Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 6 (Junio, 1973)
- Date
- 1973-06-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNIO 1973 21 DIE WELT ALS GANZES Bundesregierung lehnt polnische New Yorker und Jerusalemer Reminiszenzen an Abraham Joshua Heschel In seinem fünfundsechzigsten Lebensjahr ist Professor Abraham Joshua Heschel, der grosse jüdische Denker, Visionär und Schriftsteller, dahingegangen. Einer vornehmen chassidischen Familie in Polen entstammend, hatte er seine philosophischen Studien an Universitäten des vorhitlerischen Deutschland absolviert und sich danach vor seinem Volk und der Welt als ein nicht alltäglicher Lehrer des Judentums entpuppt. Aufgewachsen ist er in der exotischen Atmosphäre des osteuropäischen Chassidismus, und zu diesen Wurzeln kehrte er zurück, als sich sein Leben dem Ende zuneigte: sein letztes Buch handelt vom Kotzker Rebben, der mit seinem einzigartigen Ringen um die Wahrheit allen Hindernissen getrotzt hatte. Während Heschel ständig in den reichen geistigen Gefilden des Judentums schürfte, fühlte er unentwegt seine moralische Verpflichtung als Jude für das Wohl der ganzen Menschheit. Er schrieb mehrere Bücher über den Wert der tiefgehenden Verbundenheit zwischen Gott und Mensch, wie sie sich aus dem Gedankengut der Judenheit offenbart, ferner über den Schabbat und über Israel. All sein Streben galt aber der Schaffung eines guten Einverständnisses zwischen Juden und Nichtjuden, vornehmlich zwischen Juden und Christen. Er zeigte sich besorgt, als wir eines Schabbatmittags, auf dem Heimweg von der Synagoge, von jungen Missionaren angesprochen wurden, die Material zur Bekehrung von Juden verteilten. Sanft sagte er zu einem von ihnen, einem schlanken, hochgewachsenen, bärtigen Christen: “Sagen Sie mir doch, weshalb Sie es nun gerade auf die Juden abgesehen haben? Gibt es denn unter ihren christlichen Brüdern nicht genügend Probleme zu meistern?” Bei dem grossen christlichen Theologen Reinhold Niebuhr war er auf das ersehnte Niveau des Verständnisses gestossen, und er fand noch etliche, die einander zu schätzen wussten. An wievielem es aber noch fehlte, wurde ihm erst wirklich klar zur Zeit des Sechstagekrieges, der von vielen unter ihnen noch den Juden übelgenommen wurde; manche zeigten sich sogar feindselig, und es gab ach so wenige unter ihnen, die den bedrohten Judenstaat wirklich unterstützten. Einer von diesen wenigen war der unvergessliche Martin Luther King, den Heschel häufig in seinem Kampf zur Abschaffung der Diskriminierung in Amerika unterstützt hatte- Bald nach dem Sechstagekrieg schrieb Heschel ein Buch über Israel, um den Traum der Juden verständlich zu machen. Einen Glanzpunkt in seinem ÖL* :ïi#M Leben bedeutete ihm vielleicht sein Besuch in dem wiedervereinigten Jerusalem im Juli 1967. Wir begleiteten ihn auf seinen Wanderungen in den Strassen der Jerusalemer Altstadt, als er, erfüllt von Liebe und Ehrfucht, jeden Stein und jeden Pfad absuchte. Demütig und stolz zugleich betete er mit seinem Volk an der Klagemauer. Er konnte kaum mit seinen Freunden sprechen, die doch voll Erwartung seines Besuches geharrt hatten. Voll Unruhe irrte er herum, seine Blicke schweiften in alle Richtungen, und an dem Ort, wo einst die Synagoge gestanden hatte, in der seine chassidischen Ahnen durch Jahre hindurch gelernt und gebetet hatten, horchte er, als ob er ihren Gesang noch immer vernehmen könnte. Er lauschte den Stimmen der Ewigkeit, die, nun endlich heimgekehrt, ihre Ruhe finden konnten. Wie konnte er da sprechen, wo er doch gespannt ihr Echo aufzufangen