Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 6 (Junio, 1973)
- Date
- 1973-06-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNIO 1973 17 Israels Marsch ins Zweite Vierteliahrhundert Von unserem Korrespoedenten in Israel J. E. Palmon Die Unahängigkeitsfeiem Israels, die nach der grossen Militaerparade in Jerusalem fortgesetzt werden, stehen nun vor allem im Zeichen des weiteren wirtschaftlichen Aufbaus und der Entwicklung. In Jerusalem tagt eine grosse internationale Wirtschaftskonferenz, und ihr Zusammentritt war von einer grossen Zahl von ehrgeizigen Zukunftsplänen begleitet. Der offizielle Plan des Finanzministeriums sieht vor, dass die Bevoelkerung Israels auf über 3,8 Millionen Köpfe (von ihnen 590.000 Araber) zunehmen soll. Verkehrsminister Schimon Peres, der sogar ins Jahr 2000 blicken will, rechnet für diesen Termin mit 10 Millionen Einwohnern. David Ben Gurion, der in den Tagen der Unabhängigkeitsfeiern sich wieder zu aktuellen Fragen äusserte, sprach sich auch fuer eine Einwanderung grössten Umfanges aus, um das Wort von der “Heimkehr der Juden’’ zur Tatsache zu machen. Die Regierung befasst sich in ihren Vorschlaegen mit der Entwicklung zunächst bis 1978 und sieht für jedes Jahr eine Einwanderung von 65 000 Personen netto (unter Abzug von Aus- und Rückwanderern) vor. In den vor uns liegenden fünf Jahren soll der Produktionsertrag pro Kopf im Jahre um 4,5% steigen, der Verbrauch soll auf eine Zuwachsrate von 3% jährlich gedrosselt werden, um die neue Produktion mehr und mehr dem Export zuleiten zu können. Gewaltige Anstrengungen sollen gemacht werden, um ’den Gesamtexport, der 1972 bei 2,2 Milliarden Dollar (einschliesslich indirekter Ausfuhr) lag, auf drei Milliarden Dollar im Jahre 1974 und auf über vier Milliarden Dollar im Jahre 1978 zu steigern. Hinter diesen Ziffern steht ein grosses Ringen und ein Wettlauf mit der Zeit in der Entwicklung. Ein gutes Beispiel bietet die Energieversorgung des Landes: die Elektrizitaetsgesellschaft kommt mit den Anforderungen nicht mit und hat für Hoehepunkte im Stromverbrauch keine Reserven zur Verfügung. Im Dezember und Januar wurden Rekorde im Konsum erreicht, sodass die Gefahr von Strommangel oder gar einem Zusammenbruch der Versorgung drohte. Da die gegenwärtigen Anlagen nicht ausreichen, wurden provisorisch Gasturbinen eingesetzt, um eine Überlastung der ständigen Maschinen zu vermeiden und um eine Erhoehung der Leistung zu erreichen. Jetzt besteht kein Zweifel mehr daran, dass das Stromnetz mit Hilfe grosser Investitionen erweitert werden muss. Israels Wirtschaftskabinett bewilligte kürzlich für die Zeit bis 1981 die Summe von vier Milliarden israelischen Pfunden, die hauptsächlich dem Aufbau neuer Kraftwerke dienen soll. Neue Stationen sind bereits in Aschdod im Sueden Israels im Bau, ein grosses Kraftwerk soll in der Nähe von Chedera auf halbem Wege zwischen Haifa und Tel Aviv hinzukommen. Debatten ueber Umweltschutz haben den Bau dieses Werks verzoegert, aber die Errichtung der Station hat sich wichtiger als alle oekologischen Einwendungen erwiesen. Heute beträgt die Kapazitaet der Elektrizitaetsgesellschaft 1140 Megawatt, sie soll bis 1981 auf 3800 Megawatt gebracht werden. Heute gibt es, wie gesagt, keine Reserven, aber 1975 hofft die ElektrizitaetsgQgellschaft nach Fertigstellung eines Kraftwerks in Aschdod (das nach dem verstorbenen Ministerpraesidenten Eschkol benannt ist), wieder ueber Reserven zu verfuegen. ATOMENERGIE