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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1973-04-01 · 4 (Abril, 1973) · p. Seite 20

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXV (1973)
Issue
4 (Abril, 1973)
Date
1973-04-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 ABRIL 1973 "GEWISSEN DES JUEDISCHEN VOLKES,, Die 8. Europäische Rabbinerkonferenz in Girindelwald über 70 Rabbiner aus allen Ländern Westeuropas sowie aus Israel und Amerika beteiligten sich vom 11.-12. Dezember an den intensiven und fruchtbaren Sessionen im Hotel Silberho'rn. Eines der erfreulichsten Merkmale war die Teilnahme einer grossen Anzahl junger Rabbiner. Bedauerlicherweise war kein Rabbiner eines osteuropäischen Staates anwesend. Der Moskauer Oberrabbiner Jakow Frischman beantwortete die Einladung nicht, und Rabbi Schuck aus Budapest erhielt keine Ausreiseerlaubnis. Der rumänische Oberrabbiner Dr. Moses Rosen musste im letzten Moment absagen. Ein Höhepunkt der Sitzungen war die Ansprache des britischen Oberrabbiners Dr. Immanuel Jakobovits, der das Thema “Das Rabbinat als Gewissen des jüdischen Volkes” behandelte. Er wies eindrücklich darauf hin, dass der Brennpunkt der Bemühungen von rabbinischer Seite sich auf Probleme konzentrieren müsse, die alle Juden beschäftigen und welche nur auf religiöser Basis gelöst werden könnten. So habe man auch das Augenmerk auf das übel von Verbrechen, Drogen und Unmoral zu richten. Die Rabbiner müssten auch die Besorgnis unseres Volkes wecken über die aussergewöhnlich niedrige Geburtsrate und den hohen Sterbeüberschuss unter Juden, die das überleben sowohl in Israel wie in der Diaspora gefährden. Oberrabbiner Jakobovits bat die Rabbiner, sich gegenseitig zu respektieren, wenn sie von ihren Gemeinden Loyalität und Respekt ihnen gegenüber erwarten. Als Ehrengast sprach Rabbiner Schaul Israeli, Mitglied des Obersten Bet Din in Jerusalem, über “Das Rabbinat in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft”. Er zeigte die Spannung auf, unter welcher der Rabbiner als religiöser Führer seiner Gemeinde steht, während er Treue gegenüber dem Schöpfer zu bewahren hat. — Oberrabbiner Dr. Elio Toaff, Rom, sprach über das Judentum heute und seine Ideale und lenkte die Aufmerksamkeit auf die Probleme der jüdischen Jugend. Die Konferenz hat mehrere Resolutionen gefasst, von denen hauptsächlich folgende zu erwähnen sind: Das Oberrabbinat Israels Die Konferenz beglückwünscht die neu gewählten Oberrabbiner Schlomo Goren und Ovadia Josef und vertraut in Anbetracht ihres Wissens und ihrer Hingabe für das jüdische Volk darauf, dass sie ihr hohes Amt im Geiste der Prinzipien der Halacha ausführen werden, wie es seitens aller ihrer grossen Vorgänger gehandhabt wurde. Die Konferenz ist besorgt wegen der ernsten Situation, die im Oberrabbinat entstanden ist, dem Brennpunkt des religiösen Lebens in Israel und der Gola, der als Modell für Rabbiner der ganzen Welt zu gelten hat. Wir hoffen, dass Friede und Respekt unter den rabbinischen Führern herrsche, womit das Vertrauen anwachsen wird und grundlose Angriffe auf die ewigen Werte der Heiligen Tora abgewehrt werden können. Gerat Bezüglich der wachsenden Probleme der Konversionen findet es die Konferenz für nötig, das israelische Rabbinat zu ersuchen, es sicherzustellen, dass der Fall jedes Gesuchstellers aus der Diaspora für Gerut in Israel oder von solchen in Israel, deren Niederlassung dort noch unklar ist, in erster Linie einem Bet Din der lokalen Gemeinde, wo der Gesuchsteller bekannt ist, übertragen wird. Juden Russlands Die Konferenz grüsst alle Juden in Russland und drückt ihre Genugtuung aus über das innere Erwachen jüdischen Bewusstseins und Erbes bei manchen von ihnen. Die Konferenz betet dafür, dass die Sowjetregierung die strengen Restriktionen lokkern und die Ausbildungssteuer aufheben möge, damit der Wunsch auf Vereinigung mit den Brüdern in Israel oder anderswo in Erfüllung gehe.