Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIV (1972)
- Issue
- 10 (10.1972)
- Date
- 1972-10-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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MITTELOST-KONFLIKT AUF ZWEI EBENEN von Herbert Freeden (Jerusalem) Deutschsprachiger Teil des INFORMATIVO Laesst das Wohlwollen deutscher Massenmedien gegenüber Israel nach? Für eine israelische Forschungsarbeit über Massenmedien interviewte Dr. Mejron Medsini (Israel) eingehend deutsche Presse-, Rundfunk- und Femsehredakteure sowie Mitarbeiter von Lehr- und Forschungsinstituten auf dem Gebiet der Massenkommunikation. Er kam dabei zu folgenden Ergebnissen: “Israel wird seit 1968 nicht mehr das gleiche Wohlwollen seitens der deutschen Massenmedien entgegengebracht wie in den vorangegangenen Jahren. Anstelle des Wohlwollens ist eine kritische Einstellung, insbesondere zur israelischen Aussenpolitik, getreten. Dieser Wandel geht auf innerdeutsche politische Veränderungen zurück. Vielen jungen deutschen Journalisten dient die antiisraelische Kritik, wie sich Medsini überzeugt hat, als ein Mittel, um sich an ihren Eltern zu rächen. Sie kritisieren zwar ihre Eltern ob der Verbrechen der Vergangenheit, sind jedoch nicht bereit oder imstande, zu glauben, dass diese Vergangenheit in der Tat so schwarz war und dass ihre Eltern in der einen oder anderen Form daran Anteil hatten. Die Gleichsetzung der Juden und insbesondere der Israelis mit den Imperialisten ermöglicht es dieser Generation, das Hauptproblem — nämlich dass die Juden zu Opfern der Nazis wurden — zu umgehen und lässt die Verbrechen der Nationalsozialisten weniger schrecklich erscheinen. Nicht wenige deutsche Journalisten meinen, dass Israel die Beziehungen der Bundesrepublik zu Frankreich, Osteuropa, den EWG-Ländern und den arabischen Staaten erschwert. Viele der Gesprächspartner Medsinis gaben freimütig zu, dass Deutschland 25 Jahre nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches des jüdischen Problems müde geworden sei. Auch an der israelischen Aussenpolitik wird Kritik geübt, hauptsächlich wegen der vielen und zum Teil widerspruchsvollen Erklärungen israelischer Staatsmänner. Viele Interviewte gaben zu, es falle ihnen schwer, in die Tiefen der Politik Israels hinabzusteigen. In vielen Fällen, so sagten sie, enthalten sie sich einer Stellungnahme, einfach weil sie nicht begreifen, was Israel eigentlich will. Die Analyse von Dr. Medsini erscheint uns oberflächlich und simplistisch. Die Massenmedien haben zahlreiche sehr positive Beiträge zu den Problemen des Nahen Ostens geliefert. Als Informationsorgane geben sie auch kritischen Stimmen Raum. Es ist bekannt, dass seit 1967 die öffentliche Meinung in allen westlichen Ländern vielen Strömungen unterlag, und die israelische Information sich mit Kreisen der von der arabischen Propaganda beeinflussten Neuen Linken auseinandersetzen muss. Das gilt für England und die Vereinigten Staaten, in besonderem Ausmass für Frankreich, und hatte auch Rückwirkungen in der Bundesrepublik. Der Satz, dass “vielen jungen deutschen Journalisten die antiisraelische Kritik als ein Mittel diene, um sich an ihren Eltern zu rächen”, ist absurd. Er steht überdies im Widerspruch zu der Behauptung, dass diese Generation nicht bereit oder imstande sei, zu glauben, dass die Vergangenheit in der Tat so schwarz war und ihre Eltern daran Anteil hatten. Es geht nicht so sehr darum, dass das NS-Verbrechen das Hauptproblem sei, sondern dass vielmehr Gegenwartsprobleme der Sicherung des Weltfriedens und der Auseinandersetzung mit der Dritten Welt in den Vordergrund treten. (“Jüdischer Presse-Dienst”) Das Wesen der Religion Religion ist nicht ein System von Wahrheiten, sie ist der Jubel der Seele, die sich ihrer Höhe bewusst ist, und zugleich wieder das demütige Bekenntnis der Endlichkeit und Begrenztheit; Religion ist der Schwung des Geistes nach dem Idealen hin, das Emporstreben nach dem höchsten Gedanken, das Verlangen im geistigen Leben zu reifen und immer mehr darin zu vertiefen, das Körperliche und Irdi-, sehe zu bewältigen, und auf der anderen Seite die nicht zu beseitigende Empfindung, dass man dennoch gebunden ist an das Endliche und Begrenzte. ABRAHAM GEIGER “Das Judentum” Genau zwei Jahre nach ihrer folgenreichen Schlappe in Jordanien, die ihr moralisches Image abwertete und sie militärisch auf den Nullpunkt brachte, ist es den arabischen Guerilla-Bewegungen gelungen, eines ihrer wichtigsten Ziele zu erreichen -— die Chancen einer “politischen Lösung” im arabisch-israelischen Konflikt ernsthaft zu sabotieren. Nach zweijähriger Waffenruhe und dem Abzug der Russen hatte das grosse “Tauwetter” im Mittelosten eingesetzt. Die Luft schwirrte von Gerüchten, die Presse war voll von Winken über heimliche Kontakte, ja sogar Landkarten wurden gezeichnet, um mit Kairo und Amman zu Absprachen zu kommen, und die wirtschaftliche Koexistenz zwischen der Bevölkerung der besetzten Gebiete und den Israelis näherte sich einer Idylle. Die Generaloffensive des arabischen Terrorismus überall in der Welt hat diese Atmosphäre des Vor-Friedens mit einem Schlage verändert. Selbst der so gemässigte Aussenminister Eban erklärte seinem amerikanischen Kollegen Rogers, nicht mehr die Suche nach Frieden, sondern der Kampf gegen die arabischen Terroristen habe jetzt Vorrang; Israel sei gegenwärtig weder an Gesprächen über den Suezkanal interessiert, noch an einer politischen Neugestaltung des Westufers des Jordan, sondern einzig und allein an der Vernichtung des Terrors. So emotionell diese Haltung klingt, so hat sie doch eine nüchterne, rationale Basis : die Guerilla-Bewegungen sind lange vor dem Sechs Tagekrieg entstanden, in ihrer gegenwärtigen Gestalt haben sie sich im Jahre 1965 formiert. Ihr Ziel ist die Liquidierung der “zionistisch-imperialistischen” Struktur des jüdischen Staates in seinen Grenzen vor 1967; ihnen geht es nicht um die Rückgabe von Sherm-el Sheich, Nablus oder Gaza, sondern um die von Jaffa, Ramleh und Lod. Wenn sie von Rechten der Palästinenser sprechen, so meinen sie nicht einen palästinensischen Staat Seite an Seite mit Israel, sondern ein Palästina ohne Israel. Selbst wenn Jerusalem bereit sein sollte, sich uneingeschränkt aus allen im Sechs-Tagekrieg eroberten Gebieten zurückzuziehen, würde das den Kampf der Guerillas nicht beeinflussen, deren Forderung die Liquidierung des jüdischen Staates ist. DOPPELSPIEL Solange die arabischen Staaten diese Terroristen mit Geld, Waffen und Ausbildungsmöglichkeiten unterstützen, handeln sie nach israelischer Auslegung auf zwei verschiedenen Ebenen: einerseits sind sie zum Frieden gegen Rückgabe der besetzten Gebiete bereit, und sie meinen damit die im Sechs Tagekrieg von den Israelis eroberten Territorien; andererseits schicken sie die Fedayn in den Kampf vor, und die verstehen unter den besetzten Gebieten das ganze Palästina einschliesslich von Tel Aviv, Haifa und Beersheba. Wieweit diese doppelte Buchführung aufgehen wird, ist fraglich. König Hussein hat reinen Tisch zu machen versucht, aber es bleibt abzuwarten, ob er sich gegen die neue militante Welle des arabischen Aktivismus wird behaupten können. Kairo dagegen hat seine Schaukelpolitik von “weder Krieg noch Frieden” dazu benutzt, um nach aussen den Weg einer friedlichen Lösung zu suchen und nach innen die Terroristen zu unterstützen. Syrien hat nicht einmal die bekannte Resolution 243 der Vereinten Nationen anerkannt und es rigoros abgelehnt, Friedensfühler auszustrecken. Sollte es eines Tages der libanesischen Regierung gelingen, Herr im eigenen Lande zu werden und die Guerillas abzuschieben, so würde Syrien zum wichtigsten Zentrum des Terrorismus werden, wobei es mit der Hilfe von Libyen, dem Irak, Algerien und Südjemen rechnen kann, die ja ohnehin in keine Friedensgespräche mit Israel “verwickelt” werden. Unter diesem Gesichtspunkten ist Israel entschlossen, nach Prioritäten zu handeln. Die erste Priorität ist demnach, die Kampfansage der Terroristen anzunehmen und sie zu treffen, wo es sie am meisten schmerzt: in ihren Basen und Trainingslagern im Libanon, in Syrien und wenn nötig, auch in Aegypten. Dass diese Politik zu einer Aufhebung der Waffenruhe führen kann, muss in Kauf genommen werden. Die israelische Regierung widersetzt sich der Initiative von Gruppen wie der “Jüdischen Verteidigungsliga” und anderen privaten Organisationen, die den arabischen Terror mit jüdischem Gegenterror bekämpfen und in Europa und Amerika arabische Institutionen und diplomatische Vertretungen angreifen wollen. Mit ein paar Bomben in London oder New York ist nichts getan, und es ist Sache der Regierungen der betreffenden Länder, die Ausschreitungen ausländischer Extremisten zu stoppen. Worauf es Israel ankommt, ist den Kern des arabischen Terrorismus zu treffen, und der liegt, wie das ganze Problem, im Mittelosten. ft? ALFOMBRAS ® WIENER S.A. ALFOMBRAS SERVICIO OE LIMPIEZA SISTEMA NORTEAMERICANO T«L 377319 IRARRAZAVAL 3020 venta F. vivaCETA 1190 - TEL. 374068 Recepción no