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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1972-11-01 · 11 (11.1972) · p. Seite 17

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXIV (1972)
Issue
11 (11.1972)
Date
1972-11-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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NOVIEMBRE 1972 Auá dem israelischen Alltag: KAR-TELLS GESCHOSS Ï7 FRANKREICH Das Sozialistisch-Kommunistische Regierungsprogramm in jüdischer Sicht Es kann jedem passieren, dass er mal tröpfelt. Und je älter er wird, deato mehr ist er zu entschuldigen. Ich spreche aus Erfahrung, nämlich von meinem nicht mehr ganz jungen Gasbadeofen. Voll Verständnis für ihn ging ich zur Gesellschaft und klagte ihr sein Leid . . . “Wir schicken Ihnen am 19. unseren Techniker”. "Und wann?” fragte ich. “Am Neunzehnten” sagte, überaus betont, die Gesellschaft. “Ja, aber um welche Zeit?” “Zwischen 8 und 16 Uhr”. “Fein”, sagte ich, “dann darf einer von uns den Tag über warten, der hat dann gasfrei”. | "Unser Techniker haben viel zu tun”, sagte die Gesellschaft. “Das trifft sich dann ja wunderschön, dass wir nichts zu tun haben”. Die Gesellschaft verstand meinen feinen Humor nicht. Es gibt ganze Völker, die keinen Sinn für so feinen Humor haben, und Beamte grosser Kartellgeselfcchaften in Israel gehören ganz besonders zu diesen Völkern. Pünktlich zwischen acht und sechzehn kam der Techniker um fünfzehn Uhr. Er würdigte mich und sogar den Eimer voller Tröpfelwasser keines Blickes, untersuchte und stellte schliesslich mit einer an Sicherheit grenzenden Bestimmtheit — deren in diesem Masse nur ein wirklicher Fachmann fähig ist — fest: “Es tropft”. “Ja”, sagte ich “das hatte ich ja gemeldet”. Doch das hätte ich nicht sagen sollen. “Ja”, sagte er noch einmal und wiederholte, nun schon etwas scharf: “Es tropft”. Ich war nun schon recht eingeschüchtert, machte eine kleine Verbeugung und bestätigte ihm, dass die Diagnose von ihm stamme. Wissenschaftler lieben es nicht, dass jemand ausser ihnen Diagnosen stellt. Das ist so vom Gasofenwissenschafter herab bis zu unseren Ärzten. (Vielleicht, weil seit einiger Max Wetzstein & Sohn Av. M. Montt 2656 Fono 43379 Neubeziehen and Umarbeitungen Modernste importierte Bezugsstoffe u. Inletts Parkas Acolchadas de Nylon Schlafsaecke Komme einmal im Monat nach Viña u. nehme Auftraege entgegen. Zeit die Ärzte sich die Haltung des Kartellmitgliedes recht stark zu eigen machen? Aber ich will nicht abschweifen.) Also, ich bat den Herrn, den Ofen zu reparieren. “Das kann ich nicht, es ist der Gasapparat, durch den das Wasser tropft, ich bin aber von der WasGerinstallation”. “Es tropft doch aber Wasser, nicht Gas”, wandte ich ein mit der Schüchternheit, die auf viele meiner Bekannten so sympathisch wirkt. Auf ihn nicht. “Sie hätten natürlich melden müssen, dass es der Gasapparat ist, der tropft. Bestellen Sie einen Techniker der Gasabteilung”. Ich versuchte cg, telephonisch. Man soll das nicht tun, in eiligen Fällen soll man hingehen, das geht schneller. Nach sehr vielen Versuchen war die Nummer endlich frei. Ich wunderte mich selbst, aber ich bekam bald die Erklärung. Es meldete sich iene typisch israelische Service- Kartell-Stimme: “Hääääh?” “Ich bitte die Reparaturabteilung für Gas”. “Die ist ßchon geschlossen”. (Das war also der Grund dafür, dass die Nummer frei war). In meinem Bedauern, dass es ununterbrochen besetzt war, unterbrach mich die Damenstimme: “Ruf an, wenn es frei ist”. Man kann die Iwrit-Du- Form natürlich auch