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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1973-03-01 · 3 (Marzo, 1973) · p. Seite 19

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXV (1973)
Issue
3 (Marzo, 1973)
Date
1973-03-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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19 MARZO 1973 Eine dramatische Episode aus schrecklichen Zeiten: 500 THORAROLLEN GERETTET Es war im Mai oder Juni 1943. Das für den Kultus verantwortlich gewesene Mitglied des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Berlin, Hechtsanwalt Phillipp Koczower, der später mit seiner Familie in Theresienstadt umkam, war bereits deportiert worden und Rechtsanwalt Moritz Henschel hatte unter dem Terror der Gestapo und des Reichssicherheitshauptamtes die Geschäfte des Vorstandes der Gemeinde zu führen, die aufgelöst und in die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland eingegliedert worden war. Eichmann und seine Mitarbeiter im Reichssicherheitshauptamt und der Gestapo waren mit den damals noch night abgeschlossenen Deportationen und den sich ständig steigernden Terrormassnahmen gegen die Juden beschäftigt. In der bei dem Novemberpogrom 1938 nicht verbrannten Synagoge Münchenerstrasse sollte ein Museum eröffnet werden, in dem der Bevölkerung in provokatorischer Weise Kultusgut der Juden und Objekte der Freimaurer gezeigt werden sollte. In dieser Situation erfolgte bei dem Verfasser dieses historischen Berichtes, dem damaligen Leiter der Friedhofsverwaltung in Berlin-Weissensee, ein Anruf des Gemeindemitgliedes Selmar Neumann. Neumann hatte durch den mit Verwaltungsaufgaben beim Oberfinanzpräsidenten in Berlin betrauten Mitarbeiter, Willi Schweig, von der Lagerung von 583 Thorarollen und anderem Kultusmaterial im früheren Krankenheim der Gemeinde Adass Jisroel in der Elsässerstrasse, Kenntnis erhalten. Das Kultusmaterial war anlässlich von Räumungsmassnahmen von der früheren Synagoge Levetzowstrasse zum Sitz des Oberfinanzpräsidenten in der Elsässerstrasse verbracht worden. Das Wissen um die Möglichkeit auf dem grossen Friedhofsgelände, der Wille, das wertvolle Kultusgut vor Profanierung und Vernichtung zu bewahren, führten Neumann zu diesem Anruf, um mir die kurze Mitteilung zu machen, dass die Thorarollen sofort noch am Tage des Anrufes auf das Gelände des Friedhofes gebracht werden sollten. Das überwachte Telefon, die Situation der Gefahr und vielleicht auch noch nicht geklärte Vorstellungen über Zweck und Ziel der Aktion gaben nicht die Möglichkeit einer telefonischen Besprechung der Beteiligten. Wir waren uns der historischen Verantwortung bewusst, die wir unter Einsatz unseres Lebens und der Freiheit auf uns nahmen für den Fall, dass die Aktion zur Kenntnis der Gestapo gelangen würde. Verantwortung hatten wir nicht nur für uns drei, sondern auch für Rechtsanwalt Henschel, der nicht befragt worden war. Auch brachten wir die vielen Mitarbeiter auf dem Friedhof in Gefahr. Nur wenige Stunden vergingen und es kamen vor dem Eingang des Friedhofes und dem Verwaltungsgebäudes zwei vollbeladene Lastwagen mit den Thorarollen an. Durchgeführt wurde dieser Transport durch den Spediteur Scheffler, der aus christlicher Gesinnung dafür keine Zahlung entgegennahm und uns Juden damit einen besonderen Dienst erweisen wollte. Dem inzwischen verstorbenen Spediteur gebührt unser Dank. Das um so mehr, als er Anlass zu Befürchtungen hatte, dass die Übernahme des Transportes durch einen der NS-Bewegung besonders ergebenen Betriebsangehörigen der Gestapo verraten werden könnte. Die beiden Lastkraftwagen wurden durch den Friedhof, den Hauptweg entlang, zur Neuen Halle geleitet. Von den