Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 6 (Junio, 1973)
- Date
- 1973-06-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 JUNIO 1973 POLITIK UND MORAL REFLEXIONEN IM 25. JUBILAEUMSMHR VON HERBERT FREEDEN (JERUSALEM) Israel ist der einzige Staat, der trotz 25-jährigen Bestehens um seine Anerkennung kämpfen muss: die Nachbarn leugnen seine raison d’etre und wenn westliche Politiker das “Recht seiner Existenz” bestätigen — was bei allen anderen Staaten als selbstverständlich gilt — so wird das bereits als freundliche Geste gewertet. Das ist kein Zufall: die Welt hat sich niemals damit abgefunden, dass die Sündenböcke der Menschheit, die Prügelknaben der Geschichte — die Juden, ihren eigenen Staat gegründet haben. Besonders die christlichen Länder haben ihr Schuldgefühl nach jahrhundertelanger Judenverfolgung in eine komplexe Beziehung zu Israel umgeformt, in der die alten durch neue Vorurteile ersetzt worden sind, und die Masstäbe, mit denen man den jüdischen Staat misst, unterscheiden sich von denen, die an andere Staaten angelegt werden. Es passt in ihr Konzept, zu vergessen, dass Israel in einer Gegend liegt, die zu den härtesten und grausamsten Bezirken der Erde gehört — Menschenleben zählen nicht, Hinrichtungen werden zu öffentlichem Volksbelustigungen, Dieben schneidet man die Ohren ab und Gefangenen die Köpfe. In dieser Umwelt muss sich Israel behaupten und man nimmt es ihm übel, wenn es hier' und da von den akzeptierten Verhaltungsmassregeln westlich-europäischer Färbung abweicht. Kein Wunder, dass noch in einem zweiten Punkt der jüdischen Staat einen Einzelfall bildet: eine militärische Niederlage würde nicht eine verlorene Schlacht bedeuten, von der man sich bald erholt, sondern das kollektive Ende und die physische Vernichtung seiner Menschen. Es ist eine geschichtliche Tragödie, dass der Hass, der die Juden Jahrtausende in den Ländern der Zertreuung verfolgt hat, sich nun auf Israel ergiesst. Die jüdischen Siedler, die vor 50 und mehr Jahren nach Palästina wandelten, keimen nicht etwa als Eroberer. In seiner Rede 1966 in Stockholm bei der Annahme des Nobel-Preises sagte der Dichter Agnon: “Als Folge einer historischen Katastrophe — der römische Kaiser Titus zerstörte Jerusalem und vertrieb die Juden aus ihrem Land — bin ich in einer der Städte der Zertreuung zur Welt gekommen, aber mir war es immer, als ob ich in Jerusalem geboren wäre”. Mit Worten wie Expansionismus, Imperialismus und anderen Begriffen der modernen Politologie kann man die Verbundenheit des jüdischen Volkes mit dem Land Israel nicht abtun und man wird sie nicht verstehen, wenn man sich nicht des Sonderfalles bewusst ist, den dieses Volk in der Weltgeschichte darstellt — über alle Länder verstreut, hat es dennoch seine Identität bewahrt und die Metzeleien der Kreuzzüge, die Scheiterhaufen der Inquisition, die Gaskammern von Auschwitz überdauert. Was es zusammenhielt, war das Band mit dem Land der Bibel, und der politische Zionismus, der dem Ausdruck gab, und die Rückkehr nach Palestina proklamierte, war eine der grossen revolutionären Ideen der letzten hundert Jahre. RÜCKBLIK IN DIE GESCHICHTE Mit der jüdischen Einwanderung nach dem 1. Weltkrieg begann auch eine arabische Einwanderung — aus den verarmten Nachbarstaaten strömten die Fellachen ins Land, um den Juden ihre Erzeugnisse zu verkaufen, und ihre Zahl