Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 8 (Agosto, 1973)
- Date
- 1973-08-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Agosto 1973 IN ISRAEL: DER ARABISCHEN INTELLEKTUELLEN Arabische Studenten in der Universidad von Tel-Aviv. Bei allen Diskussionen über das Schicksal der arabischen Bevölkerung der besetzten Gebiete, sind die Araber, die im eigentlichen Staatsgebiet Israels leben, in Vergessenheit geraten. Von einer Zahl von 150 000, die nicht wie die anderen Palästina im Jahre 1948 fluchtartig verlassen haben, ist diese Minderheit im Laufe von 25 Jahren auf 400 000 gewachsen. Erst 1966, 18 Jahre nach der Staatsgründung, erhielten sie volle gesetzliche und staatsbürgerliche Gleichberechtigung — als das Militärregime, unter dem sie standen, aufgehoben wurde. Die arabischen Bürger Israels haben seit je zwischen zwei Stühlen gesessen: 19 Jahre lang waren sie von der arabischen Welt abgeschnitten, zu der sie gehören, und bei ihren Stammesbrüdern im Nahen Osten galten sie wegen ihrer Kollaboration mit den israelischen Behörden als Verräter. Die Israelis dagegen haben nie ihren Argwohn überwinden können, in ihnen eine potentialle Fünfte Kolonne zu sehen und ihre Loyalität in Zweifel zu ziehen. Der grosse Schock kam im Sommer 1967, als die Verbindung mit den arabischen Nachbarländern plötzlich wiederhergestellt wurde und darüber hinaus eine Million Araber im ehemalig jordanischen Gebiet des Westufers und im Gazastreifen unter israelische Verwaltung gerieten. Damals erreichte die Krise ihrer Identität einen dramatischen Höhepunkt — für die jüdischen Israelis waren sie Mitglieder der grossen arabischen Völkerfamilie; aber für ihre arabischen Brüder waren sie Abtrünnige. FRUSTRIERUNG In den letzten sechs Jahren sind 350 arabische Bürger Israels der terroristischen Tätigkeit überführt worden, die meisten von ihnen Intellektuelle. Die Situation gerade der gebildeten arabischen Jugend Israels ist weit schwieriger als die der Bauern und Handverkehr. In diesen Tagen hat eine Untersuchung, die das Amt des Ministerpräsidenten beim Institut für Mittelost-Studien der Tel Aviver Universität angeregt hatte, zu aufschlussreichen Ergebnissen geführt. Es hat sich erwiesen, dass von 328 Arabern und Drusen, die ihre Hochschul-Studien im Laufe der letzten Jahre beendet haben, fast die Hälfte als Lehrer tätig sind, unabhängig von dem, was sie studiert haben — denn nur in arabischen Schulen ist es ihnen gelungen, Arbeit zu finden. Einige wenige, die in freien Berufen untergekommen sind, sind Aerzte und Rechtsanwälte. Die 328 Hochschul-Absolventen stellen weniger als 0.1 Prozent der nicht jüdischen Bevölkerung, während die Vergleichsziffer für den jüdischen Sektor bei 1.32 Prozent liegt. Das Institut für Mittelost-Studien schätzt die Entwicklung für die nahe Zukunft nicht optimistisch ein. Die Untersuchung deutet darauf hin, dass die Frustrierung der arabischen Intellektuellen in Israel noch zunehmen wird. Gegenwärtig gibt es 700 arabische Hochschul- Absolventen in Israel und weitere 1000 arabischen Studenten auf Israels Hochschulen; sowohl die Zahl der Absolventen wie die der Studenten dürfte bis zum Jahre 1980 auf je 2500 wachsen. Diesen 5000 jungen Menschen, so heisst es in der Untersuchung, stehen keine entsprechenden Arbeitsplätze zur Verfügung, und dieser Mangel würde sie von einer vollen Integrierung ins soziale Leben des Landes ausschliessen. FOLGEN DER DAUERKRISE Einerseits fällt es einem akademisch ausgebildeten jungen Araber nicht leicht, wieder in das primitive Leben seines Heimatdorfes zurückzufinden; andereseits ist es für ihn noch schwieriger, seinen Weg in die moderne gesellschaftliche Struktur Israels zu machen. Statt eines Anschlusses an gleichaltrige jüdische Intellektuelle bewegt er sich in den engen traditions-gebundenen Kreisen der arabischen, meist ländlichen Gesellschaft. Selbst ein Zimmer in Tel Aviv zu mieten, ist für ihn nicht immer einfach: viele Zimmer-Vermieterinnen wittern in jedem Araber einen versteckten Terrorristen. Samuel Toledano, Berater der Regierung in arabischen Angelegenheiten, sieht im Nahost-Konflikt die Schranke für volle Integrierung der israelischen Araber: sie fühlen sich von der Dauerkrise, die hier und da hell aufflackert, bedrückt und stehen unter der latenten Drohung der israelischen Reaktion auf arabische Terrorakte. Auf der anderen Seite sind sie dem