Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIV (1972)
- Issue
- 10 (10.1972)
- Date
- 1972-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 OCTUBRE 1972 Der berühmte “Salon,, der Henriette Herz Freisprüche im Auschwitz- Prozess in Wien Am 22. Oktober sind 125 Jahre vergangen, seit Henriette Herz, eine beruehmte Frau ihrer Zeit, dahinging. Doch ist es auch heute interessant, sich in jene Epoche zurueckzuversetzen, in welcher das damalige deutsche Judentum so sehr an Inhalten verlor und schwere Gefahren seiner Zukunft drohten. Und Henriette Herz war eine so wichtige Zeiterscheinung, dass juedische Kulturgeschichte nicht an ihr voruebergehen kann. Ueber die Entstehung jener eigentuemlichen Gesellschaftskultur in den Salons der Berliner Romantik, praegte Karl August Vamhagen, der Gatte der hochgebildeten Rahel Levin, das Wort: “Der Geist des 18. Jahrhunderts, die Regierung Friedrichs II., der Boden Berlins und die durchgreifende Wirksamkeit Moses Mendelssohns und Lessings waren insgesamt erforderlich, um eine solche Bluete hervorrufen und gedeihen zu lassen. Um Leben und Bedeutung dieser einst sehr gefeierten Frau wuerdigen zu koennen, ist es noetig, in knappen Umrissen das Bild des Berliner Judentums zu zeichnen, wie es sich zur Zeit des Ablebens Friedrichs II., also um 1786, darstellte, d.h., einer Gruppe von 3-4000 Seelen, die ein “Ghetto” im urspruenglichen, mittelalterlichen, Sinne nicht mehr kannten und freie Religionsuebung genossen. Wir wissen von diesen Berliner Juden, dass sie meist vom Handel lebten, denn die Ausuebung eines Handwerks war ihnen damals noch untersagt. Doch gab es unter ihnen freie Kuenstler, Gelehrte und Liebhaber schoener Literatur. Eine gewisse Angleichung an die Umwelt hatte sich dank der Lebensarbeit Moses Mendelssohns verhaeltnismaessig rasch vollzogen. Die Gedanken der Aufklaerung und des Humanismus hatten bei ihnen in der 2. Haelfte des 18. Jahrhunderts eine starke Resonanz gefunden und schliesslich zur Emanzipation gefuehrt. Nur hatten die Juden von damals die neuen Kultureinfluesse nicht mit der Bewahrung juedischer Werte zu verbinden verstanden, am allerwenigsten war die juedische Frau auf solche sprunghafte Geistesentwicklung vorbereitet. Die in jener Zeit entstandene “Mission” juedischer Menschen, zu Vermittlern ethischer und künstlerischer Einflüsse von Goethezeit und Romantik zu werden, hatte den inner juedischen Aufloesungsprozess geradezu gefoerdert. Hierzu kam die durch Goethe geformte Weimarer Geselligkeit, die in den Berliner Salons, wo die Goethe-Verehrung heimisch war, nachgeahmt wurde, deren Mittelpunkt der sogenannte “Nathan-Geist” bildete, wie man die von Mendelssohn geschaffene Stimmung nannte. Es waren vor allem juedische Frauen, die durch ihren ausgepraegten Verstand und ihre gesellschaftlichen Gaben eine bedeutende Wirkung ausuebten. Die “Salons”, vor allem diejenigen von Rahel Levin, Dorothea Veit, der aeltesten Tochter Mendelssohn, seien hier hervorgehoben, in denen relativ wenige juedische Besucher anzutreffen waren, dafuer fast das gesamte geistige und diplomatische Berlin. Diese Ueberlegenheit der Berliner juedischen Kreise wurde allgemein anerkannt. Zu ihnen gesellten sich viele Diplomaten und nicht zuletzt der preussische Adel, obwohl die Juden, in deren Haeusern man verkehrte, zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal das Buergerrecht