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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1972-09-01 · 9 (9.1972) · p. Seite 19

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXIV (1972)
Issue
9 (9.1972)
Date
1972-09-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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SEPTIEMBRE 1972 19 VERTEIDIGER DER BIBEL UND DES TALMUD: Johannes Reuchlin (ZUM 450. GEBURSTAG) Von Curt Wilk ‘‘Reuchlin. Wer will sich ihm vergleichen, zu seiner Zeit ein Wunderzeichen.” (Goethe) Der grosse Humanist Johannes Reuchlin geniessl auch unter uns Juden ein besonderes hohes Ansehen, denn dieser Weltweise darf als Freund und Verteidiger des jüdischen Geisteslebens bezeichnet werden. Trotz aller Bedrückungen und Verfolgungen hatte es zu Ende des 15. Jahrhunderts noch immer grössere und kleinere Judengemeinden in den deutschen Landen gegeben. In ihre finsteren Ghetti fiel kaum ein schwacher Lichtstrahl des neuen Tages, der mit dem Zeitalter der Entdeckungen, Erfindungen und religiösen Veränderungen für die Menschheit heranzubrechen schien. Die Vorurteile gegen die Juden blieben bestehen, und alle Welt bezichtigte sie weiterhin als die Wurzel allen Unheils. Als nun die abendländische Kulturbewegung des Humanismus auch im “Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation” Anhänger fand, ahnten die Dominikaner, die wichtigste Ordensgemeinschaft, welcher die Seelsorge der grossen Masse oblag, die möglichen Gefahren, welche vom Humanismus aus dem Lehrgebäude der Kirche drohen könnten. Sollte doch das Hebräische, die Ursprache der Heiligen Schrift, gemäss dem humanistischen Ideal Gemeingut aller wirklich Gebildeten werden, und die Bibel nicht mehr im Besitze der Geistlichkeit allein bleiben. Wiederum fand die jüdische Literatur Zugang in die gebildeten Kreise. Ihre angebliche Schädlichkeit nachzuweisen, erkannten die Dominikaner als ihre Aufgabe, und an die Spitze derjenigen, welche gegen Juden und Judentum hetzten, trat, wie so oft in unserer Geschichte, ein Überläufer, ein Abtrünniger, ein Johannes Reuchlin ehemaliger Fleischer aus Mähren, Johannes Pfefferkorn, ein vorbestrafter Dieb, der vom Kaiser Maximilian eine Vollmacht erhalten hatte, die Bücher der Juden zu beschlagnahmen, sie zu untersuchen und, falls ihr Inhalt gegen den Christenglauben verstosse, zu vernichten. Pfefferkorn bemühte sich nun darum, für seine Aufgabe die Mithilfe Reuchlins zu erhalten, des schon damals allgemein verehrten. Hauptes der Humanisten, des begeisterten Vorkämpfers für das Studium der hebräischen und der griechischen Sprache. Reuchlin, 1455 in Pforzheim geboren, war schon mit noch nicht ganz 15 Jahren Student an der Universität Freiburg und erwarb in der folgenden Zeit auf Reisen durch Europa ein ungeheures Wissen. 26-jährig finden wir ihn als Rechtsanwalt in Tübingen; bald war er Berater von Fürsten, auch des Dominikanerordens; schliesslich, mit dem Titel “Pfalzgraf” geehrt, wurde er Bundesrichter in Württemberg und zuletzt, 1519, Professor in Ingolstadt. Er war der erste Christ, der eine hebräische Sprachlehre ausgearbeitet hatte, und in dem ihm abverlangten Gutachten über die Bücher der Juden erklärte er, “dass der Talmud die Auslegung der 613 Ge- und Verbote der Thora darstelle, in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten von den berühmtesten jüdischen Religionsforschem verfasst worden sei, und dass er die gesamte Theologie, Jurisprudenz und Medizin enthalte.” Die Verbrennung dieser Bücher, so sagte Reuchlin, sei auch deshalb sinnlos, weil anderswo, z.B. in der Türkei, den Juden die Freiheit des Unterrichts in ihren Religionsquellen gewährleistet sei. Er fügte auch noch hinzu, dass es töricht wäre, den Juden die Kommentare zu den Büchern der Heiligen Schrift zu nehmen, da diese die besten Vorarbeiten für die christlichen Ausdeuter der Bibel bildeten. ” Der Prozess, zu dem es kommen musste, zog sich etwa ein Jahrzehnt hin und endete mit dem Siege, dem Triumpfe Reuchlins, dessen vornehme Haltung durch keine Bedrohung von hoher und höchster kirchlicher Seite aus zu erschüttern war. Er war ein charaktervoller Mensch, bescheiden bis zum Ende seines Lebens am 30. Juni 1522, nach einem Leben von harter Arbeit, Sorgen, aber auch Erfolgen. Kaiser und Fürsten wurden in den Streit hineingezogen, der für uns Juden ohne Reuchlins Mut und Tatkraft furchtbare Folgen hätte haben können. Sein erwähntes, berühmtes Gutachten schloss mit den Worten: “Man solle den Juden keineswegs ihre Schriften nehmen oder verbrennen, vielmehr an jeder deutschen Universität zwei Professoren der hebräischen Sprache anstellen, welche allenfalls auch das Rabbinische zu lehren hätten. Die Juden sind Mitbürger des Deutschen Reiches und geniessen Recht und Schutz desselben; sie dürfen nicht als Ketzer angesehen werden, da sie keine Christen sind.” TÜRKEI Jüdische Zeitungen gehen ein Eine der beiden jüdischen Wochenzeitungen, “Vera