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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1972-09-01 · 9 (9.1972) · p. Seite 16

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXIV (1972)
Issue
9 (9.1972)
Date
1972-09-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 SEPTIEMBRE 1972 Milliarden-Pläne für Israels Zukunft von unserem Korrespondenten in Israel J. E. Palmon “Unsere Zukunft — der nächste Tag” — an dieses alte Wort des zionistischen Klassikers Leon Pinsker (im 19. Jahrhundert) wird in Israel angesichts der so unklaren Situation im Nahen Osten immer wieder erinnert. Trotzdem werden Zukunftspläne nicht für den nächsten Tag, sondern für viele Jahre hinaus gemacht. Im Mai 1973 wird anlässlich des Staatsjubiläums eine grosse Wirtschaftskonferenz in Jerusalem abgehalten werden, der ein umfassender Wirtschaftsplan für die Zeit bis 1980 vorliegen wird. Ausserdem hat die Zentrale für Wirtschaftsplanung im Amte des Ministerpräsidenten einen Plan für die nächsten Jahre bis 1976 ausgearbeitet, der sich nach allgemeinem Urteil durch Vorsicht und nüchternen Realismus auszeichnet. Nach diesem Plan soll die Bevoelkerungszahl im alten Israel (ohne verwaltete Gebiete) 1976 rund 3,6 Millionen Einwohner erreichen, im Vergleich zu 3,1 Mitte 1972. Jährlich sollen 50.000 Einwanderer ins Land kommen, welche Vermutung durch die Ziffern dieses Jahres unterstützt wird. Es gibt auch einen Alternativ-Plan, der von 80.000 Einwanderern pro Jahr ausgeht, aber der Leiter der Planungsstelle Elieser Ronen sieht 50.000 als realistischer an. Für die nächsten fünf Jahre werden die Einwohner Israels wohl ein schnelles Wirtschaftswachstum vor sich sehen, aber ihr Einkommen soll nur langsam steigen, um alle Mittel der Produktion und dem Export zuzuführen. Die Realloehne sollen sich nur geringfügig erhoehen, der private Verbrauch soll lediglich um 2,5% pro Jahr steigen. Dabei will die Regierung nicht “uniformistisch” Vorgehen, sondern den Minderbemittelten einen erhoehten Zuwachs sichern. Die Beschraenkung auf geringem Einkommenszuwachs kann nur durch erhoehte Steuern erreicht werden, und der Leiter der Planungsstelle Ronen hat sich offen zur Idee einer solchen “absorbierenden” Besteuerung bekannt. Auf diese Weise soll die Regierung jährlich 280 Millionen IL mehr an Einnahmen über die Ausgaben hinaus bekommen und ihre ständigen Defizite überwinden. Der Produktionsertrag soll jährlich um 7% steigen, die Ausfuhr um etwa 14% pro Jahr. Während das Handelsdefizit im Jahre 1971 noch 1,4 Milliarden Dollar betrug, soll es bis 1976 auf 950 Millionen gesenkt werden. Angesichts des immer noch vorhandenen Fehlbetrages sind zusätzliche Auslands-Schulden unvermeidlich, sie sollen von 3,6 Milliarden Dollar Mitte 1972 auf 5,4 Milliarden Dollar ansteigen. Für die gesamte Wirtschaftsentwicklung sind gewaltige Investitions-Summen notwendig: Ronen spricht von 39 Milliarden IL Investitionen in fünf Jahren, von denen 20 Milliarden IL aus dem Auslande kommen sollen, während der verbleibende Teil in Israel selbst aufgebracht werden muss. Sparen in Israel finanzierte 1970 etwa 6% aller Investitionen, etwa 15% in diesem Jahre, und 1976 soll durch eine gewaltige Anstrengung eine Steigerung des eigenen Investitionsanteils auf 60% erreicht werden. PLANUNG OHNE ZWANG Sind diese Ziffern ernst zu nehmen, oder handelt es sich bei den Milliarden um blosse Zukunftsmusik? Die