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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1973-06-01 · 6 (Junio, 1973) · p. Seite 23

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXV (1973)
Issue
6 (Junio, 1973)
Date
1973-06-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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JUNIO 1973 23 (ft (L&% Von Schalom Ben-Chorin "David", Radierung von Jörg Schulthess. tí. •i' A WJm ww Worte der Weisheit: Sittlichkeit als Grundforderung des Judentums Leo Baeck (1873-1956) Im Judentum ist die sittliche Forderung ein Grundsätzliches, ein Tragendes der Religion. Die Ethik ist hier zur Religion nicht hinzufügt, sondern ein Wesentliches in ihr. Ohne sie gibt es hier keinen Glauben an die Bedeutung des Lebens noch an das, was über das Leben hinaus geht. Das Neue, das der Glaube Israels der Welt gebracht hat, wurzelt in diesem bestimmten ethischen Charakter, der ihm eigen ist. Der Monotheismus Israels ist der ethische Monotheismus. Die Einheit Gottes ist erkannt worden, weil die göttliche Heiligkeit erkannt worden ist. Der eine Gott, den die Propheten verkündet haben, ist der eine, nicht etwa weil er allein da ist, was die Götter der Heiden zusammen sind, sondern er ist der eine, weil er anders als sie ist, weil das eine Gute in ihm seine Wirklichkeit und Gewissheit hat. Neben dem einen sittlichen Gott können keine anderen Götter sein, weil die eine Sittlichkeit nichts anderes neben sich duldet. Der einzigeinzige Gott und der heilige Gott, das bedeutet hier das gleiche. Der eine Gott verkündet dem Menschen, was das eine Gute ist: Gerechtigkeit und Liebe zu üben. Darin liegt der Unterschied zwischen ihm und den vielen Göttern. Der Glaube an den einen Gott ist so aus der Unteilbarkeit der Gewissensforderung hervorgewachsen. In der sittlichen Einheit seiner Seele wurde dem israelischen Menschen die Einheit Gotte bewusst. Gott erkennen bedeutet hier nicht, sein Wesen verstehen, sondern sein Walten begreifen, den Weg des Rechten sehen und gehen, den Gott gewisen hat, den einen Weg, der für alle die verschiedenen, mannigfaltigen Menschen der gleiche ist. Je mehr wir wahre sittliche Menschen sein wollen, desto näher sind wir Gott, desto näher ist er uns. Wir können ihn immer finden, wenn unser ganzes Herz sich seinem Gebote zukehrt. Hierdurch gewinnt das Leben des Menschen seinen Sinn. In ihm ist ein Wirkliches: das Gute. Und dieses Gute, dieses Sittliche vermag der Mensch zu schaffen, er vermag es zu verwirklichen. So viel des Güten gibt es auf Erden, wie Menschen Gutes tun, Gutes ins Dasein rufen. Das Leben ist von Gott dem Menschen gegeben und er selbst soll es gestalten und bereiten. Das Gute und das Böse ist vor ihn hingestellt, damit er wähle. Auch die Freiheit ist eine sittliche Aufgabe, die Gott in das Menschenleben hineingelegt hat, damit sie erfüllt werde. Der Wille zum Guten ist der Wille zur Freiheit und der Wille zum Leben. Das Leben zu wählen und zu gestalten, das ist die Forderung, die das Judentum an den Menschen richtet. i Wir beraten Sie unverbindlich bei der Zusammen-\ Stellung Ihrer Reisen im In- und Ausland.!Hotel Reserven - Ausfluege - Passagen] Guestige Zahlungsbedingungen SPORTSTOUR TEATINOS 304, TELS. 68832-83058-63100 Die Bibel ist ein Buch, das man nicht nur liest, wie jedes andere, sondern mit dem man leben muss, um es wirklich zu erfassen, es zum inneren unveräusserlichen Besitz zu machen. Für den Juden in Israel