Alle diese Pläne beziehen sich auf konventionelle Energieleistungem, aber die Regierung Israels ist sich darübei im Klaren, dass sie spätestens am Ende des Jahrzehnts sich zum Bau von Kraftwerken mit Atomenergie entschliessen muss. Wissenschaftler in Israel haben die Regierung zu grosszügigen Entschluessen und weitschauender Planung aufgerufen und Fachleute haben Vorschlaege entwickelt, nach denen ab 1982 Atomkraftwerke gebaut werden sollen, von denen bis zum Ende des Jahrhunderts 8 bis 10 in Funktion sein sollen. ' Die Entscheidung über die Atomkraftwerke ist auch wegen der Sicherung der Wasserversorgung Israels dringend notwendig. Der letzte Winter stand im Zeichen geringer Regenfälle und einer teilweisen Dürre. Die zentrale Wassergesellschaft Mekorot will daher in diesem Jahre dem Tiberias-See für die Landes- Wasserleitung nach dem Sueden (Negew) nur 250 Millionen cbm statt 395 Millionen cbm im vorigen Jahre entziehen, um den Wasserspiegel des Tiberias-Sees nicht zu sehr zu senken. Von den Wasserreserven Israels werden jetzt bereits über 90% verbraucht. Für die kommenden Jahre ist die Erhoehung des Wasserpotentials des Landes von der Ausnutzung von Abwässern abhängig, die mit Hilfe von Kläranlagen “aufbereitet” werden sollten. Ausserdem koen- •MkiL' SAN ANTONIO 3*7 FONO }|?J8 . SAN HAGO . nen Bohrungen an unerwarteten Stellen zu Hilfe kommen. Aber alle diese Bemuehungen koennen nur einen bescheidenen Zuschuss an Wasser geben. Eine Loesung in grossem Umfange waere nur mittels Entsalzung von Meerwasser moeglich. Alle Versuche in dieser Richtung haben sich bisher als zu kostspielig erwiesen, und deswegen hatten sich auch die Vereinigten Staaten von einem gemeinsamen Entwicklungsplan auf diesem Gebiete zurückgezogen^ Küerzlich überraschte nun der Professor Kogan von der Technischen Hochschule (Technion) in Haifa die Welt mit der Mitteilung, dass er ein neues Verfahren entwickelt habe, das um 25 bis 30% billiger sei als alle bisherigen Prozesse und dass “die” Loesung bringen koenne. Aber auch hier handelt es sich noch um Versuche, deren Schicksal erst in zwei bis drei Jahre, entschieden sein wird. Auf jeden Fall wird Atomkraft bei den Anlagen für Wasserentsalzung eine wesentliche Rolle spielen, und daher muss Israel so sehr am Bau von Atomkraftwerken interessiert sein. LANDWIRTSCHAFT Bei allen Plänen zur Selbstbeschraenkung beim Wasserverbrauch steht die Landwirtschaft im Vordergründe, weil der Konsum im Haus und in der Industrie kaum gedrosselt werden kann. Natürlich wehrt sich der Agrarsektor, aber noch vor Einführung von Begrenzungen hat die Landwirtschaft an verschiedenen Punkten Auswege gefunden. In einer Reihe von Siedlungen wird für Anpflanzungen stark salz- oder chlorhaltiges Wasser verwendet, was frueher als unmöglich gegolten haette. Die israelische Landwirtschaft als Entwicklungsfaktor hat sich überhaupt als ausserordentlich elastisch und leistungsfähig erwiesenum so bedauerlicher waere es, wenn man ihr wegen Mangels an Wasser Fesseln anlegen müsste. Während 1948 die Bevoelkerung Israels nicht genug zu essen hatte, bestreitet die einheimische Landwirtschaft heute auf den meisten - Gebieten 75% des Eigenbedarfs und macht in verschiedenen Zweigen auch noch Export moeglich. 