Planungsangaben müssen mit Vorsicht genommen werden, da Israel wohl eine “demokratische” Gesamtplanung ausarbeiten kann, aber nicht mit Zwang, sondern nur mit indirekten finanziellen Mitteln auf die Entwicklung Einfluss gewinnen kann. Die Regierung kann Betrieben nicht wie in den kommunistischen Staaten Zwangsziele vorschreiben, aber sie kann mit Hilfe von Krediten (und besonders mittels der staatlichen Entwicklungsbank, der “Bank für Industrieentwicklung), auf die Linien des industriellen Aufbaus Einfluss gewinnen. Auch in diesem Rahmen sieht sich Israel oft grossen Überraschungen gegenüber, ausserdem ist das Land zu einem erheblichen Teil von den internationalen Währungsverschiebungen abhängig. Als der Dollar 1971 ins Rutschen kam, wartete Israel nicht ab, sondern wertete vorsorglich sein eigenes Pfund um 20% sogar gegenüber dem Dollar ab, was eine Abwertung um 30% und mehr gegenüber den starken Währungen, wie der DM bedeutete. Dieser Schritt wurde in Israel heftig kritisiert, weil er die Preise um etwa 5 bis 6% in die Höhe trieb und für das gesamte Jahr 1971 eine Preissteigerung um über 12% zur Folge hatte. Aber die wohltätigen Folgen dieser Abwertung blieben nicht aus: Im Jahre 1971 stieg die Ausfuhr Israels um den Rekord-Prozentsatz von 25%. Während bis Mitte 1971 die israelische Staatsbank grosse Sorgen mit ihren Devisenvorraeten hatte und um jeden Dollar und jede DM kämpfte, zeichnete sich in der zweiten Hälfte des Jahres 1971 eine staendige Steigerung der Devisenreserven ab. Sie hatten sich Ende 1970 auf 380 Millionen Dollar belaufen, waren Ende 1971 auf über 500 Millionen Dollar gestiegen. Und nun folgte eine dramatisch anmutende Entwicklung: Bis Juni 1972 sprangen die Devisenreserven auf 930 Millionen Dollar in die Hoehe, und Fachkreise meinen, dass mit bisher nicht ausgewiesenen Beträgen die Valutabestände die Rekord-Höhe von einer Milliarde Dollar überschritten haben. Die Waren-Ausfuhr ging nicht im Rekordtempo von 1971 weiter, aber in den ersten sechs Monaten 1972 erhoehte sie sich immerhin um 18%. Die Einkünfte aus der Touristik stiegen von 29 auf 42 Millionen Dollar im ersten Halbjahr 1972. Waren —Einkuenfte und Dienstleistungen (in erster Linie Touristik) brachten zusammen eine Steigerung von 22 %. Die positiven Entwicklungen sind damit noch nicht zuende: im ersten Vierteljahr 1972 gingen die Importe, vor allem für Sicherheitszwecke zurück, und das Ergebnis war, dass das Defizit in der Handels¬ und Zahlungsbilanz, das im ersten Vierteljahr 1971 etwa 400 Millionen Dollar betragen hatte, auf 170 Millionen Dollar gefallen war. In erster Linie waren Einfuhren für Sicherheitszwecke geringer geworden. Es handelt" sich nicht nur um eine Sai.sonerscheinung, sondern die staendige Ruhe am Suezkanal und an den anderen Fronten macht sich doch irgendwie bemerkbar. OPTIMISMUS TROTZ INFLATION Die Ziffern der ersten Monate des Jahres 1972 sind also weit optimistischer als die Zukunftsplanung von Elieser Ronen, wobei doch im allgemeinen die Schau in die Zukunft von einem beträchtlichen Optimismus auszugehen pflegt. Allerdings werden die optimistischen Tendenzen des ersten Halbjahrs durch starken Inflationsdruck “getrübt”. In den Monaten Januar bis Juni sind die Preise um durchschnittlich ein Prozent pro Monat gestiegen. Dabei ist jedoch klar, dass die Erhoehungen in erster Linie Folge der Superkonjunktur auf dem Baumarkt