hatten. Hierzu gehoerte das Heim der schoenen Henriette Herz, ueber deren geselliges Leben wir Briefe und Darstellungen von Zeitgenossen besitzen. Sie selbst, Henriette, wurde am 5. September 1764 zu Berlin als Tochter des aus Hamburg stammenden Arztes juedisch-portugiesischer Herkunft De Lemos geboren und heiratete, nicht ganz 16-jaehrig, den hochangesehenen juedischen Arzt und Philosophen Marcus Herz (1747- 1803), der ein Lieblingsschueler Kants und Freund Mendelssohns, Leiter des Berliner Krankenhauses gewesen ist. Seine fast 30-jaehrige Praxis hatte er in der Spandauerstrasse, dann, nach seiner Verheiratung, in der Neuen Friedrichstrasse, und dieses Heim war bis zu seinem Tode einer der geistigen und gesellschaftlichen Mittelpunkte der preussischen Hauptstadt. Durch seine Vorlesungen — er war Titularprofessor — ueber Philosophie und Experimental-Physik brachte Herz Juden mit hoechsten Kreisen zusammen.. Auch des Koenigs juengere Brueder fanden sich hierzu, und diesen Vorlesungen verdankte Henriette die ihr ganzes Leben hindurch waehrende Freundschaft mit den Bruedern Humboldt. Ferner besuchten diesen Salon haeufig Friedrich Schlegel, Prinz Louis Ferdinand von Preussen, Schadow, Fichte, Boerne, David Friedlaender, um nur einige der bedeutendsten Namen zu nennen. In diesem Hause kam auch der zuweilen bespoettelte Freundschaftsbund der “Hofraetin Herz” mit dem beruehmten Prediger Schleiermacher zustande. Mit Mendelssohns Tochter Dorothea begründete Henriette den “Tugendbund”, dessen Zweck gegenseitige sittliche und geistige Heranbildung sowie Uebung werktaetiger Liebe war. Das Haus von Marcus und Henriette Herz stand im Zeichen der “Aufklaerung”; wie auch in den anderen Salons der “schoenen Juedinnen von Berlin” galt alles Juedische als duester, veraltet, unzeitgemaess, alles Christliche dagegen als strahlend, anziehend, ueberzeugend. Aeusserlich hielt dieses Ehepaar noch am Judentum fest, und der gelehrte Gatte liess die junge, bezaubernde, Frau gewaehren, die sich allen literarischen Schwaermereien der Zeit zuwandte. Der Zauber, den sie auf unzaehlige Menschen aller Klassen ausuebte, war ein ausgleichender, der Geist hervorlockte. Doch mit zunehmenden Jahren konnte Henriette eine innere Leere, das Gefuehl des Unbefriedigtseins, nicht ganz loswerden. Sie blieb aber auch ohne den seelischen Gewinn, den schmerzliche Erlebnisse zu geben vermoegen. Beim Tode des Gatten blieb die “Hofraetin”, wie man sie allgemein nannte, in misslicher Vermoegenslage zurueck, und damals bewaehrte sich die Hilfsbereitschaft weitester Kreise. Sie uebersie- (Einer grossen Frau juedischer Herkunft) delte in eine kleine Wohnung in der Markgrafenstrasse, und hier, an Stelle des “Salons”, sah sie allwoechentlich einige arme Studenten als “Freitischler” bei sich. Die Zeitgenossen bewunderten nunmehr ihre Faehigkeit, mit geringen Mitteln auszukommen und dennoch ihren Bildungstrieb durch Reisen, u.a. nach Rom, zu befriedigen. In Dresden, 1810, ging ein alter Traum in Erfuellung: Sie lernte Goethe persoenlich kennen und hoerte, wie sie niederschrieb, “manches gute Wort von ihm”. Nach dem Tode ihrer sehr alt gewordenen Mutter liess Henriette sich taufen, was in diesem Falle nur noch eine Formalität war. Ihre Freundschaft mit Rahel Varnhagen von Ense dauerte bis zu deren Tode an. Dagegen stand sie mit einem der in den dreissiger Jahren neu-aufkommenden Salons, wie demjenigen des Abraham Mendelssohn-Bartholdy (Leipzigerstr. 