Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 6 (Junio, 1973)
- Date
- 1973-06-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 JUNIO 1973 Der Streit irríj Von Schalom Oberrabbiner Abadja Josef (Mitte) rfymw-. •Afífr '-v;£-.s Chanukkah ist längst vorüber, ebenso Tu bisehwat und Purim, aber die Krönung der Oberrabbiner ist noch immer nicht erfolgt, obwohl sie im Schein des Lichterfestes erfolgen sollte. Das goldbestickte Prunkgewand des Primas von Zion, des sefardischen Oberrabbiners Obadja Joseph, wurde inzwischen eingemottet, falls der Oberrabbiner dieses dekorative Kostüm nicht mit auf seine Amerikareise nimmt. Die Streitigkeiten zwischen den beiden Oberrabbinern lassen vorerst Krönungsfeierlichkeiten nicht zu. Vielleicht könnte man den Jom Kippur für diese Feiern in Aussicht nehmen, um so einen Versöhnungstag für Israel sinnfällig zu demonstrieren. Die jüdische Geschichte ist nicht ohne Beispiel für Gegensätze zwischen den gleistlichen Führern, man denke nur an den permanenten Streit zwischen Hillel und Schammai, von dem es allerdings in den Sprüchen der Väter V, 20 heisst, dass es ein Streit um des Himmels willen war. Ob dies auch für den Streit zwischen den Oberrabbinem Joseph und Goren zutrifft, bleibe dahingestellt. Hier bietet sich eher das kirchengeschichtliche Modell von Papst und Gegenpast in Rom und Avignon an. Man muss allerdings nicht so weit zurückgreifen und in die Ferne ^pchweifen, denn der permanente Zustand der Verärgerung zwischen den Oberrabbinern Nissim und Unterman bietet sich als naheliegender Modellfall an. Man meinte, dass es die Altersstarre war, welche zur Verärgerung der Greise geführt habe. Weit gefehlt. Der jugendliche Elan der Amtsnachfolger spielte den Streit noch höher. Oberrabbiner Goren wird nicht müde zu betonen, dass er in den Spuren des Rav Kook wandle, aber es ist nicht bekannt, dass dieser Gerechte mit seinem sefardischen Amtsbruder Jakob Meir im Dauerstreit lag. Joseph sucht seine Brüder Oberrabbiner Obadja Joseph enthüllte vor seinen sefardischen Brüdern aus dem In- und Auslande, dass er unter dem permanenten Druck des Diktates seines Amtskollegen Oberrabbiner Goren lebe. Dieser war offenbar zu lang beim Militär, ist es gewohnt, Befehle zu erteilen. Man erzählt sich, dass er beim Militär eine harte Hand geführt habe und mancher “Religionsoffizier” (Kazin Dath) vom Militäroberrabbiner persönlich geohrfeigt wurde. In der zivilen Festung des Hechal Schlomo sind die harten Sitten der Feldprediger nicht zu Hause. Die keineswegs überraschten Sefarden sprachen ihrem Primas von Zion Mut zu, so dass ein Sprecher der Kanzlei des sefardischen Oberrabbiners die Rücktrittsabsichten Joseph eindeutig dementieren konnte. Man kann sogar sagen, dass Obadja Joseph aus dieser ersten Runde als Sieger hervorgegangen ist. Die Sympathien der Oeffentlichkeit wandten sich ihm zu, was beim Auftreten der beiden Oberrabbiner im Rahmen der Eröffnungssitzung der 22. Weltkonferenz des Misrachi Happoel Hamisrachi in Jerusalem evident wurde. Den stärksten Beifall hatte Joseph zu buchen. Er wurde also nicht in die Grube geworfen, sondern sofort erhoben. Das salomonische Urteil Oberrabbiner Goren heisst Schlomo, aber ist sein berühmtes Urteil deshalb salomonisch? Die Vorschusslorbeeren, die er für seine Blitzaktion im Falle der Geschwister Langer, unserer Staatsmamserim, einholte, beginnen zu verwelken. Besonders peinlich wirkte die Affäre um den Trauschein, den beide Oberrabbiner