— Auch an die Juden in arabischen Ländern gehen die wärmsten Grüsse, in der Hoffnung auf Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und auf eine baldige Wiedervereinigung mit unserem Volk in Israel. EWG und Kaschrut Im Hinblick auf die Ausweitung des Gemeinsamen Marktes beschliesst die Konferenz, dass im Interesse von Kaschrut alle für die Aufsicht über exportierte Koscherprodukte verantwortlichen Rabbiner davon absehen sollen, den Export ohne Zustimmung der rabbinischen Autoritäten der Importgesellschaften zu bewilligen. Die Konferenz ersucht das Standing Committee, die Ratsamkeit zu erwägen, eine Kommission einzusetzen, die alle Probleme von Kaschrut zu prüfen hätte, welche aus dem gemeinsamen Markt entstehen, und eine Liste von autosierten Koscherprodukten zu erstellen. Israel Die Konferenz, eingedenk des unbezähmbaren Mutes und der bemerkenswerten Leistungen des israelischen Volkes, betet für seinen fortdauernden Erfolg, für Frieden und Wohlergehen. Sie richtet Grüsse an den Staat Israel aus Anlass seines 25jährigen Bestehens. Alle Juden in Europa sind aufgerufen, Israel weiterhin grosszügig zu unterstützen und sich durch Alija und Hingabe mit ihm zu solidarisieren, so dass Israel Zeugnis ablegen kann von der Erfüllung seiner Ideale als grosses religiöses und geistiges Zentrum des jüdischen Volkes. In seinen Schlussbemerkungen zur Konferenz verdankte deren Leiter, Rabbi Sir Israel Brodie, den jüngeren Rabbanim ihre wertvolle Teilnahme an den Diskussionen. Wenn die Reihen der Rabbinate in den europäischen Gemeinden verstärkt werden, kann man vermehrt optimistisch sein um die Kontinuität des Judentums in den kommenden Jahren. AUS DER VERANTWORTUNG HERAUSSTEHLEN? Die Frage der Wiedergutmachungsansprüche an die DDR Der Präsident des Bundes Jüdischer Verfolgter des Naziregimes, Simon Wiesenthal, erhob in einer Pressekonferenz in Wien die Forderung, das jetzt, da viele Staaten diplomatische Beziehungen zur DDR aufnehmen, die Forderung nach Wiedergutmachung an diesen deutschen Staat realisiert werden müsste. Die DDR habe immer den Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik Deutschland abgelehnt, nur nicht in der Frage der Wiedergutmachung. Hier habe sie die Bundesrepublik immer allein gelassen. Wiesenthal hob hervor, dass die Leistungen der Bundesrepublik Deutschland bisher 44,3 Milliarden D-Mark betragen hätten. Allein mit zwölf Staaten habe sie Einzelabkommen über eine Milliarde D-Mark abgeschlossen, darunter mit Österreich über 200 Millionen D-Mark im Jahre 1962, mit den Niederlanden über 100 Millionen D-Mark. Wiehenthal hob weiter hervor, dass die Versicherungsmathematiker festgestellt hätten, dass die Gesamtleistungen nach den Lebenserwartungen der Verfolgten für die Bundesrepublik einen Betrag von 70 bis 80 Milliarden D-Mark ausmachen würden. Dagegen habe die DDR nicht einmal an Verfolgte in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei oder anderen Ostblockstaaten gezahlt. Vor mehreren Jahren hätten jugoslawische Verfolgtenverbände Ansprüche an die DDR angemeldet, die aber aus politischen Gründen wieder fallengelassen worden seien. Ausserdem sei ihm aus Gesprächen mit Freunden aus dem polnischen KZ-Verband bekannt, dass dort ebenfalls Stimmen laut geworden seien, nachdem die Bundesrepublik an Staaten im westlichen Europa zahle, doch entsprechende Forderungen an die DDR zu stellen. Die Vertreter dieser Gedanken hätten grösste Schwierigkeiten bekommen und seien als “faschistische Agenten” hingestellt worden. Wiesenthal betonte, dass bei dem Luxemburger Abkommen mit Israel und auch bei Abkommen mit anderen Staaten immer der Gedanke eine Rolle gespielt habe, dass die Bundesrepublik zwei