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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1973-06-01 · 6 (Junio, 1973) · p. Seite 24

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXV (1973)
Issue
6 (Junio, 1973)
Date
1973-06-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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24 JUNIO 1973 HENRY KISSINGER ein jüdischer Staatsmann in den USA Deutsch-Israelische Wirtschafts-Projekte Natürlich ist Henry Kissinger nicht der erste Jude, der in den Vereinigten Staaten die politische Tribüne betrat. In früheren Jahrzehnten waren es zumeist die versnobten Aristokraten des amerikanischen Judentums, die Mitte des 19. Jahrhunderts aus Deutschland eingewanderten Familien angehörten, welche Persönlichkeiten für die öffentliche Arbeit stellten. In den letzten drei Jahrzehnten haben sich bereits jüdische Abgeordnete, Senatoren, ja sogar Staatsgouverneure aus allen jüdischen Schichten gefunden, die sich ausgezeichnet in das amerikanische politische Leben eingliederten. Das alte Tabu, das auch im freien Amerika gegolten hatte, dass ein Jude nicht zu allen Positionen gelangen kann, hat sich dort nur noch für das Amt des Präsidenten erhalten — obwohl, der Verfassung gemäss, natürlich auch ein Jude gewählt werdenden könnte. Aber noch in diesem Jahre hatte Senator Rybicoff die Nominierung zum Vizepräsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei mit der Begründung abgelehnt, dies könne dazu führen, dass ein Jude Präsident der USA werde, und er halte eine solche Entwicklung zumindest noch für verfrüht. Professor Henry A. Kissinger gehört nicht zu jenen jüdischen Figuren, die im öffentlichen Leben der Vereinigten Staaten von Amerika eine Rolle spielen, die auf Grund einer genau festgelegten Staatsposition vorgezeichnet ist. Präsident Nixon berief den aus deutsch-jüdischem Milieu stammenden Dozenten deshalb in das Weisse Haus, weil er sich, obwohl Kissinger damals keineswegs zu den Repuklikanern gehörte, davon überzeugt hatte, dass der Professor nicht nur sehr gute Kenntnisse von allen Aspekten der Politik und der Geschichte hatte, sondern auch einen scharfen, analytischen Verstand, der einem Staatsoberhaupt in Nordamerika sehr zugute kommen würde. Kissinger brachte, vielleicht durch seine europäische Herkunft, noch etwas mit, das kaum einer der in Amerika aufgewachsenen und geborenen Mitarbeiter des Präsidenten aufweisen würde, nämlich das Verständnis für andere Nationen, andere Regionen und ihre spezifischen Probleme. Bald aber stellte sich heraus, was auch zu erwarten und garnicht zu vermeiden war, dass Nixon nun zwei Aussenminister hatte, den offiziellen im State Department, William Rogers, und den inoffiziellen, die “graue Eminenz” sozusagen, im Weissen Haus als Sonderberater des Präsidenten. Rogers nahm diese Tatsache nicht gerade Kissinger in Peking, 1971 mit Begeisterung zur Kenntnis, wie man wohl verstehen kann. Es kam zu Reibereien, aber es änderte sich nichts. Richard Nixon war nicht bereit, auf die brillante Analyse, die Vorschläge seines Beraters Kissinger zu verzichten. Der in Fürth geborene Jude aus Nordbayem war mit seinen Eltern als Schulkind, das sich in den Anfangsklassen eines deutschen Gymnasiums befand, in die USA gekommen. Er wurde zuerst nach Manhattan verpflanzt, in die übliche Umgebung der deutschen Juden in New York, jene Bezirke von Washington Heights, wo man Jahrzehnte später noch immer viel Deutsch hörte. Man schlug sich recht und schlecht, eher wohl schlecht, durch, aber man sparte auch jeden Cent, um dem Sohn die Ausbildung zu ermöglichen, die seiner Intelligenz entsprach. Nicht etwa, dass Henry bereits in diesen Jahren Brillanz bewies — er war ein guter Schüler, aber das waren andere auch. So zog er durch College und Universität und bestand seine Prüfungen. Sein Weg war vorgezeichnet. Dass er letztlich, in noch jungen Jahren, Professor an einer der vielen amerikanischen Hochschulen wurde, hatten alle erwartet, es war der Höhepunkt, es schien das Ende der Karriere. Seine Ehe scheiterte, er litt darunter, eher der Kinder wegen als um seiner selbst willen. Politik interessierte ihn immer. Aber er dachte eigentlich nicht daran, sich irgendwo für eine politische Laufbahn zu interessieren. Er war eine ausgezeichnete Mischung von Europäer- und Amerikanertum, glaubte aber durchaus an die Ansichten, die man in den Kreisen seiner Eltern für selbstverständlich hielt: ein Jude, und noch dazu ein Immigrant im Lande, hat sich nicht in die politischen Angelegenheiten einzumischen; das führt nur zu Antisemitismus. Diese Grundauffasung hat sich besonders in Mittel- und Osteuropa Jahrzehnte hindurch bewährt. Kein Jude, der sich dennoch in den Kampf der politischen Arena stürzte, der in den Strudel der Debatten geriet, konnte von wüsten antisemitischen Beschimpfungen, wenn nicht Schlimmerem, frei bleiben. Die besondere Lage, in der sich die Juden in den europäischen Ländern befanden, spielte hierbei zweifellos die Hauptrolle. Denn die Juden waren ja entweder in Ghettos gesperrte Fremde, die man schlug, quälte oder ausnutzte — wie im Osten des alten Kontinents — oder sie waren Staatsbürger jüdischen Glaubens, die alles von sich wiesen, was sie, ausser ihrer religiösen Zugehörigkeit, von ihren Mitbürgern unterschied. Auch