mit der dritten Person Plural übersetzen, aber in diesem Fall wird der Singular dem Timbre der Unterhaltung mehr gerecht. Am nächsten Tag ging ich selbst hin, der persönliche Kontakt bringt doch mehr Wärme in die menschliche Beziehung als ein Telephongespräch. Es gab die Tropfunterhaltung noch einmal, diesmal auf das Gas ausgerichtet, und einer von uns hatte wieder einen Tag gasfrei. Pünktlich zwischen acht und sechzehn kam der Gastechniker: “Sie müssen zu uns ins Büro kommen und eine Bestellung auf Reparatur abgegeben”. “Die habe ich doch abgegeben, darum sind Sie doch hier”. “Nein”, sagte er, “Sie haben eine Kontrolle bestellt, keine Reparatur”. Am nächsten Tage also ging ich wieder zur Gesellschaft. Es war eine feine Rücksicht des Technikers gewesen, dass er “Bestellung” gesagt hatte. Gemeint hat er “Bezahlung”. Der Büro-KarteQl-Herr hörte meine Bitte erst an, rechnete und schrieb lange und kam zu dem Ergebnis: “IL 54.50”. “Aber hören Sie”, sagte ich, “ich zahle doch seit Jahren monatlich meine Scherutgebühren, und das ist die erste Reparatur!” “Die Scherutgebühren zahlen Sie für Reparaturen in Ihrer Wohnung. Wenn wir cön Ofen in die Werkstatt nehmen, müssen Sie das natürlich extra zahlen”. “Und wie kommen Sie auf IL 54.50?” “Eine neue Membrane IL 2.50, weitere Reparatur und Reinigung IL 52, macht IL 54.50”. “Und das wiesen Sie so genau im Voraus?” Es wusste es. Ich zahlte, wir hatten wieder gasfrei, dreimal: Als man den Ofen abholte, a!e man ihn wieder brachte und als er dann wieder tröpfelte und der Techniker, trotz seiner Überbeschäftigung, doch noch einmal kam. Aber dann ging ich zur Gesellschaft, nur um mich zu bedanken. So etwas soll man tun, die Herren und Damen des Kartells sollen doch das nächste Mal freudig und nicht verdrossen für mich fronen. Alle strahlten und beglückwünschten mich und versicherten mir: “Nun kann nichts mehr passieren, und wenn doch . . . dann sind Sie ja durch Ihre monatliche Scherutzahlung gedeckt”. Glücklich ging ich die Treppe herunter, jeder Zoll ein gesicherter Bürger, der vorsorgt. * Das Sonderbare an der Geschichte ist, dass sie nicht erfunden ist. Man kann sie mir glauben, Wort für Wort — Pfund für Pfund. Nur, sie liegt schon etwas zurück. Inzwischen bin ich Besitzer eines kartellfreien elektrischen Boilers. Alfscher (Jedioth Chadashot) Die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Frankreich hat sich nach der Unabhängigkeitserklärung von Marokko und Tunesien, vor allem aber nach der massiven Flucht der europäischen Bevölkerung aus Algerien fast verdoppelt. Da die Neuangekommenen französische Vollbürger sind, haben sie alle Rechte und natürlich auch das Wahlrecht. Sie stellen ein Wählerpotential für 15-20 Parlamentssitze. Diese jüdischen Wählerstimmen gingen eine Zeltlang zu fast 50 Prozent zum Gaullismus, und das aus Dank für den De Gaulle früherer Jahre, der den Juden in Afrika wie im Mutterland selbst die Bürgerrechte wiedergegeben hatte, die ihnen da3 Regime von Vichy unter dem Diktat der Nazibesetzer genommen hatte. Die übrigen Stimmen teilten sich zwischen den bürgerlichen Radikalen, Sozialisten und, zu einem geringen Prozentsatz, den Kommunisten. Dieses schematische Bild der jüdischen Wählerstimmen hat sich inzwischen sehr verändert. Der Konflikt De Gaulles mit Israel, die Embargo-Politik Frankreichs und die eher proarabische Einstellung der Regierungen der Fünften Republik, die sich nach dem Ausscheiden De Gaulles unter seinem Nachfolger Pompidou kaum änderte, haben dazu geführt, dass vier Fünftel der