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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1973-08-01 · 8 (Agosto, 1973) · p. Seite 24

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXV (1973)
Issue
8 (Agosto, 1973)
Date
1973-08-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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94 Agosto 1973 Dar Schabbat, der totale Friede Nordamerikanischen Juden VON DANI RENNENBERG Für den Juden ist nicht jeder Tag in der Woche wie jeder Tag. Es ist ein Tag da, der anders ist, ein Tag, der bewusst ein anderes Leben verlangt als die übrigen Tage — der Schabbat. Gerade in diesem “bewusst anders leben” liegt eine seiner grossen Bedeutungen. Dieser Tag mit seinen Verboten will uns nicht das Leben erschweren, weil gerade die Dinge verboten sind, die wir viel lieber täten, dieser Tag will uns das Leben geben, darum verbietet er. Der Mensch steht am Ende einer Kette, der Evolution des Lebens. Durch die Evolution des Zentralnervensystems schliesslich, die in der Urzeit menschlicher Existenz einsetzte, erhielt er die Befähigung, die nur ihm zu eigen ist, die Befähigung des Geistes, der Denkprozess, dessen Ergebnis das bewusste Vollbringen eigener Schöpfungswerke ist. An die Stelle des Instinktes trat der freie Wille. Der Hemmvorgang des Unterbewussten, den Rivalenkampf in dem Augenblick abzubrechen, wenn der stärkere ermittelt ist, verschwand, und es begann der intraspezifische Kampf, der Kampf mit der eigenen Art auf Leben und Tod. Und hier etnwiekelte der Mensch die schrecklichste seiner Fähigkeiten. Obwohl wir wissen, dass dieser Weg in die sichere Vernichtung der Menschheit führen kann, lässt er nicht ab von der unermüdlichen Beharrlichkeit in seinem Suchen. nach immer perfekteren Mitteln, sich gegenseitig, umzubringen. Zum Denkprozess ist die Vernunft gegeben. Vernunft und Willensfreiheit, den intraspezifischen Kampf weiter fortzusetzen, ihn in immer grausamere Formen zu kleiden, bis zur totalen Vernichtung, oder aber den Weg des Friedens zu gehen. Das Ziel des Menschen ist nicht in der Beherrschung des anderen zu sehen, sondern in der Gemeinsamkeit einer grossen weltweiten Gesellschaft, die ohne Kriegsfurcht voreinander die Aufgaben des Menschen in Forschung. Technik, Umwelt, eben auf allen Gebieten löst. Einer schöneren Zukunft entgegen. Verhaltensforscher, Psychologen und Friedensforscher bemühöl sich, die Ursache der menschlichen Aggression zu finden, suchen nach Möglichkeiten, die menschliche Aggression in friedliche Bahnen zu lenken. Doch wie lange haben wir noch Zeit, die Aggression zu überwinden? Die Zieit drängt! Vernunft und Gewissen haben auf diesem Gebiet nicht viel geholfen. Obwohl das Gebot: “Du darfst nicht töten” jeder in unserer so zivilisierten Welt irgendwann einmal in seinem Leben mit weiteren neun als Grundgerüst der Humanität auswendig gelernt hat, zeigen Rassenhass, Völkermord und Bombenkriege: Die Gattung “Mensch” hat ihre Lektion noch nicht gelernt. Die Welt fordert den Frieden; heute mehr denn ie.. Die Schaffung des Weltfriedens ist das religiöse Ziel des Judentums. Dieses Ziel zu verwirklichen, ermahnt uns Woche für Woche der Schabbat. Der Schöpfer der Welt gab dem Menschen den Denkprozesss, dessen Ergebnis das bewusste Vollbringen eigener Schöpfungswerke ist Am Schabbat aber darf der Mensch kein Werk vollbringen. E's ist also gerade seine schöpferische Tätigkeit, die der Mensch am Schabbat nicht ausüben darf. Der Schabbat zwingt uns, auf alle unsere technischen Errungenschaften zu verzichten. Ja, wir müssen fast ein Leben wie in Urzeiten