Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIV (1972)
- Issue
- 2 (2.1972)
- Date
- 1972-02-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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FEBRERO 1972 BOLETIN INFORMATIVO 11 ARABISCHER BÜRGERMEISTER DAEMMT DEN TERROR EIN: NEUER WIND WEHT IN GAZA Von Herbert Freeden (Jerusalem) Es klingt wie eine orientalische Version von Hitlers Tod: drei Jahre lang stand der Name des Vizekommandeurs der “Volksfront für die Befreiung Palaestinas” im Gazastreifen, Hassis al-Bassili, auf der Suchliste der israelischen Sicherheitsdiens t e. Nachdem es ihnen gelungen war, die arabischen Freischärler im Gazagebiet von der Aussenwelt abzuschneiden und Stadt für Stadt, Lager für Lager nach Terroristen durchzukaemmen, flüchtete Bässili in einen Bunker unter einem Orangenhain. Die 18 jaehrige Tochter des Plantagenbesitzers brachte ihm Essen und Trinken und verbrachte die Naechte mit ihm. Heimlich heirateten die beiden —eine einfache Prozedur nach moslemischem Ritus. Als eine israelische Patrouille den Bunker entdeckte, wurde sie mit Feuer empfangen —aber nicht für lange. Bassili schien seine aussichtslose Lage erkannt zu haben: die Soldaten drangen in den Bunker ein und fanden das Paar tot. Bassili hatte erst seine junge Frau und dann sich erschossen. Er war damit seinem Boss gefolgt, al-Husseini, dem Befehlshaber der “Volksfront” im Gazabezirk, der ebenfalls mit Selbstmord endet e— allerdings im Hause des Bürgermeisters. Aber hier hoert die Romantik auf und die Politik beginnt. Zum ersten Mal seit der Besetzung hat Gaza in seinem Bürgermeister nicht nur einem Kommunal - Beamten, sondern eine politische Figur von weitgehendem Einfluss: Rashed a-Shava ist ein reicher Kaufmann und Grundbesitzer, dessen Familie seit 600 Jahren in der Stadt ansaessig ist. Vor einem Jahr setzte der Militaergouverneur seinen Amtsvorgaenger Radgib el-Alami wegen Unfaehigkeit ab und nachdem die Stadtgeschaefte eine zeitlang kommissarisch verwaltet worden waren, Unterzeichneten 6.000 Bürger eine Petition, in der sie baten, Rashed a-Shava zum Bürgermeister zu machen. Die Familie a-Shava stellt nicht zum ersten Mal das Stadtoberhaupt. Im Jahre 1956, nach dem Sinai-Feldzug, hatte Rushi a-Shava, ein Bruder des heutigen Bürgermeisters, das Amt unter der damaligen M i 1 i taerverwaltung inne. Als die Aegypter in die Gazazone zurückkehrten,' wurde er der Kollaboration mit Israel angeklagt, lange Jahre in aegyptischen Gefaengnissen gefangen gehalten und erst auf Grund einer amerikanischen Interpellation freigelassen. WENIGER TERROR Mit der politischen Führung in den Haenden von Hashed a-Shava, unterstützt von einem Stadtrat der Honoratioren, ist der Einfluss der jungen Extremisten, die mit den Mitteln der wahllosen Terrors und der Sabotage ihr Ziel zu erreichen suchen, fühlbar zurückgegangen. Das besagt aber nicht .dass a-Shava nicht Kontakt mit ihnen hat —im Gegenteil, um ihr Leben zu retten und zur Pazifizierung im Gazastreifen beizutragen, versuchte er, die Evakuierung von 30 gesuchten Freischaerlern nach dem Libanon zu bewerkstelligen, nachdem Beirut zoegernd die Einwilligung gegeben hatte. Bevor jedoch diese Operation gelang, klopfte es eines Nachts an seinem Haustor und Zaid Husseini, der Kommandeur der “Volksfront” bat erschöpft um Asyl. Shava stand vor einem Gewissenskonflikt: a r a b i sche Tradition verlangte von ihm, den Hilfesuchenden aufzunehmen; das Gesetz jedoch forderte , ihn der Polizei zu übergeben, Shava entschied sich für die alte Ueberlieferung der Gastfreundschaft und versteckte den Terroristenführer in seinem Hause. Damit setzte er sich strengster Bestrafung aus. Nach einem Monat, als sich das Netz der Polizei immer enger um Gaza schloss und von Evakuierung nicht mehr die Rede sein konnte, nahm sich Husseini das Leben. Der Bürgermeister benachrichtigte die Behoerden. Dem Buchstaben des Gesetzes zufolge baette er, wegen Beihilfe