ist diese Forderung besonders wesentlich, denn seine Existenz in diesem Lande gründet sich eigentlich auf die hebräische Bibel. Das gilt nicht nur für religiöse Juden, die ohnedies durch die traditionellen Lesungen der Wochenabschnitte und Prophetenperikopen (Paraschioth und Haftaroth) der schabbatlichen Lesungen und die Psalmen und Bibelzitate im Gebetbuch den Kontakt mit der Bibel nie ganz verlieren können. Es kommt aber darauf an, die hebräische Bibel in ihrer Ganzheit und in ihrem Zusammenhang zu bewältigen. Wie kann das der werktätige Mensch, der durch Beruf und Familie, Gesellschaft und aktuelle Interessen so okkupiert wird, dass ihm die Zeit für ein kontinuierliches Bibelstudium einfach fehlt. Die Jüdische Weltbibelgesellschaft (World Jewish Bible Society), deren Zentrale sich in Jerusalem befindet, will dem Juden in Israel und in der übrigen Welt hier behilflich sein. Sie hat zu diesem Zweck soeben einen handlichen Bibellese-Kalender für die Jahre 1972/73 und 74 herausgegeben, um in einem dreijährigen Zyklus die Lektüre der Bibel zu ermöglichen. Dieser dreijährige Zyklus der sich eigentlich auf die jüdischen Jahre 5733/34 und 5735 erstreckt, schliesst an eine alte Tradition an. Der allgemein bekannte Zyklus der Thoralesung für den Schabbat stammt aus Babylon, aus der Zeit nach dem Abschluss der Mischna. Nach Beendigung der talmudischen Periode aber haben wir zwei Zyklen, den babylonischen einjährigen und den dreijährigen Zyklus in Erez Israel. Mehr als 500 Jahre war es in Erez Israel üblich, die Thora in drei oder dreieinhalb Jahren zu lesen, wobei 154 Wochenabschnitte eingeführt waren, anstelle der 53 oder 54 babylonischen Wochenabschnitte, die jeweils zu Simchat Thora beendet und neu begonnen werden. Erst durch den Einfluss des Maimonides und anderer mittelalterlicher Autoritäten setzte sich der einjährige Zyklus des babylonischen Judentums durch, wodurch auch die in Erez Israel üblichen Haftaroth in Vergessenheit gerieten. Der Bibelkalender weist darauf hin, dass zum Beispiel der römische Ritus auf Korfu den dreijährigen Zyklus der Haftaroth beibehalten hat. Er weist nicht darauf hin, dass sämtliche Reformgemeinden in der jüdischen Welt den alten dreijährigen Zyklus wieder eingeführt haben. Dem “Union Prayerbook for Jewish Worship” der Central Conference of American Rabbis, das in allen amerikanischen Reformgemeinden eingeführt ist, ist als Anhang eine Tabelle für den dreijährigen Zyklus der Wochenabschnitte und Haftaroth beigeben. In Erweiterung dieses altneuen Brauches legt nun die Bibelgesellschaft ihren Zyklus vor. Der Kalender begann mit dem ersten Oktober, der in der Diaspora als Simchat Thorabegangen wurde. Die Lesung beginnt nun mit dem 1. Kapitel Josua. Von da ab ist täghebräischen BJbel, des sogelich ein Kapitel zu lesen und zuzüglich am Schabbat zwei Kapitel aus dem jeweiligen Wochenabschnitt. Für jede Woche wird ein Wochenspruch gewählt, der dem Kalender beigegeben ist und entweder aus der vorgeschlagenen täglichen Lesung oder dem jeweiligen Woehenabschnitt stammt. Die Bibelgesellschaft will durch diesen Bibelkalender mit dreijähriger Lesung einen grossen Kreis von Bibellesern schaffen, die in Israel und in der übrigen Welt täglich durch das gemeinsame Schriftwort verbunden sind. Der Bibelleser befindet sich dabei in bester Gesellschaft. An der Spitze der Jüdischen Weltbibelgesellschaft steht Staatspräsident Salman Schasar, Ehrenpräsident der israelischen Sektion ist David