3), wo sich viel spaeter einmal das Preussische Herrenhaus erhob, in nur loser Verbindung. Ein Jahr vor ihrem Tode liess Koenig Friedrich Wilhelm IV. ihr eine Jahrespension von 800 Talern bewilligen. Schliesslich wurde sie eine Art Wahrzeichen des “alten Berlin” das nun nicht mehr existierte. Henriette Herz war eine der wichtigsten Persoenlichkeiten juedischer Herkunft im deutschen Kulturkreise fuer rund ein halbes Jahrhundert. Sie gehoerte einer fuer uns Juden verlorenen Generation an und hat ihren Anteil an den starken Assimilationstendenzen und Austrittsbewegungen des endenden 18. und der ersten Haelfte des 19. Jahrhunderts. Ihr Geistigkeit ausstrahlender sehr hochstehender Kulturkreis, ihr Beitrag zur deutschen Kultur, brachte uns Juden weder Vorteil noch Anerkennung. Und doch repraesentiert sie ein grosses Kapitel juedischen Kulturschaffens auf deutschem Boden, von dem das deutsche Volk Nutzen zog. Nachdem im grossen Auschwitz-Prozess nach mehreren Anläufen der Eichmann-Helfer Franz Novak verurteilt worden war, konnten sich nun im zweiten Prozess vor einem Wiener Gericht zwei Mitglieder der Wachmannschaft des KZ eines Freispruchs erfreuen. Der heutige Vertreter Franz Wunsch und der Lackierer Otto Graf standen wegen der Teilnahme an der Selektion für die Gaskammern vor Gericht. Nach dem Freispruch sind die beiden Nazis unverzüglich aus der Haft entlassen worden. MISSIONSVERSUCHE UM “JUDEN FÜR JESUS” Jüdische Gemeindeführer in Südkalifornien haben ihrer wachsenden Unruhe Ausdruck gegeben wegen der Tätigkeit von protestantischen Gruppen, die versuchen, jüdische College- und Hochschul-Studenten zum Christentum zu konvertieren. Eine solche Organisation, an deren Spitze auch ehemalige Juden zu finden sind, verschafft sich Zutritt zu den Studentenzentren bei Veranstaltungen zum Thema der sowjetischen Juden. Sobald die Evangelisten aber das Podium betreten haben, gehen sie über zu Werbeansprachen für das Christentum. Unter den militantesten Gruppen ist die grundlegende “Jesus-Bewegung” zu notieren, die sich ausdrücklich damit befasst, “Juden für Jesus” zu gewinnen. Ein mehr intellektueller und aufwendiger Versuch wurde während der Pessachzeit unternommen durch die “Bar Sar Schalom”-Vereinigung der Amerikanischen Judenmission, deren intensive Agitation ganzseitige Zeitungsinserate und zahlreiche Fernsehsendungen einschloss. Die missionierenden Vereine bekennen sich offen zu einer strikt proisraelischen Haltung, wobei sie aber konsequent das Christentum als logischen Nachfolger des Judentums darstellen. “SEX SHOP” IN JERUSALEM GESCHLOSSEN Bürgermeister Kollek hat veranlasst, dass der “Sex Shop” in Jerusalem, der in weiten Kreisen Anstoss erregt und zu Protestkundgebungen Anlass geboten hatte, geschlossen wurde. DR. JOSE FR0IM0VICH Especialista Vejez Avenida Bulnes 377 - Dep. 605 Teléfono 67176 FOTO TIMAR NUEVA YORK 54 — Fono 64943 Retratos Artísticos — Reproducciones y Ampliaciones de todas clases para Diarios, Imprentas — Fotografías de Propaganda para Industrias — Trabajos para Aficionados — Albumes para Matrimonios — Fotocopias al instante con XEROX Curt Wilk , Wir beraten Sie unverbindlich bei der Zusammen-, Stellung Ihrer Reisen im In- und Ausland. ,Hotel Reserven - Ausfluege - Passagen] Guestige Zahlungsbedingungen SPORTSTOUR TEATINOS 340, TELS. 68832-83058-63100 à