Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 9 (Noviembre, 1973)
- Date
- 1973-09-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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18 SEPTIEMBRE 1973 jdCtefáiV’tïkf Vesoehnungstag Tu, was Deine Pflicht ist, Engel, Meine Suenden, meine Maengel Schreibe in des Lebens Buch. Gier und Wut, die ich »nicht zaeumte, Fromme Tat, die ich versaeumte, Schreibe in des Lebens Buch. Hasses Bilder, die mich brannten, Zeichne ein den Folianten. Nichts verschweig des Lebens Buch. Bin des armen Adam Erbe, Wenn ich um den Segen werbe, , Schafft mir Unrast nicht den Fluch? Glaub nicht, dass ich Gnade such! Nur um eines lass mich bitten: Schreibe auf, was ich gelitten. Wird mein Wirken schlecht befunden, Engel, zaehle meine Wunden. Schreib sie in des Lebens Buch. Waegen mag der Weltenrichter, Der Erhalter, der Vernichter, Tat und Leid in diesem Buch. Paul Mayer (gestorben 6. 3. 1970 in Zuerich) Aus dem Gedichtzyklus "Wanderer ohne Ende", Herbig- Verlag, Berlin. Gedicht in der Emigration in Mexiko entstanden. A-nlaeaslich seine 85 Am 7. Juli ist Mark Chagall 85 Jahre alt geworden. Dies ist ein Anlass, um das Spätwerk dieses grössten lebenden jüdischen Malers zu besprechen, den unsere Ministerpräsidentin anlässlich des Geburtstages zu einem neuen Besuch Israels eingeladen hat. An dieser Stelle erschien eine längere Würdigung des Künstlers “Chagall und Ben Shahn” am 19. Februar 1965. Dort schrieben wir von der “traumhaften Irrealität” in seinem Werke, die dann “in den Glasfenstern der Hadassa- Synagoge und ihrem Farbenzauber den künstlerisch geglücktesten und auch im Material adäquaten Ausdruck gefunden hat”. Chagall hat wohl selbst empfunden, dass der unwirkliche Farbenzauber der Glasfenster der Eigenart seiner Kunst besonders gut entspricht, und hat sich daher seit 20 Jahren immer mehr mit Glasmalerei beschäftigt. Ein für diese Seite seiner Kunst entscheidendes Erlebnis war bei einem Besuch in Chartres im Jahre 1952 die Faszination der mittelalterlichen Kathedralenfenster. Es folgten sehr eingehende Studien an ihnen. Der Auftrag des kunstliebenden Dominikaners Pöre Couturier im Jahre 1956, die Taufkapelle von Plateau d’ Assy zu gestalten, brachte den Künstler dann wirklich auf diesen neuen Weg, indem er ausser einer grossen Wandkeramik und zwei Marmorreliefs zwei helle Farbfenster mit Engeln für diesen Raum schuf. Er folgten 1960 das erste Fenster für die Kathedrale von Metz, 1961 die Fenster der Hadassa-Synagoge in Jerusalem, später Fenster für das UNO-Gebäude in New York. Pocantico Hills (N.Y.), Tudely in Kent, weitere Fenster für die Kathedrale von Metz und schliesslich 1970 die fünf grossen Fenster im spätromanischen Chor des Zürcher Fraumünsters. Alle diese Fenster schuf Chagall in Zusammenarbeit mit dem Glasmaleratelier von Jacques Simon in Reims und dessen künstlerischem Leiter Charles Marq, der die Glasscheiben für das eigenhändige Bemalen durch den Künstler in Licht und Farbe vorbereitete und provisorisch einfassen liess. Dann malte Chagall mit Schwarzlot auf die vorbereiteten Scheiben die Zeichnung der Gestalten und die Schatten, eine sehr ermüdende Grisaillemalerei auf den grossen Glasflächen für den zur Zeit der Herstellung der meisten dieser Fenster bereits mehr als Achtzigjährigen. Dann erst wurde das Glas mit der darauf befindlichen Zeichnung gebrannt, und die Fenster wurden definitiv zusammengesetzt. Chagall hat die Beeinträchtigung der Wirkung seiner Jerusalemer Glasfenster, die in dem zu kleinen Synagogenbau geradezu aneinander stossen, Geburtstages Mark Chagall sicher schwer empfunden; so ist es kein Wunder, dass ihn der weiträumige um 1250 geschaffene Chorbau des Fraumünsters in Zürich mit den fünf grossen Fensteröffnungen zum Schaffen begeisterte. So gelang ihm hier ein Werk, das wir in seiner malerischen dem Raum voll angepassten Harmonie wohl als die Krönung seines Schaffens ansehen können. Auf der' nördlichen Schmalseite des Chores schuf er mit roter Grundfarbe das Prophetenfenster. Es zeigt die Entrückung Elias mit feurigem Wagen in den Himmel, darüber Visionen Ezechiels und Jeremias. Oben im Rundbogen dieses Fensters hat der Künstler Gott in seinem Schöpfungswerk an Mensch und Tier als Person dargestellt. Gegenüber an der Südwand befindet sich das im Grundton blaue Gesetzesfenster. Oben thront Moses mit den Gesetzestafeln, darunter Krieg und Leiden des Ungehorsams, das Friedensreich des Messias und schliesslich ganz unten Jesaja, der von dem Engel die Friedensbotschaft empfängt. Von den drei Fenstern der Frontseite nach Osten ist das linke, das Jakobsfenster, ebenfalls in blauem Grundton, den Geschichten dieses Patriarchen gewidmet: Oben die Himmelsleiter, die Chagall auch in Metz dargestellt hat, darunter der Kampf mit dem Engel, und schliesslich unten der träumende Jakob. Rechts an dieser Wand ist das Zionsfenster