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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1973-08-01 · 8 (Agosto, 1973) · p. Seite 20

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXV (1973)
Issue
8 (Agosto, 1973)
Date
1973-08-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 Agosto 1973 Besuch in Schoenau bei Wien. Rassische Juden auf dem Weg nach Israel Ortoff €»íft Die ersten Informationen nommen werden können; der Rest wird auf der Schiffsrou- Menschen, die zeit ihres Lete nachgeführt, bens unter einem Staatsdiri- Die russischen Auswandegismus aufgewachsen sind rer bleiben, angesichts des und gearbeitet haben, komimmer noch anhaltenden Zumen hier von einem Tag auf stroms, nicht lange in Schoden anderen in eine ihnen unnau. Sobald wieder ein El-Algewohnte Umgebung. Sie Charter voll belegt werden müssen auf die ihnen vorerst kann, fliegen sie nach höchfremde Lebensart und die stens 48 Stunden Aufenthalt demokratischer vor sich gedes Nachts nach Lod — eihenden Formalitäten vorbenem neuen Leben entgegen, reitet werden. Es wird ihnen Seit anfangs 1973 ist die Tengleich nach Ankunft ein Indenz der Auswanderung staformationsblatt in russischer bil und hält sich auf der Hö- Sprache über die Abwicklung he des vergangenen Jahres der Formalitäten überreicht, mit monatlich etwa 2500-3000 ebenso ein Begrüssungs- Personen. Die aus dem bess- Familie aus Samarkand. Man muss die sowjetischen Juden aus allen Teilen des grossen Landes in der Durchgangsstation Schönau bei Wien gesehen und mit ihnen gesprochen haben, um zu verstehen — ja vielleicht nur zu ahnen —, was sie in ihrem Geburtsland als Juden geduldet haben und mit welchem Enthusiasmus sie jetzt sozusagen zwischen Bahn und Flugzeug einem neuen und vollständig anderen Lebensabschnitt in Israel, ihrem “eigenen” Land, entgegensehen. Wir hatten vor kurzem Gelegenheit, unter Führung von Keren Hajessod — Vereinigte Israelaktion (Begleiter: G. Rosen und Ch. Teutsch vom KH-Büro Zürich) das'Durchgangszentrum Schloss Schönau zu besuchen, wo die aus der Sowjetunion ankommenden Juden nach ihrer langen Bahnreise ab Moskau einquartiert werden und ihren baldigen Abflug nach Lod abwart:n. Das schon vor 15 Jahren von der Jewish Agency gemie tete ehemalige alte Jagdschloss, das allerdings ständiger Renovationen bedarf, bietet bis 150 Personen Platz und ist besonders seit den vergangenen zwei Jahren erfüllt von erwartungsfreudigen Menschen — ganzen Familien (manchmal Grossfamilien mit vier Generationen), Jungen und Alten, Juden aus den baltischen Staaten, der Ukraine, aus Georgien und den Grosstädten. Zwei- bis dreimal täglich kommt jetzt eine Gruppe am Wiener Bahnhof an, von wo sie mit Autobussen, die aus Sicherheitsgründen polizeilich begleitet sind, nach Schönau verbracht werden. Um die Ankömmlinge vor einem Schock über die Polizei- und Militärbewachung zu bewahren, wird ihnen sofort Aufklärung über diese Vorsichtsmassnahmen zuteil. In Schönau waltet ein relativ zahlreiches Betreuungspersonal der Sochnut und zuständiger israelischer Ministerien seines Amtes, Die Einwanderer, die bereits hier als israelische Staatsbürger, behandelt werden, unterliegen einer sofortigen Überprüfung ihrer Personalien anhand der Visa und Identitätskarten, und es wird möglichst schon in Schönau die Zuteilung von Wohnungen aufgrund von Beruf, Alter und Familiengrösse vorgenommen. Ein kleiner Anteil der Ankömmlinge (etwa 2 %), der Angehörige in Übersee hat und beabsichtigt, sich mit ihnen zu vereinen, wird direkt nach Rom weitergeleitet und dort von der HI AS übernommen. schreiben des Religionsministeriums, das von Minister Z. Wahrhaftig unterzeichnet ist. Zweimal wöchentlich erfolgen Filmvorführungen über das Leben in Israel, und die — russisch sprechenden — Betreuer haben alle Hände voll zutun, die auf sie einstürmenden Fragen zu beantworten. Mit viel Liebe und Geduld entledigen sie sich der Aufgabe, und es kommt nicht von ungefähr, dass eine der liebevollen Damen “Mama” gerufen wird. Selbstverständlich wird die Küche streng koscher geführt, und für die Gottesdienste im Betlokal steht ständig ein Rabbiner zur Verfügung. Die meisten der Religiösen kommen aus Georgien und Buchara. — In der alten Reithalle wird das oftmals sehr umfangreiche Gepäck, von dem vieles separat aus Moskau ankommt, sortiert und zur Weiterreise bereitgemacht und versichert. Hier herrscht ein emsiges