wuchs von 565 000 im Jahre 1922 auf 1 200 000 im Jahre 1947. Es ist eine Geschichtsverfälschung, zu behaupten, dass die jüdische Siedlungsbewegung arabische Bauern von ihrer Scholle vertrieben hat: was sie landlos machte, war der Steuereintreiber, der Geldverleiher und in den meisten Fällen der Eigentümer, dessen Land sie gepachtet hatten. Die Mehrzahl jüdischer Bodenkäufe wurde mit Effendis gestätigt, die weit entfernt von ihrem Besitz in Beirut oder Paris lebten. Das grosse Emek Jesroel gehörte um die Jahrhundertwende zwei Leuten — der östliche Teil dem türkischen Sultan und der westliche dem reichsten Bankier in Syrien, Sus suk, dem “Griechen”. Die meisten der erworbenen Böden waren vorher niemals bestellt worden, weil sie sumpfig, steinig, sandig oder aus anderen Gründen als “unkultivierbar” abgeschrieben waren. Das geht aus dem Bericht der gewiss nicht Zionisten-freundlichen “Palestine Royal Commission”, 1937, hervor: “Die arabische Behauptung, die Juden hätten einen zu grossen Anteil an guten Böden, hat sich nicht bestätigt. Viele der Böden, die jetzt Orangenhaine tragen, waren Sanddünen oder Sumpf, als sie erworben wurden . . .” In den seltenen Fällen, in denen arabische Pächter als Folge jüdischer Bodenkäufe verdrängt wurden, erhielten sie Kompensationen in bar oder in Form anderer Böden, und gewöhnlich mehr, als die “Verordnung zum Schutz der Bodenpächter” vom Jahre 1922 vorschrieb. Zweimal hatten die Palästinenser die Chance, ihren eigenen Staat zu errichten, und beide Male lehnten sie ab. Die erste Gelegenheit kam im Jahre 1937, als die Königliche Kommission unter Lord Poel in ihrem Teilungsplan 75 Prozent von Palästina für die Araber vorsah; das zweite Angebot 1947, als die Vereinten Nationen sich für die Teilung des Landes aussprachen, diesmal in zwei ungefähr gleiche Teile. Am 23. Sept. 1948 wurde im ägyptisch-kontrollierten Gaza eine palästinensische Exil-Regierung gebildet, mit dem Jeruslemer Mufti Amin el Husseini als Präsident und Achmed Chilme aus Haifa als Premier. Nicht einmal der Gazastreifen spürte etwas von'‘dieser “Regierung”, und nach allmählicher Desintegrierung wurde das “Kabinett” 1952 auf “Geheiss der arabischen Liga aufgelöst. DAS PROBLEM DER FLUECHTLINGE 1948 mischten sich in den lokalen Konflikt zwischen den arabischen und jüdischen Bewohnern des “zweimal verheissenen Landes” die arabischen Staaten ein, als die ägyptischen, jordanischen, syrischen, libanesischen und irakischen Armeen intervenierten. Dieselben Staaten jedoch, die sich mit ihren palästinensischen Brüdern identifizierten, als sie versuchten, Stücke von Palästina zu annektieren — den Aegyptem und Jordaniern gelang es mit Erfolg — ibenahmen sich keineswegs so verwandtschaftlich, als es galt, palästinensische Flüchtlinge aufzunehmen. 50 Millionen Araber weigerten sich, eine Flüchtlingszahl von einer Million zu absorbieren, obwohl die Mehrzahl der Flüchtlinge in Palästina blieb: im ägyptisch-besetzten Gazastreifen und auf dem jordanischokkupierten Westufer. So kam es zu einer makabren Konfrontation — zwischen Israel auf der einen Seite mit seinen technologischen Errungenschaften und seiner Prosperität, und einem Grossteil der ehemaligen Landesbewohner auf der anderen Seite, die seit 25 Jahren im Elend der Flüchtlingslager vegetieren. Die Atmosphäre des Hasses hat ihre eigene Mentalität geschaffen — wie 1937 