zum Terror, Amt, Haus und Freiheit verlieren müssen. Er wandte sich an Moshe Dayan und erklaerte ihm seine Motive, und nach langwierigen Untersuchungen entschied man, das politische Leben im Gazastreifen nicht wieder ins Chaos zu stürzen und aus Shava keinen Maertyrer zu machen. Man begnügte sich mit einem Entschuldigungsbrief, in dem der Bürgermeister schrieb, dass er es für seine Pflicht hielt, Verbindungen mit der “Untergrund” herzustellen, um das taegliche Leben aller Bürger normalisieren zu helfen. Shava ist auch heute noch mutig genug, seine politische Meinung offen zu bekennen. So erklaerte er, dass er in den Terrorakten einen verstaendlichen Protest gegen die Besetzung sieht, aber dass er Anschlaege auf Zivilisten schaerfstens verurteilt. Einige Terroristen-Führer seien echte Patrioten, andere jedoch einfach Banditen. Nach seiner Meinung sollten der Sinai und die Golan-Hoehen den “rechtmässigen Besitzern” zurückgegeben werden, und der Gazastreifen sowie das ehemals jordanische Westufer auf fünf Jahre ein Protektorat der Vereinten Nationen werden, um den Palaestinensem die Möglichkeit zu geben, zu entscheiden, ob sie sich Jordanien oder Israel anschliessen oder unabhängig bleiben wollen. TRAURIGE BILANZ Bei der nachsichtigen Beurteilung. von Shavas Verhalten erinnerte man sich in Israel, dass sein Vater im Jahre 1929 die seinerzeit in Gaza lebenden 30 jüdischen Familien vor einem Pogrom gerettet hat. Als der aufgeputschte arabische Mob das Regierungsgebäude der Stadt stürmen vollte, in dem sich die Juden verschanzt hatten, erschien Haj Zaid Shava mit seinen beiden Söhnen und verschaffte ihnen freies Geleit. Seit Juni 1967, dem Ende des 6 Tage-Krieges, wurden 248 arabische Bewohner des Gazastreifens von Terroristen ermordet, darunter 55 Frauen und 38 Kinder; 1373 arabische Bürger wurden verwundet, unter ihnen 120 Frauen und 245 Kinder. Die israelischen Verluste betragen 22 Soldaten und 23 Zivilisten. Im Laufe des vergangenen Jahres ist es gelungen, den Terror zu brechen - durch Isolierung des Gazastreifens von den draussen operierenden Guerillas; durch “Ausdünnungs-Aktionen” in den überfüllten Flüchtlingslagern; und durch Hebung des Lebensstandards durch eine Politik der Vollbeschäftigung. Von einer Bevölkerung von 340.000 haben über 16.000 Arbeitsplätze in Israel gefunden, 1971 wurden 887 Terroristen gefangen und 104 getötet. Von einer Liste von 200 Namen steckbrieflich gesuchter Freischaerler —auf der an erster und zweiter Stelle Husseini und Bassili standen— sind kaum mehr als ein Dutzend übrig geblieben. “INSTANT GEFILTE FISCH” IN ISRAEL Die israelische Firma Telma hat ein neues Produkt, gefilte Fisch in Pulverform, auf den Markt "gebracht. Das eine Saeckchen der Packung, bestehend aus Trockenfischpulver, wird mit einem Ei zu einer Masse gerührt; der zweite Sack enthaelt die Grundkomponenten für die Sauce. Die Packung ist für vier Personen ausreichend. Die Speise kann in 15 Minuten hergestellt werden. WIR SUCHEN FUER UNSER ALTERSHEIM, FIAMBRERIA halb-oder ganztaegig, eine Dame, die auch mit buchhalterischen Kenntnissen vertraut ist. 0S0RN0 Offerten oder persoenliche Vorstellung: WOLFGANG C I S R O C O SCHmOKAUZR Portugal 810, 2? Piso — Tel. 224007 Avenida Yranáaavai 1100 Telefon: 4*7471 Die Juden In Australien Australiens Judenheit ist eine der sichersten und fundiertesten Gemeinschaften, wie Besuche in den straff organisierten jüdischen Gemeinden im ganzen Lande ergeben haben. Die Gesamtzahl der Juden in Australien belaeuft sich auf 70.000, von denen der Grossteil in den Staedten Sydney und Melbourne ansaessig ist. Die beiden Staedte sind sowohl kulturell wie klimatisch unterschiedlich, und es existiert ein Sprichwort, wonach “Sydney eine warme Stadt mit kalten Juden, und Melbourne eine kalte Stadt mit warmen Juden” ist. Harry S. Goldstein, der Praesident des New South Wales Jewish Board of Deputies, ist sich bewusst, dass eine freundschaftliche