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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1972-06-01 · 6 (6.1972) · p. Seite 16

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXIV (1972)
Issue
6 (6.1972)
Date
1972-06-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 JUNIO 1972 JUDEN IN FRANKREICH Die Liga gegen Rassismus und Antisemitismus hat den - Preis für die Bekämpfung des Rassismus 1971 dem Schriftsteller und Geschichtsforscher Léon Poliakov verliehen. Man hätte keinen Würdigeren finden können. Ist doch das gesamte Wirken dieses Gelehrten dem Kampf gegen Rassenvorurteile gwidmet, vor allem die gross angelegte dreibändige “Geschichte des Antisemitismus”, ferner sei die interessante Schrift “Von Antizionismus zum Antisemitismus” genannt. Vorher erschien das “Brevier des Hasses”. In seinem letzten Werk, “Le mythe aryen”, beweist er die Haltlosigkeit jener Rassentheorien, mit denen der Nationalsozialismus seine wahnwitzige Politik zu rechtfertigen versuchte. Von allen Ländern Europas weist heute Frankreich die stärkste jüdische Bevölkerung auf: 580.000. Davon leben allein in Paris 300.000. Von 55.000 vor dem ersten Weltkrieg stieg die Zahl der Juden durch Einwanderung aus Ägypten und osteuropäischen Ländern auf 270.000. Der NS-Terror aber forderte 120.000 Opfer. Der Zustrom aus Nordafrika, besonders aus Algerien, erhöhte die jüdische Bevölkerung zur* gegenwärtigen Stärke. Diese Zahlen verdanken wir neben vielen anderen interessanten Angaben dem “Guide juif de France”, den der Verlag Migdal, Paris, soben in der zweiten, bedeutend erweiterten Auflage herausgebracht hat. Da er in klarer und übersichtlicher Form alles zusammenfasst, was der interessierte Leser wissen sollte oder möchte, wird das Buch zu einer kleinen Enzyklopädie des modernen Judentums in Frankreich. Einer Liste aller jüdischen Kultusgemeinden mit genauer Angabe der Seelenzahl und der Namen der Beamten folgen die Adressen der Restaurants und Fleischereien, die unter Rabbinatsaufsicht stehen und volle Garantie für strikte Beobachtung der rituellen Speisevorschriften bieten. Ein mit Zahlen belegter Abriss der jüdischen Geschichte belehrt über das wechselvolle Schicksal des französischen Judentums. Eine in dieser Vollständigkeit sonst nicht anzutreffende Liste der jüdischen Denkwürdigkeiten und Erinnerungsstätten gibt dem Touristen wertvolle Hinweise. Besonders dankbar wird das Adressverzeichnis begrüsst werden, das alle Institutionen, Vereine, Schulen, Ulpanim und Bibliotheken enthält, die dem Suchenden Zeit sparen helfen und den Wissensdurstigen zu den Quellen führen kann. Wenn es überrascht, dass in Paris 50 Strassen nach Juden benannt wurden, so wird diese Tatsache aus den beigefügten Kurzbiographien aller im öffentlichen Leben tätigen Juden begreiflich. Ob es um Theater, Musik, Zeitungswesen, Sport, Industrie oder Kunst geht, überall sind Juden, ganz besonders aber in der Wissenschaft hervorragend tätig. Darf man damit die Tatsache in Verbindung bringen, dass sich der auch in Frankreich nie ganz zum Verschwinden gekommene Antisemitismus von der bürgerlichen Rechten jetzt mehr in die intellektuelle Linke verlagert hat? Bemerkenswert ist auch, dass sich unter den 40 regelmässig erscheinenden jüdischen Publikationen keine einzige Tageszeitung in französischer Sprache befindet, wohl aber zwei jiddische. Ein reiches statistisches Material, das die Einstellung der französischen Bevölkerung in Zahlen festhält, sowie Angaben über Juden in anderen Ländern ergänzen in nützlichster Weise das Buch. Der Träger des Friedens-Nobelpreises 1968, René Cassin, hat ein Vorwort beigesteuert, in dem er das Werk treffend als Arbeitswerkzeug und unentbehrliches