Ben- Gurion. Eine Reihe von führenden Persönlichkeiten des Staates haben sich verpflichtet, an der täglichen Bibellesung teilzunehmen. Landwirtschaftsminister Chaim Gvathi forderte den Bibelkalender an, um täglich ein Kapitel in der Bibel zu lesen, ebenso verpflichtete sich Wohnbauminister Seev Schereph zur täglichen Bibellesung gemäss dem Plan und sogar der überschäftigte Finanzminister Pinchas Sapir schrieb: “Wenn ich nur etwas freie Zeit habe, will ich täglich an der Bibellesung teilnehmen.” Die Wirkungen könnten nur wohltätig sein, wenn das israelische Kabinett auf diese Weise etwas mehr vom prophetischen Geist der Bibel beseelt würde. Natürlich kann jeder Mensch jederzeit in der Bibel lesen, wann und wo es ihm gefällt, aber durch diese gemeinsamen Lesungen soll ein engeres Band geknüpft werden. Die Zeitschrift der Bibelgesellschaft “Dor le Dor”, die vorerst nur Englisch erscheint, gibt im Anschluss an die Lesungen kurze Kommentare und weitere Hinweise, vor allem auch Fragen und Antworten im Zusammenhang mit dem jeweiligen Abschnitt. In den Kreisen mitteleuropäischer Juden, vor allem der älteren Generation, hört man oft den Einwand: “Hier kann ich leider nicht mittun, da ich nicht genügend Hebräisch verstehe.” Dieser Einwand ist keineswegs stichhaltig. Der Bibelkalender ist zweisprachig angelegt, Hebräisch und Englisch. Die englischen Bezeichnungen stimmen im weseentlichen mit den deutschen überein, so dass sich jeder Leser orientieren kann. Wer nicht Hebräisch liest, oder nicht genügend Hebräisch kann, soll unbedingt eine Übersetzung für die tägliche Lesung benutzen. An jüdischen Übersetzungen sind heute vor allem die Übertragung von Prof. H. Tur- Sinai und die alte Übersetzung von Zunz zu empfehlen. Die erste Übersetzung ist in der Neuausgabe des Jewish Publication House Ltd., Jerusalem, mit dem hebräischen Text erschienen. Die Zunz-Bibel wurde neuerdings wieder im Verlag Victor Goldschmidt, Basel, herausgegebeen. Wesentlich billiger sind die nichtjüdischen Übersetzungen, die unbedenklich zur Hand genommen werden können, so die Neuausgabe der Bibel der Württembergischen Bibelanstalt Stuttgart, die sogar kostenlos bezogen werden kann. (Diesen Ausgaben ist selbstverständlich auch das Neue Testament beigegeben, was aber keinerlei Einfluss auf den Sorgfältig revidierten Text der nannten Alten Testaments, hat.) Die hervorragende Übersetzung von Martin Buber (begonnen gemeinsam mit Franz Rosenzweig) wurde hier keineswegs vergessen. Diese Übersetzung ist aber nicht leicht lesba'r, erfordert stärkere Konzentration und ist ebenfalls kostspielig. Sie liegt heute in vier Bänden im Verlag Jakob Hegner, Köln und Olten, vor. Es gibt also ein reiches Angebot, und man kann daher erwarten, dass sich auch aus dem Kreise der deutschsprachigen Juden viele Menschen dem Bibelkreis anschliessen werden. In Eltemheimen sollte man sich zu solchen Kreisen zusammenschliessen, wobei das tägliche Kapitel hebräisch und deutsch gelesen werden könnte. Es ist beschämend zu sehen, dass Touristen nach Israel kommen, die das Land gleichsam mit den Augen der Bibel sehen und damit bei israelischen Gesprächspartnern oft auf ein trauriges Unverständnis stossen. Mit den Worten der Saulamit aus dem Hohen Lied muss mancher Jude im Gespräch mit Nichtjuden bekennen: “Meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet.” Die Bibel ist unser Weinberg, den wir hüten sollten.

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