Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 8 (Agosto, 1973)
- Date
- 1973-08-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Agosto 1973 23 WUd die 'Refait» 'Ho^faeGi#? von Schalom Ben-Chorin (Jerusalem) Die Feiern zum zehnjährigen Bestehen des Hebrew Union College in Jerusalem haben die jüdische Reformbewegung in Israel wieder ins Gespräch gebracht. Das Hebrew Union College in Cincinnati/Ohio in den USA ist heute, nach der tragischen Zerstörung der europäischen Rabbinerseminare in Berlin, Breslau, Wien usw. die älteste rabbinische akademische Lehranstalt der jüdischen Welt, zählt nun hundert Jahre. Das HUC ist mit dem von Rabbi Stephen Wise in den zwanziger Jahren gegründeten Jewish Institute of Religion in New York vereinigt und hat ferner eine Präfakultät in Los Angeles. Der verewigte Präsident des HUC-JIR Dr. Nelson Glück erweiterte 1963 das Institut um eine Filiale in Jerusalem, die zunächst nur für Postgraduates gedacht war, einerseits Archäologen, andererseits jüdische Theologen. Inzwischen wurde das Programm erweitert. Alle Studenten der HUC-JIR müssen ihre beiden ersten Semester in Jerusalem verbringen, um hier in Zusammenarbeit mit der Hebräischen Universität eine bessere Grundlage für das Hebräische zu legen und zugleich Kenntnis von Land und Leuten zu erhalten. Auf diese Weise sollen künftige Reformrabbiner in Amerika zur Festigung des Bandes zwischen Israel und der Diaspora beitragen. Auch zwei israelische Theologiestudenten haben sich bereits in Jerusalem immatrikuliert, um ihr Studium im Inlande zu betreiben. Der neue Präsident des HUC-JIR Dr. Alfred Gottschalk war zusammen mit dem Vorsitzenden des Kuratoriums des HUC-JIR Richter Theodore Tannenwald, dem Präsidenten der Union of American Hebrew Congregations und der World Union for Progressive Judaism Rabbi Dr. Maurice Eisendraht und etwa hundertfünfzig Freunden und Förderern des HUC-JIR in Jerusalem eingetroffen, wo Arbeitssitzungen und Festlichkeiten stattfanden. “REFORMRABBINER” GOREN Auf einer Pressekonferenz in Jerusalem wurde Dr. Gottschalk nach den Beziehungen zum neuen Oberrabinat Israels gefragt. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass sich diese Beziehungen positiver als bisher gestalten würden, denn Oberrabbiner Goren sei der erste Reform- Oberrabiner Israels. Dr. Gottschalk meinte, dass aus Gorens Entscheidungen, schon zur Zeit des Militärrabinats, der Geist der Erneuerung der Halacha, oder der Erneuerung des Geistes der Halacha, spräche ... und dies sei ein Grundzug des Reformjudentums. (Gottschalk spielte auf G'orens Vorschlag an, das Anmachen des elektrischen Lichtes am Schabbat zuzulassen.) Als man Dr. Gottschalk aber fragte, wie sich nun die persönlichen Beziehungen gestalten, bemerkte er freimütig, dass er Goren in einem dreiseitigen Brief zur Wahl zum Oberrabbiner Israels gratuliert habe und noch heute auf Antwort warte. Prof. Rabino — Iefe Goren Gottschalk hat selbst seine Dissertation über Achad Haam geschrieben und will im Sinne von dessen Kulturzionismus dazu beitragen, Israel zum geistigen Zentrum für alle Strömungen des Judentums zu machen. Bedenkt man, dass Achad Haam einen kritischen Artikel “Der Geist von Cincinnati” geschrieben hat, so wird einem die Wandlung dieses Geistes, personifiziert in der Gestalt des neuen Präsidenten Gottschalk deutlich. REFORMJUDENTUM VOR ZWEITAUSEND JAHREN Die Reihe der Festlichkeiten wurde mit der Benennung der Archäologischen Schule des HUC auf den Namen von Nelson Glück s. A. eröffnet. Dabei hielt Prof. Jigal Jadin die Gedächtnisvorlesung über die Tempelrolle von Qumran. Jadin führte aus, dass die Sicht der Pharisäer, wie sie der Welt durch das Neue Testament bekannt ist, einer neuerlichen Revision bedürfe. Nicht die Pharisäer waren die minutiösen Orthodoxen der Antike, sondern die Essäer von Qumran, so dass im Lichte der neuen Rollenfunde die Pharisäer sozusagen als die Reformjuden ihrer Zeit erscheinen. Dr. Gottschalk verzeichnete diese wissenschaftliche Entdeckung mit Sichtbarer Genugtuung. Höhepunkt der Feierlichkeiten war die Verleihung des Ehrendoktorates für Hebräische Literatur durch das HUC an den Staatspräsidenten Salmän Schasar in Jerusalem. Der Präsident führte in seiner launigen Dankrede aus, dass durch dieses Ehrendoktordiplom der Regenbogen der jüdischen Denominationen über seinem Haupte komplettiert sei. Es begann mit dem Konservativen Jewish Theological Seminary of America. Dann folgten die Hebräische Universität und die Universität Tel Aviv, aber auch die orthodoxe Jeshiva-University in New York, das Lehrerseminar Herzlia in New York und das Dropsy College in Philadelphia. Mit dem Ehrendoktorat des Reformseminars