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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1973-06-01 · 6 (Junio, 1973) · p. Seite 25

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXV (1973)
Issue
6 (Junio, 1973)
Date
1973-06-01
Page
Seite 25 (sequence 25)
Language
German
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JUNIO 1973 25 Die Erforschung der Deutschen Emigration Die erdumspannende geschichtliche Erscheinung der Auswanderung aus Nazi- Deutschland ist durchaus nicht etwa nur eine deutsche Angelegenheit. Die Einwanderer haben überall, wohin sie kamen, viel zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung beigetragen. Etwa achtzig Prozent von ihnen waren Juden. Prof. Steffen Steffensen (Kopenhagen) bereitet ein dreibändiges Sammelwerk über den Beitrag von Einwanderern aus Deutschland zur dänischen Kultur vor. Dr. Paul Xabori (London) arbeitet an einem zweibändigen Buch über die hervorragendsten Leistungen der europäischen Flüchtlinge im 20. Jahrhundert in fremden Ländern. Von der deutschen Forschung ist das deutschsprachige geistige Leben in der Welt lange vernachlässigt worden. Es ist charakteristisch, dass der zweite Teil meiner Arbeit “Die humanistische Front: Einführung in die Emigranten- Literatur” (Teil I, - Europa Verlag, Zürich 1946/47) bisher ungedruckt geblieben ist. In den sechziger Jahren weckten zwei Publikationen grösseres Interesse für die Massenflucht aus dem Dritten Reich: das Schriftsteller-Lexikon von Wilhelm Sternfeld und Eva Tiedemann “Deutsche Exilliteratur 1933-1945” (Darmstadt/Heidelberg 1962 — zweite bearbeitete Auflage 1970) und die Ausstellung der Deutschen Bibliothek in Frankfurt/a.M. 1965, “Exilliteratur 1933-1945”, mit dem Katalog von Dr. Werner Berthold (jetzt in 3. Auflage), die drei Jahre lang durch viele Länder und Städte wanderte, u.a. auch in Israel gezeigt wurde. Vom Herbst 1966 an wurde im Deutschen Institut der Universität Stockholm unter Leitung von Prof. Gustav Korlen eine Forschungsstelle entwickelt, welche die Aufgabe systematisch angriff. Der Autor dieses Berichts schuf in Schweden durch Vorlesungen, Seminarübungen und vervielfältigte Schriften eine Tradition der Beschäftigung mit dem Gesamtgebiet. Dr. Helmut Meissener arbeitete 1968 an einer Studie “Die deutsche Emigration in Schweden”, die 800 Seiten stark in 500 Exemplaren verbreitet ist und zu ähnlichen gründlichen Forschungen in anderen Ländern anregen kann. Auch er hebt in seiner Darstellung die kulturellen Leistungen der Einwanderer in Schweden hervor. Gleichzeitig bemühte ich mich u.a. mittels Jahresberichten über den “Stand der Forschung und ihre Hilfsmittel” Forschungsstellen in anderen Ländern anzuregen und die internationale Zusammenarbeit zu organisieren. Die von vornherein geplante erste internationale Tagung fand in Form eines Symposiums im September 1969 in Stockholm statt und wurde von 65 Teilnehmern aus 13 Ländern besucht. Stockholm wurde zur Koordinationsstelle für die internationale Zusammenarbeit bestimmt. Dr. Meissener hat bisher vier Halbjahresberichte und eine Anzahl Rundschreiben an etwa 400 Interessenten in aller Welt versandt. Ein dokumentationsreicher Bericht aus meiner Feder über die Zeit 1966-1969 wird in Stockholm erscheinen. Im August 1972 wurde das “Zweite internationale