menschlicher Existenz führen, wenn er uns nicht die Ausnutzung der technologischen Möglichkeiten lassen würde, die wir vor dem Schabbat vorbereitet haben, und die über eine Automatik, ohne unser persönliches Zutun ablaufen. Der Schabbat zeigt dem Menschen, wem er seine Kultur, seine Intelligenz, wem er seinen heutigen Fortschritt in Wissenschaft und Technik verdankt; er zeigt ihm, dass es Gottes Gesetze sind die er durch Forschung und Lehre zu seinem eigenen Wissen macht. Uber dem Schabbat steht das Gebot des Friedens. “Schabbat Schalom”, Frieden am Schabbat, das ist das grosse Anliegen dieses Tages. Und die Verbote dieses Tages zwingen den Menschen, den Frieden zu halten, denn um einen Krieg beginnen zu können, müsste wir alles das tun, was an diesem Tag verboten ist! Der Schabbat zwingt den Menschen, einen Tag in der Woche Frieden zu halten, totalen Frieden. Wir können für diesen Tag alles vorbereiten. Wir dürfen im Augenblick der Not sogar zu allen Mitteln greifen, die uns gegeben sind, um die Not abzuwehren. Die Erfordernis, einem Kranken zu helfen oder das Leben eines Tieres zu retten, verdrängt alle Schabbatgesetze. Doch eines dürfen wir nicht vorbereiten, den Krieg! Wir dürfen bei einem Angriff von aussen zu den Waffen greifen und unser Leben verteilder Die Führer der Juden in den Vereinigten Staaten stehen gegenwärtig vor einem schweren Problem, das ihnen eine Entscheidung zwischen ihrer mannhaften Solidarität für die Sowjetjuden und ihren guten Beziehungen zu der Regierung des Paäsidenten Nixon aufzwingt Bekanntlich hat der demokratische Senator Jackson im Abgeordnetenhaus einen Antrag eingebracht, wonach bei dem in Aussicht genommenen Handelsabkommen mit der Sowjetunion die Meistbegünstigungsklausel nur dann gewährt werden soll, wenn die Sowjetunion die Beschränkungen gegen die russischen Juden auf heben sollte. Die Klausel ist zwar ganz allgemein gehalten und besagt, dass die Meistbegünstigung für diejenigen Länder nicht -gelten soll, die ihren Bürgern willkürlich die Ausreise verweigern. Es ist aber klar, dass sie auf den speziellen Fall der Juden in der Sowjetunion zugeschnitten ist. Die Regierung Nixon hat verschiedene Versuche unternommen, um die Lage der russischen Juden zu erleichtern und ihrem Einschreiten ist es auch offensichtlich zuzuschreiben, dass der Kremlin die diskriminierende Ausreisesteuer für Intelektuelle ausser Kraft gesetzt hat. Aber wesentliche Erleichterungen für die Juden bei der bürokratischen Tramitar tion von Ausreisevisen konnten nicht erzielt werden. Die Juden Nordamerikas haben sich aus Solidarität für die auswanderungswilligen Sowjetjuden eingesetzt und die jüdischen Führer der Gemeinden sehen in dem Andigen. Doch wir, wir können keinen Krieg an diesem Tag beginnen, gegen kein Land, kein Volk, gegen keinen unserer Nebenmenschen. Das Judentum ist eine pazifische Religion. Sie duldet keinen Angriffskrieg. Der Schabbat ermahnt uns zum Frieden Woche für Woche. Er ermahnt uns auf eine viel markantere, eindrucksvollere Weise, als moralische Worte es je könnten. Das Wort “Schalom” beinhaltet etwas Vollkommenes. Es bedeutet nicht Friede als Intervall zwischen zwei Kriegen, sondern meint den endgültigen Frieden, den Frieden, auf den kein Krieg mehr foglt. "Schabbat Schalom” — Friedvoller Schabbat! Der totalle Friede ist das religiöse Ziel unserer göttliche Lehre. (Jüd. Wochenzeitung, Düsseldorf) trag Jackson ein Druckmittel auf die Sowjetregierung, von dem sie sich eine beträchtliche Wirkung versprechen, weil der Kremlin an dem Zustandekommen der Handelsverträge mit den USA lebhaft interessiert ist. Es