sind die sieben Farben des Spektrums vollendet, bemerkte der Staatspräsident schmunzelnd. Der feinsinnige Humor des Staatsoberhauptes wurde nur von einer verschwindenden Minderheit im Saale verstanden, da die Majorität aus Amerika dem hebräischen Höhenflug des Ehrendoktors der hebräischen Literatur (er hat diese Ehrung objektiv verdient) nicht zu folgen vermochte. Die Präsidenten (des Staates und des HUC-JIR) waren in akademischen Talaren erschienen, ebenso die weiteren Akteure. Entgegen allen Traditionen amerikanischer jüdischer Reform trug man aber zum akademischen Talar die j armulke, das Käppchen. Das sind kleine Konzessionen an das religiöse Establishment Israels. Wie sagte Gottschalk? “Die Reform soll nicht nach ihrer Vergangenheit beurteilt werden, sondern nach ihrer Gegenwart.” Sie ist heute prozionistisch, tritt erstmalig für jüdische Tagesschulen in den USA ein un bejaht Jerusalem als geistiges Zentrum des Judentums. Mit schöner Offenheit bemerkte Richter Taimenwaid, der ehrenhalber als Berater der israelischen Botschaft in Washington tätig war: “Es Max Wetzstein & Sohn Av. M. Montt 2656 Fono 43379 Nenbeatahen «mi Umarb€dtno{ea Modernste importierte Bezugsstoff© u. Inletts Parkas Acolchadas de Nylon Schlafsaecke Komme einmal lm MonM nach Vifi» n. nehme Auftraege aitgepe. ist das Geheimnis des Reformjudentums, dass es keine fertigen Antworten zu bieten hat, sondern jeweils die sich verändernde Situation zur Kenntnis nimmt.” PREISEND MIT VIEL SCHÖNEN REDEN Wie sehr sich die Situation verändert hat, zeigte sich auf dem glanzvollen Bankett in der Knesseth, welches das HUC-JIR für fünfhundert Gäste gab. Der Hauptredner des Abends war Vizeministerpräsident Jigal Allon, Minister für Erziehung und Kultur. Er hätte ressortmässig noch durch den Religionsminister ergänzt werden müssen, aber so weit hat sich die Situation noch nicht geändert. Allon führte aus, dass in Israel Raum für alle Strömungen des Judentums bestehen müsse (wem sagt er das?); am selben Tage habe er die Landeskonferenz der orthodoxen RNP begrüss und nunmehr die Konferenz des amerikanischen Reformjudentums. Ueber Begrüssung und Festreden, Ehrendoktorate und Tischgemeinschaft beim Bankett gehts aber noch nicht hinaus. Zwei Bürgermeister, beide heissen Ted mit Vornamen (eigentlich Theodor), begrüssten das Convention Dinner: der Bürgermeister von Jerusalem und der Bürgermeister von Cincinnati. Nur der letztere sprach einige Worte hebräisch, nämlich einen Bibelvers aus dem Propheten Micha. Präsident Gottschalk rief und alle, alle kamen: der Vizeministerpräsident und der Bürgermeister von Jerusalem, Professoren der Hebräischen Universität und Knesseth-Abgeordnete, die neuen Ehrenmitglieder des HUC- JIR: Knesseth-Abgeordneter Abramov, Regierungsarchäologe Dr. Biran, der Vorsitzende der Zionistischen Exekutive A. L. Pincus und der Gründer der Leo-Baeck-Schule in Haifa Dr. Elk sowie Oberrichter Chaim Cohn. Unter den Ehrengästen fehlte ein Mann, dessen Namen eine negative symbolische Bedeutung angenommen hat, den man aber nach über zehn Jahren rehabilitieren sollte: Kalantar. Nur durch seine Stimme wurde im Jerusalemer Stadtrat der Bau des Hebrew Union College gegenüber dem King-David-Motel in Jerusalem ermöglicht. Wir wollen nicht nachprüfen, was die Stimme zum Klingen gebracht hat, aber durch sie stimmte die Stimmenzahl. Heute erhebt sich stolz der Bau des Hebrew Union College, trägt den Namen Nelson Glücks und wurde zu einem Vize-Premier Jigal Allon. neuen geistiges Zentrum der Hauptstadt. Wenigstens ein Ziegelstein sollte nach Kalantar genannt werden. NICHT ZAHLEN ENTSCHEIDEN Bei festlichen Anlässen spricht man nicht von Schwierigkeiten, und schlafende Hunde soll man nicht wecken. Man pflegte also Gastlichkeit und Rhetorik, aber am Freitagabend von der Kanzel der Har-El-Reformsynagoge wurde Rabbi Dr. Maurice Eisendraht deutlich: Man pflegt in Isarel zu sagen, dass die Reform ihre Gleichberechtigung erst fordern könne, wenn sie grösser geworden sei. Gewiss wünschen und beten wir, dass sie grösser wird, sagte der Prediger, aber Gleichberechtigung hängt nicht von der Zahl ab. Das haben Juden immer in ihrer Geschichte gewusst und betont. Überall waren wir gering an Zahl, eine Minorität und haben Gleichberechtigung verlangt. Sollten wir das hier, wo Mir als Juden die Majorität sind, nicht verlangen underhalten? Und ich möchte hinzufügen, dass die geringe Zahl geradezu zum Urbestand Israels gehört: “Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, darum dass, euer mehr wäre als alle Völker; denn du bist das kleinste unter allen Völkern.” (5. Mose 7, 7.). ELISA stets grösste Auswahl ln Uniformen San Antonio 65 Fono 381900