Mitarbeitern der Verwaltung wurden dann die 583 Thorarollen behutsam abgeladen und in geordneter Weise untergebracht in dem grossen Rabbinerzimmer des Gebäudes rechts der Neuen Halle. Ein Teil davon wurden auf der Empore der Halle selbst verwahrt. Diese Aufbewahrung inmitten des Friedhofes, weit entfernt vom Friedhofseingang, erschien uns angebracht, weil zu dieser Zeit alle Beerdingungen von der Beerdigungshalle am Eingang Lothringerstrasse stattfanden. Die Räume waren damals in gutem baulichen Zustand und boten guten Schutz vor Witterungseinflüssen. Vor der Schilderung des weiteren Schicksals des heiligen Gutes dürfte es angebracht sein, Raum zu geben den Gedanken, die alle Beteiligten und Verantwortlichen bei dem historischen Vorgang bewegten. Wir standen inmitten des weiteren Ablaufs der Deportationen, die täglich jeden von uns erfassen konnten, also auf Abruf wartend. Ausserdem waren wir den ständigen terroristischen Bedrängnissen der Gestapo ausgesetzt, zu denen sich ständig steigende Bombenangriffe auf Berlin hinzukamen, von denen auch der Friedhof nicht verschont blieb. Um uns herum und in uns alle Erschütterungen, die die Liquidation unserer Gemeinschaft mit sich brachten. Neben der Bewältigung der Beerdigungsaufgaben hatten wir die Pflicht, das heilige Gut vor Profanierung durch die NS- Schergen zu bewahren. Das hätte nach unserem Religionsgesetz anlässlich der vielen Bedrohungen und Gefahren geschehen können durch Beisetzung der Thorarollen in der jüdischen Erde des Friedhofs. Nach der Unterbringung liefen die Dinge in grausamer Steigerung jüdischen Leidens weiter. Die Bombardierungen Berlins nahmen grossen Ausmass an, rissen Gräber auf, warfen und beschädigten viele Hunderte Grabsteine und brachten für uns lebensgefährliche Gefahren. Bei einem Nachtangriff im Sommer 1943 fielen auf das Feld neben der Neuen Halle und auf diese Bomben nieder. Das Dach des Gebäudes der Halle brannte, Schutt und Steine schütteten auch die Thorarollen zum Teil zu. In schnellem Entschluss musste eine Veränderung des Lageortes durchgeführt werden. Es erschien notwendig, nach sachkundiger Prüfung diejenigen Thorarollen auszuscheiden, die Brand¬ oder sonstige Schäden erlitten hatten. Durch einen der noch in Berlin befindlichen Lehrer, dessen Namen uns nicht mehr in Erinnerung ist, wurden die Thorarollen durchgesehen; ihm halfen einige jüdischen Jungen. Nach Trennung der beschädigten Thorarollen — es waren etwa 90 Stück — wurden von unseren jungen Freunden auf Fahrzeugen der Friedhofsverwaltung die einwandfrei gebliebenen Rollen zu den Gebäuden am Eingang des Friedhofs Lothringerstrasse gebracht, wo im grossen Keller unter der Blumenhalle vom Tischler ein Holzgerüst für die Aufbewahrung hergestellt war. Dort erlebten diese unbeschädigten Thorarollen das Ende der NS-Gewaltherrschaft und den Einmarsch der sowjetischen Truppen in Berlin-Weissensee am 23. April 1945. Die geretteten etwa 500 Thorarollen fanden Verwendung in den wiedereröffneten Synagogen in Berlin und wurden an Gemeinden in der Bundesrepublik und in anderen Ländern Europas abgegeben. (Jüd. Wochenzeitung, Düsseldorf) ALFOMBRAS SERVICIO DE LIMPK2A SISTEMA NORTEAMfRfCA4K> ALFOMBRAS ® WIENER S.A. Ttt. 877319 IRARRAZAVAL 3020 .Vento' r vivaCETA MV0 Re;C<rfcjtion limuiLij» fj Gemeinde - Seder Portugal 810 Montag, 16. April 1973, 20,30 Uhr unter Leitung des Herrn Rabbiners Dr. Angel Kreiman Anmeldungen bis 9. April im Gemeiudebiiro. Mit Rücksicht auf die beschraenkte Teilnehmerzahl wird um rechtzeitige Anmeldung gebeten. Alle Gemeindemitglieder werden eine Broschüre ueber Pessach erhalten, die von Herrn Rabbiner Dr. Kreiman verfasst wurde.

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