Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIV (1972)
- Issue
- 1 (1.1972)
- Date
- 1972-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- Arnold J. Toynbee 2× ep/1025697
- Sigmund Freud 2× ep/1025006
- Albert Einstein 1× ep/1003296
- Bertha von Suttner 1× ep/1025669
- Bertrand Russell 1× ep/1025542
- Georges Duhamel 1× ep/1025976
- Hermann Hesse 1× ep/1025125
- Oswald Spengler 1× ep/1025632
- Peter Ustinov 1× ep/1025713
- René Schickele 1× ep/1025564
- Romain Rolland 1× ep/1025528
- Stefan Zweig 1× ep/1025800
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12 BOLETIN INFORMATIVO ENERO 1972 Krieg und Frieden Krieg und Frieden, das ist die .Frage, die sich heute wieder den Menschen stellt, die das Denken aller Verantwortlichen beschaeftigt. Und das, obwohl die Menschheit zwei Weltkriege hinter sich hat und alles Grauen im frischen Gedaechtnis, obwohl es eine moderne internationale Friedensbewegung gibt und in vielen Laendern Kriegsdienstverweigerer und obwohl vor 25 Jahren die Organisation der Vereinten Nationen in der feierlich erklaerten Absicht geschaffen wurde, “kommenden Generationen die Geissei des Krieges zu ersparen, die zweimal waehrend unserer Genera tion unermessliches Leid über die Menschheit gebracht hat”. Den meisten Menschen dürfte der Wunsch vorschweben, ihr Leben friedlich und unkriegerisch zu verbringen. Wie kommt es, dass trotzdem die Geschichte der Menschheit erfüllt ist von Kriegen? Nach einer Schmelzung aus dem Jahre 1950 gab es seit 3.665 Jahren nur 323 reine Friedensjahre und 8.250 Friedenschlüsse. Prof. Durant in seinen “Lehren der Geschichte” schreibt: “Krieg ist eine geschichtliche Konstante, und weder Zivilisation noch Demokratie haben vermocht, ihn aus der Welt zu schaffen, ln den letztvergangenen 3.421 Jahren, von denen wir geschichtliche Kunde haben, gab es nur 268 Jahre ohne Krieg”. Zahllose Historiker berichten über diese Ereignisse. Kaum ingendwo wird versucht, die Ursachen oder die tiefere Notwendigkeit zu analysieren. Nur Philosophen tun es, die modernen ausser Nietzsche mit einer Antikriegs-Einstellung, Kant schrieb sein schönes Werk “Zum ewigen Frieden”, in dem er den Frieden für das letzte Ziel des ganzen Völkerrechts erklaerte. Aber ein bedeutender Philosoph des Altertums, Heraklit, stellte den lapidaren Satz auf, dass der Krieg der Vater aller Dinge sei. Die chaotischen Zustaende, die am Ende des 6. vorchristlichen Jahrhunderts in seiner jonischen Heimat herrschten, veranlassten Heraklit, der aus königlichem Hause in Ephesos stammte, sich ins Gebirge zurückzuziehen und in der Naehe eines Tempels als erster uns bekannter Eremit zu leben und zu sterben. Von den Dichtem fand Goethe, dass der “Krieg in Wahrheit eine Krankheit” sei und “die Welt einem Tollhaus” gleiche. Im hohen Alter aeusserte er sich sehr kritisch über die menschliche Natur. “Die Menschen sind nur dazu da, einander zu quaelen und zu morden, so war es von jeher, so ist es, so wird es allezeit sein”. Der grosse Pazifist Tolstoi hat in einem vierbaendigen Roman “Krieg und Frieden” die Ereignisse der napoleonischen Zeit als eine Warnung vor künftigen Kriegen dargestellt. Nach dem Ersten Weltkrieg sind unzaehlige Bücher zur Warnung und Abschreckung' geschrieben worden, und