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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1973-04-01 · 4 (Abril, 1973) · p. Seite 12

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXV (1973)
Issue
4 (Abril, 1973)
Date
1973-04-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 ABRIL 1973 25 Jahre Judenstaat: DER ISRAELISCHE MENSCH von Herbert Freeden (Jerusalem) Die aus Europa gekommen waren, trugen die Zeichen der Verfolgung — der Pogrome in Russland, der Unterdrükkung in Polen, der Katastrophe unter den Nazis. Die aus den Ländern des Orients stammten, brachten mit sich Erinnerungen an Isolierung, an eine feindliche Umwelt, an die Enge der Mellah. Die im Lande geboren sind, wuchsen auf und lernten den Hass der arabischen Nachbarn kennen, Terror und Ueberfälle, erlebten drei Kriege — 1948, 1956 und 1967 — und dazwischen Grenzscharmützel, Drohungen der anliegenden Staaten, Sabotageakte von Infiltranten. Wie sollen Menschen aussehen, die gezeichnet von Tragödien und Spannungen sind, von Kriegen und Drohungen? Ernst, schwermütig, müde, verzweifelt? Geht durch die Strassen von Tel Aviv; fahrt auf den Chausseen des Landes; über die Berge Galiläas; in die Ebenen des Negev; steigt auf den Karmel in Haifa oder nehmt an einem Sabbath-Ausgang in Jerusalem teil — die Menschen lachen, sind gesprächig, geschwätzig, singen und scherzen, sie schwimmen im Meer und machen Picknick in den Wäldern, sie klettern auf den Massada-Berg und rasen auf den Landstrassen in verbotenem Tempo, sie sind fanatische Konzertbesucher, und das Publikum in den Theatern ist das jüngste der Welt, sie stehen vor den Kinos Schlange und tanzen an öffentlichen Feiertagen auf der Strasse. Jeder glaubt, der Regierung Ratschläge geben 'zu können und jeder trägt den Marschallstab im Rucksack. Sie wissen alles besser, arbeiten fleissig, streikten oft und ausgiebig, und wenn sie müssen, kämpfen sie. Brav. Ruhig. Tapfer. Denn sie wissen, wofür sie kämpfen. SUCHE NACH DER IDENTITAET Was ist der israelische Mensch? Ein Produkt seines Landes? Ein Produkt der hundert Länder, aus denen er kam? Ein Produkt der Umstände, der Notwendigkeiten, oder der Ideen? Der israelische Mensch sucht seine Identität, denn auch Israel hat seine Identität noch nicht gefunden. Woher kommt er — wohin geht er? Vor Errichtung des Staates stammten 9/10 tel der Einwanderer aus Europa, die Hälfte von ihnen aus Russland und Polen. Obwohl trotzdem eine gewisse Diversität sich innerhalb der jüdischen Bevölkerung abzeichnete, war der Lebensstil europäisch, und die dominierende Ideologie der sozialistische Zionismus was nicht besagt, dass nicht viele aus persönlichen Motiven nach Palästina gekommen waren und dort ihr privates Leben lebten. Aber die Elite war trotz politischer Nuancen homogen. Dieses Bild änderte sich 1948, nicht so sehr durch die Staatsgründung, wie durch die Masseneinwanderung. Bis 1948 waren im Zuge des zionistischen Siedlungswerkes eine halbe Million Juden ins Land gekommen. Allein in den ersten vier Jahren nach der Staatsgründung strömten eine Dreiviertel Million Jüdin nach Israel, keine Pioniere und Idealisten, sondern Flüchtlinge. Sie kamen nicht mit der Vission des Aufbaus und Abenteuers, sondern sie waren müde, krank und verarmt. Eine Zeitlang war die Frage akut: wer wird wen absorbieren — die Veteranen die neuen Einwanderer, oder wird die Sturzflut der einströmenden Flüchtlinge die Struktur der bestehenden Gesellschaft überrennen? BEREDTE STATISTIK In der Tat kam es zu einer Art von Amalgation. Jede der beiden Seiten gab und verlor. VämänT CONFECCIONES STARK HNOS. S. A. C. I. Vicuña Mackenna 587 - Fonos 384313-34504 mmita Neue Einwanderer im Ulpan Denn innerhalb der Masseneinwanderung trat ein neuer Faktor zum Vorschein: das orientalische Element. Damasl vor 25 Jahren stammten weniger als 10 Prozent der Bevölkerung aus Asien oder Afrika, fast 55 Prozent aus Europa und Amerika, und etwa 35 Prozent waren im Lande geboren. Heute hat Israel über drei Millionen Einwohner. Die nicht jüdische Bevölkerung hat sich seit 1948 verdreifacht, die jüdische auf 2.600.000 vervierfacht. Fast die Hälfte von ihnen sind in Israel zur Welt gekommen. Und woher stammen ihre Eltern? 