Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXV (1973)
- Issue
- 4 (Abril, 1973)
- Date
- 1973-04-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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ABRIL 1973 9 KEINE SCHEIDUNGSMOEGLICHKEIT VON EINER LEGENDE ZUR AUTOBIOGRAPHIE VON RUTH DAYAN Autobiographien sind grosse Mode. Zuweilen werden sie zum Bestseller wie der “Geschenkte Gaul” der Hildegard Knef, auf dem die Autorin in vielen Sprachen um die Welt reitet. Zuweilen enttäuschen sie die Erwartungen wie die Geständnisse der Stalin-Tochter Swetlana, für die Riesenbeträge als Tantiemen vorausgezahlt wurden, ohne in allen Fällen wieder hereingebracht zu werden. Es bleibt abzuwarten, welches Schicksal den jetzt veröffentlichten Memoiren Ruth Dayans zuteil wird. Das Buch erscheint vorerst auf Englisch bei Weidenfeld und Nicholson sowie auf Hebräisch; es wurde von einigen Zeitungen auszugsweise vorabgedruckt. Ruth Dayans Bericht, verfasst in Zusammenarbeit mit der Journalistin Helga Dudmann, verspricht jedenfalls interessant zu werden. Mit zu den kleineren Klatsch-Sensationen gehört z. B. die Mitteilung, dass Mosche Dayan zweimal verheiratet war. Seine erste — und bisher weithin unbakannt gebliebene Ehe, die sogar dem offiziellen Dayan- Biographen Schabtai Tewet “durch die Lappen ging“, wird hier erstmals publiziert. Mosche Dayan heiratete eine um zehn Jahre ältere Einwanderin aus Deutschland, Wilhelmine, in fiktiver Ehe, um sie vor der Ausweisung zu bewahren. Ruth Dayan berichtet, dass sie selbst — vor ihrer Ehe mit Dayan — diesen zu dem Schritt überredete, weil das Touristenvisum Wilhelmines abgelaufen war. Ruth appellierte an den Patriotismus Dayans, und dieser gab schliesslich nach. Ohne Enthusiasmus liess er sich mit der angeblich “wenig attraktiven“ Wilhelmine trauen, die kein Wort Hebräisch konnte. Als dann ein Jahr später die Verbindung mit Ruth spruchreif wurde, musste man Wilhelmine erst suchen, um eine Scheidung zu ermöglichen. Wilhelmine hatte ja nun einen britischen Pass und hätte ebensogut nach Amerika oder Australien nicht getan; so wurde Ruth weiterfahren können. Zum Glück für Ruth hatte sie das die Weggefährtin einer “Legende“. Ruth Dajan Die Autobiographie wurde grossteils noch vor der Scheidung von Mosche Dayan geschrieben. Angesichts der veränderten Sachlage musste dem Buch ein Vorwort vorangestellt werden, in dem Ruth Dayan ihren Abschied von ihrem Gemahl und dem Haus in Zahala schildert. Doch von einer Legende ist keine Scheidung möglich, meint Frau Ruth. Sie weiss, dass sie in den Augen der Welt weiter im Lichtkreis des Charismas ihres Gatten steht. Mari hat sich übrigens im guten getrennt. Noch bei der Scheidung versprach Mosche Dayan Unterstützung ihrer Arbeit mit den Arabern und für die Araber, im Rahmen von “Maskit“ begonnen und dann im Verband der “Söhne Sems” fortgesetzt. Ruth Dayan ist von Haus aus eine eigenständige Persönlichkeit gewesen,. mit ihren eigenen Zielen und Wünschen und ihrer eigenen Betriebsamkeit. So wird sie schon 1948 von New York, wo sie mit Mosche Dayan weilt, von Teddy Kollek auf eine “geheime Sondermission” nach Italien geschickt. Mit zu den Pikanteren des Berichts gehört die Mitteilung, dass gewisse sicherheitsmässig notwendige Materialien, die Ruth darhals nach Israel mitbrachte, von den neugebackenen Zollbeamten am Haifaer Mini-Flugplatz beinahe mit Zoll belegt worden wären. Die israelische Bürokratie zeigte schon in der Wiege, wie weiland Herkules, ihre Muskeln ... Vielleicht war es Mosche Dayans besonderer Charakter eines “einsamen Wolfes” (nach eigenem Eingeständnis), eigentlich nicht für die Ehe geschaffen, was die Frauen der Familie in so fieberhafte Tätigkeit drängte. Ruth sagt es in den bisher vorabgedruckten Kapiteln nicht offen, doch zwischen den Zeilen lässt sich manches lesen. Ergreifend ist ihre Schilderung der Kampftage von 1948 in Nahalal; die Stimmung wird übermächtig lebendig, wenn sie erzählt, wie kaum ein Haus im Dorf von der Trauer um einen Gefallenen verschont bleibt. Die Zahl von 5000 Toten wird der blossen Statistik entrissen, wenn Ruth Dayan von Hochzeitsvorbereitungen berichtet die — mitten im Kuchenbacken — durch die Hiobsbotschaft vom Tod des Bräutigams unterbrochen werden. Schon damals begann sich auch die Rivalität zwischen Dayan und Allon abzuzeichnen. So erfährt Ruth nach ihrer Heimkehr aus den USA im Befreiungskrieg, dass ihr (im Charterflug als “Waffen Begleiter” vorausgeeilter) Gemahl die siegreiche Truppe von Lod und Ramie kommandierte. — Im “American Press” in Rom war Dayan mit keinem Wort erwähnt; es hiess dort bloss, dass die Truppen unter dem