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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1972-07-01 · 7 (7.1972) · p. Seite 17

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXIV (1972)
Issue
7 (7.1972)
Date
1972-07-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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JULIO 1972 17 MARTIN BIELSEI JUGEND GEGEN DIE BESTEHENDE ORDNUNG Einige von ihnen wurden in Arbeite- und Umerziehungslager gebracht. Aber es waren nur einige. Die anderen sieht man noch immer an bestimmten Plätzen der grossen Städte der Sowjetunion. Sie tragen die Haare länger, als es sonst im Vaterland des Sozialismus üblich ist — nicht ganz so lang wahrscheinlich wie ihre Kollegen im Westen. Sie meiden regelmässige Arbeit und sind Verbraucher von Rauschgiften, vorausgesetzt, es gelingt ihnen, sich diese zu beschaffen. Das ist in Russland nicht ganz leicht. Sie üben völlige Solidarität untereinander, dadurch existieren sie weiter, auch wenn ihnen, manchmal für Monate, jede Grundlage fehlt. Sie sind nicht einzuschüchtern. Verhaftungen haben sie nicht zum Verschwinden gebracht, und so beschlossen die Behörden der UdSSR, so zu tun, als ob das Problem nicht vorhanden wäre. Man drängt sie nur ab, versucht, sie an Orte zu verbannen, die nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit liegen. — In den anderen Ostblockländern sind diese Jugendkreise weit aktiver, hört man sie mehr. Hier ähneln sie ihren Freunden aus dem Westen so sehr, dass man sie äusserlich kaum unterscheiden kann. Spricht man mit ihnen, äussern sie sich sehr deutlich. Sie kämpfen gegen die bestehende Ordnung, gegen all jene, die diese Ordnung repräsentieren. Sie sind fest davon überzeugt, dass das Establishment versagt hat, dass es bewies, wie wenig es doch imstande ist, dem Menschen zu dienen. Diesen Glauben nähren all diese jungen Menschen, die im Aufstand sind. Historikern wird die Aufgabe zufallen festzustellen, was eigentlich voranging, die Auflehnung der jungen Menschen als solche oder die sozialen Begründungen, die dafür zweifelsohne existierten. Denn in Wirklichkeit wuchs ja dieser Aufstand zu seiner Grösse durch die zur Flamme werdende Empörung farbiger junger Menschen in den westlichen Ghettos. Er ergriff sozial tief stehende Schichten in allen Ländern, wobei es die Jugend ist, die nicht mehr bereit zu sein scheint, das Schicksal schweigend zu akzeptieren. Dass dann Kriege, die nicht enden wollten, eine Rolle spielten — so in Vietnam —, und der Abscheu dagegen, an eine Front geschickt zu werden, die man nicht als die seine empfand, kam erschwerend dazu. Auf diesem Boden wuchs die Überzeugung, dass die frühere Generation versagt hat, dass es ihr nicht gelungen ist, jenes Minimum an Recht und Ordnung zu schaffen, das man braucht, um allen Menschen die Möglichkeit der würdigen Existenz zu geben. In Europa kam noch hinzu, dass sich die Jugendlichen ihrer Eltern schämten, die all das mitgetan oder zumindest zugelassen hatten, was in dem Rückfall in die Barbarei geschehen war. Aus all dem wurde eine Bewegung der Revolte, der Abkehr von allem, was die bisherige Ordnung dar- V.elltc. Anarchisten Man nennt diese Jugendlichen so gern “Linke” da sie sich selbst “Neue Linke” rufen. Im Grunde trifft das wort kaum den Kern. Sie sind Anarchisten, denen ähnlich, die vor rund einem Jahrhundert Bomben warfen. Es kümmert sie wenig, wie die Welt von morgen aussehen soll — darin unterscheiden sie sich von allen echten sozialistischen Bestrebungen. Sie wollen die Welt von heute zerstö ren, in der festen Überzeugung. dass sie schlecht ist. Man bezieht sich gern auf jene, die an den Universitäten "evolutionäre Aktionen betreiben. Dabei sind diese wohl die Harmloseren, kaum mehr als die Bannerträger der wahren Revoltierenden, eine echte Revolution finden wir bti den gewalttätigen Verbänden aus benachteiligten Schichten, gleich wie sie sich nennen mögen, etwa die “Schwarzen Panther” in den USA. Hier geht es um echten Aufstand, der zumindest in seinen Ausgangspositionen berechtigt ist. Denn hier ist es nicht die “satte” Unzufriedenheit in Wohlstand lebender junger Menschen mit der Welt ihrer Eltern und daher die Auflehnung als Nervenkitzel, wie das meist in Westeuropa festgestellt werden muss. Die Revolte der gewalttätigen, unterprivilegierten jungen Gruppen mag in ihren Ausdrucksformen unsympathisch sein, aber sie trägt alle Merkmale echter Revolution, ihr fehlt jener Flimmerglanz der Pseudorevolte in übersättigten Gesellschaften im Westen des alten Kontinents. Dennoch sollte man nicht glauben, dass nicht auch aus diesen Pseudorevolutionären letzten Endes eine echte Revolution erstehen kann. Sie mögen, ist es so weit, selbst erschrecken, aber sie werden kaum imstande sein, dann die Geister, die sie riefen, zu bannen. In Israel Die Bewegung hat auch Israel erreicht. Sie begann hier auf einer echten Grundlage, derjenigen sozialer Ungerechtigkeit, aus dem verständlichen Empfinden der Zurücksetzung. Als