ihre Massenauflagen zeigten, dass die Resonanz ihres Denkens weite Kreise erfasste. Für viele andere sei hier nur an Remarques “Im Westen nichts Neues” und Barbusse’s Feuei*' erinnert. Der Friedensgedanke wurde zur Leitlinie in den Werken von Arnold und Stefan Zweig, Fritz von Unruh, Hermann Hesse» René Schickele, Leonard Frank, Ludwig Renn und vor allem Bertrand Russell und Romain Rolland. Alle diese flammenden Aufrufe haben den Zweiten Weltkrieg ebenso wenig verhindern können, wie die mit dem Friedens-Nobelpreis ausgezeichnete Bertha von Suttner den Ersten Weltkrieg durch ihren Aufruf "Die Waffen nieder" verhindérn konnte. PAN - EUROPA Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Vereinigung gegründet, die die Weltregierung erstrebte. Persönlichkeiten wie der Dirigent Sir Adrian Boult, Pablo Casais, Thor Heyerdahl, Peter Ustinov, Georges Duhamel, der Earl Attlee, Lord Boyd Orr und Lord Beveridge stellten sich an die Spitze der Bewegung. Leider sind auch diese Bestrebungen ohne grosse Resonanz geblieben, waehrend immerhin die von Coudenhove Calergi eingeleiteten und von politischen Persönlichkeiten wie Churchill ernsthaft unterstützten Bestrebungen, ein "Pan-Europa" zu schaffen, schon bis zu einem gewissen Grade Wirklichkeit geworden sind. Aber der Historiker Prof. Durant ist der Meinung, dass wir heute, wo Industrie, Handel und Finanzwesen über Landesgrenzen hinausgreifen und international werden, auf dem Wege zu einer übernationalen Weltregierung seien. Die Historiker stellen die ungeheuer vielen Kriege der Jahrtausende dar, als ob es naturgegebene Ereignisse seien. Nur zwei Geschichtsphilosophen beschaeftigen sich naeher mit den Fragen von Sinn und Notwendigkeit der Kriege. Prof. Arnold Toynbee hat in einem Band “Krieg und Kultur. Der Militarismus im Leben der Völker” aus seinem Gesamtwerk spezielle Teile zusammengestellt, um seine These zu belegen, dass im Grunde zu allen Zeiten der Krieg immer wieder unmittelbare Ursache des Niedergangs einer Kultur war, dass er kaum je den Siegern geholfen hat und im Grunde die Geschichte die Weisheit des Bibelwortes beweise, dass derjenige, der das Schwert ziehe, durch das Schwert umkomme. Zu einer völlig anderen Ansicht kommt Oswald Spengler in seinem Werk “Der Untergang des Abendlandes”. Er vertritt die Auffassung, dass der Mensch ein Raubtier sei und der Krieg eine nicht abschaffbare Notwendigkeit. Im zweiten Band seines Werkes stellt er allerdings dar, dass schon im Jahre 535 v.d.g. Z. in der chinesischen Welt Hiang-sui eine Friedensliga zu stiften versuchte, die eine Völkerbundsidee darste llte. Aber sie war, wie der Autor schreibt, von Anfang an zum Tode verurteil. Aehnlich stand es nach seiner Meinung mit Friedens versuchen in römischer Zeit. Von Fritz Berger “Vor der Haerte der Tatsachen gibt es keine Ausflucht. Die Friedenskonferenz im Haag von 1907 war das Vorspiel zum Weltkrieg, die von Washington von 1921 “würde, so prophezeite damals Spengler, “das Vorspiel neuer Kriege sein”. Alle Philosophie helfe nichts, “Standhalten oder Untergeben — ein Drittes gibt es nicht”. Die grossen Weltreligionen, die Frieden und Menschenverbrüderung zu ihrer Aufgabe gemacht haben, haben wenig zur Eindaemmung der Kriege tun können. Sogar zwischen den