jüdischen gaullistischen Wähler zu anderen politischen Gruppen abgewandert sind. Hauptsächlich zu den Sozialisten und in geringer Zahl zu den Radikalen. Die Kommunisten haben inzwischen auch die letzten Sympathien der jüdischen Wähler verloren, nachdem sich die französische K. P. besonders feindselig und demagogisch gegen Israel betätigt hat. Das jüngst abgeschlossene enge Bündnis zwischen Sozialisten und Kommunisten, dessen wahltaktischer Hauptschlager ein gemeinsames Regierungsprogramm der beiden Parteien ist, wird sich, was die jüdischen Wähler betrifft, sehr passiv zu Buch der Sozialisten schlagen und sie zweifellos eine gewisse Anzahl Mandate kosten. Für die Kommunisten ändert sich in dieser Beziehung nichts; sie haben sowieso praktisch alle ihre jüdischen Wähler verloren. Die Ausarbeitung des Passus über die Nohostpolitik einer eventuellen sozialistischkommunistischen Koalitionsregierung nach den Parlamentswahlen vom Frühjahr 1973 ist auf ganz besondere Schwierigkeiten gestossen und hat viel Sehweiss gekostet. Was herauskam, ist der unmögliche Versuch, die Quadratur des Kreises zu lösen. Da man sich auf keinen gemeinsamen Nenner einigen könnte, hat man einfach das Programm der Sozialisten und das der Kommunisten bezüglich der Nahostkrise in einen Topf gelegt und das ganze kräftig zusammengequirlt. Im Nahen Osten, so heisst es im Regierungsprogramm der beiden Parteien, wird sich die Koalition der Linken bemühen, Frieden und Sicherheit Realität werden zu lassen. Das ist die These von François Mitterand und der Sozialistischen Partei, die zweifellos mehr Sympathien für Israel als für die arabischen Staaten hat. Dieser Frieden und diese Sicherheit sollen den Anspruch aller Staaten der Region, und nicht zuletzt den Israels, auf Existenz und Souveränität gewährleisten. So weit, so gut. Dann aber ■kommt der Pferdefuss, das heisst, eine von dem Bündnispartner integral akzeptierte Forderung der Kommunistischen Partei. Dieses Recht auf Sicherheit und Souveränität wird auch “für die nationalen Rechte des arabischen Volkes in Palästina” verlangt Palästina ist heute zum Teil das Territorium Israels. “Die nationalen Rechte” der Palästinenser auf diesem Territorium kann doch logischerweise nur die Bildung eines “souveränen” Staates der Exil- Palästinenser und deren Aktivisten auf dem Boden des tatsächlich souveränen Staates Israel bedeuten. Kurt Kaiser-Blüth Vor 30 Jahren: Das Drama des Pariser Vel’ d’Hiv Es ist jetzt dreissig Jahre her, dass die Pariser Polizei, auf Befehl der Nazis, in der Hauptstadt eine riesige Razzia gegen die Juden durchführte. Fast 30.000 Juden fielen den Häschern zum Opfer, unter ihnen 4000 Kinder, die unter unglaublichen Bedingungen im Pariser Wintersportpalast zusammengepfercht wurden, bevor sie die plombierten Güterzüge in die Vernichtungslager des Ostens deportierten. Ehe sie diesen Weg in den Tod antraten, mussten diese Zehntausende, oft ohne Trinkwasser, praktisch ohne Toiletten und auch tagelang ohne Nahrung, mehr als zwei Wochen in diesem gigantischen Vorzimmer des Todes aushalten. Von den viertausend Kindern, die man in die Vergasungslager schickte, sind nicht mehr als zwölf zurückgekommen. Das französische Fernsehen zeigte vier damals Halbwüchsige, die die einzigartige Chance hatten, vor dem Abtransport in den Osten aus dem Vel’ d’Hiv’ zu entkommen. K.K.-B1. (Israelistisches Wochenblat„ Zürich) Der erste weibliche Rabbiner Rabbi Sally J. Priesand in der Stephen Wise Free Synagogue in New York.

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