mit gelber Grundfarbe: Oben der Engel, der die Ewigkeit verkündet, darunter eine Andeutung der Stadt Jerusalem, wohl das himmlische Jerusalem, darunter Bathseba und schliesslich König David mit der Harfe. Das letzte und grösste Fenster in der Mitte der Frontseite, das Christusfenster, zeigt oben den gekreuzigten und auferstandenen Christus, darunter Szenen aus seinem Leben und Bilder seiner Gleichnisse, darunter Maria mit dem Jesuskind im Baume Jischais (Jesaja 11, 1 und 10 wird in der christlichen Literatur und Kunst häufig auf Jesus gedeutet), schliesslich das Lamm Gottes und ganz unten unscheinbar und am Fensterrand nur halb dargestellt Joseph, Jesus’ Vater. Die fünf Glasfenster in ihrer Gesamtheit machen durch Einheitlichkeit und Harmonie in dem ihnen entsprechenden Raum einen gewaltigen Eindruck. 14 Jahre vorher, bei der Gestaltung des Baptisteriums von Assy, hatte der Künstler noch Bedenken, ob er als Jude berechtigt sei, an der Gestaltung eines christlichen Kultraumes mitzuwirken. Um jeder konfessionellen Festlegung auszuweichen, setzte er damals in das grosse Keramikbild die Inschrift: “Au nom de la liberté de toutes les religions”, (siehe Franz Meyer “Mark Chagall” — Du Mont Schauberg, Köln 1961, S. 574). ,In Metz und Zürich hat der Künstler ohne weitere Bedenken an der Gestaltung christlicher Kunstwerke mitgewirkt und dabei Bedeutendes geschaffen. Auch den bewusst jüdischen Betrachter stört die Darstellung des Christusfensters nicht; er empfindet sie am richtigen Platz in einer Kirche. Nur eine Frage stellt sich: Wäre es nicht besser gewesen, das Bild Gottes im Rundbogen des Prophetenfensters nur symbolisch anzudeuten? Mit gutem Grunde wurde nicht nur in jüdischen, sondern besonders auch in christlichen Bildern das Walten Gottes symbolisch durch seine Hand angedeutet; wenn aber schon Gott der Schöpfer in menschlicher Figur dargestellt wird, dann sei es mit dem gewaltigen Pathos eines Michelangelo in der Sixtina-Kapelle, nicht oben im Rundfenster als kleine Figur, das Schöpfungswerk als eine Szene neben manchen anderen. Dieser eine Vorbehalt darf uns nicht blind machen gegenüber der Grösse des Gesamtwerks. Wie Picasso ist es Chagall beschieden, in ungebrochener Schaffenskraft bis ins höchste Alter zu arbeiten und so eine künstlerische Mission zu einem inneren Abschluss zu bringen, darin vergleichbar Tizian und Michelangelo, während andere grosse Künstler, wie Raphael und Vermeer, mitten in ihrem Werke abberufen wurden. In einem berühmten Satz erklärt Georg Simmel "die eigentümliche Vorliebe, die sich seit einiger Zeit für die Alterskunst der grossen Künstler bemerkbar macht” : “Hier ist das schöpferische Leben so souverän es selbst, so reich an sich selbst geworden, dass es jede Form, die irgenwie traditionell oder mit anderen geteilt ist, abstösst, dass seine Aeusserung im Kunstwerk nichts anderes ist als sein jeweiliges eigenstes Verhängnis” (Georg Simmel “Der Konflikt der modernen Kultur”, Duncker & Humblot, München und Leipzig 1918, S. 23). Diese Worte gelten auch für das Alterswerk Chagalls. Er hat mit rechtem Instinkt sich im Alter immer mehr der Glasmalerei zugewandt, da hier das Material den traumhaften Visionen des grossen Koloristen ganz besondere Möglichkeiten bietet. * Zum 85. Geburtstag Maro Chagalls erschien im Verlage Du Mont Schauberg in Köln in der technisch ausgezeichneten und für heutige Verhältnisse relativ billigen “Bibliothek grosser Maler” ein Chagall-Band mit 48 sehr guten Farbtafeln und 91 ebenfalls guten einfarbigen Bildern. Der mehr als 40 Seiten umfassende einleitende Text und die ausführliche Bilderklärung zu jeder Farbtafel stammen aus der Feder von Werner Haftmann, dem Direktor der Berliner Nationalgalerie, der ausser durch Monographien moderner Künstler, durch sein in viele Sprachen übersetztes Standardwerk “Malerei im 20. Jahrhundert” (Prestel Verlag, München), bekannt ist. Die Auswahl der Bilder in diesem Bande ist besonders geglückt. Man hätte vielleicht gewünscht, in ihm mehr vom Spätwerk zu finden, so dass dieses Werk frühere Bild- Publikationen besser ergänzt hätte. Jedenfalls ist aber zu begrüssen, dass auch Plastiken und graphische Werke, ferner eine Bühnendekoration zu Stravinskys “Feuervogel” sowie die Wandbilder der Pariser Oper und ein Detail aus der Mosaikwand der Universität in Nizza reproduziert sind. So erhält der Betrachter der Abbildungen einen Eindruck von der Vielseitigkeit des Künstlers. Haftmann gibt in den Bildinterpretationen eine interessante Analyse der künstlerischen Entwicklung Chagalls. Der Text ist nicht leicht lesbar; es gelingen dem Autor aber ausgezeichnete Formulierungen. Heinrich Strauss (“M.B.” Tel-Aviv) WERNER SCHNITZLER S. CONTADOR COLEGIADO N? 4000 Contabilidad - Leyes Sociales - Leyes Tributarias RIO JACHAL 1454 — TEL. 371755 wuenscht allein seinen Freunden, Kunden und Bekannten Le Schono Tauwoh