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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1971-10-01 · 10 (Octubre 1971) · p. Seite 19

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXIII (1971)
Issue
10 (Octubre 1971)
Date
1971-10-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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OCTUBRE 1971 BOLETIN INFORMATIVO 19 300 JAHRE Das Christlich-Juedische Problem beim Oekumenischen Treffen in Augsburg. Gemeinsames Vaterunser fuer Christen und Juden? BERLINER JUEDISCHE GEMEINDE “WIR MUESSEN FROMME REBELLEN WERDEN” 10. September 1671 — 10. September 1971 Die Berliner Juedische Gemeinde begeht das Jubilaeum ihres 300 jaehrigen Bestehens durch eine Reihe von Veranstaltungen waehrend der Zeit vom 9. September bis 30. Oktober 1971 und durch die Ausstellung “Leistung und Schicksal” im Berlin-Museaum vom 10. September bis 10. November 1971. Die Juedische Gemeinde von Gross-Berlin (Ostberlin) veranstaltete am 9. September 1971, um 18.30 Uhr, im Gemeindehaus in der Oranienburger Strasse, eine Gedenkfeier. Die Geschichte der Juedischen Gemeinde zu Berlin wird vom 10. September 1671 an gerechnet. An diesem Tage wurde das Privileg fuer zwei oesterreichischen Juden und ihre Familien zum Zuzug nach Berlin ausgestellt. Der Grosse Kurfuerst hatte bereits am 21. Mai 1671 ein Edikt erlassen, wonach fuenfzig juedische Familien aus Wien aufgenommen werden sollten. Tatsaechlich war dies der Anfang einer Entwicklung von grosser historischer Bedeutung. Es gibt aber auch eine Vorgeschichte, die alle Merkmale des juedische Martyriums traegt. Die erste unkundliche Nachricht ueber Juden in der Mark stammt aus dem Jahre 1247 und berichtet von einer Juden Verbrennung bei Beelitz. Ueber Juden in Berlin spricht zum ersten Mal eine Urkunde vom 28. Oktober 1295. Im Jahre 1349 wurden die Juden fuer die Pest, den Schwarzen Tod, verantwortlich gemacht und aus der Mark Brandenburg vertrieben, 1354 aber wieder in Berlin aufgenommen. Die Berliner Juden wurden ferner von der Vertreibung im Jahre 1446 betroffen. Im Jahre 1510 wurden die Juden, nachdem 38 von ihnen aufgrund einer verleumderischen und spaeter widerlegten Anschuldigung auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden waren, wiederum ausgewiesen. Die letzte Vertreibung vor dem Edikt des Grossen Kurfuersten fand 1543 statt. Sinnbild des alten jüdischen Berlin Der Eingang zur Alten Synagoge Zeitgenössischer Siich aus "Kleiner Almanach der Juden in Berlin", 1939. Bereits lange vorher hatten sie christliche Verteidiger gefunden. Wohl als der erste Befuerworter der Wiedergutmachung ist Bischof Stephan Boedeker von Brandenburg, der in den Jahren 1422 bis 1459 sein Amt ausuebte, zu nennen. Er ist ein Vorbote der Rueckerstattungsgesetzgebung, weil er in einer lateinischen Schrift, in der er die Fuersten wegen der Anstiftung oder Duldung von Gewalttaten gegen die Juden tadelte, verlangte, “dass die gekroenten Raeuber den Juden die ihnen auf diese Weise entrissenen Gueter wieder zurueckstellen”. Nach der als “Endloesung” plakatierten Deportierung und Massenermordung der Berliner Juden wurde im Jahre 1945, als das Dritte Reich zusammengebrochen war, wiederum eine Juedische Gemeinde in Berlin gegruendet, die bereits nach 26 Jahren eine Tradition des Aufbaues, sozialer Leistung und der Verstaendigung zwischen Voelkern und Gruppen