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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1972-10-01 · 10 (10.1972) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXIV (1972)
Issue
10 (10.1972)
Date
1972-10-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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OCTUBRE 1972 11 3<efatoUlíeto,: Im Ghetto Von Schalom Ben-Chorin Unweit vom Parlamentsgebäude in Israels Hauptstadt. Traurige Wohnverhältnisse. “Jerusalem ist die Stadt der mangelhaftesten Informationen, denn jeder lebt hier in seinem Ghetto’’, klagte dieser Tage eine Touristin, die in einem Hospiz in der Jerusalemer Altstadt abgestiegen war. Romantisch abgelegen, -mit Blick auf den Tempelplatz und die Kuppeldächer Jerusalems, auf seine Kirchtürme und Minarette, logierte sie, von dem Gefühl durchdrungen, wirklich in Jerusalem zu sein, aber in welchem Jerusalem? Jerusalem hat viele Gesichter. Es gibt ein jüdisches, ein moslemisches und ein christliches Jerusalem. Es gibt innerhalb des jüdischen Jerusalem so verschiedene Wohngegenden wie das europäische Rechavia und das Städtele Mea Schearim, das wie die Kulisse zu “Anatevka” wirkt. Es gibt die verwirrende Fülle der neuen Siedlungen rings um die Stadt, von Ramath Eschkol bis zu den Katamonim. Es gibt auf dem an sich so kleinen Areal der Altstadt innerhalb des christlichen Viertels die Strassen der Lateiner, der Orthodoxen (hier sind die orthodoxen Christen gemeint, Griechen, Äthiopier, Russen, Syrer, Kopten . . . wer zählt die Völker, nennt die Namen?), es gibt heilige Stätten und sehr unheilige, in dichtester Nachbarschaft. Fünf Jahre nach der Wiedervereinigung Jerusalems muss leider festgestellt werden, dass diese Vereinigung nur sehr unzureichend vollzogen wurde. Wenn es gelingen würde, die Jerusalemer Stadtverwaltung und das Touristikministerium auf die unsichtbaren Ghettomauern innerhalb Jerusalems hinzuweisen, würde damit ein wichtiges Stück Arbeit zur wahren Wiedervereinigung Jerusalems geleistet. Man kann die Menschen schwer umerziehen, aber man kann ein Minimum an Information von denjenigen Personen verlangen, die beruflich mit dem Tourismus in Jerusalem befasst sind. Als sich besagte Reisende in ihrem klösterlichen Domizil nach einer Strasse in Ost-Jerusalem erkundigte, (in Ost-Jerusalem, nicht einmal in der jüdischen, westlichen Neustadt) erhielt sie die entwaffnende Antwort: “Das muss ausserhalb des christlichen Viertels sein”. Was ausserhalb liegt, das ist so gut wie nicht vorhanden. Am schlimmsten ist die Uninformiertheit der Taxifahrer in Ost-Jerusalem. Mit einem gewissen Recht haben Taxichauffeure am Neuen Tor und am Damaskus-Tor dieser Tage einen Streik durchgeführt, um Parkplätze an diesen ihren Standorten zu erhalten. In diesem Zusammenhang hätten die zuständigen Behörden, Stadtverwaltung und Verkehrsministerium eindeutig verlangen müssen, dass jeder Taxichauffeur in Jerusalem zumindest in der Lage sein sollte, sich nach einem Stadtplan zu orientieren. Dies ist nicht der Fall. Fahrgäste, die von einem der Tore der Altstadt ab in die Jerusalemer Neustadt fahren, werden von arabischen Taxifahren durch halb Jerusalem geschleppt, müssen sich selbst durchfragen, da die ungeschulten Fahrer keine Ahnung von Strassen und Stadtvierteln, Plätzen und Gebäuden haben und sich auf Plan und Karte nicht zu orientieren vermögen. Vorschriftsmässig hat jedes