Quellendokument bezeichnet. Zum Offizier der Ehrenlegion wurde Prof. Peter Maxime Schul ernannt. Schul hat nicht nur als Professor an der Sorbone Bedeutsames zum Studium der Ideen Platos beigetragen, sondern auch in seiner Lehrtätigkeit am Israelitischen Seminar Generationen von heute hervorragenden Rabbinern herangebildet. Gleichzeitig wurde auch Roger Berg, der durch seine Verlagstätigkeit in Frankreich bestens bekannte Journalist und langjährige Direktor des Organs der israelitischen Kultusgemeinden, in die Ehrenlegion aufgenommen. Daunendecken Neubeziehen und Ausbessern sewie alle Federarbeiten in bester Ausfuohrung uebernimmt Frau Ilse Philipp LINCOYAN 862, oltos Ecke Av. Italia&Yrarräzavai Yrarräzaval Hoehe 700 Importierte Stoffe und Inlett fuer Daunendecken am Lager TELEFON 498322 Bettwaesche-Aussteuer HIFE FÜR ANNE- FRANK-STIFTUNG Im Auftrag von Bundespräsident Gustav Heinemann hat der deutsche Botschafter in Den Haag, Dr. Hans Arnold, der Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam eine 10.000-Mark- Spende überreicht. Sie soll die Restaurierung der baufällig gewordenen Gedächtnisstätte für Anne Frank finanzieren helfen. Deutsche Vor kurzem beschäftigte sich die Knesseth, Israels Parlament, mit einer Interpellation der nationalistischen Gachal-Fraktion, die gegen die Grundstücks- und Bodenankäufe seitens deutscher “Ex-Nazis und Missionäre” protestierte. Landwirtschaftsminister Givati erwiderte ärgerlich, er weigere sich, in jedem Deutschen einen ehemaligen Nazi und christlichen Missionär zu sehen, und das Thema wurde einem Ausschuss überwiesen. Dramatischer ging und geht es in Sichron Jaakov zu: dieses verschlafene Städtchen unweit von Haifa, idyllisch zwischen Weinbergen gelegen und seiner Weinkellereien wegen berühmt, war in letzter Zeit immer wieder der Schauplatz heftiger Demonstrationen — chauvinistische Jugendverbände randalierten gegen den Erwerb ehemaliger Hotelpensionen durch Deutsche; religiöse Fanatiker demonstrierten gegen den Ankauf von Grundstükken durch christliche .Missionäre, aber das Objekt des Protestes war in allen Fällen das gleiche, nämlich Frau Emma Berger aus Kornthal bei Stuttgart. Deutsche caritative Institutionen und Organisationen haben in den letzten Jahren in Jerusalem, Nahariyah, Hierzliah und Tivon Grundeigentum erworben, ohne dass es zu Störungen kam. Nur im Falle von Frau Berger wurden Emotionen geschürt, politisches Kapital herausgeschlagen und auf beiden Seiten der liebe Gott als Zeuge angerufen. Als die betagte Frau Dora Schwarz ihre alt-renommierte Hotel-Pension in Sichron Jaakov verkaufen wollte, fragte sie zuerst den Ortsrat an, ob er an dem Grundstück interessiert sei. Da in der Stadtkasse kein Geld vorhanden war, verkaufte sie an RELIGION UND STAAT Ministerpräsidentin Golda Meir erklärte anlässlich der Debatte über Staat und Religion in der Zentrale der Arbeitspartei, möglicherweise werde man eine Urabstimmung unter den Mitgliedern der Partei veranstalten, ob der Status quo beibehalten werden soll oder ob die Partei für Aenderungen des Personenstandsrechtes eintreten solle. Golda Meir bemerkte dazu, dass nach ihrer Auffassung noch nicht die Zeit für eine solche Aenderung gekommen sei. Zugleich griff sie das Establishment des Oberrabbints an, da es nicht verstanden habe, Lösungen für die Probleme unserer Zeit zu finden. kaufen Grundstücke ÇJm (Ju'tutL den erstbesten Bieter, Frau Berger. Die Angelegenheit wäre damit erledigt gewesen, wenn Frau Berger nicht versucht hätte, Felder und Böden von beträchtlichem Umfang rings um das Anwesen zu kaufen. Der Ortsrat, darauf aufmerksam gemacht, fand heraus, dass bereits zu einem früheren Zeitpunkt eine andere Pension, “Haus Bracha”, in