Symposium zur Erforschung des deutschsprachigen Exils nach 1933” in der Technischen Hochschule in Lundtofte bei Kopenhagen unter Leitung von Prof. Steffen Steffensen veranstaltet, das 95 Teilnehmer aus 18 Ländern besuchten. Aus der Bundesrepublik waren 37, aus den USA, wo Prof. John M. Spaleh und Prof. Joseph I. Strelka eine Arbeitsgemeinschaft von 150 Forschern gründeten, 15, aus der Deutschen Demokratischen Republik und Schweden je 8, aus anderen Ländern einige weitere Teilnehmer gekommen. Dem Symposium lagen etwa 30 meist vervielfältigte Berichte vor, die von ausgeführten und geplanten Arbeiten zeugten, davon 7 aus Schweden, 6 aus den USA, 5 aus der Bundesrepublik. Herbert A. Strauss (USA) sprach über “Immigration and Acculturation of the German Jew in the United States” und Ilse Weiss-Blumenthal über “Leo Baeck Institute” in New York. Zwei Berichte beschäftigten sich mit dem Schicksal der Forscher: Prof. Dr. Strauss (USA) erzählte von seiner Notgemeinschaft in der Schweiz, die 150 Forschem aus Deutschland Stellungen in der Türkei verschaffen konnte, von denen einige noch dort le- MONEDA 1037 ben. Der Psychiater Prof. U. H. Peters (Mainz) berichtete über eine von ihm geleitete Gruppe von 30 Forschem, die sich um Material über die ausgewanderten Fachkollegen bemühen. Dennoch steckt die Erforschung dieses Gebietes noch in ihren ersten Anfängen. Deshalb schlug ich in meiner Eröffnungsansprache einen Aufruf vor, der angenommen wurde und vor allem die Sammlung und Erhaltung alles einschlägigen Materials verlangt und sich an die Regierungen und die Presse um Hilfe wandte. Israel gehört zu den Ländern, in denen bisher keine Forschungs- und Sammelstelle vorhanden ist, obgleich dort — neben den USA — wohl am IM LANDE AUFGEGEBEN DREI MENSCHEN BEI . EXPLOSION VERLEZT . Der erste mit Sicherheit in Israel an eine israelische Adresse aufgegebene “Sprengstoffbrief” wurde in einem Tel Aviver Postamt unschädlich gemacht, berichtete das Jerusalemer Postministerium. Ein weiterer, mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls im Lande aufgegebener, war am gleichen Tag in den Händen der Empfängerin explodiert und hatte sie sowie zwei andere Menschen leicht verletzt. Während die Post- und Polizeibehörden persönliche Racheakte nicht völlig ausschliessen, besteht doch die Vermutung, dass es sich um arabische Sabotage handelte. Der explodierte Brief war an eine Lehrerin in Kirjat Gat gerichtet gewesen. Die Frau und der Briefträger sind “so gut wie sicher, dass er eine israelische Briefmarke trug”. Der andere, in Tel Aviv von Sicherheitsbeamten des Postministeriums entdeckte und unschädlich gemachte “Sprengstoffbrief”, war an einen Tierarzt in der Stadt Tiberias am See G'enezareth gerichtet. Wie bekannt wurde, fiel auf, dass der Name des Empfängers in Hebräisch falsch geschrieben war. Der Absender hatte ausserdem die Ungewöhnlichkeit begangen, den Vermerk “Israel” in der Adresse eines Dr. Lázaro Zurich MEDICO VETERINARIO Nuevo Fono: 2 3 9 3 1 8 meisten zu ermitteln ist. Für ein Sammelwerk, das Prof. Manfred Durzak (Kiel) im Jahre 1973 in Stuttgart herausgeben wird, habe ich einen Beitrag “Die Situation in Israel” geschrieben. Es dürften wohl noch mindestens zwei Jahrzehnte gründlicher Vorarbeiten erforderlich sein, bevor eine befriedigende Geschichte dieser