1948 hatten Israels Landwirte mit 680 Traktoren und 268 Mähdreschern gearbeutet. Ende 1969 war die Zahl der Traktoren auf über 16 000 und die der Mähdrescher auf 635 gewachsen. Inzwischen hat sich der Maschinenpark weiter erhoeht. Pro Hektar erzielte man früher einen Getreideertrag von 150 Kilo, jetzt ist die Landwirtschaft bei 600 Kilo angelangt und kommt in manchen Gegenden sogar auf 800 Kilo. Eine Neuerung ist der Baumwollanbau, der einen V*U'. r-f > .-«¿fr. Moderne Methoden der Anpflanzung grossen Teil des Ertrages exportiert. Kühe geben 6000 bis 8000 Liter Milch pro Jahr, und die Viehwirtschaft Israels gehört zu den modernsten der Welt. Der Agrarexport (einschliesslich Zitrusfrüchte) erreichte im letzten Jahre 120 Millionen Dollar und wird in wenigen Jahren auf 160 Millionen Dollar anwachsen, dazu kommt noch eine beträchtliche Ausfuhr vom verarbeiteten Zitrussäften und Konserven. ENTWICKLUNG DER INDUSTRIE Alle diese Leistungen werden von 42 000 Personen vollbracht, die in der Landwirtschaft voll beschaeftigt sind, zu denen weitere 26 000 landwirtschaftliche Teilarbeiter hinzukommen. Mehr Produktion — und dennoch ist der Anteil der Beschaeftigten in diesem Zweige sehr zurückgegangen. Die Mechanisierung ersetzt die Menschenkraft, und die “grüne Revolution” hat der israelischen Landwirtschaft ein voellig neues Bild verliehen. Da Absatzmoeglichkeiten der Landwirtschaft sowohl in Israel als auch im Export begrenzt sind, steht die Industrie im Vordergründe aller Entwicklungsbemühungen. Die Industrie ist bis in den Kibbuz, früher die Hochburg der Landwirtschaft, vorgedrungen, Heute gibt es bereits in über 230 Kibbuzim Industriebetriebe. Nur noch 60 sind ohne Fabrik, und auch diese wollen den Trend zur Industrie mit-; machen. Neben der schnellen Entwicklung der erfolgreichen Diamanteindustrie hat sich der Schwerpunkt in der Industrie sehr 1967 sehr verschoben. Die Metallindustrie, die Elektro- und Elektronik-Industrie, Chemie und Plastik stehen schon mit Ruecksicht auf den Verteidigungssektor im Vordergründe. Aber auch der Export wird bei dieser Gesamtentwicklung berücksichtigt. Nahrungsmittel- und Textilindustrie sind von den Zweigen der Leichtindustrie weiterhin wichtig, aber die Schwerindustrie und die Gruppen mit wissenschaftlicher Basis (Chemie und Elektronik) schieben sich mehr und mehr in den Vordergrund. Forschung und Entwicklung bieten der schnell zunehmenden Zahl der Akademiker (heute bereits fast 50 000 Studenten auf den Universi tae ten Israels) neue grosse Moeglichkeiten. Der stürmischen Entwicklung in Landwirtschaft und Industrie entspricht eine ebenso schnelle im Verkehr, und zu allem ist Brennstoff in Mengen erforderlich. Es ist ein Symbol, dass gerade in den Wochen der Unabhängigkeitsfeiem die neue. Erdoelraffinerie in der Nähe des Hafens Aschdod eröffnet wird. Sie verarbeitet das Oel, das durch die Oelleitung vom Roten zum Mittelmeer gepumpt wird und das den Eintritt Israels in die internationale Erdoelwirtschaft signalisiert. Mehr als andere Ereignisse ist diese Einweihung für die Richtung des Marsches ins zweite Vierteljahrhundert symbolisch und charakteristisch. GEWALTTAETIGKEIT BEIM fUSSBALL Der Knessetausschuss für Erziehung hat die israelischen Fussballorganisationen wissen lassen, dass die Regierung die Subventionierung dieser Sportart einstellen werde, wenn weiterhin bei der Durchführung von Fussballwettkämpfen eine “Atmosphäre der Gewalttätigkeit” herrschen sollte. Immer wieder würden die Fussballplätze zu Kampfstätten zwischen Zuschauern, Schiedsrichtern und Spielern. Bereits im Jahre 1971 musste sich eine Untersuchungskommission mit Korruptionsfällen im israelischen Fussball beschäftigen.