christlichen Bekenntnissen hat es Religionskriege gegeben, wie den Dreissigjaehrigen Krieg, und die Vorgaenge im heutigen Irland zeigen, dass bis in die letzten Tage solche blutigen Auseinandersetzungen zwichen Anhaengern der Friedensreligion möglich sind. Und wozu sonst hatte das Christentum geführt? “Zu blutigen Kreuzzügen, religiösem Fanatismus, den Foltern der Inquisition, Hexenverbrennungen und Ketzermorden — alles im Namen der Naechstenliebe”. So formuliert es der echte Friedenskaempfer Remarque. Echter erscheint die Friedensliebe im Judentum, als dessen religiöse Quintessenz mit Recht Hillei die goldene Regel der Naechslenliebe bezeichnet. In diesem Zusammenhang ist bezeichnend, dass das Judentum nach jahrhundertelangem Dulderschicksal in Israel nur zur aeussersten Selbstbehauptung und um des Ueberlebens willen Krieg führte, dass aber ein Dichter, Vigal Lev, der am Sechstagekrieg als Offizier teilnahm, aus den Erlebnissen dieser Tage ein Buch formte, das den Titel traegt “Ich hasse den Krieg”. Tröstlich ist es immerhin, dass man der radikalen Skepsis eines Spengler doch die Tatsache entgegensetzen kann, dass es in der Weltgeschichte einige, wenn auch kurze, so doch echte Friedensperioden gegeben hat, die zeigen, dass, Kriege nicht unausweichlich sind. Arnold Toynbee weist auf bestimmte “goldene Zeitalter” hin, die nachhaltige und echte Friedenstendenzen hatten: die Regierungszeiten Salomos und Davids in der jüdischen Geschichte — des Cyrus in der persischen — die “Pax Thebana” genannte 400 Jahre dauernde, altaegyptische Friedensperiode, die etwa von 2.000 - 1.788 unter der 12. Dynastie angesetzt wird — waehrend des arabischen Kalifats die gefeierte Regierungszeit Harun al Raschids (786 - 809) — und die “Pax Ottomanica” zur Zeit Suleimans des Praechtigen (1520 - 1566). Menschen, die um die Jahrhundertwende in Mitteleuropa aufgewachsen sind, haben ebenfalls eine Friedensperiode zwischen dem deutsch-französischen Krieg von 1870-71 und dem Weltkrieg von 1914 erlebt. Wenn es also in der Geschichte laengere Friedensperioden gegeben hat und nach Entwicklung der Atomwaffen im Grunde die ganze Welt von der Absurditaet des Krieges als Mittel der Auseinandersetzung zwischen Völkern überzeugt ist, nachdem innerhalb der einzelnen Staaten die Form der gerichtlichen Austragung von Streitigkeiten die Waffen ersetzt hat und nachdem menschliche Hirne Jet- Flugzeuge und Raumraketen erfunden haben — sollte vielleicht auch allmaehlich die Kraft des menschlichen Denkens ausreichen, um einen Weg der internationalen Auseinandersetzung zu finden, der Kriege überflüssig macht. Die Frage ist nur, ob der jetzt von den Diplomaten der Welt so gepriesene Balanceakt der Rüstungsgleichheit ein geeignetes Mittel ist, die Gefahr eines Kriegsausbruches zu bannen. Der primitiven Vernunft erscheint es zumindest als ein sehr unpraktisches und sehr teures Mittel. Der Vorschlag, den einmal der friedliebende Dichter Erich Kaestner in seinem “Maerchen von der Vernunft” machte, scheint wesentlich besser, Er hat auf Grund einer amerikanischen Statistik errechnet, dass von dem Geld, das der Erste Weltkrieg gekostet hat, naemlich eine Billion Dollar, jede Familie der beteiligten Völker eine kleine Villa mit sechs Zimmern und einer