diese Gruppen, bis zu einem gewissen Punkte ebenfalls gewalttätig, emporkamen, gelang es auch Nachahmern de*- übersättigten pseudorevolutionären Jugend Westeuropas in Israel Fuss zu fassen, es konnten “linke” Parolen mit verschwommenen Zielsetzungen verbreitet werden. Noch ist all das im jüdischen Staate wenig ausgebildet, keineswegs uberzeugend. Deneu, die aus wohlhabenden Häusern kommen, gelang es bisher nicht, die Führerschaft über jene Benachteiligten unserer Gesellschaft zu übernehmen, die ursprünglich aus guten Gründen rebelliert hatten. Diese jungen Leute sind geschickt genug, um zurückzusteken, wenn sie merken, dass sie zu weit gegangen sind. Als sie in Jerusalem Milchflaschen stahlen, um sie “armen Bevölkerungsschichten, zum Ausgleich, im Sinne der Gerechtigkeit” zu übergeben, da gingen sie die Milch bezahlen. Denn sie leben im Grunde nach wie vor entsprechend den Moralgesetzen der Welt, der Generationen, gegen die sie eigentlich kämpfen wollen — im Gegensatz zu jenen, die sich sehr darum bemühen, sie für ganz andere Ziele auszunützen. Als es in manchen Teilen der westlichen Welt schien, dass aus dem Jugendaufstand eine wahre Revolution werden könnte, zeigte sich die Gesellschaft in ihrer bestehenden Ordnung leicht beunruhigt, wenn man auch sicher zu sein glaubte, dass es nicht so schlimm werden würde, wie es vielleicht ein-, mal aussah. Inzwischen hat man sich getröstet, man meint, der Höhepunkt der Revolte sei vorüber. Man übersah und übersieht dabei, dass die Bewegung nicht von jenen ausgeht, die nach Neuem suchen, nur weil sie meinen, die Zeit sei gekommen, etwas Neues zu schaffen. Es bestehen starke Gründe für die Revolte, denen ähnlich, die jeden Aufstand gegen die bestehende Ordnung im Laufe der Geschichte hervorgerufen haben. Sie liegen in sozialem Unrecht, in Benachteiligung und Diskriminierung von Rassen und Hautfarben, in dem gesunden menschliCIien Wunsche, gleichberechtigt zu werden in einer Ordnung, in der solche Ungerechtigkeiten nicht mehr vorhanden sein können. Darin liegt der Emst dieser Unruhebewegung der Jugend überall auf der Welt. Die Mahnung, die an ün,s ergeht, sehen wir nicht zuletzt in der Tatsache, dass diese Unruhe überall ist, im Osten wie im Westen, unter allen politischen und sozialen Regimen, die es heute auf der Welt gibt. Diese Opposition, die nicht in den Parlamenten vertreten ist, muss ernst genommen werden. Spanier gegen Naziliteratur Der Verkaufsstand für antisemitische und nationalsozialistische Hetztliteratur auf dem Madrider Flohmarkt ist seit Jahren ein Ärgernis. Erstmals haben junge Spanier handgreiflich verdeutlicht, was sie von dieser Propaganda halten. Wie die Madrider Zeitung “Ya” berichtet, besuchten sie den Verkaufsstand und stritten mit dem Inhaber, der erstmals als Walter Matthaei, deutscher Staatsbürger, 57 Jahre, Ex-Infanteriehauptmann der Wehrmacht, identifiziert wurde. Es ist der geheimnisvolle Hauptmann Walter, der jedes Jahr Gast bei Gedächtnismessen für Adolf Hitler in der Madrider Kirche St. Martin ist. Die jungen Leute, vermutlich sechs Angehörige einer antifaschistischen Organisation, verprügelten den Standbesitzer, der sich auf einer Erste Hilfe —• Station behandeln lassen musste. Dann verschwanden sie spurlos, so wie sie gekommen waren. So lebensgefährlich, wie der Vorfall hingestellt wurde, muss es nicht gewesen sein. Anderntags hatte Walter Matthaei schon an die Zeitung “Ya” einen Leserbrief gerichtet, indem er behauptete, die sechs Spanier hätten ihn “feige von hinten angegriffen und mit Eisenstangen geschlagen”. Hinterlassen hätten sie als “Visitenkarte” ein Plakat und “subversive Flugblätter” mit der Unterschrift FRAP (Revolutionäre Antifaschistische Volksfront, eine Gruppe der extremen neuen Linken). Bisher waren feige Angriffe und Schläge mit Eisenstangen stets das Privileg der berüchtigten “Partisanen Christi”, denen der Hauptmann Walter so nahe steht und die ihm für seinen Verkaufsstand sogar eine Leibwache stellen. Waren die Leibwächter des antisemitischen Propagandisten gerade an diesem Tag verschwunden? Es sind immer vier, übrigens sehr kräftige Erscheinungen, die es mühelos mit einem angriffslustigen Sextet aufnehmen können. Dieser Vorfall dürfte eine auf gute Beziehungen zu Bonn bedachte Regierung zumindest dazu veranlassen, diesen Propagandastand von Amts wegen zu schliessen. Es versteht sich am Rande, dass die dort feigebotene Literatur der “Aktion Widerstand” und anderer Gruppen der extremen Rechten die Bonner Friedenspolitik schmäht und in ihrer spanischen Fassung manches Gemüt auf der Iberischen Halbinsel verwirrt. (“Algemeine”, Düsseldorf) FUER IHRE NAECHSTE REISE innerhalb Chiles oder nach EUROPA, VER. STAATEN etc. haben wir Verlangen Sie Vorschlaege und SPEZIALOFFERTEN kostenlose, unverbindliche Ausarbeitung eines Reiseplanes ES LOHNT SICH antes "Gondrand Turismo" Santiago Valparaiso Agustinas 1049 Prat 725 OL 205 TeL 82662/3 TeL 57149

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