wären. Inzwischen hat die Baubewegung so zugenommen und die Preise für Eigentumswohnungen haben sich irgendwo “überschlagen", sodass eine gewisse Beruhigung eingetreten ist. Sie wirkt sich auch auf dem Arbeitsmarkt aus: dieser hat wohl einen grossen Teil der Einwanderer absorbiert, aber infolge Beruhigung in der Bauwirtschaft und Beendigung vieler Saisonarbeiten ist die Zahl der arabischen Arbeiter aus den verwalteten Gebieten, die in der israelischen Wirtschaft tätig sind, von 40.000 auf 36.000 zurückgegangen. Fachleute sagen nunmehr ein gemässigteres Tempo der Preisentwicklung voraus und glauben auch, dass man eine Regelung für die immer wieder auftretenden Lohnansprüche finden kann. Auf jeden Fall hat die Abwertung des vorigen Jahres plus der Devisenströme der letzten Monate dazu geführt, dass Israel von der Abwertung des britischen Pfundes und der internationalen Währungskrise in keiner Weise betroffen wurde. Schwierigkeiten können nur bei einer allgemeinen Freigabe der Kurse in Europa (floating) entstehen und bei einem negativen Verhalten der Euro-\ paeischen Wirtschaftsgemeinschaft gegenüber Israels Zollwünschen. Aber letztens besuchten zwei hohe Beamte der EWG Israel, um Israels Wünsche an Ort und Stelle zu studieren und insbesondere zu prüfen, welche Folgen der Eintritt Englands in die EWG für Israel haben kann. Ein Beispiel: israelische Zitrusfruchtsäfte werden heute zollfrei nach England importiert. Bleiben die heutigen Zollsätze der EWG in Kraft, dann wurden die Säfte mit einem Zoll von 20% belegt werden, was dem Export einen toedlichen Schlag versetzen würde. Dieser Aspekt der internationalen Handelsentwicklung wird in Israel weit ernster genommen als die staendigen Waehrungskrisen. Die Gegenüberstellung von heutiger Entwicklung und Zukunftsplanung zeigt, wie schwierig es ist, Prognosen für die Zukunft zu machen. Sicher ist jedoch, dass auch trotz Inflationstendenzen und Geldentwertung die Entwicklung Israels schnelle Fortschritte machen und dass weiter Vollbeschaeftigung herrschen wird. Marc Chagall MARC CHAGALL — 85 JAHRE Der Maler Marc Chagall, der seinen 85. Geburtstag feierte, erhielt aus diesem Anlass Glückwünsche des Staatspräsidenten Schazar, der Ministerpräsidentin Golda Meir und des Verkehrsministers Schimon Peres. Der israelische Botschafter in Paris, Ascher Ben-Natan, besuchte Marc Chagall in seinem Hause und erörterte mit ihm den Plan für den Bau eines Chagall-Museums in Jerusalem. Chagall wurde gebeten, für dieses Museum eine Anzahl seiner Bilder zu stiften. Golda Meir hat Chagall für den Herbst zu einem Besuch nach Israel eingeladen und will mit ihm den Pkitz für das neue Museum aüRvählen. Minister Schimon Peres teilte Chagall mit, dass das Kommunikations - Ministerium Ende des Jahres Marken herausbringen wird, auf denen die 12 Stämme Israels abgebildet sind, wie sie Chagall auf die berühmten Fenster der Hadassa in Jerusalem gemalt hat. FIAMBRERIA 0S0RN0 WOLFGANG SCHIROKAUER Avda Yrarrázaval 19C0 Telefon: 497472 Max Wetzstein & Sohn Av. M. Montt 2656 Fono 43379 Neubeziehen und Umarbeitungen Modernste importierte Besugsstoffe u. Inletts Parkas Acolchccdaa de Nylon Schlafsaecke Komme einmal im Monat nach Vifia u. nehme Auftraege entgegen. GOLDEN AGE Die naechste Veranstaltung findet am 2. Oktober 15,30 statt. Wir erwarten viele Gaeste und ganz besonders Sie.

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