Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 4 (Abril, 1973)
- Date
- 1973-04-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 ABRIL 1973 KEIN NEUES SYNHEDRION Von Schalom Ben-Chorin Israels neuer aschkenasischer Oberrabbiner Schlomo Goren erklärte öffentlich im Rundfunk, dass an die Errichtung eines neuen Synhedrions nicht zu denken sei. Manche Mitbürger gaben sich offensichtlich der Hoffnung hin, dass der neue Oberrabbiner gemeinsam mit seinem sefardischen Kollegen Obadja Joseph an die Erneuerung des Synhedrions herangehen würde, um Grundprobleme des Religionsgesetzes einer autoritativen Revision zu unterziehen. Was ist oder war das Synhedrion, welche Möglichkeiten zu seiner Erneuerung bestehen und welche Schritte wurden in dieser Hinsicht in neuerer Zeit unternommen? Das Synhedrion, das im Talmud Sanhedrin genannt wird, war zur Zeit des Zweiten Tempels die oberste Gerichts¬ und Verwaltungsbehörde in Jerusalem, die zugleich höchste gesetzgebende und die Thora interpretierende Instanz des Staates darstellte, eine Art Staatsrat. Historisch gesehen geht das Synhedrion auf die Zeit der Hasmonäerherrschaft zurück. Diese Behörde, zusammengesetzt aus Schriftgelehrten (Pharisäer) und Priestern (Sadduzäer) bestand aus 71 Mitgliedern, die in der Quademhalle des Tempels ihren Sitz hatte. Die rabbinische Tradition führt allerdings das Synhedrion auf den Ältestenrat der Moses-Zeit zurück. Nach dem Fall Jerusalems im Jahre 70 übersiedelte das Synhedrion zeitweise nach Javne, hatte hier aber nicht mehr die vollen Kompetenzen. Die Frage der Erneuerung des Synhedrions beschäftigte die rabbinische Literatur immer wieder. Maimonides gab der Ansicht Ausdruck, dass die Rabbinnen des Landes Israel allein berechtigt seien, das Synhedrion wieder zu konstituieren. Jakob Berab (1474— 1546) versuchte von Safed aus das Synhedrion zu erneuern, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. GESCHEITERTER VERSUCH In neuester Zeit, sofort nach Statsgründung, wollte Israels Rabi Goren i erster Religionsminister Rav Maimon das Synhedrion wieder erneuern. Er ging von der richtigen Erkenntnis aus, dass durch die Wiedererrichtung des Staates Israel die Voraussetzungen für das Synhedrion gegeben seien. Maimon liess bereits einen hufeisenförmigen Saal erbauen, der heute im Gebäude der Rav Kook-Stiftung als Synagoge dient, aber ursprünglich als die neue Quadernhalle des Synhedrions geplant war. Maimon konnte seinen Plan nicht realisieren. Er scheiterte an zwei Faktoren, vielleicht sogar an drei: das Oberrabbinat damals repräsentiert durch die Oberrabbiner Herzog und Usiel, wünschte keine übergeordnete Instanz. Die ultra-orthodoxen Mitglieder des Rabbinischen Rates der Agudath Israel verweigerten die Kooperation mit den “Zionistischen” Rabbinern. Rav Maimon seinerseits erklärte einer Delegation europäischer Rabbiner in Paris, dass eine Beteiligung von konservativen, liberalen und Reform-Rabbinern nicht in Frage komme. Was blieb also übrig? Eine Rabbinerversammlung des Misrachi-Hapoel Hamisrachi, der heutigen RNP. Das war eine viel zu schmale Basis für ein Synhedrion und musste daher aufgegeben werden. Die Situation hat sich heute nicht entscheidend geändert. Offenbar wünscht auch das neugewählte Oberrabbinat keine übergeordnete Instanz, sondern versucht, seine Kompetenzen auf die Diaspora auszudehnen, um ein Weltoberrabbinat zu werden. Es geht also