Frau Bergens Eigentum übergegangen war. Die Leute im Ortsrat wurden nunmehr misstrauisch und wandten sich an das Innenministerium, das bereit war, eine beträchtliche Subvention auszuwerfen, um die Böden zum Zwecke eines Schulbaus zu erwerben. Aber auch das Ministerium konnte nicht mit Frau Berger konkurrieren, die ihr Kaufangebot fast verdoppelte. Einen Vorschlag, auf dem Grundstück eine Schule errichten zu lassen, wurde von ihr trotz einer Intervention der Deutschen Botschaft abgelehnt. “Ich kann nicht gegen das Gebot Gottes verstossen”, erklärte sie; sie müsse die- Ländereien für ihre eigenen Zwecke nützen. So geschah es, dass man sich für diese Zwecke zu interessieren begann, umso mehr, als sich herausstellte, dass Frau Emma Berger Grundstücke und Böden auch in Haifa, Chedera, Benjamina und Pardes Channa erworben hatte. Was macht Frau Berger mit den Häusern und Feldern? “Wir sind keine religiöse Organisation, sondern eine Gruppe von Gläubigen, die von der Wahrhaftigkeit aller biblischen Profezeiungen überzeugt sind. Unsere Aufgabe liegt darin, die Angehörigen unserer Gruppe nach Israel zu bringen, um zu arbeiten und Gott zu dienen. Seit 1963 brachten wir 43 Gruppen von je 70 Personen ins Land. Wir lieben die Bibel, das Volk Israel und den Staat Israel”. Sie habe die Häuser gekauft, damit ihre Freunde “nach dem Besuch der heiligen Stätten eivon Herbert Freeden (Jerusalem) nen Ort haben, wo sie über Gott nachdenken und privat auch Boden bearbeiten können”. Die Menschen, die nach Sichron Jaakov kommen, erhalten ausser Kost und Quartier ein geringfügiges Taschengeld für ihre Arbeit, “wie in einem Kibbuz”. . Woher kommen die Millionen, die Frau Berger in die Grundstücke in Israel investiert hat? Die Angehörigen ihrer Sekte, die keinen Namen hat, stellen, so heisst es, 10 Prozent ihres Einkommens dem Werk im Heiligen Lande zur Verfügung. “Es ist das Geld Gottes und die Sache Gottes. Ich bin seine Finanzverwalterin”. Aber nicht der Name Gottes, sondern der von Emma Berger erscheint im Grundbuch als Eigentümer. Die Einwohner von Sichron Jankov und darüber hinaus die Religiösen Parteien fürchten, dass hinter der harmlosen Fassade dieser Touristenorganisation sich eine Sekte verbirgt, die Mission betreiben will, und gegen christliche Bekehrungsversuche sind die Israelis besonders empfindlich. Einige Erklärungen der sonst recht presse-scheuen Frau Berger könnten darauf deuten, wie etwa “Solange die Juden Jesus nicht anerkennen, werden sie von Unglück verfolgt werden... Sobald aber die Juden Jesus als Gottessohn anerkennen, wird Israel zum Zentrum der Welt, zum Schauplatz neuer Wunder”. Vorläufig jedoch kann man ihr nichts vorwerfen und von einer Missionstätigkeit ist nicht die Spur. Die deutschen Gäste in Sichron Jaakov, wie in den anderen Ortschaften, leben zurückgezogen, fern vom Rampenlicht der Öffentlichkeit. Sie meiden gesellschaftlichen Kontakt mit ihren Nachbarn und, wenn angesprochen, verweigern sie jede Auskunft. Von ihrer Umgebung nehmen sie keine Kenntnis — nicht einmal von den lauten Demonstrationen randalierender Jugend. FOTO TIMAR NUEVA YORK 54 — Fono 64943 Retratos Artísticos — Reproducciones y Ampliaciones de todas clases para Diarios, Imprentas — Fotografías de Propaganda para Industrias — Trabajos para Aficionados — Albumes para Matrimonios — Fotocopias al instante con XEROX PREISFRAGE: Wann braucht eigentlich ein moderner Skifahrer überhaupt noch zu gehen? Auf den Berg wird er vom Lift hinaufgezogen, talwärts rutscht er. In den Sanitätswagen wird er schliesslich gehoben, und in den Gips wird er gelegt. Der Autor Siegfried Sommer (“Aufbau”) ANZEIGEN bis zum 26. Juni

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