suchte? Hie und da hielt er aber doch inne, nur um eine Frage zu stellen und dann wieder weiterzuwandeln, Mauern und Steine abtastend. Er hörte auch, als der Muezzin die Moslems zu ihren Gebeten rief, und auch das Glokkengeläute von den christlichen Kirchen und fragte sich, Max Wetzstein & Sohn Av. M. Montt 2656 Fono 43379 Neubeziehen und Umarbeitungen Modernste importierte Bezugsstoffe u. Inletts Parkas Acolchadas de Nylon Schlafsaecke Komme einmal im Monat nach Viña u. nehme Auftraege entgegen. ob es nun endlich Eintracht geben werde unter den Völkern. Wir begleiteten ihn auch, als er 1970 zum erstenmal die Gedenkstätte von Jad Waschern aufsuchte. Gebannt starrte er auf die Inschriften mit den Namen von Schauplätzen jüdischen Lebens und Leidens, und da geschah etwas, das ihm in der Öffentlichkeit noch nie passiert war — schluchzend brach er zusammen, untröstlich, als hätte sich soeben vor ihm der ganze dunkle Abgrund menschlicher Grausamkeit geöffnet. Zu welchem Nutzen war es schon, dass der Mensch die Gefilde der unbegrenzten Möglichkeiten in der Wissenschaft ergründet hatte, wenn dabei die Seele zu kurz kam und er sich dabei nicht seiner geistigen Verbundenheit mit dem grossen und liebenden Gott gewahr wurde? Warum griff Heschel von allen chassidischen Gelehrten gerade auf den Rebben von Kotzk zurück, von dem es bekannt ist, dass er ein Sonderling und ein geplagter Mann war? Welche Wahrheit hatte er wohl zu ergründen versucht? Warum suchen wohl und finden die Menschen — so forschte Heschel — immer wieder neue Idole, wo doch unser Suchen nach der höchsten Wahrheit nur durch unsere Verbindung mit Gott verwirklicht werden kann? Diese Erkenntnis ist ein Quell der Freude für diejenigen, die sie erlangen. Gerne sang er chassidische Weisen, denn er erblickte in diesen Melodien elementare Möglichkeiten, einige der mystischen Fäden zu unserem Sein aufzufangen. Gerne wäre er nach Israel zurückgekehrt, doch die Gesellschaft der Israelis — mit einigen Ausnahmen — schien noch nicht reif, ihn aufzunehmen. Seine Werke waren in diesem Land noch kaum bekannt, und die Art, wie er die Probleme anging, in akademischen Kreisen nicht allzuhoch geschätzt. Respektiert wurde er nichtsdestoweniger, und auch jene, die ihn nicht verstanden, sahen seine Grösse und waren sich dessen bewusst, dass es sich hier um einen Menschen von nicht alltäglichen Qualitäten handle. Heschel, der furchtlose Kämpfer für das moralische Wohl der Menschen, war ein Jude mit allem, was darunter verstanden wird, und ein Seher des Pfades, den der Mensch beschreiten muss in den schwersten Zeiten, die je über die Menschheit gekommen sind. Er heiligte den Schabbat mit Wort und Tat und erhob seine Stimme gegen die Unmenschlichkeit, wo immer diese ihr Haupt erhob, denn er sah unsere Welt als ein Ganzes, wo das Wort Gottes von der ganzen Menschheit gehört werden muss. Pnina Peli . Entschaedigungsforderungen ab . Die Bundesregierung ist aus rechtlichen Erwägungen nicht bereit, polnische Kriegsopfer zu entschädigen. Dies erklärte das Auswärtige Amt zu den polnischen Wünschen auf Wiedergutmachung. Die Bundesregierung habe sich jedoch verpflichtet, so wird betont, für polnische Opfer pseudomedizinischer Versuche in Konzentrationslagern 100 Millionen Mark zu zahlen. Eine entsprechende Vereinbarung war am 16. November 1972 in Genf am Sitz des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes unterzeichnet worden. Das Deutsche Rote Kreuz in Bonn betonte dazu, dass Polen bei der Familienzusammenführung von Deutschen, die im Anschluss an den Warschauer Vertrag vereinbart