Taxi einen Taxameter (daher der Name). Die Chauffeure aus Ost-Jerusalem aber haben sich selbst ein eigentümliches Gesetz gegeben: Der Taxameter wird nur eingestellt, wenn der Fahrgast es ausdrücklich fordert, andernfalls werden dem Fahrgast Phantasiepreise abgefordert, Besucher erzählten mir, dass sie für eine Fahrt, die nach dem Taxameter IL 3.00 kostet, über IL 10.00 zahlen mussten. Stadtverwaltung, Touristikministerium, Verkehrsministerium, Polizei (es fehlt nicht an Ämtern und Beamten) wissen das und wollen es nicht wissen. Und was sagt der Touristikminister dazu, dass in einem grossen Hotel in der Jerusalemer Altstadt, in welchem gleichzeitig mehrere Gruppen logieren, Hunderte von Gästen, nach zehn Uhr abends die Telefonzentrale nicht mehr bedient werden kann? Sie steht in unverhüllter Pracht, ein Zauberkasten, unberührbar. Das Personal blickt ratlos auf die bunten Stöpsel und erklärt bedauernd, dass nur der Herr Direktor diese Einrichtung zu bedienen vermöge. Der Herr Direktor zieht sich aber nach zehn Uhr ins Privatleben zurück — ist unerreichbar. Man stelle sich vor, ein Gast erkrankt, ein Arzt soll gerufen werden, eine Ambulanz. Ein Brand bricht aus, die Feuerwehr kann nicht verständigt werden. Ein Einbruch findet statt, die Polizei ist nicht zu erreichen. Und wo bleibt die Kontrolle des Touristikministeriums? Ein anderes Hotel in Ost-Jerusalem ist telefonisch überhaupt nicht zu erreichen, obwohl es ein Telefon hat. Das Gebäude war längere Zeit von einer israelischen Behörde gemietet und wurde erst jetzt den Eigentümmern und seiner usrprünglichen Bestimmung wieder übergeben, jedoch zu einem Zeitpunkt, als das neue Telefonbuch noch in Vorbereitung war. Man versäumte es, das Hotel unter seinem gegenwärtigen Namen oder unter der Rubrik der Hotels ins Telefonbuch einzutragen. Das Hotel ist auf diese Weise ein idealer Aufenthalt für Gäste, die im Verborgenen wohnen wollen. Israel propagiert Jerusalem als Fremdenverkehrsstadt und sollte daher daran denken, dass der Fremde nicht nur Heilige Stätten aufsuchen will, Museen und Sehenswürdigkeiten besucht, sondern auch die Neigung hat, Mahlzeiten einzunehmen. Was die israelischen Restaurants zu bieten haben, ist im allgemeinen bescheiden, allerdings nicht in bezug auf die Preise. Israel ist ein Weinland, aber es ist fast unmöglich, ein Glas Wein in einem Restaurant zu bekommen. Zu ungeheuerlichen Preisen werden nur geschlossene Flaschen angeboten, der billige offene Wein, von vielen Besuchern gern konsumiert, erscheint gar nicht auf der Karte. Man könnte durch Änderung dieses Misstandes eine ausserordentlich wirksame Reklame für die israelischen Kellereien machen. Es ist völlig unverständlich, warum dies unterbleibt. Gelingt es dem Geist aber, zu überhöhten Preisen ein Glas Wein zu erstehen, so wird ihm der edle Trank in einem Wasserglas vorgesetzt. Weingläser sind schlechthin unbekannt, nur in Hotels erster Klasse und in den unerschwinglich teuren Luxusrestaurants vorhanden. Weiss das Touristikministerium von alledem nichts? Wie wäre es, wenn Touristikminister Mosche Kol einmal, begleitet von seinem Kollegen, dem Gesundheitsminister Victor Schemtov, die kleinen und kleineren der Jerusalemer Gaststätten aufsuchen würde, um sich von den Zuständen in diesen Etablissments zu überzeugen. Die Zu- und Misstände resultieren aus dem Ghettogeist. Da jeder in seinem Ghetto lebt, auch die Minister, im