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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1972-10-01 · 10 (10.1972) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXIV (1972)
Issue
10 (10.1972)
Date
1972-10-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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OCTUBRE 1972 13 4 PRESSEFREIHEIT FÜR ARABER IN ISRAEL Nach der Besetzung des ehemals west jordanischen Gebietes durch Israel bemühte sich die jordanische Regierung, alle Formen des oeffentlichen Lebens so lange wie moeglich lahm zu legen. Es erschienen keine Zeitungen im Westufergebiet, die Anwählte streikten und die Banken blieben geschlossen. Dieser ••Boykott” wirkt heute noch zum Teil, denn die arabischen Banken sind trotz langer Verhandlungen immer noch geschlossen. Dagegen erscheinen die meisten Anwälte wieder vor Gericht, und auch die Presse ist zu neuem Leben erwacht. Die israelische Regierung und die Besatzungsverwaltung hatten seit langem von sich aus eine Zeitung “Al Anba” (Nachrichten) herausgegeben, die natuerlich bei den arabischen Kreisen zuerst als “Regierungsblatt” und “Besatzungspresse” abgestempelt war. Darauf hin versuchte ein alter Ostjerusalemer Verleger Abu Salaf, der in der jordanischen Epoche schon eine Zeitung herausgegeben hatte, wieder ein Blatt zu publizieren. Er wandte sich an die israelischen Behörden und erhielt eine für ihn überraschende Auskunft: Er koenne ohne weiteres eine Zeitung herausbringen, er muesse sich nur den auch für die jüdischen Zeitungen üblichen Bestimmungen unterwerfen, d.h. alle Nachrichten militaerischen oder sicherheitspoiltischen Charakters müssten der Militaerzensur vorgelegt worden. Abu Salaf war damit einverstanden, da er in der jordanischen Zeit unter viel strengerer Zensur gestanden war. Sein Blatt “Al Kuds” (die “Heilige” — der arabische Name für Jerusalem) begann zu erscheinen und seine Zeitung bekam im Zeichen der Pressefreiheit und der Gleichberechtigung alle Anzeigen der Jerusalemer Stadtverwaltung und anderer Behörden. Abu Salaf wurde Held des israelischen Rundfunks und des Fernsehens, wo er ohne weiteres zugab, dass ihm das israelische Regime weit mehr Pressefreiheit zubillige als das jordanische Koenigreich. Schon in der ersten Nummer von “Al Kuds” erschien ein scharfer Leitartikel, in dem der Herausgeber den baldigen Abzug aller israelischen Truppen aus dem besetzten Gebiet verlangte, und die israelische Zensur hatte 1942 1972 30 Jahre und weiter wie immer zu Ihren Diensten Santiago Valparaiso Agustinas 1049 Prat 725 OL 205 Tel 82662/3_TeL 57149 von unserem Korrespondenten in Israel J. E. Palmon ihn ungehindert passieren lassen. “Al Kuds” wurde zum Organ aller oppositionellen Araber, die in dieser Zeitung ihre “Stimme” sahen. Die Niederschlagung der Untergrundverbaende in Jordanien im Jahre 1970 hat jedoch die Situation voellig veraendert. Abu Salaf und seine Zeitung blieben auf der Seite des Koenigs Hussein, und die Zeitung wurde daher von weiten Kreisen im Westufergebiet abgelehnt. Hartnäckige Gerüchte besagen, dass Abu Salaf Subventionen der jordanischen Regierung erhält. Tatsache ist, dass alle Artikel zu Fragen der arabischen Politik vom Herausgeber selbst durchgesehen und zensuriert werden. Ein junger Intellektueller Abu Schelbaye, der für einen unabhängigen palästinensischen Staat eintritt und von der Gefolgschaft für Hussein nichts wissen wollte, zerstritt sich daher mit dem Verleger und schied aus der Redaktion von “Al Kuds” aus. Letztens hat die Pressefreiheit für die Araber im besetzten Gebiet dazu geführt, dass eine weitere arabische Zeitung “Al Schaab” (das Volk) auf dem Markte erschien. Dieses Blatt ist proaegyptisch, seinem Herausgeber Mahmud Jaisch werden Neigungen zum Panarabismus und zum Radikalismus der Untergrundverbaende nachgesagt. Auf jeden Fall distanziert er sich entschieden von der projordanischen Haltung der Zeitung “Al Kuds”, die nicht mehr als revolutionaer, sondern als “reaktionaer” bezeichnet wird. VERLAESSLICHE BERICHTE Die Entwicklung auf dem arabischen Zeitungsmarkt ist recht interessant. Der Leserstamm ist sowohl im alten israelischen Gebiet als auch in den verwalteten Zonen begrenzt, da es viele Analphabeten gibt, die ihre Kenntnisse aus dem Rundfunk und dem Fernsehen beziehen. Zeitungen werden von den Intellektuellen und Geschaeftsleuten gelesen, und diese sahen sich einem grossen Dilemma gegenüber. Die zuerst erwähnte Zeitung “Al Anba” war ein israelisches Regierungsblatt, das für sie einseitig gefärbt war. Aber im Laufe der Zeit mussten sie erkennen, dass “Al Anba” besondere Qualitaeten