Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 9 (Noviembre, 1973)
- Date
- 1973-09-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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SEPTIEMBRE 1973 21 (Fortsetzung von Seite 20) Rabbiner Dr. Jakob Teichman: zu suchen. Sie sagen: der Feigling, er verkriecht sich, sein schlechtes Gewissen treibt , ihn dazu. Es ist vergeblich, ihnen Treue zu halten, sei es als Mitkämpfer, sei es als Mitbürger. Sie sagen: Er ist ein Proteus, er kann eben alles. Es ist vergeblich, ihnen zu helfen, Sklavenketten von den Gliedern zu streifen. Sie sagen: Er wird schon seinen Profit dabei gemacht haben. Es ist vergeblich, das Gift zu entgiften. Sie brauen frisches. Es ist vergeblich, für sie zu leben und für sie zu sterben. Sie sagen: Er ist ein Jude... Es ist mir, als wäre nur bei den Toten Gerechtigkeit zu finden gegen die Lebenden. Denn was diese tun, ist ganz und gar unerträglich.” Reich-Ranicki schreibt dazu in seinem jüngsten Buch “über Ruhestörer. Juden in der deutschen Literatur” (Serie Piper): “Es geht hier nicht darum, ob Wassermann übertrieben hat, ob er ganz im Recht war oder nicht. Wichtig ist nur, dass von einem auf jeden Fall sehr ehrlichen Schriftsteller, der unbedingt Deutscher und Jude zugleich sein wollte, die Beziehungen zwischen Juden und Nicht juden in diesem Lande so empfunden wurden und das in einer Zeit, in der man den Namen Adolf Hitler noch gar nicht kannte, nämlich am Anfang jener zwanziger Jahre, die man heute so gern als ‘goldene’ preist und verklärt.” Zum Tode von Robert Siodmak: Ein Grosser Mann aus Hollywoods Grosser Zeit Im Alter von 72 Jahren starb in einem Spital in der Nähe von Locarno der bekannte Filmregisseur Robert Siodmak an einer Herzattacke. Siodmak, der die letzten 18 Jahre seines Lebens in Ascona verbrachte, zählte zu den grossen Regisseuren aus Hollywoods grosser Zeit. Bis vor kurzem konnte man Robert Siodmak tagtäglich im “Schiff” antreffen, jenem Restaurant an Asconas Piazza, in dem sich die Prominenten dieses weltstädtischen Dorfes ihr Stelldichein geben. So wie man Siodmak im “Schiff” sehen konnte, so war er einst in Berlin im “Romanischen Café” anzutreffen. Dort gingen die Grossen der damaligen Filmwelt aus und ein; Namen wie Billy Wilder und Fred Zinnemann sind noch heute ein Begriff. Mit Wilder und Zinnemann drehte Robert Siodmak auch seinen ersten Film: “Menschen am Sonntag”. Der 1929 gedrehte Stummfilm zählt noch heute zu einem Meisterwerk, das in seiner Art unübertroffen blieb. Der Film wurde ein Dokument des Berlins der zwanziger Jahre — und Siodmak drehte Filme, die in die Filmgeschichte eingegangen sind. Für die UFA machte er Spielfilme mit Jannings, Bassermann, Albers und Rühmann, den er für den Film entdeckte. 1931 schuf Siodmak den Streifen “Der Mann, der seinen Mörder sucht”. Wenige Jahre später suchten die Mörder ihn... Mehr der Not als dem eigenen Trieb gehorchend, wurde Robert Siodmak ein internationaler Regisseur. Über Frankreich fand er den Weg in die USA — und Hollywood bekam einen grossen, neuen Regisseur. In über zwanzig Hollywood-Jahren schuf er einzigartige Werke; Produktionen wie die Hemingway-Verfilmung “The Killers”, “The dark mirror” oder die “Wendeltreppe” bewiesen die grosse Vielseitigkeit des Regisseurs. Sein Film “Esquire” zählt zu den zehn besten der Filmgeschichte. Charles Laughton, Gregory Peck und zahlreiché andere Weltstars arbeiteten mit Siodmak zusammen; Ava Gardner, Burt Lancaster und Ernest Borgnine wurden von ihm für den Film entdeckt. Viele Schauspieler trauern jetzt um einen grossen Regisseur, und Filmfreunde gedenken eines Künstlers, der ihnen viele hervorragende Filme geschenkt hat. Siodmak, der Sohn eines Leipziger Pelzhändlers, war ein Könner, der falsche Publicity nicht nötig hatte und dessen Privatleben nie Schlagzeilen abgab. 