Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 4 (Abril, 1973)
- Date
- 1973-04-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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ABRIL 1973 13 DER ISRAELISCHE MSNSCH Israelische Jugend Fortsetzung von Seite 12 Normalisierer, die nichts von Theologie und nichts von Ideologie halten und Israel zu einer Nation wie alle Nationen machen wollen. Es gibt Israelis, für die Judentum eine Sache relativer Indifferenz ist; und es gibt Juden, für die Israels Staatlichkeit nur eine Angelegenheit des legalen Status ist. Zwischen den beiden Extremen — den Ultra-Orthodoxen, die auf den Messias warten und die Existenz des Staates als eine Blasphemie betrachten und den Säkularen, für die Religion Privatsache ist — schillert, das Spektrum aller nur denkbarer Nuancen. SPANNUNGEN ZWISCHEN ALT UND JUNG Die religiöse Frage ist lediglich eine Seite des grossen Komplexes der Bestimmung nationaler Identität. Die ßpannugen zwischen den Generationen sind ein anderer solcher Aspekt, und er drückt sich besonders in der Beziehung zur zionistischen Ideologie aus. Im Grunde ist die gegenwärtige Debatte über den Zionismus, die sich in Polemiken und Krisen Platz macht, nur ein Ergebnis der latenten Spannung zwischen Alt und Jung, zwischen den Veteranen, die aus Osteuropa kamen, und der in Israel geborenen Jugend. Für die Veteranen ist die Diskussion über den Zionismus eine Frage der Fortexistenz der zionistischen Ideologie — nämlich wie in einem modernen Staat die alte Ethik des Pioniertums gewahrt werden, wie in einem staatlich kontrollierten Organismus die Idee der Freiwilligkeit lebendig bleiben kann. Israels junge Generation ist dieser Mentalität schwer zugänglich. Sie ist nicht mehr überzeugt, dass der Staat Israel ein Produkt Theodor Herzls und der anderen zionistischen Klassiker ist, sondern sie glaubt, nicht weniger als die zionistischen Ideologen habe Israels eigene Jugend, ihre Siedler und Soldaten, im fortwährenden Ringen um jedes Stückchen Boden diesen Staat geschaffen. Was erschwerend hinzukommt, ist die Tatsache, dass die zionistische Ideologie assoziativ mit der osteuropäischen Judenheit verbunden ist, für deren Traditionen und Werte die jungen Leute wenig Verständnis haben. Genau so wie die zionistischen Veteranen in ihrer Jugend gegen ihre Eltern rebelliert haben, so rebellieren deren Kinder gegen die Ideologie ihrer Väter. Was sie ablehnen, ist die historische Kontinuität mit der Judenheit der Diaspora. Sie sprechen und lesen nicht Jiddisch, sie haben wenig Bewunderung für die Reaktion der europäischen Judenheiten in den Jahrhunderten der Verfolgung, und sie sind kritisch gegenüber den amerikanischen Wirtschafts- und Gesellschaftsformen. Sie knüpfen dort an, wo die Makkabäer und Bar Kochba auf gehört haben; sie fühlen sich nur als Israelis, und ihr Israelitum schliesst ihr Judentum ein. Die Judenfrage ist ihnen fremd. Israel ist ihre einzige “Ideologie”, und ihre Weltanschauung wurde einmal “Verwirklichertum” genannt. Sie ist die poststaatiiche Generation, “Die Generation, die begonnen hat, nach der Sintflut zu denken, sie hat keine Tradition, und keine Erinnerungen binden sie an die alte verschwundene Welt”, heisst es in Arthur Koestlers “Darkness at Noon”. FEHLENDE VERGANGENHEIT Andere Länder existieren seit Jahrhunderten und ihre Menschen haben von Geschlecht zu Geschlecht in ihren Grenzen gelebt. Für Israel gibt es keine solche Selbstverständlichkeit. Trotz der niemals abgerissenen Verbundenheit zwischen dem jüdischen Volk und seinem alten Land, ist Israel, wie es heute ist, ein Produkt unserer Tage, und daher füllt es im Bewusstsein seiner Menschen einen grösseren Platz aus als andere Länder es im Leben ihrer Bürger tun. Für die Jugend der saturierten europäischen Länder ist der Staat Form und Plattform; für die Jugend des dynamischen Israel ist er ein Inhalt. Ihr Nationalismus mag provinziell, manchmal sogar chauvinistisch sein, aber er füllt das Vakuum aus, das die Jugend anderer Länder in Opposition zum Staate und gegen das “Establishment” treibt. Für sie steht die Existenz Israels nicht am Ende, sondern am Anfang einer lan- LAMPARAS El surtido más grande en todos los estilos Ferreluz Merced 555, TeL 393905 VIÑA DEL MAR HELENE MISCH 1 PONIENTE 239 TEL. 882146 - CASILLA 829 Abierto todo el año. Cada pieza con baño exclusivo. Almuerzo - Comida - Once gen, geschichtlichen Kette. Von einem grossen Teil der Welt akzeptiert, aber nicht von der Welt der Mittleren Ostens, hat der jüdische Staat immer wieder seine Existenz nicht nur zu verteidigen, sondern auch zu