Einfluss der Funk- und Fernsehsendungen der arabischen Staaten ausgesetzt, sie unterhalten Kontakte mit Besuchern aus Jordanien und treffen mit Kreißen auf dem Westufer und in Gaza zusammen — ein Leben zwischen zwei Welten. Herr Toledano gab bekannt, dass die Regierung nunmehr “ernste Anstrengungen” mache, um mehr geeignete Arbeitsplätze für arabische Abiturienten und Hochschulabsolventen zu schaffen. An alle staatlichen Aemter und öffentliche Körperschaften ist eine Aufforderung ergangen, freie Stellen möglichst mit arabischen Kandidaten zu besetzen — allerdings nachdem der arabische Knesset-Angeordnete Diaw Oved bereits den 10. Antrag zur Tagesordnung in dieser Sache gestellt hatte. Gleichzeitig haben alle politischen Parteien beschlossen, ihre Tore der Mitgliedschaft für Araber zu öffnen. Spät, aber vielleicht nicht zu spät, haben die.israelischen Behörden davon Kenntnis genommen, dass eine neue arabische Führerschicht im Lande nach oben drängt und die Positionen des traditionellen arabischen “Establishment” erschüttert. Wie diese neue Generation arabischer Intellektueller mit dem Problem der “doppelten Loyalität” fertig werden wird und ob es ihr gelingt, dem Druck der terroristischen Aktivisten jenseits der Grenzen zu widerstehen, wird zu einem gewissen Masse auch von den Chancen und Möglichkeiten abhängen, die ihnen die israelische Gesellschaft bietet. , Wir beraten Sie unverbindlich bei der Zusammen-, Stellung Ihrer Reisen im In- und Ausland. ,Hotel Reserven Ausfluege - Passagen] Guestige Zahlungsbedingungen SPORTSTOUR TEATINOS 304, TELS. 68832-83058-63100 Das “Israelitische Wochenblatt”, Zürich, brachte in der Ausgabe vom 23. Februar 1973 den nachstehenden Bericht: CHILE Keine Behinderung der Juden Nach Aussagen von Andres Rojas, eines chilenischen Juden und Presseberaters an der chilenischen Botschaft in Washington, werden Juden in Chile in keiner Weise diskriminiert. Sie können ihre Religion frei ausüben, werden weder in Sachen der jüdischen Erziehung noch des Gemeindewesens durch die Regierung beschränkt, und die Jugendwie auch die zionistischen Organisationen können ihre Tätigkeit frei ausüben. Die Zionistische Föderation gibt in Santiago ihr Blatt El Mundo Judio (Die jüdische Welt) heraus. Die Jewish Agency setzt ihre Arbeit fort, Juden werden weder am Auswandem noch an eventueller Rückkehr aus Israel gehindert. Daran hat sich auch nach dem Amtsantritt des marxistischen Präsidenten Dr. Salvador Allende nichts geändert. Sie bekleiden weiterhin Posten in Regierungsämtern, sind auch im diplomatischen Dienst vertreten und nehmen Anteil am politischen Leben des Landes. Juden sind aktiv in der kommunistischen, der sozialistischen, der christlich-demokratischen und der konservativen National-Partei. Sie sind in sämtlichen Schichten der chilenischen Gesellschaft Vertreten, aber zum Grossteil gehören sie der mittleren und oberen Mittelklasse an. Von den etwa 35.000 Juden, die vor Allendes Amtsantritt in Chile gelebt haben, verliessen 5000 das Land, einige von ihnen sind aber inzwischen wieder zurückgekehrt. Auch diese Rückkehrer — meist Geschäftsleute, Industrielle oder Ausübende freier Berufe — könnn ihrer früheren Beschäftigung nachgehen, mit Ausnahme des Bankwesens. Das Kapital sämtlicher Banken nämlich, einschliesslich dessen der Banco Israelita, wurde von der Chilenischen Entwicklungs-Korporation aufgekauft. Ein erheblicher Teil des privaten Sektors der chilenischen Wirtschaft ist in jüdischen Händen, aber es arbeiten auch viele Juden als leitende Techniker und als Direktoren im staatlichen Sektor. Die Tendenz zur Assimilation ist gross. 80 Prozent der jüdischen Kinder werden nicht in jüdischer Tradition erzogen. Die chilenische öffentliche Meinung hat schon häufig Sympathien für den Zionismus und den Staat Israel gezeigt, die Einstellung offizieller Kreise zu Israel ist ebenfalls positiv. Chile pflegt intensive Beziehungen auf wissenschaftlichem!, technischem und kulturellem Gebiet mit Israel. Eine israelische landwirtschaftliche Mission war in Chile tätig und an Projekten beteiligt. Präsident Allende hat vor einigen Monaten eine offizielle Einladung zum Besuch Israels angenommen, hat aber noch keine .definitiven Reisepläne. Über die Einstellung Chiles zum Nahost-Konflikt meinte Rojas, dieses Land respektiere das Recht auf Selbstbestimmung und auf Nichteinmischung seitens anderer Staaten. H. D.