1935 heiratete er Berthe Odenheimer, und das Schicksal wollte es, dass Siodmak nur sieben Wochen nach dem Tod seiner Frau starb. Pierre Rothschild BLUSAS Der Versoehnungstag - Kol Nidrej Eine besondere Note verleiht dem Abendgebet ein Akt, der sich vor dem eigentlichen Gebet vollzieht und dem dieser Gottesdienst und der Abend selbst seinen Namen “Kol Nidrej” verdankt. “Kol Nidrej” ist eine Nichtigkeitserklärung aller unüberlegten persönlichen Gelübde. Er ist in aramäischer Sprache verfasst und wird meistens vor geöffnetem Tora schein mit besonderer Feierlichkeit gesungen: “Aller Gelübde, Entsagungen, Bannungen... die wir gelobt haben, die wir uns auferlegt haben... sollen wir enthoben sein. Sie seien ungültig, aufgelöst und nichtig...” — In östlichen Gemeinden besteht noch der Brauch, dass vor dem Kol Nidrej eine oder mehrere Torarollen ausgehoben und von den Anwesenden geküsst werden, um Verzeihung zu erbitten für begangene Verletzungen der Tora. Der Kol Nidrej wird zum erstenmal um das 7. Jahrhundert von den Oberhäuptern der babylonischen Judenheit, den Ga’onim — allerdings oft unter scharfer Ablehnung — erwähnt. Die darin enthaltene Ungültigkeitserklärung bezog sich ursprünglich auf die Vergangenheit, d. h. auf die im abgelaufenen Jahre ausgesprochenen Gelübde, die, sei es aus Versehen oder durch den Einfluss höherer Gewalt, nicht eingelöst werden konnten. Die strenge Gewissenhaftigkeit, zu der auch die Ungebildeten im Geiste der Tora und des Talmuds erzogen wurden, brachte mit sich, dass man auch wegen ungewollt Versäumtem Schuld- und Reuegefühle verspürte. Um nun den Versöhnungstag nicht mit der Schuld eines uneingelösten Gelübdes anzutreten, bat man Gott um Verzeihung, und dies im Sinne der Torastelle, in der es heisst: “Und der Ewige verzei he es...” (4. Mos. 30, 6—9). Gemeint waren allerdings nu: Verpflichtungen, die jemand sich selbst Gott gegenüber aufer legt hatte, keineswegs aber Schwüre und Eide, die einem Mit menschen oder einer Gemeinschaft gegenüber geleistet worden waren. R. Jakob Tarn (12. Jahrhundert) wies auf diesen Um stand nachdrücklich hin. R. Jakob Tarn war es auch, der den Kol-Nidrej-Text in die Zukunftsform abzuändern veranlasste. Seiner Ansicht nach bedeutet Kol Nidrej im eigentlichen Sinne nicht ein Aufhebei von Gelübden — weder im voraus, noch nachträglich, was auch weder moralisch noch nach Religionsgesetz zu verantworten wäre. Habe jedoch der Schwörende eine Bindung aussei acht gelassen, die ihn daran hindert, sein Versprechen zu hal ten, so solle sein unüberlegt — nach R. Ascher b. J’chiel auch in Gefühlsüberschwang (Talm. N’darim 23b) — ausgespro chenes und gegebenes Wort von vornherein ohne Gültigker sein. Der Kol Nidrej bedeutet demnach einen besonderen, eir geschränkten Vorbehalt gegenüber Verpflichtungen, der nu: deshalb so deutlich ausgesprochen wird, weil an sich jedes gegebene oder nur ausgesprochene Wort ohne triftigen Ge gengrund auf jeden Fall eingehalten werden muss. Diese Auffassung basiert auf einer noch strengeren Ge wissenhaftigkeit als diejenige, die sich auf die Vergangenheit bezieht, was aber die Feinde Israels nicht daran gehindert hat den Kol Nidrej für eine Art Absolution zu halten, die dem Ju den Meineid erlaubt. Diese Beschuldigung ist schon deshalb grundlos, weil das Folgende, das eine Erwiderung auf der Kol Nidrej darstellt, sich ausdrücklich nur auf Gelübde b zieht, die