Luz”, hat infolge Krankheit ihres Herausgebers, Elieser Menda, das Erscheinen einstellen müssen. Sie war eine Publikation in ladinischer Sprache. Die noch als einzige verbliebene jüdische Zeitung in der Türbei ist “Schalom”, von Avram Leon in Türkisch und Ladino wöchentlich herausgegeben. Eine in jüdischem Besitz befindliche Tageszeitung in französischer Sprache, “Le Journal d’Orient”, ist ebenfalls eingegangen. WAFFENGESCHÄFTE Das Stockholmer Friedensforschungs-Institut hat den Waffenhandel mit der sogenannten “Dritten Welt” untersucht und darüber ein umfangreiches Buch unter dem Titel “The Arms Trade with the Third World” veröffentlicht. Die wichtigsten Lieferanten waren die USA und Sowjetrussland, gefolgt von Frankreich und Grossbritannien. Im Jahre 1969 gaben die Entwicklungsländer in Asien, Afrika und Südamerika mehr als $ 1,5 Milliarden für Waffenkäufe aus; ihr Brutto-Nationalprodukt stieg in den letzten zwanzig Jahren um jährlich ca. 5%, die Ausgaben für im Ausland gekaufte Waffen dagegen um jährlich 9%. 95% des Waffenhandels werden von den Regierungen und nur 5% von der Privatwirtschaft kontrolliert. Die USA sandten 70 bis 80% der Waffen in Länder, die der Sowjetunion oder China benachbart sind. Sowjetrussland trat Ende der fünfziger Jahre mit zunächst sechs Abnehmerländern in das Geschäft ein, allmählich stieg die Zahl seiner Abnehmer auf 26 Staaten. Im Jahre 1969 betrug der Wert der amerikanischen Waffenausfuhr $ 580 Millionen, derjenige der Sowjetunion $ 320 Millionen, der Waffenexport Englands $ 200 Millionen und derjenige Frankreichs $ 90 Millionen. Nach der Stockholmer Untersuchung stehen die Länder des Nahen Ostens an der Spitze als Waffenkäufer. In den Jahren 1967 bis 1969 importierten sie Waffen für $ 590, 620 und 550 Millionen Dollar, dagegen erreichten Nord- und Südvietnam zusammen “nur” 530, 500 und 230 Millionen Dollar. Diesen beiden Gebieten folgten der Ferne Osten (ohne Vietnam), der indische Subkontinent, Südamerika, Griechenland und die Türkei, Südafrika und schliesslich Nord- und Zentralafrika. 70% der gesamten Waffenlieferungen gingen in den Nahen Osten und nach Asien, davon allein 25% des Gesamtexportes in den Nahen Osten. In diesem Zusammenhänge ist eine Nachricht von Interesse, die in diesen Tagen die israelische Presse brachte. Sie betrifft Israels eigenen Waffenexport. Danach erreichten die Exporte der in Israel gebauten Gabriel-Rakete — See zu See — einen Wert von $ 38 Millionen; es handelt sich dabei um die Lieferung vollständiger Raketensysteme an die Abnehmerländer. Die Regierung bezieht eine Lizenzgebühr von 5% von den Herstellern, der Firma Israel Aircraft Industries, und diese Einnahme erreichte den Betrag von IL8 Millionen. Für die Hebräische Universität Ein Norman- Bentwich- Gedenkfonds in London Mehr als ein halbes Jahrhundert hat sich, wie kaum ein anderer Zeitgenosse, Professor Norman Bentwich (London 1883-1971) — neben all seinen vielseitigen Interessen und sozialen, politischen und wissenschaftlichen Aktivitäten in Palästina, England, Israel und anderen Ländern der Welt — für die Förderung und den Ausbau der Hebräischen Universität in Jerusalem als einer Stätte auch der internationalen Verständigung eingesetzt. Für ihn waren weder sein Ehrenamt als Mitglied des Board of Directors noch der Vorsitz in der Gesellschaft der britischen Freunde der Universität auf dem Skopus eine äusserliche und nur nominelle Pflicht. Vielmehr war ihm die langjährige Verbundenheit mit der Hochschule an der er einst Professor war, und an ihren Einrichtungen und Trägem zur inneren, zur arbeitsmässigen Verpflichtung geworden, diesem einmaligen Werk jede nur mögliche praktische und moralische Hilfe angedeihen zu lassen. Seine Freunde haben nicht vergessen, wie oft und meist abgehetzt er zu diesem Zweck Reisen auch in ferne Länder unternommen hat. Im Gedenken an Bentwichs gutes und vorbildliches Tun und zur weiteren Förderung der Hebräischen Universität in seinem Sinn ist jetzt ein Aufruf zur Errichtung eines Bentwich-Fonds ergangen. Er ist von prominenten jüdischen und christlichen Vertretern des öffentlichen Lebens Grossbritanniens und Israels unterzeichnet. Zu diesen gehören David Ben-Gurion, mehrere Mitglieder des englischen Oberhauses, der Unterhausabgeordnete Sir Henry d’Avigdor Goldsmith, die Universitätsprofessoren Arthur L. Goodhart (Oxford), Albert Neuberger (London) und Walter Adams sowie vom Vorstand der englischen Freunde der Hebräischen Universität: Lord Cohen (Ehrenvorsitzender), Prof. Sir Isaiah Berlin (Oxford), der Londoner Bankier Edmund L. de Rothschild und Dr. M. L. Slovoter. E.G.L. ("Allgemeine”) Tomäs Freudenberg -N Contador Agustinas 715 - Of. 407 Fonos 33230-33581 ft? ALFOMBRAS W WIENER S.A. ALFOMBRAS SERVICIO DE LIMPIE» SISTEMA NORTEAMERICANO ToL 37731 IRARRAZAVAL 3020 Vento f, viVACETA 1190 - TEL. 374068 Recepcio'n I o I i no 1763

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