Garage, sowie ein Auto bekommen könnte, und an jedem Ort der Erde, der mehr als 5.000 Einwohner zaehlt, eine neue Schule und ein modernes Krankenhaus gebaut werden könnten. Seit dem Ersten Weltkrieg haben sich die modernefl Waffen noch wesentlich verteuert, so dass der Grundgedanke Kaestners heute noch einleuchtender wirkt. DIE AGGRESSIVITAET Psychoanalytiker haben auf die psychologischen Schwierigkeiten des Abbaus der Feindseligkeiten hingewiesen, die in der Grundneigung der Menschen zur Aggressivitaet besteht. Sigmund Freud hat dies in seinem Essay "Vom Unbehagen in der Kultur", zuerst analysiert. Der im Jahre 1969 mit dem Frankfurter Friedenspreis ausgezeichnete Prof. Alexander Mitscherlich hat in vielen Untersuchungen, vor allem einer Vorlesung über "Die Idee des Friedens und die menschliche Aggressivitaet", auf die zu überwindenden grossen Schwierigkeiten psychol o g ischer Art hingewiesen. Auch Karl Friedrich von Weizsaecker hat in einer Analyse “Ist der Weltfriede unvermeidlich?” einen Beitrag zu diesem Thema geleistet. Der alte Voelkerbund, der in seiner Praxis eine bessere moralische Haltung hatte als die heutigen Vereinten Nationen und 1939 die Sowjetunion wegen ihres Angriffs auf Finnland aus dem Bund ausschloss, hat auch theoretische Untersuchungen ueber die Ursachen des Krieges machen lassen und Anfang 1933 in einem Sammelband „Warum Krieg?“ bedeutsame Aeusserungen von Prof. Albert Einstein und Prof. Sigmund Freud im Rahmen eines Briefwechsels publiziert. Freud brandmarkt die Bolschewisten, die in der Theorie alle menschliche Aggression zum Verschwinden bringen moechten, in der Praxis aber hochbewaffnet ihre Anhaenger durch den Hass gegen alles Aussenste-. hende Zusammenhalten. Der grosse Albert Schweitzer dagegen zeigte ohne alle komplizierten Analysen durch sein beispielgebendes Leben, wie man durch Erziehung zu dem Gedanken der Ehrfurcht vor dem Leben und zu gegenseitiger Hilfe die humanitaere Bruecke von Mensch zu Mensch schlagen und damit aggressive Tendenzen abbauen kann. Mit Recht hat er dafuer den Friedens-Nobelpreis erhalten. Es schien einmal kurze Zeit, dass es einem genialen Menschen gelingen koennte, sowohl die psychologisc h e n Schwierigkeiten wie das Misstrauen zwischen den Voelkern durch offene und ehrliche internationale Aussprache abzubauen — das war die Zeit John Kennedy’s. Es ist ihm leider nicht vergoennt gewesen, seine Idee durchzufuehren. Die Welt sollte immer die Worte des Presidenten Kennedy im Gedaechtnis behalten, die er am 25. September 1961 in einem Appell an die Voelker vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen aussprach: „Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, sonst setzt der Krieg selbst der Menschheit ein Ende". („MB", Tel Aviv) ,%ññññññññññññññññññññ^ñññññññ>W¥V¥wyyw¥»y» Isla Frasia - Lago Puyehue Berge, Wald, Wiesen es gibt auch ebene Wege. Wanden» Schwimmest, Ruderst, Oesterr.—boehmische Kueche Maessige Preise Anmeldungen: H. HAUSER NACHF. Santiago, Clasificador 467 PENSION GARTENHAUS Vina del Mar, 5 Norte 741, fono 883842 Vorzügliches Essen, koscher, auch Mittagstisch, Zimmer mit eigenem Bad. Information: Santiago, Arturo Prat 578, fono 397828 Ab 4. Januar: Vina del Mar, 5 Norte 741 Ecke Libertad fono 883842