wurde sogar berichtet, dass Leonid Breshnew bei seinem Besuch in Washington in einer Sitzung mit dem Senatoren nachdrücklich auf die Bedeutung des Abkommens für die wirtschaftliche Entwicklung der Sowjetunion hingewiesen hat. Es ist ihm aber anscheinend nicht gelungen, die Parlamentarier, deren überwiegende Mehrheit den Jackson- Antrag unterstützen, davon zu überzeugen, dass der Handelsvertrag wichtiger sei als die Lage der sowjetischen Juden. Jetzt hat Präsident Nixon eingesehen, dass ein grosses Hindernis für das Zustandekommen des Handelsabkommens besteht und deshalb hat er persönlich eingegriffen und von den jüdischen Führern verlangt, dass sie ihm in seiner Aussenpolitik, die eine Annäherung an die Sowjetunion und eine engere kommerzielle Zusammenarbeit zum Ziele hat, keine Schwierigkeiten machen und ihre Unterstützung des Jackson-Projekts aufgeben sollen. Nixon ging sogar so weit, dass er bei einer Konferenz mit den Wortführern beider Parteien des Kongresses ausdrücklich erklärte, dass “die Aussenpolitik der Vereinigten Staaten nicht von den Sonderwünschen einer Minderheit abhängig gemacht werden dürfe . . . “Dieselbe Ansicht äusserte Nixon später auch gegenüber den leitenden Persönlichkeiten des nordamerikanischen Judentums Max Fischer, Richard Maas und Jacob Stein, Präsident der Konferenz der Jüdischen Organisationen, denen er ganz offen erklärte, dass der Antrag Jacksons einen Konflikt mit der jüdischen Gemeinschaft heraufbeschwören könnte, weil seine Annahme durch das Parlament geeignet sei in der öffentlichen Meinung eine anti jüdische Misstimmung hervorzurufen. Das Dilemma der jüdischen Führer besteht also in der Abwägung der Interessen, die im Spiele sind. Auf der einen Seite können die Sprecher der bedeutenden jüdischen Kollektivitäten in USA die Gefühle der Solidarität mit den leidenden Juden in der Sowjetunion nicht auf einmal in den Hintergrund stellen und die Gelegenheit für eine wirksame Hilfe vorübergehen lassen. Auf der anderen Seite aber müssen sie auch dem Präsidenten Nixon Recht geben, wenn er meint, dass die Entspannung zwischen dem Westen und dem Osten, die er zusammen mit Brezhnew herbeiführen will, von auserordentlicher Wichtigkeit ist und die Zusammenarbeit aller erfordert. In diesem Zusammenhang ist auch die Stellung Israels zum Jackson-Antrag nicht ausser Betracht zu lassen. Dieser entspricht natürlich den nachhaltigen Bestrebungen der israelischen Regierung zur Besserung der Lage der russischen Juden. Der Antrag könnte direkt c.ine israelische Erfindung sein. Er ist es aber nicht. Golda Meir will die guten Beziehungen zur Nixon-Regierung, die sehr viel praktischen Nutzen tragen, nicht durch eine offene Unterstützung der Gegner seiner Politik in Gefahr bringen. Die israelische Regierung kann sich auch nicht dem Vorwurf aussetzen, dass sie bei innerpolitischen Gegensätzen im nordamerikanischen Kongress für eine der beiden Seiten Partei ergreift. Daher hat sie eine Unterstützung des Jackson-Antrages vermieden und die guten Beziehungen zu Nixon bleiben ungetrübt. Dadurch ist das Problem für die Juden in den USA nicht leichter geworden. Es wird viel Takt und politisches Fingerspitzengefühl notwendig sein, um eine Formel zu finden, die beide Gesichtspunkte in Betracht zieht: Eine Behinderung der Annäherungspolitik Nixon-Brezhnew zu vermeiden, aber doch für die Auswanderung der russischen Juden eine Türe zu öffnen, die nicht gar so schmal und so schwer erreichbar wäre wie bisher . . . EJEt. JOYAS FINAS “CASA LUFT” Paso]« Matte Local 911 Fono 380149 73

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