Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 6 (Junio, 1973)
- Date
- 1973-06-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNIO 1973 19 AUSSTELLUNGEN ZUM 40. JAHRESTAG DER NS BUECHERVERBRENNUNGEN Exilliteratur Gewürdigt Von Joachim Hemmerle Nach 1945 habe man sich in Westdeutschland eher mit dem Ritterkreuzträger als mit dem Emigranten identifiziert, stellte der deutsche Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich einmal fest. In einer Phase politischer Restauration hatte es auch die Exilliteratur nicht leicht, sich ein breites Publikum zu schaffen, zumindest dann nicht, wenn ihre Autoren der Linken angehörten. Der “Auszug des Geistes” aus Deutschland hatte spätestens an jenem 10. Mai 1933 begonnen, als die Nazis symbolisch Bücher all jener Autoren auf den Scheiterhaufen warfen, die fortan “unerwünscht” waren. Vierzig Jahre danach ist in der Bundesrepublik Deutschland ein steigendes Interesse an dieser Literatur und ihrer Geschichte festzustellen. Zum 40. Jahrestag gab es in Hamburg, Frankfurt am Main sowie in Worms Gedenkveranstaltungen. Etwa zehn Prozent von 3000 Bänden Exilliteratur wurden zur Ausstellung “Verbrannt, verboten — verdrängt?” aus der Wormser Stadtbibliothek ins Museum gebracht, um Literatur und Dokumente der deutschen Emigration nach 1933 als Zeugnisse des antifaschistischen Widerstands einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zahlreiche Leihgaben ergänzten das Material; so waren Originale und Nachdrucke von Werken, die in der Emigration entstanden, ebenso zu sehen wie Kopien von Briefen Thomas und Heinrich Manns, Sigmund Freuds und anderer. Wenig bekannt und deshalb von besonderem Interesse sind etwa 40 Originalzeitschriften, die den unterschiedlich begründeten Kampf gegen das US-Regime belegen. Was in Worms auf knappem Raum zusammengetragen wurde, ergab keine repräsentative wissenschaftliche Dokumentation des Exils — wozu in dieser Stadt Material und Mittel fehlen -, aber die Ausstellung war um aus gewogene, exemplarische Darstellung der deutschen Emigration bemüht. Hinweise auf das Schicksal verfolgter Wormser Bürger stellten unmittelbaren lokalen Bezug her. Dieses Exil — das etwa 1500 Autoren teilten — führte bis nach Schanghai. Da waren die sozialistischen Autoren, gab es die politisch völlig unterschiedlichen Schriftsteller jüdischer Herkunft, ist die christlich motivierte Gegnerschaft zum NS-Regime zu nennen — die Skala reicht bis zur schwarzen Front des einstigen Hitler-Anhängers Strasser. Kontrast bot die Gegenüberstellung von Emigrations-Literafür und US-Schrifttum. Während das aber nur Schlaglichter warf, gibt der Ausstellungskatalog von Detlev Johannes eine Fülle von Anregungen. Was fehlte, war ein Hinweis, wie sich Einflüsse der Literatur des Exils und der NS-Ersatz- Literatur heute in der Bundesrepublik bemerkbar machen. Zur gleichen Zeit veranstaltete der Röderberg-Verlag zusammen mit dem Präsidenten der “Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes — Bund der Antifaschisten” sowie der Redaktion “die tat” in Frankfurt eine “Antifaschistische Buchwoche”, der eine andere Konzeption zugrunde lag. Die etwa 1200 Bücher und Zeitschriften aus der Zeit von 1933 bis zur Gegenwart dokumentierten nicht nur das Exil, sondern auch den Kampf linker Gruppen gegen restaurative Entwicklungen der Bundesrepublik. Machtergreifung und Widerstand der ersten Stunde, NS- Kulturpolitik, Spanischer