nicht um die Erneuerung des Synhedrions, sondern um die Erneuerung des Gaonates, das in nachtalmudischer Zeit das Amt des Exilarchen, aramäisch: Resch Gelutha hervorbrachte. Die Inhaber dieses höchsten Amtes betrachteten sich als geistliche Oberhäupter des gesamten Judentums. Genau das ist es, was heute vom Oberrabbinat angestrebt wird. Oberrabbiner Goren nahm sofort Kontakt mit dem geistigen Führer der jüdischen Orthodoxie in den USA, Rav Joseph Soloweitschik auf, um mit ihm eine Oberrabbiner- Konferenz in Jerusalem vorzubereiten, die unter dem Vorsitz von Rav Soloweitschik stattfinden soll. DIE OBERRABBINER Es ist sehr fraglich, ob dieser Plan glücklich und sinn-* voll sein kann. Der Begriff Oberrabbiner ist kein genuin jüdischer. Aus bestimmten politischen Kostellationen in verschiedenen Ländern der Diaspora entstanden Oberrabbinate, z. B. in Grossbritannien. Israel zog nach. Das Oberrabbinat im Heiligen Lande ist eine relativ sehr junge Institution. Das sefardische Oberrabbinat geht freilich auf die Türkenzeit zurück, in welcher es das Amt des Chacham Baschi gab, das in der Türkei selbst seit dem 15. Jahrhundert bestand. Es verlor später seine Bedeutung und wurde nur vor hundert Jahren auf relativ kurze Zeit wieder aufgewertet. Im Zuge dieser Reorganisationen erlangte auch das sefardische Oberrabbinat im Lande Israel unter Jakob Meir wieder grössere Autorität. Meir amtierte gleichzeitig mit dem ersten aschkenasischen Oberrabbiner Rav Kook, der 1921 vom High Commissioner Sir Herbert Samuel eingesetzt wurde. Das aschkenasische Oberrabbinat Israels ist also nicht viel älter als vierzig Jahre. Rav Goren ist der vierte aschkenasische Oberrabbiner des Landes, nach den Rabbinern Kook, Herzog und Untermann. Die beiden grossen Zentren der Diaspora aber: Amerika und die Sowjetunion haben keine Oberrabbinate. Die Sowjetunion scheidet ohnedies aus politischen Gründen praktisch aus, aber auch der verstorbene Rav Levin war nur Oberrabbiner von Moskau, keineswegs Oberrabbiner der Sowjetunion. Wesentlich ist aber, dass unser wirklicher Gesprächspartner, das Judentum in den USA, kein Oberrabbinat hat und haben kann. Das nordamerikanische Judentum ist in die drei grossen Strömungen: Orthodoxie, Konservative und Reform gegliedert und es ist nicht denkbar, dass eine rabbinische Persönlichkeit diese drei Richtungen repräsentieren könnte. Aber auch die Orthodoxie im nordamerikanischen Judentum hat kein Oberrabbinat. Esgibt zwei orthodoxe Rabbinerverbände: ausserhalb stehen so. einflussreiche Gestalten der extremen Orthodoxie wie der Rabbi von Lubawitsch. Auch das südamerikanische Judentum hat kein wirkliches Oberrabbinat aufzuweisen, wenn es auch in manchen lateinamerikanischen Ländern Ansätze dafür gibt. In Europa hat das Oberrabbinat in Britannien wirkliche Bedeutung. Hier gibt es ebenfalls einen aschkenasischen Oberrabbiner Jakobowitz und einen sefardischen Gaon. In Paris fungiert Rav Kaplan als Oberrabbiner von Frankreich. Im Ostblock hat nur Rumänien in Rav Rosen in Bukarest einen Oberrabbiner. Kleinere Oberrabbinate gibt es in Holland, Italien, Luxemburg. Der Oberrabbiner von Dänemark, der junge Rav Melchior, wird von seinen europäischen Kollegen und in Israel nicht voll anerkannt, da er zur konservativen Richtung gehört. Eine Oberrabbiner-Konferenz, wie sie Rav Goren nun anstrebt, wäre also ein künstliches Gebilde, das keine echte Repräsentanz