Israels in ihrer Zweitfunktion, die eigentlich ihre Erstfunktion ist, unterzeichnet hatten. Die Trauscheine der Geschwister Langer trugen die Unterschriften von Oberrabbiner Goren und Oberrabbiner Joseph. Damit hatte man schwarz auf weise, dass auch Oberrabbiner Joseph diesen Trauungen amtlich zugestimmt hatte. Aber das Dementi folgte auf dem Fusse. Oberrabbiner Joseph musste erklären, dass man ihm diese Dokumente kommentarlos untergeschoben hatte. Vierzig Trauscheine lagen in der Mappe, die dem Oberrabbiner vom Tel Aviver Kultusrat zugestellt wurde. Alle Dokumente waren bereits aschkenasisch von Goren signiert und bedurften nun der sefardischen Gegenzeichnung durch Joseph, die automatisch und ungeprüft erfolgte. Die Geschichte erinnert an rosarote Schecks (bei Vered), die von ahnungslosen Direktoren unterzeichnet wurden. In den Sprüchen der Väter I, H heisst es: “Weise, seid vorsichtig mit euren Worten.” Das galt zur Zeit der mündlichen Lehre. Heute muss dieser Spruch ergänzt werden: “... und mit euren Unterschriften.” Der Primas von Zion forderte, dass die Trauscheine, die er irrtümlich unterzeichnet hat, vernichtet werden und war entsetzt, dass eine Reproduktion davon in der Presse erschienen ist. Sind die Trauscheine nun nicht mehr gültig? Keineswegs. Die Unterschrift Gorens genügt, so dass die Josephs nur ästhetischomamentalen Wert hatte. Eigentlich genügt ja die Unterschrift der zwei Zeugen bei einer Trauung; dies nebenbei. Oberrabbiner Goren hat nun sein historisches Urteil mit ausführlicher Begründung in Sachen Langer veröffentlicht und kein Geringerer als Staatspräsident Salman Schasar hat dieses Dokument dem Rabbi von Lubavitsch in New York persönlich überreicht. Es machte nicht den gewünschten Eindruck. Der Rabbi von Lubavitsch erklärte öffentlich, dass ein Urteil eines bestochenen Richters keine Gültigkeit haben könne. Das ist ein hartes Wort. Worin soll denn die Bestechung bestanden haben? Niemand behauptet, dass hier mit Geld operiert wurde. Vielmehr sieht der Rabbi von Lubavitsch in der vorher zugesagten Wahl Schlomo Gorens zum Oberrabbiner von Israel eine “Bestechung”. Dieser Anwurf ist bestimmt nicht haltbar und übertrieben, aber das Urteil Gorens, das so hochgepriesene salomonische Urteil, hat weiterhin mehrere Schönheitsfehler. Zunächst bleiben auch nach der Veröffentlichung die Namen der Gerichtsbeisitzer geheim. Das ist in einem Rechtsstaat undenkbar, auch wenn die Mo- Ben-Chorin, Jerusalem tive, Angst vor Terrormassnahmen orthodoxer Fanatiker, verständlich sind. Der alte Mann und das Meer Wenn Oberrabbiner Goren meinte, dass durch die Veröffentlichung seines salomonischen Urteils die Affäre Langer beigelegt sei, so irrte er. Die Langer-Affäre ist noch lange nicht erledigt. Denn ein alter Mann, Abraham Borokowski, kämpft an der Front von Petach Tikwa weiter gegen das Meer von Argumenten seines gelehrten Widersachers, Oberrabbiner Goren. Goren führt Aussprüche der Posskim (Dezisoren) an. Borokowski kann das nicht. Er argumentiert nur mit seiner Existenz als Jude seit fünfzig Jahren. Existentialismus gegen Scholastik könnte man sagen. Auch wenn Borokowski, wie Goren anführt, beim Thefillinlegen Fehler macht und sich im Schema Jisrael versprochen hat, ist das noch kein schlüssiger Beweis gegen seine jüdische Existenz. Es soll, so höre ich, auch in Israel und sogar in New York Juden geben, die sich mit den Thefillin nicht auskennen und bei der Rezitation des Schemas stecken