Bürgerkrieg, Massenvemichtung und Widerstand sind einige der zahlreichen Themen, die hier chronologisch geordnet wurden; die Rechtsentwicklung in der Bundesrepublik wurde häufig aus der DDR-Perspektive geschildert. Manche Publikationen waren aus diesem Anlass vielleicht erstmals in der Bundesrepublik ausgestellt; das Material kam von Verlagen, privaten Leihgebem sowie aus der Deutschen Bibliothek in Frankfurt und der Deutschen Bücherei in Leipzig. Besonders sehenswert war eine Auswahl illegaler Kampfschriften, die meist unter unverfänglichem Titel — etwa dem einer Gebrauchsanweisung für Nähmaschinen — antifaschistische Parolen unters Volk brachten. Diese raren Exemplare gehörten zu den wenigen Stücken, die in Frankfurt unter Glas ausgestellt waren. Die meisten Exponate konnten in die Hand genommen und gelesen werden. Wenn die Schau auch — was aus der politischen Haltung der ausrichtenden Gruppen hervorgeht — vor allem den linken Aspekt des Antifaschismus im Auge hatte, so fanden sich neben der DDR-Literatur und Publikation des Röderberg-Verlags auch zahlreiche “bürgerliche” Darstellungen des Widerstands. General Versammlung des Cisroco Präsident: Federico Schnell Adolfo Ebstein zum Ehren. Präsidenten ernannt Am 29. April fand in den Räumen des “Comité Israelita de Socorro Cisroco”, Av. Portugal 810 die Ordentliche Generalversammlung dieser Wohlfahrtorganisation statt. . .Nach Verlesung der Berichte des geschäftsführenden Präsidenten Herrn Adolf Ebstein und des Finanzsekretärs Herrn Heinz Podbielski, die über das abgelaufene Geschäftsjahr Rechenschaft ablegten, und nach Beantwortung einiger Fragen der Anwesenden wurden die Berichte genehmigt und dem ausscheidenden Vorstand Entlastung erteilt. Daraufhin übernahm der Delegierte der B’ne Jisroel, Herr Rodolfo Pincus, die weitere Leitung der Versammlung. Anschliessend bittet Herr Adolf Ebstein ums Wort und erklärt, dass er infolge seines vorgerückten Alters und seines Gesundheitszustandes nicht mehr in der Lage sei, eine Wiederwahl anzunehmen. Die Herren Rodolfo Pincus und Fernando Friedmann bitten Herrn Ebstein, er möge von diesem Entschluss Abstand nehmen und wenigstens noch ein weiteres Jahr dem Cisroco seine wertvollen Dienste widmen. Herr Ebstein bedauert, dass er seinen nach reiflicher Überlegung gefassten Entschluss nicht abändern könne, aber auch weiterhin jederzeit bereit sei, dem neuen Vorstand mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die Herren Fernando Friedmann und Rodolfo Pincus geben in tiefgefühlten Worten dem Dank des Vorstandes für die langjährige und aufopfernde Arbeit des Herrn Ebstein Ausdruck. In Anerkennung dieser einzigartigen Leistung ernennt der Vorstand Herrn Adolfo Ebstein zum Ehrenpräsidenten des Cisroco, der sichtlich gerührt für diese Auszeichnung dankt. Anschliessend meldet sich Herr Friedmann zum Wort und lehnt auch seinerseits eine Neuwahl ab. Der Versuch, Herrn Friedmann umzustimmen, bleibt ohne Erfolg. Die Herren Ebstein und Pincus würdigen die ausserordentlichen Verdienste des Herrn Friedmann um die Arbeit des Cisroco und bedauern im Namen des Vorstandes sein Ausscheiden. Hierauf wird zur Neuwahl des Vorstandes geschritten und Herr Federico Schnell zum Präsidenten gewählt, der die weitere Leitung der Versammlung übernimmt und für das ihm erwiesene Vertrauen seinen Dank ausspricht. Der neue Präsident führt aus, dass er, obwohl er erst seit einem Jahr dem Vorstand angehört, mit vollem Vertrauen