des religiösen Judentums in der Welt darstellen könnte. Das Synhedrion kann praktisch nicht erneuert werden. Die Schwierigkeiten, die sich Rav Maimon entgegenstellten, blieben unverändert. Eine Oberrabbiner-Konferenz entspricht nicht der Struktur des Weltjudentums. Was heute wirklich nötig und bei gutem Willen möglich wäre, ist eine Art ökumenisches Konzil des Weltjudentums. Hier müssten alle Glaubensströmungen und Rabbinerverbände, von der Orthodoxie bis zur Reform vertreten sein, um Grundfragen des heutigen Judentums zu klären. DIE WELT-JUEDISCHE PROBLEMATIK Es sind vier Probleme, die das gesamte Judentum heute bewegen und die völlig ungeklärt geblieben sind: 1. das Verhältnis von Israel und der Diaspora, vor allem unter religiösem Gesichtspunkt; 2. das Verhältnis von Religion und Staat, vor allem in Israel selbst; 3. das Problem der glaubenslosen Juden, die eine Realität für Israel und die Diaspora darstellen, der man nicht mit einer Haltung des Als-Ob ausweichen kann, was heute weithin geschieht; 4. das Problem der Unwissenheit im Judentum der Gegenwart, auch in Israel selbst. Es liegt klar zutage, dass diese Fragen das gesamte Judentum bewegen und in seiner Existenz bedrohen, wenn sie nicht wirklichen Lösungen zugeführt werden. über alles Trennende hinweg muss hier eine Verständigung möglich sein, denn allen Glaubensrichtungen im Judentum liegen diese Fragen am Herzen. Die religiösen Beziehungen zwischen Israel und der Diaspora müssen neu formuliert werden. Das Verhältnis von Religion und Staat darf nicht von Fall zu Fall hektisch und polemisch erörtet werden, sondern bedarf einer gründlichen Durchdenkung unter historischen und theologischen Gesichtspunkten. ETHISCHER ATHEISMUS Der Typus des glaubenslosen Juden stellt das Judentum vor eine ganz neue Problematik. Die Bibel kennt diesen Typus nicht, sondern spricht nur vom Abirren auf die Wege fremder Götter und, an zwei Psalmenstellen, von den Toren, die in ihren Herzen sprechen: es gibt keinen Gott. Das meint aber, keinen vergeltenden Gott. Dasselbe trifft für den Ketzer Acher im Talmud zu. Wir aber haben uns mit einem ethischen Atheismus zu kofrontieren, repräsentiert durch führende jüdische Persönlichkeiten von Sigmund Freud bis Ernst Bloch. Wir wissen alle, dass auch in der Führung des Staates Israel und in der zionistischen Bewegung der Typus des glaubenslosen Juden keineswegs mehr eine Randerscheinung darstellt. Aber die Auseinandersetzung mit diesem Juden von Heute fehlt. Die Kriterien seiner jüdischen Identität, die mehr als biologisch sein müssen, sind nicht definiert. Gegen die Unwissenheit wird angekämpft, aber offenbar mit unzulänglichen Mitteln. Neue Organisationen wie CO JO entstehen (und vergehen) und das Ergebnis ist beschämend. Die religiöse Führung des Judentums müsste hier vereinigt dem Mangel an jüdischer Information, im tieferen Sinne, entgegenwirken. Das klingt vielleicht utopisch. Aber wer hätte noch vor dreissig Jahren gedacht, dass die in sich zerrissene Christenheit sich jemals zu gemeinsamen Aktionen zusammenfinden würde. Unter Papst Johannes XXIII, wurde das möglich. Aus Ketzern wurden getrennte Brüder. Der Nachfolger des Gründerpapstes Paul VI. traf sich mit dem Patriarchen der Ostkirche Athenagoras in Jerusalem. Das war alles früher undenkbar. PASTELERIA Y SALON DE TE 9Ha3 a nue <)e £Pom*pac)ou/t a. 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