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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1973-04-01 · 4 (Abril, 1973) · p. Seite 19

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXV (1973)
Issue
4 (Abril, 1973)
Date
1973-04-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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ABRIL 1973 19 RUTH SELIGMAN: “Women Lib“ und Kibuzerf ahrungen Seit geraumer Zeit hatten für mich die Schlagworte der “Women-Lib”-Bewegung, der Bewegung zur Befreiung der Frau, einen vertrauten Klang. Ihre Ideologie kommt einem bekannt vor, so etwas Ähnliches war schon in der Geschichte dagewesen. So etwas habe ich schon gehört, nicht heute und nicht gestern, aber wo und wann? Es irritiert, dass man sich nicht genau erinnern kann. Anklänge sind stimulierend, aber auch frustrierend, wenn man das Rätsel nicht ganz zu lösen vermag. Als ich dann in der “Lib”- Literatur über den Kampf gegen die traditionelle Arbeitsteilung las, in welcher den Frauen Aufgaben zugewiesen werden, welche im Grunde Hilfsarbeiten oder Dienstleistungen sind, da ging mir ein Licht auf. Es war das Wort “zugewiesen”, welches den Schlüssel zur Lösung enthielt. Diese Theorien mögen ihren Verkünderinnen besonders modern und fortschritlich Vorkommen und ihre Forderung einer völligen Gleichheit, die den herkömmlichen Rollen der Geschlechter und Aufgabe der Familie ein Ende setzen soll, als geradezu revolutionär, aber wir in Israel haben das alles schon vor langer Zeit gehört, vor 50 und 60 Jahren. Die ersten Theoretiker des Iiibuz betonten mit grossem Nachdruck, dass völlige Gleichheit der Geschlechter herrschen müsse. “Gleiche Beteiligung an der produktiven landwirtschaftlichen Arbeit” gehörte zu den Grundsätzen der ursprünglichen Ideologie des Kibuz. Von Anfang an gewährte der Kibuz, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis, seinen weiblichen Mitgliedern viele der Rechte, welche jetzt die Frauen vieler westlicher Länder anstreben. Es gab keine Einteilung der Arbeit nach dem Gesichtspunkt der Verschiedenheit der Geschlechter. Frauen arbeiten im Kuthstall, auf dem Feld, bei den Hühnern. Es gab keine spezifische “Frauenarbeit” oder “Aufgaben für Männer”. Den ersten Kibuzim war es sehr ernst mit der Befreiung der Frau von strikt weiblicher Beschäftigung, von der ihnen im Kreise der Familie auferlegten besonderen Verantwortung, teilweise sogar von der rechtlichen Bindung der Ehe. Jedoch fast unmittelbar nach der Geburt der ersten Kinder im Kibuz wurde ein gewisser Rückzug angetreten. Der Kibuz, ursprünglich seinem Wesen nach eine Gemeinschaft junger unverheirateter Menschen, war gezwungen, sich mit dem Aufziehen von Kindern £U befassen, jupd. so „entwickelte sich sein später berühmt gewordenes System der kollektiven Erziehung von Kinder in Kinderhäusern. Eine oder mehrere Personen mussten den Kinderhäusern zuge¬ Die neue wiesen werden, um es anderen Müttern zu ermöglichen, sich weiterhin völliger Gleichheit zu erfreuen. Diese Person war immer weiblichen Geschlechts, und je grösser die Zahl der Kinder, desto mehr wuchs natürlich die Zahl dieser Arbeitskräfte. Heute gibt es in den Kinderhäusern überhaupt keine Männer, abgesehen von einem kurzen und mehr symbolischen Dienst zu den Feiertagen. Anderseits leisten heute nur sehr wenige Frauen Feldarbeit, mit Ausnahme eines besonderen Einsatzes zur Erntezeit. Es ist also eine Rückkehr — manche sagen ein Rückzug — zu der “vor-emanzipatorischen” Arbeitsteilung zu verzeichnen. Nicht alle Kibuztöchter sind mit diesem.Zustand restlos zufrieden. Eine drückte ihre Gefühle in der Frage aus: “Warum ist das Füttern von Kühen so viel wichtiger als das Füttern von Kindern?” Vielleicht unbewusst, aber treffend, spielte sie auf die grundlegende Tatsache an, dass in den meisten Kollektivsiedlungen Dienstleistungen viel weniger geschätzt werden als sogenannte produktive Arbeit. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Kibuz nicht sehr von der Aussenwelt, mit der er ja eng verbunden ist. Ein anderes Mädchen sagte: "Vielleicht würde man unsere Arbeit höher schätzen, wenn wir sie ausserhalb des Kibuz verrichteten und für sie bar bezahlt bekämen. Wenn wir also das Gleiche in einem Kinderheim, o,der einem Kränken - oder einer Anstalt beschäftigt wären, würde man unsere Arbeit nicht für so selbstverständlich halten.” Das hörte sich fast so an, wie wenn sich Mütter in der Stadt über ihr Generation haus täten oder in der Küche eines Industrieunternehmens Los beklagen, weil ihre Arbeit nicht die gebührende Anerkennung findet. Jedoch, die Saat der “Rebellion”, die vor Jahren im Kibuz gesät wurde, ist aufgegangen. Die Frau hat das Gefühl, dass sie ihre Emanzipation bereits erreicht hat und gleichberechtigt und gleichwertig ist. In einer wichtigen Hinsicht ist das unzweifelhaft der Fall: sie ist wirtschaftlich unabhängig. Ihre Bedürfnisse werden kraft ihrer eigenen Leistungen gedeckt und nicht auf Grund deren ihres Gatten. Bei ihrer “Rückkehr zur Weiblichkeit”, wie das von einer Chawera bezeichnet wurde, haben die Frauen eine neue Stellung zu der ihnen auferlegten Rolle eingenommen. Sie sind feminin geworden. Sie legen auf ihr Aussehen grossen Wert, kleiden sich schön, richten ihre Wohnung geschmackvoll ein und verlegen sich auf Kuchenbacken und ähnliche “weibliche” Handarbeiten mit einem Eifer und Geschick, die mich, eine Städterin, die nicht auf den koliektiven Lebensstil eingestellt ist, oft direkt beschämt. In ihrem Bestreben, “weiblicher” zu sein, wollen mehr und mehr Kibuzfrauen ihre Kinder bei sich zu Hause behalten. Das geht aus in Kibuzim des Haschomer kürzlich angestellten Untersuchungen und Meinungsumfragen hervor, an der sich ungefähr 2000 Frauen beteiligten. Die Hälfte davon wollte, dass ihre Kinder bei ihnen zu Hause schlafen. Viele Kibuzim entsprechen diesen Forderungen. Der Übergang zu dieser Lebensform geht aber aus wirtschaftlichen Gründen langsam vonstatten, da man warten muss, bis sich der Kibuz den Bau der grösseren Wohneinheiten, die erforderlich sind, wenn die Kinder bei ihren Eltern wohnen, auch leisten kann. Was ist nun der Hintergrund der Forderung, die Kinder bei sich zu haben, der Akzente, die man auf die Familie setzt, und des Bestrebens, “wie eine Lady” auszusehen? Ein Psychologe, der das “Problem der Frau im Kibuz” studierte, behauptet, der Schlüssel sei im Mangel an Befriedigung von der Arbeit zu suchen. Diese Unbefriedigtheit wird ja offen oder verschleiert von vielen weiblichen Kibuz-Mitgliedern ausgedrückt. “Man muss als Hausfrau für den ganzen Kibuz arbeiten, in einer unpersönlichen Umgebung, und wird häufig und übertrieben scharf kritisiert, unter diesen Umständen erscheint die Rückkehr zur traditionellen Haus- /rauenarbeit viel verlockender, als sie es wäre, wenn die anderen, im Kibuz der Frau gebotenen Beschäftigungsarten grössere Befriedigung geben würden.” Manche sagen, dass der Kibuz bewusst oder unbewusst die Frauen wieder zur Aufgabe der Mutter getrieben habe, weil er die Erhaltung seiner Gesellschaftsform anstrebt. Eine hohe Geburtenziffer ist das logischste und leichteste 'Mittel zur Vergrösserung der Bevölkerung der Kibuzim und zur Gewährleistung ihres Fortbestandes und Wachstums. Da es also das Gemeinwohl zu heischen scheint, dass die Frau vor allem Kinder zur Welt bringt, gehen viele Frauen im Kibuz diesen Weg des geringsten Widerstandes. Sie haben die Rolle der Mutterschaft mit einem Eifer auf sich genommen, den man in den mittleren Schichten der Gesellschaft Israels kaum findet. Ich war auf meine drei Sprösslinge sehr stolz, bis ich sah, dass meine Freundinnen im Kibuz vier, fünf und sogar sechs Kinder zur Welt gebracht haben. Wenn ich mit den jüngeren und auch den älteren Müttern in den Kibuzim spreche, dann fällt mir auf, wie die Töchter und Enkelinnen der Pioniere, welche um die völlige Gleichheit der Frau kämpften und alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern ausmerzen wollten, mehr und mehr zu der spezifisch weiblichen Rolle, welche Geschichte und Tradition der Frau zugewiesen haben, zurückkehren. Vielleicht können die Damen der “Women Lib”-Bewegung von der heutigen Lage im Kibuz etwas lernen. Vielleicht haben es Frauen letzten Endes ajrp liebsten, Frauen, .zu.. seip. .,. Frauenarbeit im Kibbuz , ¿hx-/ 'iW. A i ¡ f 33» ■V; ■¿‘¿S.. "S Í: Ms t' . .... .<.

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