige Situation der Juden der Welt einschloss, ob in den Gettos Russlands oder in freien Ländern, und die Erkenntnis, dass Zionismus für eine Diaspora ebenso nötig sei wie für einen Staat, noch heute Berechtigung. Je mehr er durch seine Rückkehr in die jüdischen Reihen sich mit Judentum befasste und verstand, “wie ernst die jüdische Krankheit in der Welt war”, Assimilation, Unwissenheit, Gleichgültigkeit gegen historische Erfahrung, um so mehr kämpfte er um ein Heilmittel, das er im Zionismus sah, der für ihn nie allein auf die Errichtung des Staates gerichtet war, sondern darüber hinaus wies. Cläre Wohlmann-Meyer (Isr. Wochenblatt, Zürich) Max Wetzstein & Sohn Av. M. Montt 2656 Fono 43379 Neubeziehen und Umarbeitungen Modernste importierte Bezugsstoffe u. Inletts Parkas Acolchadas de Nylon Schlafsaecke Komme einmal im Mona« nach V'ifi» n. nehme Auftraege entgegen. Wir beraten Sie unverbindlich bei der Zusammen-, Stellung Ihrer Reisen im In- und Ausland. i Hotel Reserven - Ausfluege - Passagen Guestige Zahlungsbedingungen SPORTSTOUR TEATINOS 304, TELS. 68832-83058-63100