erdumspannenden Bewegung der Emigration aus Deutschland in ihren geistigen Aspekten geschrieben werden kann. Die dritte internationale Tagung ist für 1975 von Prof. Herbert Steiner und Prof. Viktor Sachy nach Wien eingeladen worden. -« WALTER A. BERENDSOHN (“M.B., Tel-Aviv) Inlandsbriefes anzuführen. In einem Postamt der toskanischen Stadt Pistoia explodierte kürzlich ein an eine deutsche Adresse gerichteter Sprengstoffbrief. Durch die Explosion, die offenbar durch eine Beschädigung des Umschlags ausgelöst wurde, kam niemand zu Schaden. Karabinieri und Polizei stellten später nach Durchsuchung der Postsendungen noch einen an eine Frau in Florenz gerichteten Brief mit denselben äusseren Kennzeichen sicher, der auch Sprengpulver enthielt und beim Öffnen ebenfalls explodiert wäre. BRIEFBOMBEN IN AMMAN Die jordanischen Behörden haben kürzlich, wie von Zeitungen in der Hauptstadt Amman gemeldet wurde, zwei Briefbomben entdeckt und entschärft. Die Sendungen waren in Kuweit aufgegeben und an zwei jordanische Persönlichkeiten adressiert, die gegenwärtig keine öffentlichen Ämter begleiden. Die Namen der beiden Empfänger der Briefbomben wurden nicht bekanntgegeben. Beide hätten, schrieben die Zeitungen, bereits vor Monaten Briefe mit Sprengstoffinhalt erhalten. “Das eine unserer beiden Hauptprobleme ist die Notwendigkeit, die jüdische Identität der jüngeren Generation zu sichern, die — integriert in das Leben der verschiedenen Länder — in Gefahr gerät, sich den jüdischen Werten, Idealen und Aufgaben zu entfremden.” Nalnun Goldmann Januar 1973 CISROCO-ECKE ALT WERDEN, JUNG BLEIBEN Diese Ecke sei ab heute fest verpachtet für Angelegenheiten ält’rer Leute. Wir hoffen, dass ihr sie beachtet. Keiner hört gern, spricht man von Alten doch im Stillen Weiss jeder: Natur ist nicht aufzuhalten auch nicht mit starkem Willen. Sprechen wir offen: ein Jeder Hat am Ende seines Lebens Die Aussicht alt zu werden, geht er Dagegen an, ist es vergebens. — Ertragt mit Würde, was nicht zu vermeiden Seid alt! Seid stolz darauf, so könnt ihr’s leiden. Keine Gewalt Kann’s ändern, darum nehmt’s in Kauf. Doch bleibe jung im Sinnen IM ALTSEIN JUNG ZU BLEIBEN, DARAUF Kommt’s an, schafft froh Beginnen. “Im Altsein sich zum Alten zu bekennen Doch junges Herz dabei sein eigen nennen” Dies sei für diese Ecke die Parole Die ich bestimmt noch mehrmals wiederhole. Wie aber soll man denn das verstehen: gleichzeitig alt und jung zu sein, ist das nicht ein grober Widerspruch? Man ist doch entweder alt oder man ist jung. Lauschen wir doch einmal der Stimme der Sprache. Wir sagen sowohl alt werden als auch alt sein, wir sagen aber nur jung sein, nicht aber jung werden. Das bedeutet einfach dass das altem ein Werden, ein Prozess ist, dagegen man unter jung einen Zustand versteht. Das Leben ist ein Älterwerden vom ersten Tag des Lebens angefangen, ein unaufhaltsamer Process, dem jeder Mensch unterliegt. Jungsein dagegen ein Zustand des Menschen, es ist die Art, wie er die Welt aufnimmt, wie er sie sieht und wie er sich zu ihr verhält. Ich möchte sagen: jung sein heisst aufgeschlossen sein; also nicht sich abschliessen, sondern offen bleiben den Mitmenschen gegenüber und den Problemen der Zeit. > Federico Schnell Spresgstoffbriefe in Israel

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