Ghetto der Oberen Zehntausend, weiss niemand, was um die Ecke vorgeht. Nicht nur der Bürgermeister, der Touristikminister, der Gesundheitsminister, der Verkehrsminister, der Polizeiminister, sollten jeder von seinem Aspekt her das Thema: Ghetto Jerusalem aufgreifen, vor allem auch der Erziehungs- und Kulturminister. Er hat sich ein wunderschönes Millionenhaus am Treppenweg zur Klagemauer gebaut. Aber hat er als Erziehungs¬ und Kulturminister dafür gesorgt, dass die Schulkinder, insbesondere in Jerusalem, aber eigentlich im ganzen Lande, wirklich etwas von der vielschichtigen Geschichte ihrer Stadt erfahren? Ist hier nicht wiederum ein Ghettolehrplan in Kraft, der nur bestimmte Teile Jerusalems, jeweils die eigenen, dem Schüler nahebringt? Wiewenig die Israelis vom Charakter dieser Stadt wissen, wurde mir selbst dieser Tage klar, als ich das aufschlussreiche Büchlein von Albert Storme “Gethsemani”. in der ausgezeichneten Übersetzung von Ambrosius Eickler OFM erhielt, das soeben in Jerusalem in der Serie “Heilige Stätten Palästinas” erschienen ist. Wieviel Geschichte und Tradition überlagern hier jeden Stein und Baum, jede Grotte und jedes Bauwerk. Zumindest an den Schulen der Hauptstadt müsste das Fach Jerusalemkunde eingeführt werden, das nicht nur die biblische und jüdische Bedeutung der Stadt, sondern ihre so vielfältigen weltgeschichtlichen Aspekte zur Darstellung brächte. So könnte bei der jungen Generation der Ghettogeist überwunden werden. Gleichzeitig aber muss in den arabischen Schulen und in den zahlreichen christlich-europäischen Schulen in Ost-Jerusalem das Verständnis für das jüdische Jerusalem geweckt werden: Gemeinsame Liebe zu Jerusalem kann die noch immer bestehenden unsichtbaren Barrieren in dieser Stadt niederlegen. Entschädigung für im Krieg geraubte Kunstschätze Das Internationale Oberste Rückerstattungsgericht für Berlin hat in einem Grundsatzbeschluss entschieden, dass die Bundesrepublik für jüdischen Kunstbesitz Entschädigung leisten muss, der im Rahmen der sogenannten “M”- Aktion in Frankreich und anderen besetzten Westgebieten während des Zweiten Weltkrieges beschlagnahmt worden ist. Mit der Aktion "M” sollten seinerzeit Möbel und Hausrat für ausgebombte deutsche Familien beschafft werden. Das höchste Gericht hat die bisher strittige Frage, ob auch Kunstbesitz zum Hausrat zu rechnen ist, für den Entschädigung zu zahlen ist, bejaht. Dem Internationalen Obersten Rückerstattungsgericht für Berlin, das auf Grund eines Gesetzes der alliierten Kommandantur der Westmächte entstanden war, gehören Richter aus den USA, Grossbritannien, Frankreich, Schweden und Deutschland an. Den Vorsitz führt der Schwede Ivan O. Wallenberg. Aufgabe des Gerichts ist die Entschädigung von Werten, die während der nationalsozialistischen Herrschaft rassisch, politisch und religiös Verfolgten entzogen wurden. LEHRSTUHL FÜR JUDAISTIK IN DER BUNDESREPUBLIK Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich für die Einrichtung eines Lehrstuhls für Judaistik an der Universität Heidelberg eingesetzt. Es wird daran gedacht, das neue Institut für Judaistik mit einem Studentenwohnheim zu verbinden, in dem jüdische und nichtjüdische Studenten zusammen wohnen sollen. PARAGUAS “ Cosmos “ A. Prat 26 Providencia 2682 FIAMBRERIA 0S0RN0 WOLFGANG SCHIROKAUER Avda Yrarrázaval 19C0 Telefon: 497472

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