erklären. Israels junge Menschen treten den Nahost-Ländern gegenüber als Krieger auf: sie wären so gern als Nachbarn gekommen — und darin liegt ihre Tragödie. “Die traurigen Eroberer”, nennt sie eine Broschüre, die von den Kibbuzim herausgegeben wurde und von der Reaktion der Jugend auf ihre Erlebnisse im Sechs Tage- Krieg von 1967 spricht. Die Kibbuzim machen kaum mehr als vier Prozent der Bevölkerung aus, erlitten jedoch 25 Prozent der Verluste, eine der Folgen des in der Armee herrschenden Prinzips, dass der Offizier seiner Abteilung vorangeht — und die Gemeinschaftssiedlungen stellen besonders viele Offiziere. KEINE “EROBERER” Jede Prahlerei fehlt, jedes sich-Rühmen. Wenn überhaupt eine Leistung erwähnt wird, dann nur, um vor der Gemeinschaft, aus der man stammt, bestehen zu können. Kennzeichnend ist das Fehlen jeglichen Hasses für den Gegner. Wenn gar nichts anderes übrig bleibt, so werden sie wieder kämpfen. Aber sie tun das nur gezwungen. Mehr noch als Krieg, erweckt alles das Abneigung, was mit dem eigentlichen “Erobern” zu tun hat. Das liest man neben anderen ähnlichen Erlebnissen von der Auflehnung eines jungen Soldaten, der dabei helfen musste, arabische Männer aus einem Dorf fortzuschaffen und der seinen Offizier drängte, seine Kompanie von hier wegzubringen, denn “dafür seien sie nicht erzogen”. Der Anblick der Frauen und Kinder, die darum bitten, die Männer und Väter nicht zu nehmen, ist zuviel für diese “Eroberer”, die darunter leiden, dass sie zu “menschlich” fühlen. Mangel an Höflichkeit und polierten Manieren hat oft zu der Behauptung geführt, dass die israelische Jugend von gleichsam altpreussischer Härte sei und ohne grosses Bedürfnis nach Mitgefühl. Aber der Spitzname für die im Lande Geborenen sagt darüber mehr aus — man nennt sie “Sabre”, “Kaktus” — aussen stachlich, innen weich. Auch in Yael Dayans “Mein Kriegstagebuch” entpuppt sich der junge Israeli ähnlich. Im Bericht der Tochter des israelischen Verteidigungsministers sagt ein hoher Offizier über die Kämpfe im Sinai, “der Gedanken an das Schicksal der ägyptischen Soldaten habe ihm die Tränen in die Augen getrieben”. Die Dayan- Tochter notiert, sie habe “die Trauer der Zerstörenden, den Schmerz der Sieger, den Untergang einer Armee” gesehen: Nichts würde in ihr diese Eindrücke auslöschen. In seiner Ansprache ein paar Tage nach dem Krieg, am 18. Juni 1967 auf dem Skopusberg in Jerusalem, sagte der damalige Generalstabschef Jizchak.. Rab i n : “Die Freude unserer Soldaten ist durch Leid und Erschütterung getrübt. Sie waren Zeugen nicht nur des Sieges, sondern auch des Preises für den Sieg: ihre Kameraden fielen an ihrer Seite; Zeugen auch des schrecklichen Preises, den unsere Feinde zahlen musseen. Das jüdische Volk hat sich nie daran gewöhnt, in der Stunde des Sieges ein Gefühl des Triumpfes zu empfinden”. Schafft der einzelne Mensch das Bild des Staates, in dem er lebt, oder prägt der Staat den Typ seiner Bürger? Dieses Verhältnis zwischen sozialem und persönlichem Ich bestimmt auch die Frage nach der Identität des israelischen Menschen. . Karl Marx gab in seinem Vorwort zur “Kritik der politischen Ökonomie” eine Antwort:” Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt”. Heute wissen wir, dass gerade ' die Wechselwirkung zwischen Individuum und Gemeinschaft, die gegenseitigen Beziehungen zwischen Mensch und Volk zu dem führen, was man als nationale Eigenschaften und nationalen Typ bezeichnet — auch den des israelischen Menschen. Ein Militaer-Ombudsman in Israel Israelische Soldaten werden ihre Beschwerden über ihre Vorgesetzten und den Dienstbetrieb in Zukunft nicht mehr an die in vielen Fällen befangenen Einheitskommandanten, sondern an einen Vertrauensmann richten können, der direkt dem Verteidigungsminister unterstellt ist. Erster Militär-Ombudsmann wurde Chaim L a s k o w, ehemaliger Generalstabschef und bis vor kurzem Leiter der israelischen Hafenbehörde. Laskow erklärte an einer Pressekonferenz, dass sich jeder Soldat an ihn wenden könne, der das Gefühl habe, ungerecht behandelt zu sein oder eine verdiente Vergünstigung nicht gewährt zu erhalten. Auch Familienangehörige von solchen Soldaten können sich mit der Beschwerdestelle in Verbindung setzen. Der Militär-Ombudsman wird das Recht haben, Zeugen anzuhören und Beweismaterial anzufordern. Laskow ist überzeugt davon, dass die Armee aus den verschiedenen Klagen wichtige Lehren wird ziehen können. Seit Bekanntwerden der neuen Institution trafen bisher täglich durchschnittlich drei Briefe ein, darunter Beschwerden von Müttern über zu kalorienreiche Ernährung ihrer diensttuenden Töchter.