an seine Arbeit gehen werde, da er mit der reichen Erfahrung des Herrn Ebstein und der wertvollen Mitarbeit der in langen Jahren geschulten Mitglieder des Vorstandes rechnen könne. Nach Erschöpfung der Tagesordnung wird die Sitzung geschlossen. Der neue Vorstand des Cisroco setzt sich wie folgt zusammen: Ehrenpräsident: Adolfo Ebstein, Präsident: Federico Schnell, Vice-Präsident: Klaus Hannaeh, Schatzmeister: Heinz Podbielski, Stellv. Schatzmeister: Emanuel Herzberg, Sekretär: Enrique Lilienfeld, Stellv. Sekretär: Emcsto Klaber, Beisitzer: Heribert© Jaschek, Heriberte Schlesinger, Bert Stern. DANK UND ANERKEN¬ NUNG FÜR ADOLFO EBSTEIN Der Vorstand der SCI B'ne Jisroel hat an Herrn Adolfo Ebstein anlässlich seiner Ernennung zum Ehrenpräsidente des Cisroco das folgende Schreiben gerichtet: Santiago, 15. Mai 1973 Herrn Adolf Ebstein, Santiago. Lieber Herr Ebstein: Die Nachricht von Ihrer Ernennung zum Ehrenpräsidenten des Cisroco hat uns mit aufrichtiger Freude erfüllt und wir sehen darin eine wohlverdiente Anerkennung Ihrer unschätzbaren und langjährigen Sozialarbeit an der Spitze des Wohlfahrtsamtes der Gemeinde. Ihre aufopfernde Tätigkeit, die so vielen hilfsbedürftigen Menschen unserer Gemeinschaft zugute gekommen ist, kann wohl als das schönste Beispiel der wirksamen Erfüllung jüdischer Mitzvot im Sinne unserer Tradition angesehen werden. Im Namen des Vorstandes unserer Gemeinde beglückwünschen wir Sie zu der empfangenen Ehrung und hoffen, dass Sie auch weiterhin an der Arbeit des Cisroco, die Ihnen so sehr am Herzen liegt, nach Massgabe Ihrer Kräfte teilnehmen werden. Mit den besten Wünschen für Ihr persönliches Wohlergehen begrüssen wir Sie mit herzlichem Schalom Adolfo Schnitzer Präsident Emesto Munter Stellvertr. General-Sekretär Dr.Hermann Lehmann 70 Jahre alt Kürzlich beging der frühere Vorsitzende der Repräsentanz der SCI- B’ne Jisroel, Dr. Hermann Lehmann, in Bremen seinen 70. Geburtstag. Nachdem er in seiner Heimatstadt das Studium der Rechtswissenschaften beendet und als Anwalt gearbeitet hatte, bis ihm im Jahre 1933 die Zulassung wegen seines Judeseins entzogen wurde, kam er im Jahre 1936 nach Chile, wo er sich erfolgreich als Industrieller betätigte. Dr. Lehmann war seit seiner frühesten Jugend am jüdischen Leben lebhaft interessiert und hat sich insbesondere für verfolgte Juden und ihre wirtschaftliche und rechtliche Eingliederung in ihre neue Heimat wirksam eingesetzt. Darüber hinaus hat er sich an der Gründung und Leitung unserer Religionsgemeinde beteiligt, in deren Vorstand er verschiedene Ehrenämter bekleidete, bis er durch etwa zehn Jahre den Vorsitz im Kollegium der Repräsentanten ausübte. In dieser Eigenschaft hat Dr. Lehman auch ausserhalb des Rahmens der Gemeinde positive jüdische Aufbauarbeit geleistet und an der Interessenvertretung der ganzen Kollektivität auf vielen Gebieten erfolgreich mitgearbeitet. Seit seiner Rückkehr nach Bremen im Jahre 1971 ist Dr. Lehmann in der dortigen jüdischen Gemeinde tätig, mit der er sich seit seiner frühesten Jugend, verbunden fühlt. .. Aus Anlass seines 70. Geburtstages stand Dr. Lehmann im Mittelpunkt vielfacher Ehrungen nicht nur seiner zahlreichen Freunde und Bekannten, sondern auch der lokalen Stadtbehörden, bei denen der Jubilar hohes Ansehen geniesst. Die B’ne Jisroel gratuliert Herrn Dr. Lehmann auf das herzlichste und wünscht ihm auch für die Zukunft den besten Erfolg in seinem jetzigen Wirkungskreis.