und 1947 lehnen die Palästinenser auch heute jeden Kompromiss ab: wenn ihre Aktivisten von der Räumung der besetzten Gebiete sprechen, so meinen sie nicht die von den Israelis 1967 eroberten Territorien, sondern sie meinen Jaffa und Haifa, Lod und Ramleh, im Herzen Israels. Das gegenseitige Misstrauen hat pathologische Ausmasse angenommen — die Araber fürchten Israels Expansionslust mit ständig wachsendem Appetit auf Gebiete, und die Israelis die arabische Verschwörung, den Staat und seine MenschÄi zu eliminieren. In Israel hat sich eine Mentalität der “belagerten Festung” entwickelt, die nach den Eroberungen des Juni 1967 zu neuen Dimensionen gelangt ist. Was ist ein Vertrag mit Hussein, so fragt man, der König würde die Unterschrift nicht überleben; Friede mit Sadat? Er könnte den Tag darauf gestürzt werden; Koexistenz mit den Palästinensern — mit der konservativen Führerschaft der besetzten Gebiete oder mit den extremistischen Bombenlegern der jungen Generation? DAS MORALISCHE GEWISSEN In jüngster Zeit hat die Bewegung des “Grösseren Israel” an Einfluss gewonnen, die der Teilung Palästinas genau so ablehnend gegenübersteht, wie das seit je von arabischer Seite geschah. Dass neuerdings Moshe Dayan mit ihr sympathisiert, gibt ihr mehr Gewicht. Während er früher im Westufer einen Perimeter der Verteidigung sah, betrachtet er es jetzt als biblisches Vermächt¬ Heumann Hnos. S.A.I.C. Fábrica de Mermeladas, Jarabee, Tomato-Ketchup Independencia 2021 TeL: 774446 - 774243 Casilla 6592 - Correo 4 SANTIAGO ISRAELS nis, und Hebron und Bethlehem sind für ihn nicht mehr in erster Linie Bastionen für die Sicherheit Jerusalems, sondern die Stadt der Erzväter, beziehungsweise die Stadt Davids, und er ist der Meinung, dass keine israelische Regierung Stätten jüdischen Erbes wieder preisgeben solle. Die Regierung geht nicht ganz so weit, obwohl sie im Laufe der letzten fünf Jahre ihren Standpunkt wesentlich geändert hat. Nach dem Sechs Tage-Krieg hatte Levi Eshkol verkündet, dass Israel keine territorialen Aspirationen habe. Heute sieht das anders aus: auf der einen Seite behauptet Golda Meir, Israel sei bereit, ohne Vorbedingungen sich an einen Verhandlungstisch zu setzen; auf der anderen Seite hat die wiederholt erklärt, dass ein Rückzug von den Golanhöhen, aus dem Gazastreifen, einem Teil des Westufers und gewissen Strecken des Sinai nicht in Frage käme, von Ostjerusalem ganz zu schweigen. Ein 25 Jahre langes Ringen um Existenz und Existenzberechtigung hat seine Narben hinterlassen. Die Israelis sind hart geworden, und sie müssen sich in Acht nehmen, dass sie eines Tages nicht so werden, wie ihre Feinde sie sehen. Israels moralisches Gewissen trägt schwer an den Folgen des Sechs Tage-Krieges: nicht alle haben sich mit der Tatsache abgefunden, Eroberer und Besetzer zu sein. Insbesondere in der Jugend gibt es tiefe Divergenzen über die sittliche Belastung, die dem jungen Staat damit aufgebürdet wurde. Die Diskussion geht quer durch die Presse, Universitätskreise, Parteigremien und Jugendzirkel, und in einer vielbeachteten Rede hat Abba Eban dieser Unruhe Ausdruck gegeben. Die Tatsache jedoch, dass eine solche Diskussion aufkam und möglich ist, ist allein schon ein Zeichen dafür, dass die moralischen Kräfte im Lande immer noch wach und wachsam sind. ELISA stets grösste Auswahl in Uniformen San Antonio 65 Fono 381900