aufzuweisen hat. Die Berliner Juedische Gemeinde ist zahlenmaessig die groesste in Deutschland und ausserordentlich aktiv. Wir beglueckwuenschen die Gemeinde, die Repraesentanz und den Vorstand, nicht zuletzt den lang jaehrigen, verdienten Vorsitzenden, Heinz Galinski, und begruessen herzlich die aus dem Ausland aus Anlass des Jubilaeums nach Berlin gekommenen ehemaligen Berliner, darunter den ersten Nachkriegs Vorsitzenden, Kammergerichtsrat a. D. Dr. Hans- Erich Fabian, und die Rabbiner Dr. Van der Zyl und Dr. Joachim Prinz. ("Juedischer Presse Dienst") Mehr als 8.000 Teilnehmer waren nach Augsburg gestroemt, um an oeffentlichen Diskussionen in sechs Arbeitsgruppen teilzunehmen. Im Maerz dieses Jahres waren Arbeitspapiere veroeffentli c h t worden, die waehrend einer zweitaegigen Mitarbeiter- und Delegiertenkonferenz noch ergaenzt wurden. In einer Grossveranstaltung ging das Treffen zu Ende. Ein besonderer Arbeitskreis befasste sich mit der Frage •christlich-juedischer theologischer Probleme: “Koennen Juden und Christen gemeinsam das Vaterunser beten?“ Diese Frage wurde an den Anfang einer Aussprache mit Landesrabbiner Nathan Peter Levinson aus Heidelberg gestellt, die nach einem christlich-juedischen Gottesdienst im Rathaus tagte. An diesem Gottesdienst hatten 700 Menschen teilgenommen. "Der Text des Vaterunser ist vollkommen in Ordnung", erklaerte der Rabbiner auf diese Frage. Es handle sich um einen rein juedischen Text, der sich in aehnlicher Form mehrfach in der juedischer Tradition finde. Juden und Christen seien sich auch darueber einig, "dass Jesus ja noch kein Christ war". Jedoch sei das Vaterunser traditionell ein christliches Gebet geworden und werde christlich interpretiert. Aus diesem Grunde sei fuer ihn die Frage nach dem gemeinsamen Beten des Vaterunser durch Juden und Christen noch offen, meinte der Rabbiner. DER WEG ZU GOTT FUEHRT UEBER DEN MENSCHEN In dem christlich-juedischen Gottesdienst im Augsburger Rathaus hielt Rabbiner Nathan Peter Levinson eine Ansprache, in der er u.a. sagte: “Es gibt eine fromme Rebellion und eine unfromme Resignation. Wir leben im Zeitalter der frommen Rebellion, wo wir den Gedrueckten nicht laenger mit wohlklingenden Worten beschwichtigen koennen, sondern wo wir ihm helfen muessen, sich aus dem Staube zu erheben. Es muss endlich ein Ende damit haben, die Hoellen der Erde unter Hinweis auf die Sündhaftigkeit des Menschen zu tolerieren, zu bagatellisieren oder gar zu entschuldigen. Wenn die Welt halt so ist (und wir sehen sie vor uns, die schulterzuckenden Apologeten des Status quo), dann muss sie aufhoeren, so zu sein, und wir sind aufgerufen, das unsrige dazu zu tun. Unsere Jugend versteht die biblische Botschaft besser als wir. Sie ist erschuettert ueber die menschli che Unmenschlichkeit. Sie weigert sich, etwas zu akzeptieren, weil es angeblich schon immer so war. Sie sieht den Kern und nicht die Schale, und sie bleibt unbeeindruckt von Rang und Wuerde. Sie ist entsetzt ueber die Hohlheit der Worte, das Vokabular der Bequemlichkeit, das es den meisten leicht macht, das Gewissen totzuschlagen und im uebrigen zur Tagesordnung ueberzugehen. Worte, wenn ueberhaupt notwendig, sollen etwas aussagen und nicht etwas vernebeln, und Ehrlichkeit ist die erste Tugend. Die Jugend uebt Naechstenliebe und Mitmenschlichkeit und schaut nicht nach der Gesellschaftsfaehigkeit. Wenn junge