nicht willkürlich, sondern aus Versehen (“Bisch’ga ga”) unerfüllt geblieben sind: “Es sei verziehen der ganze: Gemeinde Israels und auch dem Fremden, der unter ihnei wohnt, denn es geschah beim ganzen Volk aus Versehen.” (4 Mos. 15, 26.) Schon vorher, bei der Einleitung zum Kol Nidrej bei der sich zwei angesehene Männer der Gemeinde neben der Vorbeter stellen, wird deutlich, dass es sich ausschliesslich uir religiöse Verpflichtungen handelt, die jemand über die Vor schrift hinaus auf sich genommen hat, oder um Verordnungen der jüdischen Gemeinde, aus der man bei Ungehorsam unc mangelnder Solidarität ausgestossen werden konnte: “Nacl dem Rate des Himmels und nach dem Rate hienieden, im Sin ne dös Ewigen und mit Einverständnis der Gemeinde, erlau ben wir, zusammen mit denen zu beten, die das Gebot über treten haben.” — In dieser Stunde, in der die Frömmsten nur auf Vergebung und Gnade hofften, öffnete sich das Tor auch den Abtrünnigen. Wenn auch historisch nicht belegt, so doch im Sinne dieser Idee bringt die Überlieferung die Aufnahm des Kol Nidrej in die Liturgie mit der Zeit der spanischen In quisition in Verbindung und bezieht die einleitende Formel aui die Zwangsgetauften, die “Marranen”. Mehr noch als die Texte selbst rufen die wehmütige Me lodie, die Poesie und die Weihe des höchsten Festes fromm' Erinnerungen und eine religiöse Stimmung hervor, die alle oft auch Nichtjuden, tief ergreift. (Isr. Wochenblatt, Zürich) MINI-NOTIZEN AUS ISRAEL Der Tel-Aviver Bürgermeister schlägt einen Städte- Bund (Tel-Aviv, Cholon, Bat Jam, Ramat Gan, Giwatajim und Bnej Brak) vor, und den Baubeginn einer Untergrundbahn. Jad Waschern bcochloss die Ehrung dreier Bulgaren, die im Zweiten Weltkrieg tausende Juden retteten. Erziehungsminister Yigal Allon teilte der Knesset mit, dass z.Zt. alle akademischen Positionen besetzt sind, und dass die Regierung die Schaffung einer Zentralstelle für Berufsberatung der Studenten aller Universitäten in Erwägung zieht. In Israel waren 1972 14,9% aller Beschäftigten Akademiker, in Kanada: 13,3%; USA: 13,2%; England: 9,6%; Deutschland 3,4%. Entsprechend den neuen Gehaltslisten des Erziehungsministeriums erhalten Lehrer in diesem Jahr ab 1. April: Grundgehalt für Anfänger IL 670,— (B.A.) bzw. IL 729,— (M.A.), später bis zu IL 1.304,— (B.A.), IL 1.43-5.— (M.A.). Anfänger mit Doktor- Titel erhalten IL 799.—, die höchste Stufe beträgt dann IL 1.570.—• dazu kommen Teuerungs- und andere Zulagen. Die Polizei registrierte 1972 einen Rückgang der meisten Verbrechens-Kategorien im Vergleich zu 1971. 13 Mordversuche (15), 37 Raubüberfälle (46), 25 Vergewaltigungen (31), 30.645 Diebstähle ,31.725), 6.905 Autodiebstähle (8.291). Die Unterhaltskosten für minderjährige Kriminelle betragen je IL 1.000.— pro Monat. Im Lande existieren 17 entsprechende Institutionen, darunter fünf private. Der 74-jährige Physiker Lev Tumerman, der vor ein'g n Wochen aus Russland -inwanderte, wird -seine Forschungsarbeit am Weizmann-Institut fortsetzen. Die Gesellschaft für Wohnkultur zahlte an 120 Hausbesitzer für Renovierung von Häuserfasisaden IL 15.000.— (20% der Kosten). Bituach Leumi zahlt an 156.000 kinderreiche Familien Zuwendungen, ab drittem Kind IL 30.—. Die Makkabi-Krankenkasse hat z.Zt. 250.000 Mitglieder. Ihr Budget betrug 1972 IL 50 Millionen. Ab 20. Januar werden in den Häfen neue “Überfüllungs”-Abgaben erhoben: 15% auf Import-, 7,5% auf Export- Frachten. Im vergangenen Jahr kamen 10.000 Touristen aus Australien, 30% mehr als 1971. In Haifa wurde ein 3,5 m langer, 300 kg schwerer Haifisch (Cetorinus Maximus, der bei uns sonst nicht vorkommt), gefischt.