Drittel der Leistungen erbringen sollte. Es gäbe auch in verschiedenen Verträgen entsprechende Klauseln. Die DDR habe aber niemals gezahlt. Immer wieder habe sie versucht, sich aus der deutschen geschichtlichen Verantwortung herauszustehlen. So habe ihr offiziöser Vertreter, Prof. Friedrich Karl Kaul, bei einer Pressekonferenz in Jerusalem am 2. Mai 1961 auf entsprechende Fragen der Wiedergutmachung durch die DDR erklärt, dass die DDR die Nationalsozialisten ausgeschaltet und das Vermögen umgeschichtet habe. Das sei der Beitrag der DDR zur Wiedergutmachung. Wiesenthal brachte in diesem Zusammenhang in Erinnerung, dass er 1968 mit Parteimitgliedsnummer und Artikeln bewiesen habe, dass nationalsozialistische Journalisten noch in der DDR in führenden Positionen seien. Nach unvollständigen Listen gäbe es noch 98 Professoren in der DDR, die Mitglieder der NSDAP gewesen seien. Auch Volkskammermitglieder seien mit diesen ehemaligen Mitgliedschaften belastet. Sie hätten einfach nur das Parteibuch gewechselt. Von den ehemaligen Mitgliedern der NSDAP würden heute noch rund 1,5 Millionen im Bereich der DDR leben. Genaue Unterlagen seien schwierig zu ermitteln, da im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland die Archive in der DDR verschlossen seien. Wiesenthal hob weiter hervor, dass die DDR der sechstgrösste Industriestaat der Welt sei, der zweifellos Wiedergutmachung leisten könne. Ein Staat, der immer vorgebe, den Antifaschismus gepachtet zu haben, dürfte auch die Antifaschisten nicht vergessen. Wiesenthal berichtete, dass er am 24. November einen Brief an den österreichischen Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky geschrieben und später ein Gespräch mit dem österreichischen Aussenminister Kirchschläger über dieses Problem gehabt habe. Dieser habe ihm versichert, dass die Frage der Wiedergutmachungsleistung als zweiter Punkt in dem Themenkatalog aufgenommen wurde, der nach der Aufnahme der Beziehungen mit der DDR behandelt werden müsse. Auch in Belgien, Dänemark, Frankreich, Holland, Norwegen und Luxemburg hätten die entsprechenden Organisationen Fühlung aufgenommen. Aus Holland, Luxemburg und Dänemark habe er bereits zustimmende Nachrichten erhalten. Er rechne damit, dass die Forderungen an die DDR viele Milliarden Mark betragen würden, wenn man einmal auch die rückerstattungspflichtigen Vermögen ermittelt habe. Wie inzwischen bekannt wurde, hat die israelische Regierung ihrerseits eine Expertenkommission beauftragt, entsprechende Unterlagen über “Globalforderungen auf Wiedergutmachung” zu erarbeiten. Eine zweite Expertengruppe im Finanzministerium ist bereits damit beschäftigt, Verfolgten und Geschädigten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, die heute israelische ^Staatsbürger sind, zu (einer “individuellen Wiedergutmachung” durch die DDR-Organe zu verhelfen. Wiesenthal glaubt, dass auch wenn Israel keine Beziehungen zu den Ostblockstaaten unterhalte, vor allen Dingen auch nicht zur DDR, derartige Forderungen über die Vereinten Nationen und deren Menschenrechtskommission vorgebracht werden könnten. Israel, so betonen israelische Diplomaten, habe niemal einen Verzicht auf Wiedergutmachungsleistungen durch den anderen deutschen Staat ausgesprochen, auch wenn dieses Thema im Luxemburger Abkommen nicht enthalten sei. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. H. G. van Dam, verwies darauf, dass er bereits im Juli 1950 in einem Gutachten, das er für die israelische Regierung erarbeitet habe, diesen Wiedergutmachungsanspruch an die Behörden der DDR bejaht habe, auch wenn dieser damals noch nicht zu realisieren gewesen sei. Heute seien diese Forderungen genauso aktuell wie damals. R.V. (Jüd-Wochenzeitung, Düsseldorf) Impresor Dublé Almeyda 1388

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