Menschen sich weigern, ihre Tueren zu schliessen, selbst auf die Gefahr hin, dass ihnen etwas abhanden kommt, wenn sie jeden Bedraengten, Umhergestossenen aufnehmen und ihre wenigen Kleider und Nahrungsmittel mit ihnen teilen, und sich, wie es der Prophet ausdrueckt, ihrem Fleische nicht entziehen, dann sollte man sich ueber eine solche Jugend freuen anstatt sie zu verteufeln. Natuerlich sind sie nicht respektabel im buergerlichen Sinn. Aber was hat uns die buergerliche Wohlanstaendigkeit gebracht? Wir duerfen niemals vergessen, dass die Erbauer, Verwalter und die Nutzniesser von Auschwitz, Treblinka und Maidanek die Vertreter der buergerlichen Respektabilitaet waren. Wenn der Prophet in diesem Zusammenhang von der angeblichen Unreinheit spricht und auch das Wort von den schmutzigen Kleidern faellt, dann soll unverhohlen ausgesproc h e n werden, dass wei'sse Hemden und Buegelfalien kein Beweis fuer Gerechtigkeit und kurze Haare fuer Wohlansiaendigkeit sind. Viele junge Menschen greifen mehr oder weniger regelmaessig zu Drogen. Ich klammere hier schwere Drogen aus, da sie Symptome schwerer seelischer Erkrankung sind. Weshalb aber werden Narkotika von durchschnittlichen Jugendlichen benutzt? Ich meine, dass es hierfuer in der Hauptsache zwei Gruende gibt. Da ist zunaechst der Versuch, einer als hohl empfundenen Gesellschaft zu ent¬ BLUSAS fliehen. Die Werte, die sie dort vorfinden, sind nicht ihre Werte, die Ziele nicht ihre Ziele, und die Mittel nicht ihre Mittel. Wenn wir auch diese Flucht nicht als die beste Methode anerkennen koennen, der Gesellschaftskritik werden wir in hohem Masse beipflichten muessen. Der zweite Grund liegt tiefer. Es ist der Versuch zum Instant-Heil. Junge Menschen, die wir enttaeuscht haben, denen wir Steine statt Brot gegeben haben, versuchen, durch die Anwendung von Drogen religioese Erfahrun gen zu sammeln. Dass dieser abgekuerzte Heilsweg echte Kontemplationen nicht ersetzen kann und oftmals Gefahren in sich birgt, liegt auf der Hand. Aber anstatt ueber diese jungen Menschen den Stab zu brechen, sollten wir uns Rechenschaft darueber ablegen, weshalb wir unfaehig waren, den geistigen und religioesen Hunger dieser Jugend auch nur annaehernd zu befriedigen. Wir muessen als religioese Gemeinschaft wieder relevant werden. Wir muessen unsere Jugend wieder gewinnen. Wir muessen das grosse Reservoir an Idealismus, an Menschenliebe, an religioeser Tiefe, das uns in unserer Jugend entgegentritt, nutzen, wir koennen es uns nicht leisten, es brachliegen oder ins Ungewisse abfliessen zu lassen. Wir duerfen nie wieder das Unheil uebersehen, an der Not achtlos voruebergehen und den Menschen “billige Gnade” verheissen. Wir muessen einsehen, dass der Weg zu Gott ueber den Menschen fuehrt, dass wir Gott in der Welt und im Menschen zu finden haben. Wir muessen fromme Rebellen werden. “Siehe, ich bestelle Dich an diesem Tag ueber die Voelker und ueber die Koenigreiche, auszuroden und einzureissen, zu vernichten und zu zerstoeren, zu bauen und zu pflanzen”. (Deutschland-Berichte, Bonn) RUDI JEEIN Fein« Goldschmiede Arbeiten Moderne Aenderungen Uhren Reparaturen Staendige Auswahl von Schmucksechen Barmiswahgeechenke Edii. 'Pza. de Armas Local 138, (entrepiso) Eingang MONJITA8 87» Teléfono S84S6S Tomás Freudenberg N. Contador Agustinas 715 Of. 407 Fonos 33230-33581

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