bleiben. Ein Am Haarez kann zwar bekanntlich kein Frommer sein, aber ein Jude bleibt er trotzdem und darum geht es. Aber was ist die Stimme Borokowskis gegen die Stimmen, die Oberrabbiner Goren hört? Eine populäre Illustrierte in Israel brachte als Titelgeschichte “Oberrabbiner Goren hört Stimmen”. Ein Dementi erfolgte nicht. Israels neuer Oberrabbiner steht in unmittelbarem Kontakt mit dem Himmel, hört Stimmen der Engel und Geister, die ihm seine Entscheidungen eingeben. Man muss in diesem Zusammenhang nicht sofort nach dem Psychiater schreien, denn auch ein so sachlicher Theologe wie Rabbi Joseph Caro, der Verfasser des noch heute gültigen Gesetzbuches “Schulchan Aruch” hatte seinen Maggid, seinen Hausgeist, der ihm die Geheimnisse der Kabbala offenbarte — und dies durch viele Jahre hindurch. Das war allerdings im 16. Jahrhundert in Zphath, aber das schliesst nicht aus, dass sich ein derartiger Fall im 20. Jahrhundert in Tel Aviv oder gar in Jeruschalajim wiederholt. Nur wird die Diskussion erschwert, wenn sich ein Teilnehmer auf unmittelbare Offenbarungen berufen kann. Oberrabbiner Joseph hat mit schlichter Bescheidenheit erklärt, dass er auf die klassische Literatur angewiesen bleibt, sich keiner Privatoffenbarungen erfreut. Kurz Berichtet Israel plant in Kürze eine spezielle Schule zur, Fortbildung bzw. Ausbildung von Feuerwehrmännern einzurichten. Eine grössere Anzahl von Städten in verschiedenen Teilen des Landes hat Berufsfeuerwehren eingerichtet, neue Löschfahrzeuge erhalten und entsprechende Gebäude für ihre Feuerwehren errichtet. Die Gesamtzahl der Feuerwehrmänner beträgt in Israel heute etwa 600, wähhend die Sollstärke nach den üblichen Normen eine Zahl von mindestens 1200 vorsieht. Doch ist dazu zu bemerken, dass Feuerschäden in Israel mit zu den niedrigsten in der Welt gehören. Immerhin wurden die Feuerwehren in Israel im Laufe des letzten Jahres etwa lO.OOOmal alarmiert. Die Zunahme von Bränden beträgt trotz verstärkter Industrialisierung und vergrösserter Feuergefahr nur etwa zwei bis drei Prozent gegenüber früheren Jahren, während zahlreiche andere Länder der Welt 15 bis 20 Prozent mehr Brände zu verzeichnen hatten. Der Gesamtfeuerschaden im letzen Jahr betrug etwas mehr als 20 Millionen IL. Der Wohnungsbau in Israel hält nicht Schritt mit dem Tempo der Einwanderung; zudem sind Wohnungen nicht allein für Neueinwanderer erforderlich, sondern auch für zahlreiche andere Anwärter. Andererseits aber will das Wohnungsbauministerium auf jeden Fall die Wiederrichtung von Ma’abaroth (Notstandslager) verhüten, die zur Zeit der Massenimigration in den ersten Jahren nach der Staatsgründung das Land verunzierten und ihre Bewohner verärgerten. So hat man nun eine andere Ubergangslösung gefunden, die neuen Imigranten eine wohngerechte Unterbringung ermöglicht, bis die für sie bestimmten Wohnhäuser fertiggestellt sein werden. Diese Zwischenlösung heisst — Wohnwagen. Von Anfang Januar bis Anfang März werden allwöchentlich 75 solcher Wohnwagen im Hafen von Haifa ankommen und dann in solchen Entwicklungsgebieten aufgestellt werden, wo es an Wohnbauten für Neueinwanderer mangelt. Jeder dieser Wohnwagen wird mit einem Schlaf- und einem Wohnraum, einer Kleinküche sowie Toilette und Duschanlage versehen sein. Der Vorteil der Wohnwagen ist naturgemäss ihre Beweglichkeit. Wo immer es an Unterbringungsmöglichkeiten fehlt, können diese Wohnungen auf Rädern hingerollt werden. Die Wohnwagen kommen aus England.