besass. Der Redakteur, Jakob Hasma, der früher die arabische Radiostation Israels geleitet hatte, leitet die Zeitung auf Grund von zwei Prinzipien: a. Zuverlässigkeit: Die Zeitung bringt nur geprüfte, zuverlässige Informationen. Die anlässlich des Krieges von 1967 tief enttäuschten Araber wissen den Wert guter und wahrer Nachrichten sehr zu schätzen. Daher gingen auch Kreise, die Israel und seine Regierung ablehnen, “zaehneknirschend” zur Lektuere von “Al Anba” über. Sie mussten einsehen, dass sich die Nachrichten dieser Zeitung immer bestätigten. b. Pressefreiheit: Jakob Hasma gibt wohl in den Leitartikeln den israelischen Standpunkt wieder, aber sonst lässt er arabischen Publizisten freie Hand. Arabische Journalisten und Politiker schilderten jüdischen Kollegen oft in Worten des Erstaunens, dass in “Al Anba” Artikel abgedruckt wurden, an deren Publikation sie nie geglaubt hatten. Die Folge äst, dass ein grosser Teil der arabischen Publizisten im Westufergebiet in “Al Anba” seine Zuflucht sieht. Der erwähnte Journalist Abu Schlabaye, der sich mit “Al Kuds” zerstritten hatte, hat Gelegenheit seine Artikel in “Al Anba” zu veröffentlichen. Die im Westufergebiet lebenden jordanischen Exminister können sich ständig in Al Anba mit Artikeln und Berichten zu Wort melden. Von den 18 Redaktionsmitgliedem sind 14 Araber und vier Juden, und ein Teil von ihnen (sowohl Juden wie Araber) steht der führenden israelischen Arbeitspartei nahe —ohne jedoch die Pressefreiheit und den Begriff der “Zuflucht” zu opfern. Diese Linie hat übrigens dazu geführt, dass die Auflage von Al Anba sehr gestiegen ist und Al Kuds Überholt hat. Al Schaab steht auflagenmässig noch am Anfang des Weges. Ausser den drei Tageszeitungen erscheinen noch das Blatt der Kommunisten “Al Ittihad” (zwei Mal woechentlich), das einen scharf moskautreuen Kurs einhält und vor allem im alten Israel verbreitet ist. Ferner gibt die israelische Linkssozialistische Partei Mapam eine Wochenschrift “Al Mirsad” heraus. Beide erreichen jedoch nur einen kleineren Leserkreis. Es gibt ausserdem einige Zeitschriften. Mehr ist nicht zu erwarten, da der Leserkreis begrenzt ist, und die Presseerzeugnisse nicht in die arabischen Länder eindringen können. Die Araber beklagen sich zwar über viele Dinge anlässlich der Besetzug, aber mit der Pressebehandlung sind sie zufrieden und bestätigen, dass die Pressefreiheit viel weiter geht als in der jordanischen Zeit und dass jede politische Beeinflussung seitens der Israelis fehlt. S.O.S. Telefonische Seelsorge In Buenos Aires Die S.O.S. telefonische Seelsorge hat es sich zur Aufgabe gemacht, nach dem Vorbild aehnlicher bereits fast auf der ganzen Welt bestehenden Einrichtungen in Buenos Aires so eine Institution ins Leben zu rufen, um auch deutschsprechenden Menschen mit Rat und Tat beizustehen, wenn sie verzweifelt sind und Hilfe brauchen und dies telefonisch, uneigennuetzig, kostenlos und anonym. Telefonisch deshalb, um die gegenseitige Anonymitaet zu wahren. Obzwar seit der Gruendung dieser Institution erst wenige Wochen vergangen sind, hat die S.O.S. schon mit den Vorbereitungsarbeiten begonnen, um moeglichst bald mit ihrer Taetigkeit starten zu koennen. Jeden Sonntag vormittag und jeden Mittwoch Abend werden im Gemeindehaus der Nueva Comunidad Israelita unter der Leitung von Sachverstaendigen Instruktionskurse abgehalten, um den zukuenftigen “Voluntarios” die erforderlichen Anweisungen zu geben, wie sie sich Hilfesuchenden gegenueber zu verhalten haben, was sie tun muessen und was sie nicht tun duerfen, um den Hilfesuchenden die bestmoeglichste “Erste Hilfe” angedeihen lassen zu koennen. Selbstverstaendlich werden alle “Voluntarios” von zwei Aerzten unabhaengig voneinander gestestet und diese bestimmen dann, ob die “Voluntarios” beim Telefondienst oder anderweitig eingesetz werden. Gebraucht werden alle, die guten Willens sind — teils gleich, teils spaeter. Es ist unglaublich, auf welch fruchtbaren Boden der Aufruf zur Mitarbeit gefallen ist. Beweis hierfuer ist, dass sich sofort viele Sachverstaendige, Aerzte, Psychiater, Rechtsanwaelte, Seelsorger, usw. sowie eine grosse Anzahl “Voluntarios” vollkommen uneigennuetzig zur Verfuegung gestellt haben und die von ihnen uebernommene Aufgabe — zunaechst der Instruktion — mit viel Interesse, Begeisterung und Verantwortungsbewusstsein erfuellen. Die S.O.S. wird in Kuerze mit einer vorerst kurzen Arbeitszeit beginnen und sieht es als ihr Endziel an, Hilfesuchenden zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfuegung zu stehen.

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