Arbeiten, indem die Neuankömmlinge damit beschäftigt sind, ihre Habe umzupacken, da mit dem Flugzeug nur 40 kg Gtepäck pro Person mitgearabischen Kischinew ausreisenden Juden dürfen direkt den Weg über Rumänien nach Israel nehmen, ohne den Umweg über Moskau- Wien machen zu müssen. Im Gespräch mit den Auswanderern An dem Tage, da wir Schönau besuchten, waren dort 115 sowjetische Juden untergebracht. Frühmorgens waren gerade 39 Personen nach der langen Reise angekommen, darunter ein stolzer, bärtiger Jude aus Georgien mit einer Tora in den Armen. Auf nachmittags war schon wieder eine neue Gruppe angesagt. Eine grosse Anzahl der neu Empfangenen war trotz Müdigkeit freudig bereit, erstmals sich mit Schweizer Juden zu unterhalten und Auskünfte zu geben. Sie waren aus Georgien, Riga, Wilna, Moskau, Czemowitz, Minsk und Odessa hergereist. Sowjetische Juden — und doch zwei Welten: Grossfamilien aus Georgien, einfach und still, die Kinder mit grossen schwarzen Augen staunend, — und Handwerker aus Czemowitz, jiddisch sprechend, sowie Intellektuelle aus dem Norden. Zwei Wel ten, die nun gemeinsam zu ihrem eigenen und einigenden Volk fahren. Wie ergreifend war es, zu hören, wie ein Installateur begeistert ausrief: “Mein gan zes Leben lang habe ich für Fremde gearbeitet, und jetzt werde ich für mein eigenes Volk schaffen!” Seinen musikalisch begabten Sohn hatte es auf das Konservatorium schicken können, von dem dieser nach Einreichung des Visagesuches kurz vor dem Diplom entlassen wurde. (Der Pianist hat uns mit seinem Können beschenkt und die Appasionata konzertreif zu Gehör gebracht — man wird von ihm sicher wieder hören.) Zur Begleichung von dessen Ausbildung musste der Vater die Ausbildungstaxe bezahlen, deren Betrag er von Verwandten und Arbeitskollegen geliehen bekam. Unsere Fragen nach den Gründen zur Alija führten im wesentlichen zu der Erkenntnis, dass vorwiegend der offizielle und der schwelende Antisemitismus in der Schule und am Arbeitsplatz für das Erwachsen der jüdischen Identität und den Entschluss zur Auswanderung ‘massgebend gewesen waren. Ausserdem fanden wir eine Anzahl, die sich aus nationaler Überzeugung zur Ausreise nach Israel entschlossen hatte, wobei auch hier ein latenter Antisemitismus mitgewirkt haben dürfte. Rein religiöse Gründe waren bei einer Minderheit der Befragten festzustellen, entsprechend der schwindenden religiösen Unterweisung in der Sowjetunion. Wie dem auch immer sei •— ein gemeinsames jüdisches Schicksal hat sie auf dem Weg nach Israel zusammengeführt. Probleme der Alija aus der Sowjetunion Der Leiter der Sochnut in Wien, Galewski, machte die Schweizer Besucher mit einigen Daten der Auswanderungsbewegung bekannt. Bis heute sind seit März 1971, als die verstärkte Alija begann, rund 50.000 Juden aus 120 verschiedenen Orten der UdSSR ausgewandert. Nachdem in früheren Jahren Juden nur aus wenigen Städten kamen, hat sich inzwischen der Wille zur Alija landesweit ausgebreitet. In den ersten Monaten dieses Jahres stammten etwa zwei Drittel aus Georgien, weitere aus der Ukraine, den baltischen Staaten, einige aus Moskau und Leningrad (wo der Anteil der Diplomierten unter den Gesuchstellem grösser ist und daher die Behörden zurückhaltender sind) und der Rest aus Mittelasien (Taschkent, Samarkand) und dem Ural (Novosibirsk, Amsk). Aus Wilna, Riga und Czemowitz sind schon je über 5000 Juden ausgewandert, etwa 20 Prozent der dortigen Juden. Heute kommen auch viele jüngere Leute, während es bis vor zwei Jahren fast alles Ältere oder Behinderte waren. Die Aufteilung auf Berufe zeigte bis zur Einführung der momentan gelockerten Ausbildungstaxe 40 Prozent Handwerker, 27 Prozent Akademiker und freie Berufe, 6 Prozent Studenten, sowie Verschiedene und Ungelernte. Seit Einführung der sogenannten Kopfsteuer wurden insgesamt schon acht Millionen Rubel bezahlt, und allein für die Visagebühren 50 Mio. Nur schon diese Summen sind eine Last für das jüdische Volk, da in Israel die für die Taxen meist entliehenen Gelder zurückbezahlt werden. Nach Einreichung des Visumsgesuches erleiden die (Fortsetzung Seite 21) l/iaje per iS Palm de EUROPA m a betet* 4* I* ctea* ub fragt p*n urna ««prcaa raterre 4* atianMt «** 4«r*< 4a l tés *>i*i EURAILPASS er\ diríjase a su AGENTE de VIAJES o a la oficina de emisión en Santiago BANDERA 75 - OF. 111 OH. 8938 - FONO 8570*

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