dort, wo sich die Juden als vollgültige Bürger fühlten, war ihnen und den meisten anderen klar, dass die Zeit noch nicht reif dafür war, den Juden die Möglichkeit zu geben, alle ihre Rechte, die ihnen verfassungsmässig zustanden, auch wirklich auszuüben. Zwischen dem Buchstaben des Gesetzes und der Realität des Alltags klaffte ein Abgrund. In den Vereinigten Staaten war die Lage vom ersten AuT genblick an völlig anders. Dieb Juden waren und sind hier! eine nationale Gruppe, die zug den vielen ethnischen Gemein-i schäften gehört, aus denen! sich das Volk von Amerika| zusammensetzt. Es gibt natürlich auch hier antisemiti- "gjnigten Staaten, in die Hauptsche Erscheinungen, man wer- -Städte der Welt gereist, um tet sie jedoch ebenso wie an- ’ dort Besprechungen zu fühti-italienische, anti-polnische ^en> Vorbereitungen zu tref- oder anti-irische Ausbrüche. er auf Grund der Mehrheitsverhältnisse der Ansicht, dass bei sechs Millionen Juden unter zweihundert Millionen Menschen kein Jude Präsident werden sollte, der einer relativ so kleinen Gruppe angehört. Die geistige Bedeutung Kissingers wird allgemein anerkannt, von Freund und Feind, von denen, die Juden . nicht gerade lieben, und von den Farbigen, die auch jüdische Weisse ablehnen. Im Laufe des letzten Jahres allein hat der Professor die amerikanische Politik in neue Bahnen gelenkt. Er hat die Verständigung mit China in Gang gebracht und dafür gesorgt, dass ein amerikanischer Präsident einen Staatsbesuch in einem Lande durchführte, mit dem Washington keine diplomatischen Beziehungen unterhält — eine Tatsache, die früher unmöglich gewesen wäre. Er hat die Verhandlungen mit Nord Vietnam auf eine Basis stellen können, die zum Ende des Indochina-Krieges geführt hat. Er sorgte dafür, dass die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten all das betonen, was ihnen gemeinsam am Herzen liegt, und erreichte dadurch, dass sie ihre Differenzen zu diskutieren begannen. Er beschloss einen harten Kampf gegen den Terror auf der Welt aufzunehmen, da er einsah, dass es hier kein Kompromiss geben kann. Er sagte, im Grunde, auch wenn das nicht so klar zum Ausdruck kam, der EWG, also Europa einen scharfen Konkurrenzkampf auf allen möglichen Gebieten an und meinte, es müsse von Washington aus dafür gesorgt werden, dass die europäischen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Niemand kann übersehen, Idass es der deutsch-jüdische Immigrant, der Jude Kissin- *ger war und ist, der die amegrikanische Politik weitgehend ^gestaltet. Er ist ja auch, wie noch niemals ein Präsidentenberater vor ihm, als offizieller Repräsentant der Verei- Kaum ein “echter” Amerikaner würde auf die Idee kommen, peinlich berührt zu sein, weil sich ein Jude “herausstellt”, also in das öffentliche Leben geht und sich in der Politik versucht. Rybicoffs Ablehnung der Möglichkeit eines jüdischen Präsidenten der Vereinigten Staaten entsprang daher zwei Motiven: er befürchtete, dass bestimmte europäische Einflüsse noch bestehen und im Falle des Präsidenten in Erscheinung treten könnten, z.B. bei Zeremonien, wo religiöse Dinge eine Rolle spielen, ferner ist Wen, und Entwicklungen '¿Gang zu setzen. (M. B. Tel-Aviv) m Auf einer Pressekonferenz in München wies der israelische Konsul, Pinchas Shamir, auf die ständig steigenden wirtschaftlichen Beziehungen Israels zur Bundesrepublik Deutschland hin, besonders bei deutsch-israelischen Projekten auf dem Gebiet der elektronischen und metallverarbeitenden Industrie. Adin Talbar, stellvertretender Generaldirektor des israelischen Ministeriums für Handel und Industrie und Vorsitzender des Aufsichtsrates der staatlichen Gesellschaft für Ausstellungen und Mustermessen, auch verantwortlich für die Beziehungen Israels zum GATT und zur EWG, erklärte, die Beteiligung Israels an der “electronica ‘72” sei der beste Beweis für die Entwicklung der Elektronikindustrie des Landes. Rohmaterialien, Lebensmittel und geschnittene Diamanten, in deren Bearbeitung Israel Belgien mit einem Umsatz von 350 Millionen Dollar im Jahre 1972 zum erstenmal überflügelt habe, machten heute 75 Prozent des israelischen Exports aus. Allein von der Diamantenschleiferei lebten in Israel 12.000 Famüien. Zwar sei das Lohnniveau in Israel niedriger als in Europa, doch sorge gerade dieser Umstand dafür, dass Israel auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig ist. Israels Export sei in erster Linie auf Europa ausgerichtet. Im Jahre 1972 habe Israel an zehn Messen teilgenommen. 11 bis 12 Prozent des israelischen Imports komme aus der Bundesrepublik, der Export in die Bundesrepublik bewege sich ungefähr auf der gleichen Höhe. Er erklärte, dass Israel hoffe, im Jahre 1973 zollbegünstigt in die Länder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft liefern zu können. Adin Talbar bedauerte, dass noch'immer einige Firmen in der BRD sich vorschreiben liessen, mit wem sie Handel treiben dürften und mit wem nicht. So verlangten einige arabische Länder von deutschen Firmen in ihren Lieferverträgen die Zusicherung, dass sie keine Geschäfte mit Israel machten, ohne dass die Bundesregierung bisher etwas dagegen unternommen habe. Im Gegensatz dazu seien die USA dagegen sehr scharf eingeschritten. o ► BLUSAS

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