Oberkommando von General Jigal Allon erfolgreich waren. Ein langes und reiches Leben an der Seite eines der berühmtesten Männer unserer Zeit brachte Ruth Dayan in Kontakt mit den faszinierendsten und bekanntesten Menschen in aller Welt. Gewiss wird das Buch, sobald es zur Gänze vorliegt, darüber viel zu sagen haben. Auch die Tochter Jael hat schliesslich davon als Schriftstellerin nicht wenig profitiert; fast jedes ihrer Bücher wurde als gesellschaftliches Ereignis lanciert So war einmal bei einer solchen Autoren-Party ein Rothschild Gastgeber; ein andermal stellte ihr ein grosser griechischer Regisseur sein Haus für die Arbeit zur Verfügung. Schaljapin, der Maler der Titelblätter des “Time”- Nachrichtenmagazins, hat Jael in Lebensgrösse portraitiert. — Dieses Bild ist eines der Andenken, von denen Ruth im Haus von Zahala mit Bedauern Abschied nahm. In die neue Behausung in Herzlia hat sie nur einige Andenken mitgenommen: vorwiegend kunsthandwerkliche Arbeiten, die sie auf ihren Reisen um die Welt zum Geschenk erhielt. Bei allem Kummer empfand Ruth den Abschied von der Dayan-Villa auch als eine Art Befreiung. Vermutlich sieht sie eine gewisse Symbolik in der hohen Mauer rund um den Garten, errichtet nach dem 6-Tagekrieg zum Schutz des berühmten Hausbewohners. Spiegelt die Mauer nicht auch jene unsichtbare Wand, die der Mensch Dayan um sich zu errichten wusste? Ruth Dayan spricht die Frage nicht aus; sie lässt sie daher auch unbeantwortet. Nur indirekt hören wir davon in Andeutungen; so z. B. wenn sie betont, Dayans Moshe Dajan 1948 gefallener Bruder sei kein Eigenbrötler gewesen. In einer Autobliographie, mit Hilfe einer Ko-Autorin verfasst, lässt sich der eigene Stil nur in der Auswahl der Fakten, und vielleicht auch darin nicht eindeutig, feststellen. Gewiss ist, dass sich Ruth Dayan, trotz ständiger Konfrontation mit Luxus und den Privilegien der Berühmtheit eine gewisse Einfachheit des Pioniertums, eine gewisse Naivität der “Mayflower-Generation” bewahrte. Aber dennoch war auch ihre Familie bereits, wie man aus der Dayan-Biographie Tewets weiss, in gewisser Hinsicht aristokratisch. Die Familie Schwarz gehörte zu dem engen, dem inneren Kreis Degania — Jerusalem — Nahalal, der in den frühen Mandatstagen tonangebend war. Aus ihm ist die heutige Führerschicht Israels hervorgegangen. Echt sein mag daher vieles, was Ruth Dayan noch heute mit dem “Geist Nahalal” verbindet — auch ihr Staunen über die Weltkarriere, in die sie mitgerissen wurde. (Dieses Staunen gab dem Buch auch den englischen Titel “Or did I dream a dream?” und den hebräischen Titel “ . . . Vielleicht...”, der Anfang eines Gedichtes der Rachel) : Es ist dies ebenso echt, wie Jael Dayans Ruf nach der Wiedererweckung des “Geistes von Nahalal”, — so sehr sich darüber auch manche Journalisten, unter Berufung auf Jaels Nobelhochzeit mit zweitausend Gästen, ihr Brautkleid, an dem drei “Maskit” - Näherinnen angeblich drei Tage werkten, oder auf ihre Dior- Toiletten und Weltreisen lustig machten. Die Echtheit der Nostalgie schliesst jedoch nicht aus, dass sie weitgehend eine Sache des Herzens und nicht der Praxis bleibt. Diese Sehnsucht nach der Rückkehr zur Natur (von Nahalal) unterscheidet sich wesentlich von der echten Naturverbundenheit und Schlichtheit einer Golda Meir. Man könnte sich schwer vorstellen, dass Ruth Dayan anstelle Golda Meirs so wie diese vor der Audienz beim Papst gesagt hätte: “Was ist los hier? Ich, die Tochter des Tischlers Mosche Mabowitz, werde den Papst der Katholiken treffen?” (Worauf man Golda erst daran erinnern musste, dass gerade das Zimmermannshandwerk im Vatikan höchst respektabel sei...). Ruth Dayan hätte vielleicht auch dem Papst nicht, auf seine Frage nach “Barmherzigkeit für arabische Flüchtlinge” sofort von dem Pogrom in Kiew als erster Kindheitserinnerung erzählen können. Man kann sich auch schwer vorstellen, dass sie vor einer solchen Audienz wie Golda Meir um einen alten schwarzen Hut nachhause telegrafieren würde, weil es “schade wäre, einen neuen zu kaufen”. Noch weniger denkbar wäre es, dass sie wie Golda, eigenhändig bis drei Uhr früh das Geschirr abwaschen würde, nachdem sie bis zwei Uhr Gäste hatte, “damit die Hausgehilfin nicht zuviel Arbeit vorfindet”. Ruth Dayan hat einen anderen Lebensstil. — Gleichwohl gehört sie mit zu den Persönlichkeiten, die durch ein besonderes Schicksal Israel mitrepräsentie ren. Ihr “Traum” steht stellvertretend für viele Träume. (“Jedioth Chadashof”) Heumann Hnos. S.A.I.C. Fábrica de Mermeladas, Jarabes, Tomato-Ketchup Independencia 2021 TeL: 774446 - 774243 Casilla 6592 - Correo 4 SANTIAGO BLUSAS fTr.; ¿i* h\.