worden war, nicht die Erfüllung eigener humanitärer Anliegen durch die Bundesrepublik vorausgesetzt habe. Es wird für möglich gehalten, dass bei d~m nächsten Rotkreuzgespräch, von dm polnischen Vertretern auch die Frage nach Entschädigung solcher KZ-Opfer angeschnitten wird, die nach der Genfer Vereinbarung keinen Anspruch auf Leistungen haben. Die Bundesrepublik hat umfangreiche Entschädigungsforderungen aus Polen zu erwarten. Als offenes Problem, das eine Regelung erfordere, bezeichnete der Leiter der zum Warschauer Justizministerium gehörenden Hauptkommission zur Verfolgung von NS-Verbrechen in Polen, Czeslaw Pilichowski, die Frage der Entschädigung von KZ-Haft, Zwangsarbeit in Deutschland und den besetzten Ländern, Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen sowie von Witwen, Waisen und Invaliden als Opfern nationalsozialistischer Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. In der vom polnischen Veteranenverband herausgegebenen Zeitschrift “Za Wolnosc i Lud” schrieb Pilichowski, die zivilrechtlichen Ansprüche von Polen auf Entschädigung seien nicht verjährt. Polnische Bürger seien bisher durch die von CDU-Regierungen geschaffenen Vorschriften und Verfahren der Entschädigung in der Bundesrepublik diskriminiert worden. Sie hätten das gleiche Recht auf Entschädigung wie Bürger westeuropäischer Länder oder Israels. Pilichowski sprach die Erwartung aus, dass dieses Problem nach dem inzwischen abgeschlossenen Vertrag über die Grundlagen der Normalisierung und der Aufnahme diplomatischer Beziehungen geregelt wird. Das sei ein grundlegendes Element für eine friedliche Gegenwart und Zukunft zwischen Polen und der Bundesrepublik und besonders zwischen den jungen Menschen beider Länder. BEGABUNGEN Man fragte den polnischen Pianisten und Komponisten Moritz Moszkowski, was er von der musikalischen Begabung der einzelnen Voelker halte. Moszkowski antwortete: “Die Franzosen komponieren am besten, die Italiener singen am besten, die Polen spielen am besten Klavier, die Russen geigen am besten, die Englaender hoeren am besten zu und die Amerikaner zahlen am besten.” VATIKAN Haetie eine Enzyklika die Juden retten koennen? Wenn Papst Pius XI. im Jahre 1938 eine in Aussicht genommene Enzyklika gegen Rassismus und Antisemitismus veröffentlicht hätte, wäre vielleicht die Massenvernichtung von Juden verhindert worden. Dies ist die Meinung des amerikanischen “National Catholic Reporter”, der zu berichten weiss, dass der Papst 15 Monate vor Ausbruch des Krieges einen amerikanischen Jesuiten, Pater John Lafarge, gebeten hatte, eine solche Enzyklika zu redigieren. Doch -wisse man nicht, ob Pius XI. noch Gelegenheit hatte, vor seinem Tode im Februar 1939 den - fertigen Text einzusehen. Der Autor des Artikels, Gordon Zahn, ein auf das Studium des Verhältnisses der katholischen Kirche zum Nazismus, spezialisierter Journalist, ist! der Ansicht, dass die nazistischen Grausamkeiten wahrscheinlich nicht hätten voll ständig verhindert werden können, die Vernichtung der Juden aber nicht in dem unvorstellbaren Ausmass hätte stattfinden können, wenn die Katholiken in den von den Deutschen besetzten Ländern sich nach dem Erlass einer päpstlichen Enzyklika dagegen gewehrt hätten. Der von Lafarge verfasste Text ist in den Archiven eines jesuitischen Seminars in New York entdeckt worden. Nach den Aussagen von Historikern habe sich der oberste Vorgesetzte von Lafarge in der Hierarchie, der polnische Pater Wladimir Ledochowski, dem Projekt aus politischen Gründen widersetzt und die Rückäweisung an Papst Pius XI. verlangt.