Rivalitaet zwischen den Juden der beiden Zentren besteht. In Sydney sind die meisten Juden deutschen oder ungarischen Ursprungs, waehrend diejenigen in Melbourne hauptsaechlich aus dem europaeischen Osten kommen und staerker in der Jiddischkeit verwurzelt sind. Die Mehrheit der Kinder der Gemeinde in Melbourne, im ganzen 2700, besucht sieben jüdische Tagesschulen, deren groesste das Mount Scopus College ist. Der Bildungslauf reicht vom Kindergarten bis zur Mittelschule, nach deren Abschluss ein Universitaetsstudium ohne weiteres moeglich ist. 700 Schüler besuchen die Lubawitscher Jeschiwa mit der Unterrichtssprache Jiddisch. Die meisten Gemeindeaktivitaeten in den fünf aus- | tralischen Staaten finden auf der Basis der regionalen ' Jewisch Boards of Deputies statt, die einen gemeinsamen; Exekutivrat gebildet haben als einheitliches Sprachrohr der australischen Judenheit. Dieser arbeitet mit dem Jüdischen Weltkongress sowie überseeischen Gemeinschaften zusammen und stellt die Verbindung zu Regierung und staatlichen Instanzen in allen die Juden berührenden Fragen dar. Eine seiner neuesten Schöpfungen war \ die kürzliche Errichtung der Föderation jüdischer Gemeinden von Südostasien und dem Fernen Osten. Die Kampagnen zur Aufbringung von Geldern für soziale und kulturelle Aufgaben im Lande sind von vollem Erfolg begleitet. So kommen in Sydney allein je- I weils eine Viertelmillion Dollar zusammen, die dort an 13 Institutionen verteilt werden, mit einem immer staerker wachsenden Anteil für Erziehungszwecke. Die vor den Feiertagen beendete Kampagne für den United Israel Appealt hat allein in den beiden Grosstaedten drei Millionen Dollar erbracht. Auch der Jüdische Nationalfonds und die Freunde der Hebraeischen Universitaet sind sehr aktiv, und die traditionellen blauen Büchsen des KKL findet man überall vor. Mischehen werden mehr und mehr zu einem Problem der Sorge, und man schaetzt deren Anteil auf 25 Prozent. Zwei Ereignisse haben allerdings mitgeholfen, viele Jugendliche zu ihrer Identitaet zurückzuführen: der Sechstagekrieg und die Bewegung zugunsten der russischen Juden. Ein Antisemitismus tritt praktisch nicht in Erscheinung; gegebenenfalls interveniert der Board unmittelbar auf politischer Ebene. Australien kennt keinerlei religioese Beschraenkungen, und Juden haben seit Jahren prominente Stellungen im politischen und richterlichen Sektor inne; im Bundesparlament gibt es heute vier jüdische Abgeordnete. Die Freundschaft des Landes zu Israel basiert auf zwei Faktoren: erstens haben 200.000 australische Soldaten waehrend des Krieges im Nahen Osten gestanden und sind nicht unbedingt Freunde der Araber geworden, zweitens waren zwei wichtige Persoenlichkeiten in der australischen Geschichte Juden. Sir Isaac Isaacs war der erste im Lande geborene Generalgouvemeur, und Sir John Monish war hoher Kommandant der australischen Armee im Zweiten Weltkrieg. Es erscheinen drei jüdische Zeitungen im Lande, deren Redaktoren anlaesslich eines Treffens mit dem Autor dieses Artikels übereinstimmend das Problem, die Jugend dem Judentum zu erhalten, als vorherrschend bezeichneten. Vor kurzem ist eine neue Jugendbewegung ins Leben gerufen worden: das Jewish Identification Movement. Dieses verlangt von den Gemeinden ein staerkeres Engagement in politischen und sozialen Fragen, wie Vietnam und Drogenkontrolle. Der Reichtum auch im jüdischen “Establishment” hat zu einer gewissen Entfremdung von Jugendlichen geführt, die sich fragen, warum sie Juden bleiben sollen in einem Lande, wo Freiheit leicht erreichbar ist. Gleichwohl ist man um die Zukunft der australischen Judenheit nicht allzu besorgt. Die jüdischen Gemeinden sind bereit, allen Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind, zu begegnen. J. I. Fischbein (JTA). (Isr. Wochenblatt, Zürich) ■■II1H1HIT«—»am—i—Mi—bbs—ca—■■ n n Richmond FABRICA DE IMPERMEABLES, PARKAS, ROPA DE CUERO Víctor Kranskopi y Cía. Ltda. San Diego 1817