47 Prozent aus Asien und Afrika, 36 Prozent aus Europa und Amerika, 17 Prozent waren bereits im Lande geboren. 1V4 Millionen Juden aus orientalischen Ländern, wo die Lebenserwartung 40 - 50 Jahre und die Säuglingssterblichkeit 120 pro tausend ist, sind in den ersten Jahren nach der Staatsgründung nach Israel gebracht worden, in ein Land mit einer Lebenserwartung von 71 - 73 Jahren und mit einer Säuglingssterblichkeit, die zu den niedrigsten der Welt zählt. Als sie in Massen kamen, mussten sie in Uebergangslagern untergebracht werden, zuerst in Zelten, dann in Hütten, und eine Wohnung, die sie nach jahrelangem Warten beziehen durften, wenn auch nur 24 Quadratmeter gross, schien ihnen ein unerhörter Luxus. Aber inzwischen sind aus dem “Luxus” elende Slums geworden. Von den 95.000 jüdischen Familien mit mehr als vier Kindern haben sechs von zehn kein eigenes Bett. 43 Prozent aller Schulinder kommen aus orientalischen Häusern, aber bis zum Abitur hat sich ihr Prozentsatz auf eins in zehn vermindert. Genau so wie die Juden aus Warschau und Kiew, aus Berlin und Prag ihre Kultur aus ihren Ursprungsländern mitbrachten, so brachten die orientalen Juden ihre Traditionen aus Baghdad, aus Tunis, Teheran und Kairo, aus den Atlasbergen und aus Kurdistan. Noch vor zehn Jahren fanden 85 Prozent aller Ehen JOYAS FINAS “CASA LUFT” Pasaje Matte Local 911 Fono 380149 PERFUMERIA ROSE LTDA. Monjitas 873 - Local 561 Fono 3814 4 8 in Israel zwischen Mitgliedern derselben ethnischen Gruppe statt, d.h. die meisten der Westjuden heirateten in wes-t jüdische Familien ein, und die meisten Orientalen blieben in ihrem Kreis. Es dauerte eine Zeitlang, bis sich die europäischen Juden bewusst wurden, dass das jüdische Volk keineswegs nur aus ihresgleichen besteht; dass jiddisch nicht die gemeinsame Sprache ist; dass andere Juden von ihren Gebräuchen, Ueberlieferungen, Sitten nichts wussten. DIE DEMOKRATISCHE GESELLSCHAFT Die Reaktion bei den orien- ■ talischen Juden war nicht weniger heftig. Sie wurden aus der Struktur der patriarchalischen Familie herausgerissen und in eine moderne, demokratische Gesellschaft verpflanzt, die ihnen fremd war. In den Ländern, aus denen sie kamen, war ihr Status oft höher als der ihrer Umgebung. In .Israel kehrte sieh das Verhältnis um. Sie waren den Anforderungen an technischem Können, an allgemeiner Erziehung, an fachlicher Ausbildung nicht gewachsen. Eine Zeitlang sprach man von einem “Zweiten Israel”, das eine schattenhafte, proletarische Existenz führt, und auch heute noch sind die sozialen Gegenstäze — obwohl man sie zu überbrücken sucht — bei weitem nicht überwunden: man kann ein Bildungsgefälle, das um Jahrhunderte differenziert, nicht in 25 Jahren ausgleichen. Es ist zu früh, vorauszusehen, welche Aenderungen eintreten werden, wenn die nächste Generation die der Einwanderer ablösen wird. Für eine gewisse Zeit jedoch dürfte der niedrigere Status der orientalischen Familien nicht zu überwinden sein, da ihre Kinder noch immer weniger Aussicht auf höhere Schulbildung haben und auf alles, was daraus resultiert. Im vergangenen akademischen Jahr waren 65 Prozent aller Hochschul-Studenten in Israel geboren, 25 Prozent in Europa und Amerika, und nur 10 Prozent in Asien und Afrika. Wie viele neue Nationen leidet Israel unter einer Krise der Identität. Es sucht nach einem Sinn seiner Nationalität, und seine Menschen bemühen sich zu definieren, was es heisst, ein Israeli zu sein. Dieses Suchen ist nicht nur eine Frage der Definition, sondern mehr noch des Konsensus. Es gibt Orthodoxe, für die Israel das Verheissene Land ist und die Bibel sein Gesetz. Es gibt Sozialisten, die von einer neuen Gesellschaftsordnung träumen, die sich aus dem Gegenwärtigen herausschälen soll. Es gibt Fortsetzung Seite 13

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